BZ, 10.08.2005
Carlos Varela hat keine Rachegefühle
Heute empfängt YB den FC Aarau (19.30 Uhr). Siegen die Berner, sind sie Leader. Carlos Varela freut sich auf ein Wiedersehen.
Konzentriert sich auf YB: Neuzugang Carlos Varela / Keystone
Unglücklich ist der Zeitpunkt des heutigen Heimspiels für YB, keine Frage, treten doch Thun und Basel zu ihren vom TV live übertragenen Champions-League-Qualifikationsspielen an. Aber die rund 5000 Gratistickets dürften dafür sorgen, dass die heutige Partie im Wankdorf gegen den FC Aarau nicht in einem halb leeren Stadion über die Bühne gehen wird. Nach dem 0:3 gegen GC steht YB unter Druck, Hans-Peter Zaugg erwartet eine Reaktion seiner Spieler. «Gewinnen wir, sind wir Leader», sagt der Trainer, «und dann dürfen wir mit drei Siegen aus vier Partien doch ziemlich zufrieden mit dem Start sein.»
Gegen Aarau muss YB gewinnen, sonst steigt der Druck. Andy Egli bliebe auch bei einer Niederlage Aarau-Trainer, müsste dann aber am Samstag gegen Yverdon gewinnen, um ein präsidiales Ultimatum zu erfüllen und nicht entlassen zu werden.
Varelas Ärger in Aarau
Carlos Varela verfolgt das Treiben bei seinem ehemaligen Verein interessiert. «Jetzt haben sie schon wieder Probleme mit dem Trainer», sagt der rechte YB-Mittelfeldspieler, «aber ich möchte das eigentlich gar nicht kommentieren.» Er habe mit der letztlich unglücklichen Zeit in Aarau längst abgeschlossen. «Ich weiss ja bis heute nicht, ob es wirklich nur die Entscheidung von Egli war oder ob er nicht auch unter Druck gesetzt worden war.» Zusammen mit Captain Matteo Vanetta wurde Varela in diesem Frühling in Aarau nach einer Niederlagenserie beurlaubt. Egli wollte mit dieser radikalen Massnahme frischen Schwung ins Team bringen. «Sie haben den Klassenerhalt geschafft, aber das hat doch nichts damit zu tun, dass ich nicht mehr da war», sagt Varela.
Der 27-Jährige lebt seit rund einem Monat in Jegenstorf, er hat sich bei den Young Boys bestens eingelebt. «Es gefällt mir sehr gut in Bern, wir sind mit YB hervorragend in die Saison gestartet, und das neue Stadion ist einfach jeden Tag ein toller Ansporn, ins Training zu fahren», sagt Varela, offensichtlich begeistert von seinem neuen Arbeitgeber. Das 0:3 gegen GC sei ein unnötiger Ausrutscher gewesen, «doch gegen Aarau haben wir die Möglichkeit, das gleich wieder zu korrigieren».
In Konkurrenz zu Sermeter
Carlos Varela ist in den letzten Jahren oft als Hitzkopf, als Provokateur aufgefallen, doch er ist eben auch ein sehr schneller, einsatzfreudiger Offensivspieler. Der Puncher muss sich derzeit mit der Rolle des Reservisten begnügen, er streitet mit Gürkan Sermeter um den Platz im rechten Mittelfeld. «Das ist ein gesunder Konkurrenzkampf», sagt Varela, «und ich akzeptiere, wenn ich im Moment nur Joker bin.» Er habe gerade in seinen zwei Jahren beim FC Basel bewiesen, dass er in dieser Rolle zu aussergewöhnlichen Leistungen fähig sei. «Wir haben auf mehreren Positionen verschiedene Möglichkeiten», sagt Trainer Zaugg dazu, «und das wissen die Spieler auch. Wir haben das mehrmals besprochen.» Er entscheide jeweils von Spiel zu Spiel, ob Sermeter oder Varela in der Startformation stehe. «Jeder Spieler hat einmal eine schlechtere Phase, deshalb ist es sehr gut, haben wir zwei so ausgeglichene Fussballer wie Sermeter und Varela. Ausserdem können wir im Spiel mit einer Auswechslung reagieren», erklärt Zaugg. Er hat noch nicht entschieden, ob Sermeter heute nach der schlechten Leistung gegen GC die Chance zur Rehabilitation erhält oder ob Varela, gewiss speziell motiviert, beginnen wird. «Ich habe überhaupt keinen Hass auf Andy Egli», sagt Varela. Im Gegenteil: «Ich freue mich auf das Wiedersehen mit guten Kollegen aus Aarauer Zeiten.»