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Bund, 23.08.2005
Dritte Halbzeit mit Tränengas
Drei Heimspiele, zwei Polizeieinsätze – drohen dem Wankdorfquartier regelmässige Krawalle?
Nach den Fussballspielen der Berner Young Boys gegen die Grasshoppers und den FC Zürich kam es zu Ausschreitungen. Stadtpolizeisprecher Franz Märki spricht von einem «schwierigen Einsatzgebiet». Unterdessen sind erste Stadionverbote ausgesprochen worden.
Vor gut zwei Wochen, nach dem ersten Meisterschaftsspiel im neuen Wankdorfstadion zwischen YB und GC, lieferten sich Fangruppen Schlägereien. Zürcher Hooligans warfen dabei auch Absperrmaterial gegen unbeteiligte Personen und beschädigten Fahrzeuge. Die Polizei ging mit Gummischrot gegen die Krawallmacher vor. Vier Zürcher wurden festgenommen, zwei Personen erlitten Verletzungen. Vergangenen Sonntag glichen sich die Bilder: Nach Spielende suchten gegen hundert FCZ-Supporter die Konfrontation mit den YB-Fans. Als sich Polizeigrenadiere dazwischen stellten, wurden sie mit Steinen und Flaschen beworfen. Ein Teil der Gewalttätigen stiess daraufhin hinter dem Leichtathletikstadion auf YB-Gruppen, «welche die Aggressionen erwiderten», wie es im Polizeicommuniqué vom Sonntag hiess. Rund 200 gewaltbereite Fans gingen aufeinander los. Nur mit Gummischrot und Tränengas konnte die Polizei die Gruppen trennen. Rund eine halbe Stunde lang dauerte der Einsatz. Die Lage beruhigte sich erst, als ein Zug mit den Zürcherfans kurz vor 19 Uhr die S-Bahn-Station verliess.
Bilanz des Nachspiels: Zwei Polizisten erlitten durch Steinwürfe leichte Verletzungen, diverse Fahrzeuge wurden beschädigt, Wankdorfkreuzung, Winkelried und Papiermühlestrasse waren rund 30 Minuten nicht passierbar.
Positionen markieren
Für Franz Märki, Sprecher der Stadtpolizei Bern, gibt es verschiedene Erklärungen dafür, dass bei den ersten drei YB-Heimspielen bereits zwei Polizeieinsätze nötig wurden: Zum einen sei es die «Konstellation der Fangemeinden», welche zu den Ausschreitungen führten. Konkret: Ein Teil der Zürcher Supporter ist, wie diverse Leute aus der Basler Fanszene, als militant bekannt. In Erinnerung sind die Auseinandersetzungen im Nachgang an Neufeldspiele, als Fussballfans versuchten, die Reitschule anzugreifen.
Dazu komme, sagt Märki, dass das neue Stadion auf die gewaltbereiten Fangruppen einen besonderen Reiz ausübe: «Die wollen hier Positionen markieren.» Dabei spielten auch die Berner keine unbedeutende Rolle: Die YB-Fraktion könne auf rund 100 gewaltbereite Leute zählen, die die Konfrontation suchten, schätzt der Sprecher der Stadtpolizei.
Nicht erleichtert wird die Arbeit der Sicherheitskräfte durch die Situation beim Ausgang des gegnerischen Fanblocks auf Seite der Sempacherstrasse. Der Weg zu Bahn und Bus führt durch ein Wohngebiet, vorbei an einer Tankstelle und über eine stark befahrene Strasse –«ein schwieriges Einsatzgebiet, wenn wir gezwungen sind, Gummischrot oder Reizgas einzusetzen », sagt Märki. Sorgen bereitet der Polizei schliesslich auch die Situation bei der S-Bahn-Station Wankdorf, wo in kurzen Abständen Schnell- und Güterzüge passieren ohne anzuhalten. Da könnte es sehr gefährlich werden, wenn beispielsweise Gruppen versuchten, vor der Polizei über die Geleise zu fliehen.
Franz Märki hofft aber, dass sich die Lage rund ums neue Stadion «bald beruhigt». Mit jedem Einsatz lerne die Polizei dazu. «Zurzeit analysieren wir genau, was bei den beiden Einsätzen passiert ist», sagt Märki. Bereits «ausgezeichnet» funktioniere die Zusammenarbeit mit den Stadionbetreibern und dem dortigen Sicherheitsdienst.
Bereits vier Stadionverbote
Matchbesucherinnen und -besucher müssen auch künftig damit rechnen, dass sie aus dem Sektor C nicht den Ausgang Sempachstrasse benützen können, welcher sich in der Nähe des gegnerischen Fanblocks befindet. Dies werde je nach Sicherheitslage spontan entschieden, sagt Stade-de-Suisse-Betriebsleiter Stefan Niedermaier. Erst gar nicht mehr ins neue Wankdorfstadion hinein dürfen künftig drei YB- und ein GC-Supporter. Gegen sie ist im Nachgang zu den Ausschreitungen vom 6. August ein Stadionverbot ausgesprochen worden, wie Niedermaier auf Nachfrage des «Bund» sagte.
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