BZ, 19.8.2004
Einfach nur ungenügend
In dieser Verfassung muss die Schweiz im September gar nicht zum Start der WM-Qualifikation antreten. Gegen ein harmloses Nordirland trennte sich das offensiv schwache Team von Köbi Kuhn in Zürich 0:0.
Kurz vor Schluss riss der eingewechselte Stürmer André Muff die 4000 Zuschauer im Zürcher Hardturm aus der tiefen Langeweile, als er einen Kopfball aus wenigen Metern an die Latte setzte. Es wäre der späte und kaum verdiente Lohn für eine miserable Vorstellung gewesen. So reicht es am 4. September zum Start der WM-Qualifikation nicht einmal gegen die Färöer-Inseln zu drei Punkten. Das Team von Köbi Kuhn enttäuschte schwer und liess nie erkennen, dass Lehren aus dem offensiv ungenügenden EM-Auftritt gezogen worden sind.
Schwache erste Hälfte
Harmlos, harmloser, Schweiz. Auf diesen Nenner durfte das Geschehen in der schwachen ersten Halbzeit gebracht werden. Wie vor dem Spiel angekündigt modifizierte Trainer Köbi Kuhn mangels Stürmer sein System in ein 4-4-1-1. Die beiden offensiven Rollen waren für zwei Fussballer vorgesehen, die bei ihren Klubs derzeit nur auf der Tribüne sitzen. Hakan Yakin (VfB Stuttgart) agierte vor dem Vierermittelfeld als Regisseur, während der 18-jährige Johann Vonlanthen (PSV Eindhoven) als einziger Stürmer einen enorm schwierigen Stand hatte.
Schwaches Aufbauspiel
Trotzdem war der Youngster noch der auffälligste Akteur einer schwerfälligen helvetischen Selektion. Wenn er einmal im Ballbesitz war, was selten genug der Fall war, liess der talentierte Vonlanthen sein Können aufblitzen. Ingesamt aber erhielt der Stürmer zuwenig Untersützung aus dem Mittelfeld. Nach einer Stunde wurde er, leicht angeschlagen, gegen Muff ausgetauscht.
Höchstens Mittelmass verkörperte das Schweizer Aufbauspiel. Nicht neu ist die Erkenntnis, dass es an Kreativität und an Esprit fehlt. Und fraglich ist auch, ob Hakan Yakin, nicht austrainiert wirkend, in einer leicht vorgeschobenen Position besser aufgehoben ist. Auch er kam dort gar nie in die Begegnung und enttäuschte auf der ganzen Linie.
Am meisten Gefahr ging noch von Johann Vogel aus. Den Defensivminister als Torjäger zu bezeichnen ist zwar eine ähnliche Übertreibung, wie die Aussage, Nordirland sei ein WM-Favorit in zwei Jahren. Doch der neue Captain des Nationalteams, beim PSV Eindhoven derzeit auch nur zwischen Bank und Tribünenplatz pendelnd, schoss gestern ungefähr so oft aufs Tor wie in seinen bisherigen 66 Länderspielen (2 Treffer) zusammen. Doch es bleibt dabei: Vogel kann nur gegen Österreich Tore erzielen.
Das Warten auf ein Tor
Weil die Schweizer auch in der zweiten Halbzeit nicht besser spielten, weil sie unsicher wirkten und kaum einmal Kombinationen über mehrere Stationen gelangen, blieb das Heimteam ohne Tor. Pech war beim Pfostenkopfball Ludovic Magnins dabei, aber nur Unvermögen bei den meistens dilettantisch verstolperten Aktionen. So kam es, dass die bescheidenen Gäste aus Nordirland gegen Ende sogar die besseren Möglichkeiten besassen. Stuart Elliott, Mitglied des ruhmreichen FC Hull City…, brachte es fertig, einen Ball aus wenigen Metern freistehend auf den Schweizer Keeper Pascal Zuberbühler zu schiessen. Dem Beobachter war jedenfalls ziemlich rasch klar, dass es kein Zufall gewesen sein kann, dass die Nordiren in diesem Februar bei einem 1:4 gegen Norwegen ihren ersten Treffer nach beinahe zwei Jahren und nach 1298 Spielminuten erzielt hatten! Gut möglich, dass die tapferen Nordiren erneut so lange bis zum nächsten Erfolgserlebnis warten müssen. Denn viel schwächer als die Schweiz können die Kontrahenten in Zukunft auch nicht sein.
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Telegramm
Schweiz - Nordirland 0:0
Hardturm, Zürich. - 4000 Zuschauer. - SR Vollquarz (Dä).
Schweiz: Zuberbühler; Haas, Murat Yakin (46. Henchoz), Müller, Spycher; Huggel (46. Magnin), Cabanas (82. Frei), Vogel (77. Lonfat), Wicky; Hakan Yakin; Vonlanthen (60. Muff).
Nordirland: Carroll; Hughes, Craigan (78. Duff), Williams (67. Murdock), Capaldi; Elliott (81. Brunt), Sonner, Johnston, Gillespie (51. McVeigh); Healy (71. Hamilton), Smith.
Bemerkungen: Schweiz ohne Berner (krank), Gygax, Streller (beide verletzt) und Barnetta (geschont). Nach der Pause Magnin linker Verteidiger, Spycher im linken Mittelfeld und Wicky rechts im Mittelfeld. 48. Pfostenkopfball Magnin. 88. Lattenkopfball Muff. Verwarnungen: 59. Williams (Foul), 88. McVeigh (Reklamieren).
Testspiele vom Mittwoch:
In Zürich: Schweiz - Nordirland 0:0
In Shizuoka: Japan - Argentinien 1:2 (0:2)
In Moskau: Russland - Litauen 4:3 (1:1)
In Tiraspol: Moldawien - Georgien 1:0 (0:0)
In Riga: Lettland - Wales 0:2 (0:0)
In Oslo: Norwegen - Belgien 2:2 (1:2)
In Poznan: Polen - Dänemark 1:5 (0:2)
In Denizli: Türkei - Weissrussland 1:2 (1:0)
In Limassol: Zypern - Albanien 2:1 (1:0)
In Toftir: Färöer - Malta 3:2 (2:0)
In Varazdin: Kroatien - Israel 1:0 (0:0)
In Prag: Tschechien - Griechenland 0:0
In Stockholm: Schweden - Holland 2:2 (1:2)
In Ljubljana: Slowenien - Serbien-Montenegro 1:1 (0:0)
In Wien: Österreich - Deutschland 1:3 (1:1)
In Dublin: Irland - Bulgarien 1:1 (1:0)
In Newcastle: England - Ukraine 3:0 (1:0)
In Rennes: Frankreich - Bosnien-Herzegowina 1:1 (1:1)
In Glasgow: Schottland - Ungarn 0:3 (0:1)
In Reykjavik: Island - Italien 2:0 (2:0)
