Berner Zeitung, 11.08.2010
Nervosität, Stress und Run auf Tickets bei YBDie Unruhe bei YB ist spürbar. Und: Für das attraktive Spiel gegen Tottenham sind derzeit bloss noch 4000 Karten verfügbar.
Die Situation ist reichlich paradox: Am nächsten Dienstag bestreiten die Young Boys in den Champions-League-Playoffs eines der grössten und wichtigsten Spiele ihrer Vereinsgeschichte – doch spürbarer waren Unruhe und Nervosität rund um den Verein selten. Die Entmachtung Stefan Niedermaiers als YB-CEO erhitzt weiterhin die Gemüter. Hinter den Kulissen kursieren viele Spekulationen, es herrscht eine gewisse Ungewissheit, zumal der neue Chef Ilja Kaenzig die Spieler und Mitarbeiter, Sponsoren und Beiräte natürlich noch nicht alle über seine Pläne informieren konnte. Sprechen will in der Öffentlichkeit kaum jemand von den Angestellten, und auch Werner Müller, Präsident der YB Betriebs AG und des Vereins BSC Young Boys, war nach einer Bedenkzeit nicht zu einem Interview bereit. Das ist verständlich, denn derzeit wären öffentliche Statements aller Protagonisten ein heikler Seiltanz. Die Loyalität zu Niedermaier ist bei fast allen riesig – wie der Respekt vor den Besitzern, welche Niedermaier absetzten, sowie Ilja Kaenzig. «Wir sind auch alle überrascht worden», sagt Chefscout Stéphane Chapuisat, «doch es muss jetzt weitergehen für YB.»
Ruhe auf dem BoulevardStéphane Chapuisat wird am Samstag an der White Hart Lane dabei sein, wenn Tottenham mit einem Heimspiel gegen das schwerreiche Manchester City in die neue Premier-League-Saison steigt. Das Treffen mit dem englischen Spitzenklub elektrisiert die Anhänger der Young Boys. Gestern begann der Vorverkauf, und bald bildeten sich an den Verkaufsstellen in der Stadt wie beim YB-Fanshop riesige Schlangen. «Wir haben spontan beim Stade de Suisse zwei Kassenhäuschen zusätzlich geöffnet», sagt Albert Staudenmann. Der YB-Pressechef ist wie viele andere Vereinsmitarbeiter gerade sehr beschäftigt mit Anfragen aus England, Sitzungen mit der Uefa – und natürlich mit dem Wirbel rund um den Führungswechsel bei YB. «Das Spiel gegen Tottenham ist für uns in jeder Hinsicht eine reizvolle Herausforderung», sagt Staudenmann. Am Mittwochabend waren bereits über 16'500 Karten verkauft worden – darunter waren 5000 Tickets von Dauerkartenbesitzern. Bis am Samstagabend haben auch die restlichen knapp 10'000 YB-Mitglieder ein Vorkaufsrecht, so dass derzeit nur noch rund 4000 Billette im freien Verkauf sind. Bei YB rechnet man damit, dass ab Sonntag weitere vielleicht 2000 Karten in den Verkauf rücken, da nicht alle Dauerkarteninhaber von ihrem Recht Gebrauch machen werden.
Bis am Dienstag wird sich bei den Young Boys, die am Samstag in der Liga Xamax empfangen, wohl auch die Unruhe ein wenig legen. Zumal ausgerechnet der «Blick», wo Ilja Kaenzig als Sportchef arbeitet, den gewaltigen Ärger rund um YB nicht thematisiert hat.
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