Blick
VON PETER PFLUGSHAUPT
21.03.2007 | 00:01:27
BERN – Fussballklub BSC Young Boys? Das war einmal. Gelb-Schwarz ist längst zum PR-Spielball der Stadionbetreiber geworden. Geld generieren ist die wichtigste Aufgabe – Fussball nur noch das geduldete Mittel zum Zweck.
Vor 20 Monaten ist YB ins neue Stade de Suisse gezogen – mit grossen sportlichen Ambitionen. Das Einzige, was bisher aber zum Laufen gebracht wurde, ist eine gigantische PR-Maschinerie. Fussballerisch ist man heute keinen Schritt weiter – und ein sportliches Konzept für die Zukunft fehlt völlig.
Teure PR-Plakataktionen wie «Komm ans Spiel» bringen nicht den gewünschten Erfolg. Mit den herkömmlichen Fussballmatch-Plakaten wäre wohl kein einziger Zuschauer weniger ins Stadion gekommen. Und die von wenig Sportkompetenz zeugende, der ganzen Liga «angedrohten» Aufholjagd zu Beginn der Rückrunde war vor allem eine Motivationsspritze für die Konkurrenz…
Bern identifiziert sich nicht mit YB. Im Gegenteil: Der grossspurige Auftritt und die dauernd revidierten Zielsetzungen (Meister, Cupsieger, Platz 3) vergraulen viele Fans. Das Resultat sind ernüchternde Zuschauerzahlen. Zuletzt kamen zum Klassiker gegen Sion noch 12 416 Zuschauer. Und das Berner Derby gegen Thun, der «Baerematch» – weitere PR-Gags wie «Ladies Night» und «Kids Day» – lockten nur 14 501 Fans an.
Über ein PR-Netzwerk wird zudem versucht, die öffentliche Meinung über YB positiv zu beeinflussen. Auf lange Sicht ein unmögliches Unterfangen. Heikle Themen – Dach über dem Stade de Suisse oder der Fall Delfim – werden gerne ausgeblendet. Den Verantwortlichen gefällt es. Den Fans weniger.
Denn diese lassen sich nicht von einer aggressiven PR-Maschinerie vorschreiben, ob YB gut und sympathisch ist oder nicht. Entscheidend für das Stimmungsbarometer sind die Resultate. Und diese stimmen – bis auf wenige Ausnahmen – schon seit langem nicht.
Fazit: YB braucht kein PR-Konzept. Was YB braucht, ist Fussball-Kompetenz in der Führungsetage. Und zwar dringend! Denn Fakt ist: Von neun Führungspersönlichkeiten haben nur Vereinspräsident Peter Mast und Trainer Martin Andermatt Fussball-Sachverstand.
http://www.blick.ch/sport/fussball/artikel58647