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 Beitrag Verfasst: Dienstag 19. Juli 2005, 07:39 
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Bund, 19.7.2005

Stade de Suisse in neuem Besitz

Der Verein Fussballstadion Wankdorf (VFSW) hat seinen Auftrag erfüllt und das Stadion abgetreten

Noch vor einer Woche gehörte das Stade de Suisse dem Verein Fussballstadion Wankdorf (VFSW), der seinerzeit auch das ehemalige Wankdorfstadion II besass und betrieb. Inzwischen haben die Besitzverhältnisse gewechselt: Das Stade de Suisse ist vom VFSW am 14. Juli offiziell der «Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG» überschrieben worden. Damit wird der Pachtvertrag, der ab 1. August zwischen VFSW und Stade de Suisse in Kraft getreten wäre, gegenstandslos. Das Stadion gehört nun den Stadionbetreibern – und der Verein Fussballstadion Wankdorf, inzwischen schuldenfrei und ohne Verantwortung, wird sich neu orientieren.


Im Dienste des BSC Young Boys

Der VFSW könnte sich rein theoretisch nun auflösen – der Verein hat seine Aufgaben im Dienste des BSC Young Boys erfüllt. Der VFSW war 1921 unter dem Namen «Verein Sportplatz Spitalacker» von Otto Eicher ins Leben gerufen worden – damals ging es darum, den Young Boys das Fussballspielen in einem eigenen Stadion zu ermöglichen. Dies und die Unterstützung YBs war auch später in den Statuten des VFSW festgehalten. Der Verein Fussballstadion Wankdorf (wie er später hiess) ermöglichte den Bau des Wankdorfstadions I (Eröffnung1925) und II (1954), wo auch der WM-Final in Szene ging.
In den letzten Jahren hatte sich der VFSW als Eigentümer des inzwischen baufälligen Wankdorfstadions unter der Leitung seines Präsidenten Orlando Mordasini (im Amt seit 1989) für einen Stadionneubau eingesetzt und manchen politischen Kampf (etwa die Umzonung des Stadionareals) ausgetragen. «Nun steht das neue Stadion – das erfüllt auch uns mit Stolz», sagt Mordasini, dessen Geschäftsleitung in der letzten Woche im Beisein der MEG-Vertreter (Coop, Suva, Winterthur) das Stade de Suisse der Stade de Suisse Wankdorf AG überschrieben hat.


Rettungsaktion als Höhepunkt

Das Geschäft erlaubt es dem VFSW, nunmehr wieder völlig schuldenfrei dazustehen. Das war nicht immer so: «Mit finanziellen Spagaten haben wir in den letzten 15 Jahren verschiedentlich mithelfen müssen, den BSC Young Boys über Wasser zu halten», sagt Mordasini. Höhepunkt dabei: Im Herbst 1993, nach dem plötzlichen Rücktritt der Vorstandschaft von Rudolf Baer, war niemand mehr da, der den Hauptverein YB führen wollte und konnte. In einem Interregnum übernahmen die Wankdorfleute (mit den drei Ko-Präsidenten Schaer, Chèvre und Mordasini) vorübergehend auch die Verantwortung über die Young Boys.
Der VFSW mit seinen 75 Mitgliedern steht nun vor ruhigeren Zeiten. Man freue sich auf die Spiele im neuen Stadion, sagt Mordasini. Der Verein bleibe als Interessengemeinschaft, aber im Moment ohne konkrete Aufgaben bestehen.

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 20. Juli 2005, 11:05 
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Habe gerade auf Radio Extra Bern gehört, dass der Vorverkauf auf die Jahreskarten nach dem Marseille Spiel einen "Hype" erlebt.

Auch für die Eröffnungstage laufe alles nach Plan:
70 % der Tickets seien für das Eröffnungsturnier, 50 % für die Eröffnungszermonie, abgesetzt worden.


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 00:24 
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Das neue Wunder von Bern

Dass ein neues Stadion noch keinen Meister-Titel garantiert, haben die Genfer mit ihrem FC Servette erlebt. Bidu Zaugg aber will seine Berner Young Boys im Stade de Suisse in eine glorreiche Zukunft führen.
Paul Kienle
Das hätte der kleine Hanspeter in den fünfziger Jahren wohl kaum zu träumen gewagt: Jetzt ist er, der Ur-Berner, der YB-Trainer, der seine Mannschaft ins neue Wankdorf führt. Zu Fuss ist er damals von Bümpliz an der Hand seines Vaters ins alte Wankdorf gepilgert:«Ich war wohl erst etwa drei Jahre alt, als ich zum erstenmal ein Fussballspiel mit den Young Boys live im Stadion erlebte», erinnert sich der bald 53-jährige Hanspeter (Bidu) Zaugg. Er war im legendären Wankdorf auch dabei, als die Young Boys im Halbfinal des Meistercups («das war wohl 1959 oder 1960») gegen Stade Reims spielten - vor rund 50 000 Zuschauern.
So viele Zuschauer werden es sicher nicht mehr sein, wenn YB im ersten offiziellen Heimspiel der Super League am 6. August gegen den Rekordmeister FCGrasshoppers antreten wird. «Aber dann werden wir sicher ein volles Stadion haben», sagt YB-Trainer Zaugg - und schaut hinunter auf den (noch) prächtig grünen Rasen des neuen Stade de Suisse. Das wären dann 32 000 Zuschauer, die sich bequem in den Sitzen zurücklehnen können, wenn YB (vielleicht ausgerechnet mit einem Freistoss von Hakan Yakin) nicht gerade ein Tor schiesst - und die YB-Anhänger aufspringen und die Arme in die Luft reissen. Denn soviel ist sicher: Die Berner YB-Fans - die sich in den letzten paar Jahren im kleinen Stadion «Neufeld» nicht nur immer freuten über ihre Young Boys («Bidu-raus»-Rufe waren auch zu hören) - die erwarten viel, sehr viel von ihrem Verein im neuen Stadion. Schweizermeister sollen sie endlich wieder mal werden, die Gelb-Schwarzen, verlangen viele der YB-Fans - und dabei sogar die Rot-Blauen des scheinbar unerreichbaren FCBasel hinter sich lassen. Diese Erwartung quittiert der ruhige Bidu Zaugg, der kein Mann der grossen Worte ist, mit einem gelassenen Lächeln.
Spürt er denn eigentlich mehr Druck oder mehr Freude beim Einzug in den neuen Berner Fussballtempel? «Ich habe gerade vor ein paar Tagen meiner Mannschaft gesagt, dass wir uns jetzt so lange auf unser neues Stadion gefreut haben, dass die Freude darüber sicher viel grösser ist als der Druck, der damit verbunden ist», sagt Zaugg. Eine Genugtuung, eine Freude jedenfalls haben die wackeren Männer der Young Boys schon erlebt. Da sie gegen den FCOlympique Marseille im UI-Cup schon am letzten Wochenende im Stade de Suisse antreten konnten, mussten sie sich wenigstens keine bösartigen Witze der Fans des «kleinen» FCThun anhören. Die hätten nämlich sonst noch (am 3. August) vor den «grossen» YB im neuen Berner Stadion in der Champions League-Qualifikation ihren ersten Ernstkampf ausgetragen.
In die Champions Leaguewürden die Berner Young Boys aber (nach einer Qualifikation) im nächsten Jahr nur kommen, wenn sie Schweizermeister werden. Und vielleicht erleben dann die Berner ähnlich magische Nächte in ihrem Stade de Suisse, wie sie die Basler vor drei Jahren in ihrem St. Jakobs-Park feiern konnten. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Das weiss auch YB-Trainer Bidu Zaugg. «Ich bin nicht so vermessen, einen Schweizermeister-Titel zu fordern», sagt er in seinem neuen, noch kargen Büro im Stadion:«Aber unter die ersten drei wollen wir mit unserer neuen Mannschaft sicher kommen. Das ist ein realistisches Ziel. Und wer würde schon nein sagen zu einem Meister-Titel?»
Hanspeter Zaugg erlebt jetzt (nach Stationen als Trainer von GC und Luzern) sein drittes Jahr bei YB. Im ersten Jahr erreichte er mit seinen Stürmern Chapuisat und Leandro noch den guten zweiten Platz. In diesem Jahr aber verpasste er die Qualifikation für den Uefa-Cup - und musste zuschauen, wie ausgerechnet der Berner Kantonsrivale aus Thun auf den zweiten Platz stürmte. Das soll den Young Boys nicht noch mal passieren. Und jetzt wollen auch die YB-Investoren, die für die Zeit im «Neufeld»-Provisorium rund 25 Millionen Franken ausgegeben haben, etwas sehen für ihr Geld. Dabei soll Bidu Zaugg ausgerechnet ein Mann helfen, der schon in Basel viele grosse Momente, danach auf seiner Odyssee durch Europa aber auch viele Enttäuschungen erlebte:Hakan Yakin, einer der wohl momentan immer noch genialsten Schweizer Fussballer, der mit einem Pass und einem Freistoss ein Spiel entscheiden kann. «Ja, ja, ich weiss, dass Hakan kein einfacher Fussballer ist», sagt Zaugg - und lacht jetzt sogar:«Aber ich wollte ihn unbedingt haben. Er ist ein Spieler, der sehr viel Vertrauen des Trainers braucht. Und das werde ich ihm auch geben. Ich wollte ja schliesslich ganz bewusst einen Mann bei YBhaben, der Emotionen auslöst.» Das wird Hakin Yakin (neben Carlos Varela, einem anderen Ex-FCB-Spieler) ganz bestimmt. Im dann wohl sicher gut gefüllten Stade de Suisse werden Yakin und Varela erst kurz vor Weihnachten auf ihre Ex-Kollegen treffen: Am Wochenende vom 10./11. Dezember wird der Schweizermeister FCBasel zum ersten Mal in Bern gegen die Young Boys antreten. Dass das dann der Spitzenkampf der obersten Schweizer Fussball-Liga sein wird, darauf hofft nicht nur Bidu Zaugg. Weihnachtsgeschenke wird es keine geben, aber viele Emotionen ganz bestimmt.


Stade de Suisse

Das neue Nationalstadion der Schweiz

Das Stade de Suisse war während seiner vierjährigen Bauzeit (2001-2005) die grösste oberirdische Baustelle der Schweiz. Es wurde mehr Stahl verbaut als beim Eiffelturm - und das monumentale Kolosseum von Rom fände leicht Platz auf dem Areal des multifunktionalen Stadions. Ein paar Zahlen dazu.Die Aushubmenge:450000 m3, Beton: 100000 m3, Armierungsstahl:9000 Tonnen. Im neuen Fussballstadion gibt es 32000 Sitzplätze, bei Events wie grossen Openair-Konzerten finden 40000 Zuschauer Platz. Das Stadion umfasst auch ein Ein-kaufszentrum mit 35 Läden sowie Ausstellungs- und Konferenzräume, Restaurants, Büros und Wohnungen.
http://www.stadedesuisse.ch


Stadion-Einweihung

Gigantische Eröffnungs-Feier

Samstag, 30. Juli: Virtuose Opernstars treffen auf Rocklegenden. 150 Musiker spielen, 1000 Kinder und 1000 Bauarbeiter tanzen. Akrobaten treten auf, Feuerwerk entflammt den Himmel, Hymnen erklingen - und die Party beginnt: Mit Schweizer Popstars wie «Sugarbabies» (mit Kuno Lauener), Signorino TJ, Ray Wilko etc.
Sonntag, 31. Juli: Eröffnungsmatch. Weltstars des Fussballs treffen auf das neue YB (u.a. mit dem VFB Stuttgart und möglicherweise AS Roma)
Montag, 1. August: Tag der offenen Tür. Der Nationalfeiertag im Nationalstadion. Infos und Tickets:Tel. 031 344 88 77 oder
http://www.stadedesuisse.ch


Wankdorf Center

Neues Einkaufszentrum

Im neuen Einkaufszentrum Wankdorf Center werden Dimensionen gesprengt:Über 35 Geschäfte, Restaurants und eine grosszügige Begegnungszone sorgen für ein einmaliges Einkaufserlebnis. Coop als Hauptmieterin ist im neuen Einkaufszentrum mit einem Coop Megastore mit über 5000 m2 Fläche, einem Coop Restaurant und einer Coop Vitality Apotheke vertreten. Neben vielen anderen Geschäften werden im Einkaufszentrum Wankdorf Center auch ein Interdiscount XXL, ein Lumimart und eine Import Parfumerie zu finden sein. Die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums ist am 24. August 2005.


quelle:coopzeitung


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 08:30 
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BZ, 21.7.2005

Bern im Fussballfieber

Das teuerste Fussballstadion der Schweiz öffnet seine Tore: Mit einer ambitiösen Eröffnungsfeier wird das Stade de Suisse in Bern am Wochenende vom 30./31. Juli in Betrieb genommen. Doch der wirtschaftliche Erfolg des neuen Fussballtempels ist ungewiss.

Rund 360 Millionen Franken haben die drei Unternehmen Suva, Coop und Winterthur ins Stade de Suisse investiert. Der Betrieb obliegt nun einer Aktiengesellschaft. Ihr gehören mehrere Persönlichkeiten aus der Schweizer Wirtschaft an, darunter Urs Meile, Benno Oertig und Andy Rihs, die je 20 Prozent der Aktien halten.

Diese AG kontrolliert auch den Heimklub BSC Young Boys, der unter starkem Erfolgsdruck steht: Nur ein erfolgreiches Team wird es schaffen, den angestrebten Schnitt von 14'000 bis 17'000 Zuschauern pro Spiel zu erreichen.

Nicht nur Fussball

Die Stadionbetreiber beteuern aber, dass das «neue Wankdorf» auch ohne Fussball rentieren kann. «Multifunktionalität» ist ihr Zauberwort: Coop eröffnet im August ein Shopping Center; kleinere Läden und auch Schulen sind eingemietet; Seminar- und Konferenzräume stehen zur Verfügung und zahlreiche Gastro-Betriebe.

Den Verantwortlichen schweben zudem «Kulturanlässe von immenser Grösse» vor: Konzerte, Freilicht-Opernaufführungen, Musikfestspiele, Schwingfeste sollen das Publikum dereinst ins Stade de Suisse locken. Sogar Skisportanlässe, Motocross-Rennen und Eishockeyspiele stehen zur Diskussion.

Vorbild Basel

Als Vorbild dienen moderne Fussball-Arenen wie der Basler St. Jakob-Park. Den rund 30 Fussballspielen pro Jahr stehen dort 1200 Anlässe jeglicher Art gegenüber. Als Schreckensgespenst für die Berner gilt dagegen das Stade de Genève, das 2003 eröffnet wurde.

Der Heimklub Servette wurde letztes Jahr von einem waghalsigen Präsidenten in den Konkurs geritten und verschwand aus der obersten Spielklasse. Konzerte sind kaum möglich, weil die Akustik schlecht ist. Eine deutsch-spanische Investorengruppe will sich das Stadion nun zum Schnäppchenpreis von 50 Millionen Franken sichern.

Passiert kein Wunder, ist in Genf erst 2008 an der Europameisterschaft wieder Spitzenfussball zu sehen. Basel und Bern freuen sich ebenfalls auf EM-Spiele, genau wie Zürich - dort schaffte es der Stadtrat im letzten Moment, den Letzigrund-Neubau fristgerecht in die Wege zu leiten.

Euphorie in Bern

Das alles kümmert die Berner wenig. Als die Stadionbetreiber am letzten Wochenende zu einer «Voreröffnung» einluden, waren die verfügbaren 14'000 Tickets im Nu weg und die Stimmung trotz der YB-Niederlage gegen Marseille prächtig.

Etwas harzig verläuft allerdings der Verkauf für die offizielle Eröffnungsfeier. Bisher wurde erst gut die Hälfte der etwa 30'000 Billette abgesetzt, was Beobachter mit dem happigen Eintrittspreis (100 Franken pro Tag) erklären.

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 08:38 
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20min.ch, 21.7.2005

Wankdorf: Coole Action in der Luft

Die Proben für das Eröffnungsspektakel im neuen Wankdorfstadion laufen auf Hochtouren.

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«Ein cooles Gefühl, vor so vielen Leuten auftreten zu dürfen», sagt die Choreografin Heidi Aemisegger von Öff-Öff Productions.

Die Berner Tanz-, Artistik- und Theatergruppe hat während der 90-minütigen Show sechs Einsätze. «Wir sind in das Gesamtkonzept eingebunden, welches die Geschichte des Fussballs erzählt», so Aemisegger.

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 09:56 
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Läck, gseht das schwul us. :grin1:


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 21. Juli 2005, 10:42 
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Läck, gseht das schwul us.



:opinion:

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 Beitrag Verfasst: Freitag 22. Juli 2005, 10:42 
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Bund, 21.7.2005

Der Traum vom Treffpunkt für alle

Wankdorf-ERbauer bruno Marazzi

Der Berner Bauunternehmer Bruno Marazzi zur Entstehungsgeschichte des Stade de Suisse Wankdorf Bern – dem «neuen gesellschaftlichen Zentrum Berns», zu Geld und Geist beim Bauen, zu den Zürcher Geldgebern, zu Hakan Yakin und zu den Zukunftsperspektiven von YB.

Bruno Marazzi ist zwei Tage nach dem ersten Spiel im Stade de Suisse kaum zu bremsen. YB habe vor allem in der zweiten Halbzeit stark gespielt, das Publikum habe seine helle Freude am neuen Stadion gehabt, obwohl noch nicht alles reibungslos funktioniert habe, die Stimmung sei toll gewesen, resümiert der Baumeister bei einem Rundgang durch das riesige Ungetüm aus Beton und Stahl. Hoch oben auf der Gegentribüne angekommen, sagt Marazzi, er sei «enorm stolz auf das, was wir hier geschaffen haben». Das Stade de Suisse sei im Moment das Mass aller Dinge in der Schweizer Stadionlandschaft; es sei «luftiger, leichter und grösser» als der viel gerühmte St.-Jakob-Park in Basel. Diese Anlage mit 32 000 Sitzplätzen, Einkaufszentrum, Büros und Seniorenresidenz war das erste Stadionprojekt der Marazzi Generalunternehmung. 220 Millionen Franken hat sie gekostet, 2001 wurde sie eröffnet.


Wenn Marazzi vier Jahre später lesen muss, bei der Stadionarchitektur habe das Geld über den Geist gesiegt (siehe «Bund» vom 6. 7.), dann ärgert ihn das masslos. Der Kritiker vergesse, «dass es mit schöner Architektur allein nicht getan ist». Als Generalunternehmer müsse er – zumal bei einem Projekt, das total rund 400 Millionen Franken verschlinge – das Ganze im Auge behalten. «Wichtiger als eine tolle Hülle ist, dass das Stadion reibungslos funktioniert.» Der grossgewachsene Emmentaler mit italienischen Wurzeln zeigt energisch mit der Hand nach oben: «Schauen Sie sich das freischwebende Dach an, wenn das keine architektonische Qualität ist, dann weiss ich nichts mehr!» Und was ist mit der BKW-Plattform, die erst nachträglich auf dem Stadiondach angebracht wurde? Marazzi: «Das ist ein Kompromiss an den wichtigsten Stadionpartner.» Die BKW steuere einen ordentlichen Batzen an das Budget von YB bei. «Da ist es nichts als normal, dass die Firma im Stadion einen möglichst exklusiven Auftritt haben will.»


Bruno Marazzi ist ein grosser Sportfan, doch mit Fussball hatte er nie viel am Hut. Entsprechend selten sah man den grossen Segelfan im alten Wankdorf oder im Neufeld. Der in Langnau im Emmental geborene und aufgewachsene Marazzi wurde früh mit dem Eishockeyvirus infisziert. Zu einer grossen Karriere reichte es nicht – Marazzi hängte die Schlittschuhe nach Ende der Schulzeit an den Nagel –, die Verbundenheit mit dem Traditionsverein jedoch ist geblieben: Die Firma Marazzi sponsert seit vielen Jahren die SCL Tigers. Der seit vielen Jahren in Bern wohnhafte Marazzi greift aber auch dem SCB unter die Arme – als Mitglied des 25er-Klubs.


Ein kurzer Abstecher hinunter auf das Spielfeld. Marazzi interessiert, wie das Terrain die Premiere überstanden hat. Er kniet nieder, zupft an mehreren Stellen am kurzgeschnittenen Gras. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht: «Der Rasen ist viel besser ,zwäg‘, als ich gedacht habe.» In die Kontroverse, die wegen dem geplanten Kunstrasen entstanden ist, will er sich nicht einmischen. «Das ist Sache der Stadionbetreiber.» Marazzi steuert zum Lift, der zu den VIP-Logen hinaufführt. Die erst teilweise möblierten Logen, wo jeder Stuhl zwischen 12 000 und 15 000 Franken im Jahr kostet, interessieren Marazzi in diesem Moment nicht gross. Lieber will er die verglasten Balkone davor zeigen. Die Lösung mit dem rahmenlosen Schutzglas sei «um Welten besser als Basel, wo die VIP-Gäste in einem abgeschlossenen Glasbau sitzen», erklärt Marazzi stolz.


Bruno Marazzi gehört zu den 300 Reichsten der Schweiz. Die «Bilanz» schätzt den Umsatz seiner Unternehmen auf eine halbe Milliarde Franken und das Familienvermögen auf 100 bis 200 Millionen. Standesgemäss spielt der Patron von 500 Angestellten Golf und taucht an gesellschaftlichen Anlässen auf, wo allerlei Wirtschafts-, Polit- und Sportprominenz zugegen ist. Dabei geht es dem stets braungebrannten und elegant gekleideten Marazzi weniger darum, sich möglichst oft für irgendein Boulevard- oder People-Blatt in Pose zu werfen. Viel wichtiger ist dem 59-Jährigen, das überaus grosse Beziehungsnetz zu pflegen. Der Bekanntenkreis reicht weit über Berns Grenzen hinaus und umfasst Namen wie SVP-Nationalrat Walter Frey, UBS-Boss Marcel Ospel, Ex-Bundesrat Adolf Ogi, Rainer E. Gut, Coop-Chef Hansueli Loosli. Marazzi sei der «König des Networkings» schrieb die «Weltwoche» unlängst.


Zwischenstopp in den grosszügigen Räumen des «Champions Clubs», die sich ein Stockwerk unter den VIP-Logen befinden. Dieser so genannte Business-Bereich, wo während der Spiele Zutritt hat, wer einen der 1000 Business-Plätze erworben hat oder von einem Platzbesitzer eingeladen wurde, liegt Marazzi besonders am Herzen: «Hier finden Lehrlinge, Arbeiter, Kleinunternehmer, Beamte, Manager und Bundesräte ein ideales Umfeld vor, wo sie ungestört etwas essen und trinken oder sich unterhalten können.» Das tönt schön und gut, doch ist das Profil des «Champions Club» nicht primär auf kleinere und mittlere Betriebe aus der Region zugeschnitten? Marazzi bejaht: «Der Klub ist als Plattform für KMU-Betriebe gedacht.» Solche Treffpunkte würden in einer Zeit, wo der Mittelstand immer stärker unter Druck gerate, immer wichtiger. Wird der Mehrfachmillionär selber auch dort anzutreffen sein? «Mit Sicherheit.»
Marazzi umschreibt in der halbfertigen «Champions Lounge» seine Vision: «Ich möchte, dass das Stade de Suisse zum neuen gesellschaftlichen Zentrum Berns wird.» Einkaufszentrum, Ladenstrasse, Konferenzräume und Quartierplatz zwischen Stadion und freigestelltem Längsbau mit den beiden Schulen sollen das neue Wankdorf zu einem allseits geschätzten Begegnungsort machen. Am liebsten hätte Marazzi auch für Kulturinteressierte einen Anziehungspunkt geschaffen. 1999 machte er das Angebot, die Abteilung Gegenwartskunst im neuen Stadion unterzubringen. Die Projektverantwortlichen winkten ab und setzten stattdessen auf das ehemalige Progymnasium im Stadtzentrum. Marazzi bedauert die Absage noch heute: «Im Wankdorf wäre die Chance grösser gewesen, dass auch nicht Kulturinteressierte ein solches Museum betreten hätten.»


Bruno Marazzi der Visionär? Das ist vielleicht ein wenig hochgegriffen, doch zumindest Pioniergeist hat der scheinbar nimmermüde Unternehmer in seinem Metier immer wieder gezeigt. Marazzi war Anfang der 1970er-Jahre einer der ersten, der sein Baugeschäft in eine Generalunternehmung umwandelte. Marazzi baute Wohnblocks mit grossen Balkons, als noch kaum jemand davon redete. Marazzi entwickelte bereits eifrig Pläne für multifunktionale Sportstadien, als das herkömmliche Fussballstadion noch als das Nonplusultra galt. Marazzi setzte bei der Entwicklung von zeitgemässen Seniorenresidenzen neue Massstäbe.

Wie Multifunktionalität im Extremfall aussehen kann, zeigt sich in der zweigeschossigen Ladenstrasse im Untergrund. Die Sitzplatzrampen bilden das Dach des rund 32 000 Quadratmeter grossen Einkaufszentrums. «Das ist unsere Erfindung», sagt Marazzi. Jeder Quadratmeter werde genutzt, was bei einem Bau von dieser Dimension «ein kleines Kunststück» sei. Über 30 Planer der Firma Marazzi haben sich in den letzten Jahren mit den Projekten in Basel und Bern auseinander gesetzt. «Wir haben einiges an Know-how auf diesem Gebiet», stellt Marazzi befriedigt fest.


Bruno Marazzi und sein Direktor Werner Müller sind die eigentlichen Väter des neuen Wankdorfstadions. Ende der 1980er-Jahre präsentierten sie den ersten Projektentwurf für ein Stadion mit 50 000 Plätzen. Da sich keine Investoren finden liessen, mussten die Pläne überarbeitet werden. Nach viel Überzeugungsarbeit seitens der Stadion-Promotoren und einer Volksabstimmung war 1997 der Weg frei zur Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs. Vier Jahre später begannen die Arbeiten für das Stade de Suisse. Finanziert wird das 350-Millionen-Projekt zu je einem Drittel von Coop, Suva und Winterthur Leben. Öffentliche Gelder flliessen aus den Fonds des nationalen Sportanlagenkonzepts des Bundes (10 Millionen) und des kantonalen Sport-Toto (4,2 Millionen).

Der Rundgang endet auf der Haupttribüne. Bruno Marazzi schaut gebannt den Akrobaten von Öff-Öff-Productions zu, die in schwindelerregender Höhe für das Eröffnungsspektakel üben. «Wahnsinnig, da können sich die Leute freuen», sagt Marazzi. Überhaupt: Das dreitägige Fest werde «eine Supersache», ist der Baumeister überzeugt. Die teils heftige Kritik an den hohen Eintrittspreisen hat er mitbekommen. Seine Meinung zu diesem Thema will er nicht kundtun – Marazzi der Loyale. Das zeigt sich auch in der Diskussion über die Zürcher Gruppe, die im neuen Wankdorf und bei YB das Sagen hat. «Das sind sehr gute Leute, die etwas vom Geschäft verstehen», rühmt der Generalunternehmer. Auch den viel gescholtenen Betriebsleiter Peter Jauch nimmt er in Schutz: Jauch habe «Ecken und Kanten» und sei «bestimmt kein Diplomat», doch man dürfe nicht vergessen, was er beim Aufbau der Stadionorganisation alles geleistet habe. Er sei der wichtigste Ideengeber gewesen und habe wichtige Partner und Sponsoren nach Bern geholt. Zudem verstehe er etwas von Fussball. Das habe man zuletzt beim Transfer von Hakan Yakin gesehen. «Ein genialer Fussballer», urteilt Fussballlaie Marazzi. Nun, da der launische Ballkünstler nach langer schöpferischer Pause den Tritt wiedergefunden hat, ist Marazzi noch optimistischer, dass YB schon diese Saison den Meistertitel holt. Dann würde der noble Patron wohl auch wieder von seinem Stuhl aufspringen, wie er es nach Yakins Torpremiere in Berns neuer Fussballarena spontan getan hat.



Zur Person


Bruno Marazzi, 59, führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Gegründet wurde es von Grossvater Lorenzo, der 1904 aus Norditalien ins Emmental einwanderte. Marazzi machte im Geschäft seines Vaters eine Lehre als Maurer und Hochbauzeichner. Später liess er sich zum Architekten ausbilden und erwarb das Baumeisterdiplom. 1971 übernahm er das Geschäft und baute es zusammen mit seiner Frau Elisabeth zur Holding mit zwei eigenständigen Firmen (Marazzi GU, Marazzi Bauunternehmung) auf. Marazzi beschäftigt heute rund 500 Angestellte. Er ist stolz, dass er auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nie auf Kurzarbeit umstellen oder Schlechtwetterentschädigungen zahlen musste.
In der Freizeit ist der leidenschaftliche Segler am liebsten auf seinem Boot auf dem Thunersee. Ein weiteres Hobby ist Skifahren. (ruk)


Von Langnau bis nach Nizza

Die guten Erfahrungen mit den nahezu identischen Modellen Stade de Suisse und St.-Jakob-Park haben Bruno Marazzi und seinen Direktor Werner Müller angestachelt. An einem halben Dutzend weiterer Projekte für multifunktionale Sportstätten wird derzeit mehr oder weniger intensiv gearbeitet:
·Bern-Arena: Die Generalunternehmer Marazzi und HRS wollen im August gemeinsam eine Eingabe einreichen für einen Umbau der Bern-Arena.
·Eisstadion Langnau: Marazzi hat in Eigenregie ein Projekt für ein neues Eisstadion entwickelt. Noch nicht klar ist, welche Nutzer nebst den Eishockeyanern schliesslich zum Zug kommen.
· Lachenpark Thun: Seit mehr als zwei Jahren bestehen Pläne für eine Überbauung mit Fussballstadion, Wohnhäusern, Hotel und Seniorenresidenz.
· In Zürich und Umgebung halten die Marazzi GU zwei Projekte auf Trab: Für den Umbau des Stadions Letzigrund hat die Firma eine Offerte eingereicht. Weit spektakulärer klingt die Idee, die Marazzi und Müller den ZSC Lions und dem EHC Kloten schmackhaft gemacht haben: eine von den beiden Erzrivalen gemeinsam genutzte Eishockey-Arena nahe des Flughafens Kloten, die 15 000 Zuschauern Platz bietet.
· Nizza: Der erste grosse Wurf im Ausland gelingt Marazzi möglicherweise in Nizza. Sein Planungsteam gehört zu den vier Auserwählten, die eingeladen wurden, die Arbeiten für ein neues multifunktionales Fussballstadion in der südfranzösischen Metropole fortzusetzen.


Weitere Sportstätten sind laut Marazzi in Wien, Marseille, Düsseldorf und Berlin in Planung.
Bei Marazzis wird nicht nur viel geplant, sondern auch tüchtig gebaut. Rund um Bern gibt es kaum eine Gemeinde, wo das Unternehmen in den letzten 30 Jahren nicht Spuren in Form von Wohnhäusern, Altersresidenzen, Einkaufszentren und Bürotürmen hinterlassen hat. Das Tätigkeitsgebiet hat Marazzi sukzessive erweitert: So baut er in Kriens das zweitgrösste Einkaufszentrum der Schweiz, in Zürich-Oerlikon eine Siedlung mit 140 Wohnungen, im Flughafen Zürich das Hotel Radisson, in Basel die Wohnsiedlungen Pro Volta und Güterbahnhofareal. (ruk)

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Kleine Schweiz im grossen Stadion

Sein Lebenswerk nennt Bruno Marazzi das Stade de Suisse. 20 Jahre arbeitete der Berner Bauunternehmer am Projekt, das er als Modell für die Schweizer Gesellschaft sieht.

«Es ist schön, ein Bürohaus zu bauen. Oder Wohnhäuser. Da kann man etwas für Familien machen. Aber das hier ist für alle, das kann jetzt über Generationen genutzt werden.» Bruno Marazzi ist stolz, sehr stolz. Er steht oben auf den Rängen und schaut hinaus in die Weite des Stadions. «Nicht jeder Unternehmer kann in seiner Karriere so etwas machen.» Er sagt das ohne jede Überheblichkeit, er hält es einfach fest. Für jene, die ihm zuhören. Aber auch für sich selber. Ja, er hat es geschafft. Das, was Bruno Marazzi sein Lebenswerk nennt, steht.


Die Mannschaft

Sein Lebenswerk. Aber gebaut von vielen Händen. Darauf verweist Marazzi oft und gern. «Alles wurde in unserem Unternehmen gemacht», sagt er. Das stimmt so absolut natürlich nicht, sondern ist mehr eine andere, etwas diskretere Art zu sagen, ohne uns hätte dieses Stadion nicht entstehen können. Sicher kokettiert Marazzi auch ein wenig, wenn er, wie der dreifache Torschütze nach dem Spiel, vor allem die Leistung der Mannschaft hervorhebt. Bei Marazzi sind das «unsere Leute». Die 500 Angestellten des Unternehmens, das seinen Sitz heute in Muri bei Bern hat. Allen voran Direktor Werner Müller, seit über 25 Jahren im Betrieb. «Herr Müller hat das mit unseren Leuten gemacht», sagt sein Chef mehrmals auf dem Rundgang durchs Stadion. So ist Marazzi, er nimmt sich selber gern zurück. Das ist nicht falsche Bescheidenheit, er weiss durchaus, wie gross sein Einfluss in Wirtschaft und Politik ist, und er weiss ihn über ein weit geflochtenes Netzwerk auch auszuüben. Das Wissen um seine persönlichen Verdienste setzt er gewissermassen voraus. Die eigentliche Leistung aber erbringt die Firma. Nicht er selber hat ein «wunderbares Stadion» gebaut, «das Schönste der Schweiz, nein, von Europa», sondern die Firma – die Marazzi Generalunternehmungen AG. Die Mannschaft eben.

Der 1946 in Langnau geborene Firmenchef ist ein letzter Vertreter des klassischen Patrons. Der Nachfahre eines Einwanderers aus Norditalien, der vor bald hundert Jahren in Langnau ein Baugeschäft eröffnete, führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth hat er es zu einer der führenden Generalunternehmungen des Landes ausgebaut. Selber hat er ganz unten angefangen, war Maurer, Bauzeichner, Architekt und Baumeister. Die Gewerkschaften respektieren ihn als fairen Arbeitgeber. Viele seiner Angestellten arbeiten seit Jahren im Betrieb. Die Mehrheit der Crew, die in Bern das Stade de Suisse gebaut hat, war bereits beim Stadionbau in Basel dabei. Dem Unternehmen, den eingespielten Teams in der Planung, der Entwicklung und dem Bau, gilt Marazzis ganzer Stolz.


YBs Rettung

Einmalig sei es, «zuerst in Basel und jetzt hier in Bern bei einem Stadionneubau von der Grund-idee bis zur Eröffnung dabeizusein». Was Marazzi als einmalig bezeichnet, dauerte in Bern fast zwanzig Jahre. Er selber hat diesen Prozess überhaupt erst in Bewegung gesetzt. Nachdem das Projekt eines neuen Leichtathletik-Stadions im Wankdorf 1987 in einer Volksabstimmung haushoch abgelehnt worden war, «sagten wir uns, es kann doch nicht sein, dass man hier kein neues Stadion mehr bauen kann». Von Anfang an sei man sich aber einig gewesen, dass ein solches Stadion in der Planung von einem völlig neuen Ansatz ausgehen muss: Möglichst wenig Geld von der öffentlichen Hand, dem Kanton und der Stadt Bern etwa, stattdessen eine möglichst weitgehende private Finanzierung. «So sind wir auf die heutige Lösung gekommen», sagt Marazzi. Basel und Bern seien die einzigen Fussballstadien in der Schweiz, die so funktionierten und über eine Mantelnutzung finanziert würden.

Als «Erfinder des sich selbst finanzierenden Stadions» bezeichnete ihn «Facts» denn auch. Die Erfindung kostete ihn zuerst einmal viel Geld, das er allerdings nicht direkt in das Projekt investierte. Die Young Boys waren der Schlüssel zum neuen Wankdorf. Die waren finanziell aber so angeschlagen, dass man das Schlimmste befürchten musste. Und landeten Ende der Achtzigerjahre im Mittelmass und danach schliesslich in den Tiefen der Nationalliga B. «Ohne Fussballmannschaft hätte es jedoch kein Stadion gebraucht.»

Die Misere von YB hat ihn einige schlaflose Nächte gekostet. Wie viele Millionen der Unternehmer an die Young Boys überwiesen hat, damit dem Klub die Lizenz zum Fussballspielen nicht plötzlich entzogen werden konnte, ist nicht bekannt. Mehr als zehn Millionen werden es aber gewesen sein. In Bern gewöhnte man sich rasch daran, dass Marazzi YBs Finanzlöcher stopft: «Am Anfang waren noch andere dabei, mit den Jahren waren wir dann ziemlich allein», kommentiert er trocken die Rettung des Traditionsklubs. Klar geworden sei in diesen Jahren aber zumindest, «dass der Fussball so ein Stadion nicht finanzieren kann».

Bruno Marazzi sitzt an einem langen Tisch im künftigen Coop-Restaurant, das vorläufig noch als Kantine genutzt wird. «Unser Herz gehört doch YB», sagt er unvermittelt. Das irritiert bei einem, der einst beim SC Langnau Eishockey gespielt hat und heute als Segler und Golfer bekannt ist. Und der von sich sagt, er sei nie ein Fussballer gewesen und gehe nur selten zu den Spielen. Das Geständnis ist in einem grösseren Zusammenhang zu verstehen: YB ist Teil des Stadions, an das er sein Herz verschenkt hat. «Das Stadion und der Fussballklub gehören zusammen, beide können voneinander profitieren». Darum sei es gut, dass die Dachgesellschaft des Stade de Suisse «auch zu YB schaut – nicht dass der Eine nur Einnahmen hat und der Andere nur Ausgaben».


Wenig öffentliches Geld

Die Rettung des Fussballklubs war nicht die einzige Hürde, die Marazzi nehmen musste, um sein grosses Werk zu vollenden. Es gab auch – vorwiegend aus links-grünen Kreisen – politischen Widerstand. Das Nordquartier werde durch das neue Stadion zu sehr mit zusätzlichem Verkehr belastet, war die Befürchtung. «Wir hatten während dem Bau nie Probleme mit dem Quartier», relativiert Direktor Werner Müller allerdings, «und auch der Zonenplanänderung hat das Nordquartier deutlich zugestimmt».

Obwohl bekannt ist, wie hartnäckig, wie unbequem Bruno Marazzi werden kann, wenn er seine Interessen gegenüber den Behörden durchsetzen will, fällt im Rückblick kein böses Wort über «die Politiker». Er spricht im Gegenteil von «positiven Erfahrungen» und lobt vor allem den früheren Stadtpräsidenten Klaus Baumgartner: «Ich weiss nicht, ob das alles ohne Baumgartner möglich gewesen wäre», sagt er. Der SP-Politiker und andere Vertreter von Rot-Grün-Mitte «mussten ja auch hinstehen vor die eigenen Leute und sie zuerst vom Projekt überzeugen».

Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich bedurfte es einiger Anläufe, bis das Projekt des Stadionneubaus gesichert war. So scheiterte zunächst eine Beteiligung des VBS, danach die Idee, im Stadion ein Multiplexkino einzurichten. Mit Coop, Suva und Winterthur-Leben konnten schliesslich jene Investoren gefunden werden, die heute Eigentümer der Gesamtanlage im Stade de Suisse sind. Die BKW baute auf dem Dach des Stadions ein gigantisches Solarkraftwerk, ins Gebäude neben dem Stadion zogen Berufsschulen und das benachbarte Blutplasmaunternehmen ZLB Behring ein.

Trotz breiter privater Initiative blieb auch die öffentliche Hand mit im Spiel: Die Stadt Bern trat einen schmalen Streifen Land ab, dafür baute Marazzi fürs Leichtathletikstadion eine kleine Tribüne. Aus dem Nationalen Sportanlagenkonzept des Bundes flossen 10 Millionen Franken ins Stade de Suisse, und der Kanton beteiligte sich mit 4,2 Millionen aus dem Fonds der Sport-Toto-Gelder am rund 370 Millionen teuren Projekt. Grosses Entgegenkommen zeigte auch die Burgergemeinde Bern als Besitzerin des Bodens im Wankdorf. Im Unterschied zu anderen Stadionprojekten in Genf, Zürich oder St. Gallen musste die öffentliche Hand in Bern – wie zuvor in Basel – bis am Schluss nicht tief in die Tasche greifen. Und, noch entscheidender, im Gegensatz zum anderen, eben eröffneten Prestigebau in Bern, dem Zentrum Paul Klee, wird sie nun nicht für die Betriebskosten aufkommen müssen.


Das Fundament

32'000 Besucherinnen und Besucher fasst das Stade de Suisse. Sicherheitsvorschriften verlangen, dass das Stadion innert zehn Minuten geräumt werden kann. Dafür wurden unter den Tribünen Fluchtwege gebaut. Sie werden dort die einzigen nicht regelmässig genutzten Orte sein. «Jeder verfügbare Quadratmeter unter der Rampe wird gebraucht», sagt Marazzi.

Hier, sozusagen im Untergrund, schliesst sich der Kreis der ersten Idee: Eine weitläufig angelegte Ladenstrasse und die grösste Coop-Filiale der Region bilden nicht nur bildlich das finanzielle Fundament der ganzen Anlage. In diesem Einkaufszentrum wird sich vor allem zeigen müssen, ob das Konzept des sich selber finanzierenden Stadions längerfristig tatsächlich funktioniert.


Chefs und Stifte

Die Idee des multifunktionalen Stadions hat Bruno Marazzi öffentlich nie, wie Maurice E. Müller das von ihm gestiftete Klee-Zentrum, als Vision angepriesen. Dafür ist er zu pragmatisch. Seine ganz persönlichen Vorstellungen über die gesellschaftliche Funktion des Stade de Suisse hat der Bauherr aber schon. Im so genannten Businessraum oben auf der Rampe legt er sie dar. 1000 Plätze zu je 9000 Franken pro Saison werden hier angeboten. Die um einiges teureren, von Grossfirmen gemieteten Logen befinden sich im Obergeschoss. Der grosszügig gestaltete Busi-nessraum ist eine Art Loge für regionale KMUs, wo Chefs und ihre Stifte zusammenfinden sollen, wie Marazzi sagt.


Sicht der kleinen Leute

Der Businessraum ist im Kleinen, was Marazzi sich im Grossen für das ganze Stadion vorstellt: ein Begegnungszentrum. «Leute aus den verschiedensten Klassen sollen hier gemeinsam etwas erleben können», sagt er, «in einer einzigen grossen Gesellschaft und nicht jeder für sich allein».

Dieses Zusammenspiel verschiedenster Menschen und Interessen ist für ihn durchaus ein Modell für die heutige Schweiz. Unser Land benötige, wenn es seine Probleme konfliktfrei lösen wolle, wieder mehr positives Denken, erklärt er. So naiv sich die Forderung anhören mag, äussert sich in diesem Bekenntnis der wahre Bruno Marazzi. Laut «Bilanz» gehört er unterdessen zu den 300 reichsten Schweizern. Aber in seinem Denken hat er sich die Sicht der kleinen Leute erhalten. Wie alt Bundesrat Adolf Ogi, ein langjähriger Freund von ihm, muss er sich nicht verstellen, wenn er die Nähe zum «Volk» sucht. In seinem Herzen ist der Unternehmer ein «Büezer».

Dies mag auch mit ein Grund sein, warum er – wo er doch keine tiefere Beziehung zum Fussball hat – beim neuen Wankdorf von seinem Lebenswerk spricht. Er selber begründet es damit, dass Bern, wo er ab 15 zur Schule gegangen ist und wo er heute lebt, seine Heimat sei. Eine Genugtuung ist für ihn, den man früher in Berner Bauwirtschaftskreisen despektierlich als «den Mann aus Langnau» bezeichnet hat, sicher auch, dass er im Unterschied zu seinen Neidern nun etwas Grosses geschaffen hat. Aber eigentlich wollte Bruno Marazzi mit dem Stade de Suisse seine Vorstellung einer gerechteren Gesellschaft umsetzen. Vielleicht ist er eben nicht nur ein Pragmatiker, sondern doch ein Visionär.

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 26. Juli 2005, 10:01 
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St. Galler Tagblatt, 26.7.2005

Das neue Wankdorf

Bern hat ein neues Fussballstadion, das Stade de Suisse. Nächstes Wochenende wird es eingeweiht. Wie andere moderne Stadien ist auch das neue Wankdorf ein multifunktionaler Bau.

Stadien sind heute nicht mehr einfach nur Sportstätten, sondern dienen auch als Statussymbole für die Klubs und die Städte. Deshalb hat die Architektur im Stadionbau an Bedeutung gewonnen. In Bern wurden gleich zwei Architekturwettbewerbe durchgeführt, bis die endgültige Gestalt des Stade de Suisse feststand. Die Architektengemeinschaft Luscher/Schwaar & Rebmann musste aber in der Folge ihr viel versprechendes Projekt laufend den Wünschen des Generalunternehmers anpassen. Die eingegangenen Kompromisse haben dem Stadion nicht nur gut getan.

Sechs Meter breite «Strasse»

Das Stade de Suisse verfügt trotzdem über einige entscheidende Vorzüge: So ist es ein sehr grosszügiges, luftiges Stadion geworden. Die so genannte Hauptverteilebene - also die Fläche zwischen dem unteren und dem oberen Tribünenring - ist ungewöhnlich breit und weitläufig. Die über sechs Meter breite Erschliessungszone verfügt über alle Qualitäten, die man an einer «richtigen» Strasse in der Stadt antrifft. Sie wird flankiert von den Verpflegungsständen und den Toiletten, ist abwechslungsreich und doch übersichtlich und bietet da und dort einen Ausblick in die Umgebung. Selbst der Bodenbelag aus schwarzem Gussasphalt erinnert an eine städtische Strasse. Über einen schmalen Schlitz zwischen den Tribünenringen bleibt der Sichtkontakt zum Spielfeld jederzeit bestehen. Betreten wird das Stadion an einer der vier Ecken, grosszügige Treppen führen die Besucher auf das obere Niveau. Der eigentliche Innenraum des neuen Wankdorfs folgt treu der Doktrin des Kesselerlebnisses. Diese nimmt einen in Grossbritannien weit verbreiteten Stadiontyp zum Vorbild. Dort wird mit geraden, dem Spielfeldrand folgenden Sitzreihen die gewünschte Nähe zum Geschehen erzeugt. Der Basler St.-Jakob-Park ist so gebaut, und auch in Bern zeichnen die Tribünen die Form des Spielfeldes nach, nur in den Ecken gibt es minimal bemessene Kurven. So sind die vordersten Sitzplätze nahe am Spielfeld, womit auch die Distanz zwischen Feld und den obersten Rängen relativ kurz ist, was selbst noch dort eine sehr gute Sicht gewährleistet. Diese Bedingungen müssen heute in jedem neuen Stadion eingehalten werden. Die einschlägigen Normen der Fifa führten zu einer starken Standardisierung des Tribünenraums. Im Vordergrund stehen die Sicherheit und die erhoffte Stimmung im Stadion. So gleichen sich die Stadien in der Grössenordnung des neuen Wankdorfs im Inneren immer mehr an, nur noch Nuancen unterscheiden sie voneinander.

Multifunktionales Gebäude

Für die Ausgestaltung der Individualität des Stadions bleibt also in vielen Fällen nur noch die Fassade. Und genau hier liegt die Krux bei jenen Stadien, die nebenbei auch noch Einkaufstempel und Bürogebäude sein wollen. Der architektonische Ausdruck wird verwässert, wenn das Stadion mehr und mehr zum «normalen» Gebäude wird. Da sich der Bau und der Betrieb eines Stadions allein für den Fussball in vielen Fällen nicht mehr rechnet, kamen die Investoren auf die Idee mit den Mantelnutzungen. Als Folge dieser Idee ist rund um das Spielfeld ein multifunktionales Gebäude gewachsen. Der architektonische Ausdruck ändert sich jedoch, wenn in ein Stadion Büros, ein Hotel oder eine Altersresidenz integriert sind. Die Architekten des Stade de Suisse haben alles unternommen, dass ihr Stadion als solches wahrgenommen wird. Die der Fassade vorgehängten Stahlnetze nehmen den grossen Massstab des Gebäudes auf und lassen die dahinter liegende Nutzung durchscheinen. Ihr wichtigstes Mittel indes ist das Dach. Mit dem weit ausladenden, frei stehenden Dach haben sie eine Ausdrucksform gefunden, die das Gebäude eindeutig und schon von weitem als Stadion kennzeichnet. Damit lehnen sich die Architekten an das monumentale Stade de France in Paris an, dessen fliegendes Dach gleich zum Wahrzeichen der Fussball-Weltmeisterschaft im Jahr 1998 wurde. In Bern ist dieses architektonische Mittel auch unbedingt nötig. Wer sich nur die Südfassade anschaut, vermutet nicht zwingend ein Stadion dahinter. Dieselbe Verwirrung tritt auf, wenn man vor dem Basler Stadion steht und zur Altersresidenz hinaufblickt oder beim projektierten Hardturm-Stadion in Zürich, dessen Hauptfassade die feine Gliederung eines Hotels zeigt. Dass im Stade de Suisse das riesige Shoppingcenter in den Untergrund verbannt wurde, reduziert dessen architektonische Erscheinung auf ein Eingangsportal, untergräbt hingegen buchstäblich die Vorstellung des Spielfeldes als «Boden».

Und ein paar Schönheitsfehler

Wie ein Stadion aussehen kann, wenn es vom Joch der Mantelnutzungen befreit ist, zeigt das Beispiel der vor kurzem eröffneten Allianz-Arena in München. Die Architekten Herzog & de Meuron, die schon den St.-Jakob-Park in Basel gebaut hatten, konnten in München alle Register ziehen, die es zurzeit in der Stadionarchitektur gibt. Mit seiner charakteristischen ovalen Form und den transparenten Fassadenelementen aus hauchdünnem Plastik bekam es im Volksmund schon bald den Übernamen «Schlauchboot». Mit der Allianz-Arena schufen Herzog & de Meuron eine moderne Kultstätte des Fussballs: Es gibt nicht mehr und nicht weniger als den Sport und die Schönheit. In Bern haben sich Luscher/Schwaar & Rebmann mit der symbolischen Aufladung des Stadions jedoch zurückgehalten. Die Farbgebung ist dezent: Das ganze Stadion ist in verschiedenen Grautönen gehalten, so zum Beispiel die anthraziten Schalensitze. Das Grau passt schön zum satten Grün des Rasens, ausserdem werden die Matchbesucher mit ihren bunten Kleidern, Schals und Fahnen die Farbe selbst mitbringen. Vermutlich wird aber das Stade de Suisse nicht auf der Landkarte der touristischen Sensationen Berns erscheinen, dafür bringt es nicht die ikonografische Kraft eines Klee-Zentrums oder die Magie eines Shoppingcenters von Architekt Daniel Libeskind auf. Das Unprätentiöse macht das neue Wankdorf aber sympathisch in einem Umfeld, wo nur noch das Highlight des Stararchitekten zählt. Nur schade, dass die Generalunternehmung bei der Ausführung wenig Gefühl für sorgfältige Gestaltung bewies und an etlichen Stellen lieber dem Geld als dem Geist folgte. So ist der Zugang zum Einkaufszentrum mehr ein sieben Meter tiefer Absturz in eine künstliche Welt im Untergrund als eine einladende Geste. Weiter stört der tonnenförmige Turm der BKW empfindlich die grosse, durchgehende Dachfläche, die so wichtig ist für das Gesamtkonzept des Stadions. Unverständlich ferner, warum die grossen Dachflächen der Catering-Boxen nicht für das Publikum als Terrassen nutzbar gemacht wurden. Hier wurde eine Chance leichtfertig verpasst, das Stadion stärker mit der Umgebung zu verbinden. Diesen Unaufmerksamkeiten und der Mantelnutzung zum Trotz: Das Stade de Suisse Wankdorf Bern ist ein schönes Fussballstadion geworden. Ein Stadion, auf das sich die Matchbesucher freuen dürfen.

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