ebund.ch, 29.10.2008
Wieder eine lange Reise und wieder FavoritSchweizer Cup: Heute Alle - YB
YB muss heute in Alle zum Nachtragsspiel der zweiten Cuprunde antreten. Der Zeitpunkt der Partie ist für die Berner nicht ideal.
Eine Carfahrt in den Jura und um 19 Uhr ein Spiel gegen einen unterklassigen Gegner: So sieht die Tagesplanung der Young Boys für heute aus. Eigentlich ein angenehmes Programm. Trotzdem ist die Vorfreude bei den Berner Fussballern auf den Cup-Sechzehntelfinal gegen den FC Alle (2.Liga Interregional) nicht besonders ausgeprägt. «Von einer Strafaufgabe will ich nicht sprechen», sagt Mittelfeldspieler Mario Raimondi, «es wäre aber gelogen, zu sagen, ich freue mich auf die Partie.» YB hätte das Cup-Nachtragsspiel lieber bereits vor einer Woche ausgetragen, sagt Sportchef Alain Baumann, «dann wäre die Pause vor dem Meisterschaftsspiel in Vaduz nicht so lange gewesen.» Der FC Alle, Leader der Gruppe 4, jedoch brauchte Zeit, um das kleine Stadion für das besondere Spiel mit Zusatztribünen auszurüsten. Die Jurassier hatten erst am 14.Oktober erfahren, dass sie im Schweizer Cup verbleiben. YB hingegen hatte sich dank einem Freilos im Cup-Achtelfinal gewähnt. «Dieses Angebot hätten wir natürlich gerne angenommen», sagt Raimondi.
Spiel statt FreilosAm 20.September war es in der ersten Cuprunde zwischen Wacker Grenchen und Alle kurz vor Schluss der Verlängerung zu einer Massenschlägerei gekommen, an der sich Spieler und Zuschauer beteiligten. Der Schiedsrichter sah keine andere Möglichkeit, als das Spiel in der 118.Minute, beim Stand von 3:1 für Alle, abzubrechen. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) wertete das Spiel wegen der Vorfälle 0:0-Unentschieden und schloss beide Klubs aus dem diesjährigen Cup-Wettbewerb aus. Vier Alle-Spieler und ein Grenchner wurden mit Sperren und Bussen bestraft. Dann aber hiess das Verbandssportgericht des SFV den Rekurs Alles gut, die Begegnung wurde mit 3:1 für die Jurassier gewertet. Ein Anhänger der Grenchner habe die Alle-Spieler mit einem Pfefferspray angegriffen und so für die Eskalation gesorgt, lautete die Urteilsbegründung. Und so müssen sich die Young Boys doch noch in der zweiten Cuprunde beweisen.
Keine BefürchtungenDie Voraussetzungen für YB sind ähnlich wie vor dem 0:0 am Sonntag in Vaduz: Wieder ist die Anreise lang und wieder treten die Berner als hoher Favorit an. Befürchtungen, es komme auch heute erneut zu einer Eskalation, kennen die Berner nicht. Sportchef Alain Baumann lobt die Zusammenarbeit mit den Alle-Verantwortlichen im Vorfeld des Spiels. «Wir haben unsin Sicherheitsfragen ausgetauscht. Ich gehe davon aus, dass alles problemlos laufen wird.» Und Mario Raimondi sagt: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu einer unfairen Partie kommt.» Der Respekt für den heutigen Gegner sei bei den YB-Spielern vorhanden. «Auf der anderen Seite wird das nicht anders sein.» aww
«Vergnügen haben»David Raccordon (62) ist seit 1999 Trainer und Präsident in Alle. Er wehrt sich gegen das Bild, eine überharte Mannschaft zu haben.
Alle kommt doch noch zu seinem Cup-Sechzehntelfinalspiel. Liebäugeln Sie mit der Sensation?
David Raccordon: Vergessen wir nicht: Es spielt ein Klub aus der Interregionalen 2.Liga gegen eine Mannschaft aus der Super League. Eigentlich ist der Fall klar. Wir wollen aber unser Vergnügen haben, zu einem schönen Spiel beitragen und alles tun, um das Spiel gewinnen zu können.
Ihr Team geriet unlängst in die Schlagzeilen, weil die Cup-Partie gegen Wacker Grenchen mit einer Schlägerei endete.
Ja, ja, und deswegen fehlen uns immer noch ein paar gesperrte Spieler. Wir können leider nicht mit der besten Mannschaft gegen YB antreten.
Das ist aber einzig die Schuld des FC Alle.
Wir wurden provoziert, haben aber sicher den Fehler gemacht, dass wir auf die Provokationen mit Tätlichkeiten reagiert haben. Aber es waren viele Emotionen im Spiel. In zweiter Instanz haben wir vollumfänglich Recht bekommen.
Nach der Cup-Begegnung sahen im nächsten Meisterschaftsspiel zwei Ihrer Spieler die rote Karte. Ist Alle eine überharte Mannschaft?
Fragen Sie die Teams von Langenthal oder Herzogenbuchsee. Wir sind bis jetzt nie negativ aufgefallen, es gab noch nie Probleme. Wissen Sie, nach dem Spiel in Grenchen wurde so viel gegen uns geschrieben. Als wir vor Gericht Recht bekamen, stand davon in den Zeitungen nicht mehr sehr viel. Das ist schade, aber so ist das Leben.
Sie sind als Präsident und
Trainer der «Mister Alle». Was ist Ihnen wichtiger: Eine Sensation gegen YB oder der Aufstieg in die 1.Liga?
Wir möchten sehr gerne in die 1. Liga aufsteigen. Derzeit sieht es gut aus (Alle ist Leader der Gruppe 4, Red.). Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir gegen YB ein gutes Resultat erzielen würden
Interview: pmb
http://194.209.226.170/pdfdata/bund/2008/10/29/SPBU-015-2910-2.pdf