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Der Bund, 05.05.2009
Der Dienstag als gutes Omen
Beim heutigen Gegner Vaduz erhielt YB-Verteidiger Miguel Portillo die Spielpraxis, die ihm in Bern fehlte. Gegen die Liechtensteiner hat YB in dieser Saison noch nicht gewonnen. Das soll sich laut Portillo heute ändern.
Eine längere Schaffenspause haben die Young Boys seit der 0:3-Niederlage gegen den FC Zürich am 26.April erhalten. Wegen der Eishockey-WM in Bern wird das Heimspiel gegen Vaduz erst heute Abend ausgetragen. Der Popularität der Young Boys hat der Rückschlag im Letzigrund keinen Abbruch getan. Unzählige Anhänger erschienen letzte Woche zur Autogrammstunde der Mannschaft im Einkaufszentrum Westside. «Länger als eine Stunde haben wir unterschrieben und trotzdem standen einige zum Schluss mit leeren Händen da. So habe ich das noch nie erlebt», sagt Miguel Portillo, als er nach dem Morgentraining zum Gespräch erscheint. Der Verteidiger ist unkompliziert gekleidet, trägt Jeans und Pullover. Für die Auswahl des Oberteils wird er später von seinem höchsten Chef, YB-CEO Stefan Niedermaier, gelobt: Deutlich ist der Schriftzug des Ausrüsters auf dem Pulli zu erkennen. Das mache sich gut auf dem Foto, meint Niedermaier.
Sympathien für Vaduz
Die Vorfreude auf den Cupfinal gegen Sion am 20. Mai sei ein Hauptgrund für die Begeisterung der Fans, ist Portillo überzeugt. Der Argentinier gibt zu, die Aussicht auf den ersten Titelgewinn seit 1987 sei auch in den Köpfen der YB-Spieler präsent: «Trotz der Niederlage in Zürich haben wir die Hoffnung auf den Gewinn der Meisterschaft aber ebenfalls nicht aufgegeben. Auch der FCZ und Basel stehen noch vor schwierigen Spielen.»
Damit YB die leisen Hoffnungen sechs Runden vor Schluss nicht endgültig begraben muss, braucht es heute einen Heimsieg gegen Vaduz. Ausgerechnet der Tabellenletzte ist das einzige Team der Liga, gegen das die Berner in dieser Saison nie gewinnen konnten. «Vielleicht ist es ein gutes Omen, treten wir diesmal am Dienstag gegen die Vaduzer an, nachdem wir sonntags gegen sie jeweils nicht reüssiert haben», sagt Portillo und lacht. Anders als viele Exponenten im Schweizer Fussball hat er nichts gegen die Anwesenheit der Liechtensteiner in der höchsten Schweizer Liga. Von den Planungen, ihnen die Super-League- Lizenz zu entziehen, hält er wenig: «Auf und nicht neben dem Platz soll sich weisen, ob Vaduz oben bleibt oder nicht.»
Von Boca zu Xamax
Unbefangen ist der Südamerikaner nicht: «Durch die Ausleihe nach Vaduz erhielt ich in der Saison 2006/2007 die Einsatzgelegenheiten, die mir der damalige YB-Trainer Gernot Rohr nicht gab.» Nach der Rückkehr aus Bern hatte zunächst auch Rohrs Nachfolger Martin Andermatt wenig Bedarf an Portillos Fähigkeiten, erneut sollte er ausgeliehen werden. Überraschend schnell gelang es dem zweikampfstarken Abwehrspieler dann aber, sich einen Stammplatz zu erobern. «So kann es halt im Fussball gehen», meint Portillo lapidar, fragt man ihn nach den Gründen, weshalb er sich trotz schwieriger Voraussetzungen bei den Stadtbernern etablieren konnte. Er sagt diesen Satz überhaupt oft. Etwa wenn er erklären soll, was ihn 2002, im Alter von 20 Jahren, bewogen hat, von den Boca Juniors in Buenos Aires, wo er mit Nationalspielern wie Walter Samuel und Nicolas Burdisso im Kader stand, zu Neuenburg Xamax zu wechseln. Oder wenn er gefragt wird, wie das damals war, als kurz nach seinem Wechsel zu Servette der Klub implodierte und er auf der Strasse stand. Nach einem halben Jahr bei Angers in Frankreich (Ligue 2) kehrte Portillo 2005 zu YB in die Schweiz zurück. «Das Niveau der Super League hat sich seit meiner Ankunft in der Schweiz stetig gesteigert», ist er überzeugt. Fast acht Jahre spielt der 26-Jährige unterdessen in der Schweiz Fussball. Jedes Wochenende telefoniere er mit der Familie, sagt Portillo, der in Corrientes, im Nordosten Argentiniens, aufgewachsen ist. «Schwieriger ist es, nach so langer Zeit im Ausland den Kontakt zu alten Freunden in Argentinien aufrechtzuerhalten.» Er sagt das ohne Sentimentalität. In der Schweiz haben er und seine Frau, die er in Buenos Aires kennengelernt hat, neue Freunde gefunden. Mit ihnen würde er einen allfälligen Titelgewinn feiern und deshalb erkundigt sich Portillo am Ende des Gesprächs danach, wie dann wohl die Feierlichkeiten in der Stadt aussehen würden.
_________________ For Ever
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