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 Beitrag Verfasst: Sonntag 27. Mai 2018, 20:19 
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Fassnacht: «Wir waren nicht zu hundert Prozent bereit»

Die YB-Spieler und ihre Stimmungslage nach der 1:2-Niederlage gegen den FCZ im Cupfinal.

Die Young Boys haben nach der Meister-Euphorie nun im Cupfinal einen veritablen Dämpfer erlitten. «Der Schock sitzt tief», sagte Christian Fassnacht nach dem verloren Cupfinal gegen den FC Zürich.

Der YB-Mittelfeldspieler musste zugeben, dass dem Team der Fokus für diesen Final in den letzten Tagen etwas abhanden gekommen sei. «Wir waren nicht zu hundert Prozent bereit», sagte Fassnacht.


https://www.derbund.ch/sport/fussball/W ... y/29204848

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 27. Mai 2018, 20:20 
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FCZ-Frey überragend, YB-Hoarau schwach

Das sind die Noten zum Cup-Final

Der FCZ bodigt Meister YB im Cupfinal 2:1 und nimmt die Trophäe an die Limmat. Während bei den Zürchern Ramsus Thelander und Michael Frey überragen, tauchen bei den Bernern Leistungsträger wie Guillaume Hoarau und Roger Assalé.


https://www.blick.ch/sport/fussball/cup ... 26813.html

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 27. Mai 2018, 20:23 
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Das YB-Spiel zu viel

Die Berner verpassen das erste Double seit 1958 viel deutlicher als erwartet. Sie offenbaren im eigenen Stadion gegen den FC Zürich eine Labilität, die man in ihrer Meistersaison selten gesehen hatte.

Die meisterlichen Young Boys hinterliessen in diesem einen Spiel Eindrücke, die man von ihnen nicht kennt. Oder besser: nicht mehr kennt. Sie verbissen sich in einen Match, den sie bereits unerklärlich indisponiert eröffnet hatten und zu dem sie auch danach selten bis nie richtig Zugriff fanden. Selbst in jenem Moment nicht, als sie mit einem Spieler mehr auf 1:2 verkürzt hatten. In der Nachspielzeit brachten sie den Ball nicht einmal mehr in den gegnerischen Strafraum. Als wäre der Motor überhitzt. Ein spätes Tor, wie es der Stürmer Jean-Pierre Nsame Ende April im gleichen Stadion zum 2:1-Sieg gegen den FC Luzern und zum ersehnten Meistertitel geschossen hatte, war beim besten Willen kaum mehr vorstellbar. Meisterlich ist anders.

Just nach den Cup-Halbfinals dachte man, dass der Schweizerische Fussballverband (SFV) den dominierenden Bernern zusätzlich auf die Sprünge helfen würde. Er hatte nach dem YB-Sieg gegen den FC Basel kommuniziert, dass er den Final ins Stade de Suisse vergeben habe. Alle für YB, selbst der Verband. YB, der logische Cup-Sieger? Weit gefehlt. Der Vorteil war auf dem Plastic-Rasen im eigenen Stadion weit weg, überraschend weit weg. Stattdessen bot das YB-Personal Szenen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Zumal in dieser Summe.

Sogar etwas YB-Missstimmung

Miralem Sulejmani flankt mit seinem sonst guten linken Aussenrist – irgendwo hinter das FCZ-Tor. Roger Assalé verzichtet bei seiner Auswechslung auf den Händedruck mit seinem Stellvertreter Nsame und begibt sich direkt zur Spielerbank, als wäre der Trainer Adi Hütter inexistent. Da könnte man sogar Missstimmung hineininterpretieren. Da verliert der taumelnde und zusehends übermüdete Kämpfer Sékou Sanogo im Mittelfeld einen Ball, den er zuvor während der ganzen Saison nicht preisgegeben hätte. Da lässt sich der zentrale Verteidiger Kassim Nuhu vor dem 0:2 von Antonio Marchesano mit einer einzigen Bewegung düpieren, als hätte nicht Nuhu, sondern Marchesano den Transfer ins Ausland im Kopf.

Da fliegen schliesslich viel zu viele YB-Bälle planlos in hohen Bögen in Richtung FCZ-Tor, auf Zufall bedacht, als würde irgendwann einmal der Kopf des Hünen Guillaume Hoarau im richtigen Moment in die Höhe steigen. Überhaupt hätte man sich an diesem Sonntag Hoarau nicht vorstellen wollen, wie er sich in der Champions-League-Qualifikation wehrt und ins Szene setzt, zum Beispiel im Celtic Park gegen die bissigen Schotten von Celtic Glasgow, wie man sich einen möglichen YB-Widersacher als Hindernis auf dem Weg in die Königsklasse im Herbst vorstellt. Eine zentrale Folgerung des Cup-Finals ist, wie schnell zuvor deutlich gezogene Linien und Skizzen innerhalb von 95 Spielminuten verschwommen werden, wie rasch soeben gefasste und schier in Marmor gehauene Meinungen von Zweifeln befallen werden können.

Hütter zieht Lehren

Der Cup-Final-Tag war nicht der Hoarau-Tag, generell nicht der YB-Tag, nicht der Tag des YB-Radios, das zuvor stundenlang auf Sendung gewesen war und dessen Reporter mit belämmerten Gesichtern zurückblieben – und auch nicht der Tag des scheidenden und in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt ziehenden Trainers Adi Hütter, der aus dem Spiel «Lehren ziehen» will. So sagte er das nach dem Match anlässlich seiner letzten YB-Medienkonferenz. «Bissiger» seien die Zürcher gewesen, «aggressiver, hellwach», sagte Hütter, sie hätten den Sieg «mehr gewollt als wir». Es war, als wäre nach den meisterlichen Feierlichkeiten alles etwas zu viel gewesen für YB. Als wäre der Fokus verrutscht, als hätte das erste Double seit 1958 gar nicht wirklich gelockt.

Es war ein kleiner Sprung zurück in die Vergangenheit, zurück in den Zustand, der zu unzähligen Niederlagen geführt hatte. Wie in allen Cup-Finals seit dem letzten Erfolg 1987. Seither gingen die Finals gegen den FC Sion 1991 und 2009 nach einer 2:0-Führung 2:3 verloren, 2006 unterlag YB, als der FC Sion zweitklassig war. Und jetzt ist nicht das Double, sondern die nächste Finalniederlage Faktum. Es ist ein Stück weit unvermittelt so, wie es vor dem Meistertitel gewesen ist.

Von Sättigung kann nicht die Rede sein. Aber womöglich wurde der Meistertitel zu klar erreicht, wurde danach trotz allem zu weit oben geflogen – gestossen und getragen und vergöttert von diesem in Gelb gekleideten Menschenmeer, das sich gesitteter aufführte als die Fans gegenüber in Weiss. Letztgenannte entwickelten im Stade de Suisse mehr Rauch und zündeten auf dem Fanmarsch unzählige und danach im Stadion zwei weitere Knallpetarden, die zur unbequemen Frage führen: Hat jemand einen Tinnitus? Diese unverantwortlichen Taten und die ausserhalb des Stadions präsenten Sicherheitskräfte riefen in Erinnerung, in welchem emotionalen Grenzbereich sich ein solcher Match bewegt.

Anders als Basel 2002

Die in ihrer Form ganzheitliche Niederlage könnte die Berner zur Demut zurückführen. Ihre Ausgangslage ist nun noch etwas deutlicher anders gelagert als diejenige des FC Basel 2002. Damals schafften die aufstrebenden Basler das Double, suchten keinen neuen Trainer wie jetzt YB, sprachen nicht über baldige Lücken im Team, sondern über teure Verstärkungen. Sie hatten auch nicht alternde Teamstützen wie den 34-jährigen Hoarau oder den 35-jährigen Steve von Bergen. Vor allem stärkte Basel im Herbst 2002 mit der Teilnahme an der Champions League das Fundament für die Eroberung des Schweizer Klubfussballs. Das ist zwar alles lang her, aber zeigt auf, dass YB labiler unterwegs ist, als es Basel damals war.


https://www.nzz.ch/sport/das-yb-spiel-z ... ld.1389197

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:11 
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«Der Schock sitzt tief»

Die YB-Spieler und ihre Stimmungslage nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen den FCZ im Cupfinal.

Die Young Boys haben nach der Meister-Euphorie im Cupfinal einen veritablen Dämpfer erlitten. «Der Schock sitzt tief», sagte Christian Fassnacht nach dem verloren Cupfinal gegen den FC Zürich.

Der YB-Mittelfeldspieler musste zugeben, dass dem Team der Fokus für diesen Final in den letzten Tagen etwas abhanden gekommen sei. «Wir waren nicht zu hundert Prozent bereit», sagte Fassnacht.


http://www.20min.ch/sport/dossier/super ... y/13874734

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:13 
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Wie ein verkaterter Festival-Sonntag

Den gefeierten Meistern der Young Boys gelingt es im Cupfinal nicht mehr, genügend Spannung aufzubauen – der leidenschaftliche FC Zürich setzt sich verdient 2:1 durch

Kopfkino kann alles. 10 Minuten vor Spielende erzielt Miralem Sulejmani im Cupfinal das 1:2-Anschlusstor für YB. In einer in­tensiven, über weite Strecken packenden Begegnung agiert der FC Zürich seit Mitte der zweiten Hälfte in personeller Unterzahl, Einwechselspieler Sangoné Sarr hatte den Berner Zweikampfminister Sékou Sanogo zweimal mit unerlaubten Mitteln gestoppt.

Und jetzt? Besiegen die Young Boys innerhalb weniger Fussballfestwochen gleich alle Dämonen? Die Cupfinals 1991 und 2009 hatten sie ja nach 2:0-Führung gegen Sion 2:3 verloren. Es würde in diesen für sie grandiosen Frühling passen, den umgekehrten Weg zu beschreiten – und Zürich in extremis noch zu bezwingen. Vielleicht durch einen Treffer von Jean-Pierre Nsame, wie damals im April, als der eingewechselte Angreifer gegen Luzern in der 89. Minute das Tor zur Meisterschaft schoss – und eine Explosion der Gefühle im Stade de Suisse auslöste. «Irgendeinisch chunnt dr Hanspeter», um zwei Züri-West-Zeilen YB-like zu vermischen. Man würde den Trainer Adi Hütter dann fragen, was er Hanspeter Nsame bei der herz­lichen Umarmung vor dessen Einwechslung zuflüsterte. Vielleicht: «Zeig der Schweiz, dass du besser als Michael Frey bist!»

Am Sonntagnachmittag kommt die 89. Minute – und der Ball zu Nsame. Diesmal aber ist etwas anders, diesmal läuft der Ball nicht für YB, diesmal ist die Luft draussen bei den Young Boys. Marco Wölfli, noch so ein grosser Berner Held dieser Wochen, stürmt schon vor der Nachspielzeit in den gegnerischen Strafraum. Im Kopfkino schiesst die Goalielegende YB in die Verlängerung, im Stade de Suisse verteidigt Zürich die Führung mit Herzblut, Kampfgeist, Siegeswillen. Es sind entscheidende Tugenden.

«29 Tage nach den hemmungslosen Feierlichkeiten bringt die YB-Familie nicht mehr die nötige Spannung auf.»

Und es ist eine YB-Niederlage mit gar nicht so leiser Ansage. Man erhielt in den letzten Wochen ja das Gefühl, dass diese Mannschaft viel, vielleicht zu viel gefeiert hatte. Einmal, zweimal, dreimal mit riesigem Brimborium und längst im edlen Rang von Fussballgöttern. Tout Berne liebt Adi Hütter und seine Jungs. Und so ist es am Sonntag keineswegs überraschend, wirken die Young Boys zu Beginn überhaupt nicht bereit. Sie erhalten lange Zeit keinen Zugriff aufs Geschehen, sie müssen sich vorerst gar dominieren lassen vom kecken Aussenseiter, der nach 13 Minuten 3:0 führen könnte.

Aber nur Michael Frey trifft bei einer seiner zwei Topchancen. Ausgerechnet Michael Frey. Nicht alle Berner lieben Hütter, einer bestimmt nicht, genau dieser Frey, der vom YB-Trainer im letzten Sommer aussortiert und durch Nsame ersetzt wurde. Sein Jubel gegen Berner Fans und Trainer nach dem 1:0 ist provokativ und Michi-Frey-mässig. Frey gerät wie auf einem Kreuzzug bald mit einem, zwei, drei YB-Akteuren heftig aneinander. Der eigenwillige Stürmer steht, wie erwartet, in seinem fussballerischen Wohnzimmer sofort im Brennpunkt.

Frey zeigt jenen beeindruckenden Biss, den die Young Boys vermissen lassen. Der Favorit ist satt. Und mit ihm das Berner Publikum, welches den Wettstreit gegen die FCZ-Anhänger um die Stimmungsherrschaft im Stade de Suisse deutlich verliert. YB ist im Cupfinal offiziell das Auswärtsteam, YB ist das auch gemessen an der Unterstützung von den Rängen. Es fühlt sich ein wenig so an, wie wenn man nach drei strengen Nächten an einem Open-Air-Festival am Sonntagnachmittag noch mal verkatert zum Konzert des berühmten Schmusesängers erscheint. Es ist zwar ein schöner Anlass, aber alle sind halt müde – und längst glücklich.

29 Tage nach den hemmungslosen Feierlichkeiten nach 31 Jahren Titellosigkeit am 28. April bringt die YB-Familie nicht mehr die nötige Spannung auf. Vielleicht ist auch eine Spur Selbstüberschätzung dabei. Da helfen all die Warnungen nichts, Hütters nächster Verein Frankfurt habe den DFB-Pokalfinal gegen den Favoriten Bayern auch sensationell gewonnen. Und Hütters letzter Verein Red Bull Salzburg habe das Endspiel in Österreich gegen den krassen Underdog Sturm Graz verloren.

Immerhin zeigt YB ab der 30. Minute endlich mehr Präsenz. Doch es ist der FCZ, der nach einem herrlichen Sololauf Antonio Marchesanos mit einem Spieler weniger eine Viertelstunde vor Schluss das frenetisch bejubelte 2:0 schiesst. Vielleicht ist es kein Zufall, erzwingt Techniker Miralem Sulejmani mit einem seiner raren Kopfballtore sofort den Anschlusstreffer. Sulejmani bleibt in Bern, er hat seinen Vertrag verlängert, obwohl auch der Serbe von zahlreichen ausländischen Vereinen umworben worden war. Über die Hälfte der Stammelf dagegen zieht es in eine Topliga, wie ihren Trainer, wer will das den talentierten Spielern verübeln? Aber diese Fussballer sind mit ihren Gedanken eben nicht mehr nur bei den Young Boys. Auch das ist ein Faktor, der am Sonntag eine Rolle spielt.

Und so endet diese grossartige Saison für YB mit der vierten Cupfinalniederlage in Serie. Von ganz allen Lastern kann sich der Club selbst in dieser historischen Saison nicht verabschieden. Zürich feiert mit dem couragierten Jungtrainer Ludovic Magnin nach mutigem Auftritt den verdienten Sieg auf dem in Zürich verhassten Kunstrasen. Diesmal jubeln in Bern die anderen – Züri-Fäscht statt Züri West im Stade de Suisse.

Im Schatten der Cupspezialisten des FC Sion (13 Siege in 14 Finals) verschönert der FCZ seine ebenfalls imposante Bilanz (11. Erfolg im 12. Endspiel). Magnin und sein sogar noch ungestümerer Assistent René van Eck symbolisierten dabei am Sonntag wie Frey den ausgeprägten FCZ-Hunger, während die Atmosphäre bei YB auch von Melancholie geprägt ist. Es ist der letzte Auftritt dieser wunderbaren Mannschaft, nicht nur Hütter wird gehen, sicher ein, zwei, drei, vielleicht vier oder fünf Akteure werden Bern verlassen, YB steht vor einem markanten Umbruch.

Aber man wird nicht an den Cupfinal denken, wenn man sich an dieses Team erinnert. Sondern daran, wie die Stadt Bern ein, zwei, drei Wochen lang südländische Fussballekstase zelebrierte. Und wenige Minuten nach Abpfiff ist der Cupfinal auch auf dem sonnenbeschienenen Vorplatz des Stade de Suisse schon fast verarbeitet. Ganz in Gelb gewandete Menschen trinken Bier, manche lachen, einer schreit: «Ist doch scheissegal.» Und dann johlt er beschwingt: «Meister, Schweizer Meister, schalalalalalalala.»


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/20166271

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:20 
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Frühes Zürcher Feuer, zu spätes Berner Echo

Drei Tore, ein Platzverweis und jede Menge Zündstoff: Der Cupfinal zwischen dem FCZ und YB war eines der attraktivsten Schweizer Fussballspiele in diesem Jahr.

Und plötzlich kam Adi Hütter doch noch zu einem Spalier an diesem Cupfinalnachmittag. Es war gut eine Stunde nach Spielschluss, die Niederlage gegen den FCZ Tatsache, die Trophäe gestemmt, als der YB-Trainer zur Pressekonferenz durchs Stadion schritt. Immer wieder wurde er von Fans aufgehalten, erhielt Umarmungen, Glückwünsche, Handschläge.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen», sagte Hütter, «aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»Dass Hütter in seinem letzten Spiel als YB-Trainer vor dem Abgang nach Frankfurt keinen Sieg feiern konnte, lag auch, aber nicht nur am Gegner, und es lag auch, aber nicht nur an seiner Mannschaft.

Aggressiv und wach zeigte sich der FCZ von der ersten Sekunde an, angeführt vom hoch motivierten, schier überbordenden Michael Frey. Lethargisch und behäbig zeigten sich die Young Boys phasenweise, so, dass man sich unweigerlich fragte, ob die Berner in den Wochen der Feierlichkeiten rund um den Gewinn des Meistertitels an Biss verloren hätten.

Frey traf Sanogo im Gesicht

«Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Mannschaft in den letzten Tagen unkonzentriert ans Werk ging», sagte zwar Hütter. Aber in den ersten dreissig Minuten des Cupfinals, da war sie nicht bereit.

Frey nach zwei, Adrian Winter nach fünf, wieder Frey nach elf Minuten – drei Top­chancen hatte der FCZ, und eine davon nutzte Vorkämpfer Frey zur Führung. Aus knapp 20 Metern zog er ab, sein Schuss zischte erst YB-Captain Steve von Bergen durch die Beine und schlug dann präzise im linken Eck ein. Wumm, ein Paukenschlag, 1:0.

«Natürlich wäre ich lieber als Sieger gegangen, aber diese Anerkennung ist trotzdem schön.»Adi Hütter

Keine drei Minuten später musste YB-Goalie Marco Wölfli nochmals gegen Winter retten, zwischendurch hatte Christian Fassnacht für YB eine Kopfballchance. Gut und gern vier Tore hätten in dieser Startviertel­stunde fallen können, es blieb beim einen für den FCZ.

Aber das Feuer war gelegt in der Partie. Von Bergen und Frey, die früheren Teamkollegen, gerieten aneinander, dann waren es Frey und Sanogo, wobei der Berner den Ivorer im Gesicht traf. Schiedsrichter Adrien Jacottet entschied sich in dieser heiklen Szene für je eine Verwarnung. Das Tempo blieb hoch, Roger Assalé kam zum Abschluss – Rasmus Thelander rettete für den FCZ spektakulär auf der Linie.

Längst war YB aus seinem Startschlaf erwacht, hatte jetzt mehr Anteile und war mehr am Ball. Aber Ludovic Magnin hatte seine Mannschaft hervorragend eingestellt, Zürich blieb in seinen wenigen Aktionen gefährlich, und so entwickelte sich ein munteres Hin und Her, das erst mit dem Halbzeitpfiff beschlossen wurde.

Für Durchgang zwei war die Berner Marschroute klar. Viel lief bei YB übers Zentrum, über den unwiderstehlichen Sanogo. Der zur Pause eingewechselte Sangoné Sarr wusste sich gegen ihn Mal um Mal nur mit einem Foul zu helfen, sah schnell einmal die Gelbe Karte – und flog in der 67. Minute nach einem erneuten Vergehen gegen Sanogo mit Gelb-Rot vom Platz.

Sulejmani für einmal per Kopf

Das schaffte Raum für das letzte Aufbäumen der Berner – welches jäh vom Zürcher 2:0 unterbrochen wurde: Antonio Marchesano liess Kasim Nuhu elegant aussteigen, traf stilsicher und stürzte den FCZ eine Viertelstunde vor Schluss schon fast in den finalen Titeljubel.

Keine fünf Minuten später glückte Sulejmani aus dem Nichts der Anschluss, der kleine Serbe traf für einmal per Kopf. Thelander blockte noch einmal einen Schuss im Strafraum, dann eilte Wölfli mit nach vorn, die Zeit lief den Bernern davon, es lief die 91., dann die 92. Minute, es wurde noch einmal hitzig, dann war alles vorbei.

Für den FCZ begann die grosse Feier, den Young Boys blieb als Letztes die Ernüchterung und ihrem Trainer die Erkenntnis, in Bern dennoch einiges bewirkt zu haben. Nur sein letztes Ziel, das erste Double seit 1958, verfehlte Adi Hütter mit YB.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/19971223

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«YB hat nicht so fest an mich geglaubt»

Der FCZ ist Cupsieger, mitentscheidend war Michael Freys 1:0. Dieser sorgte mit seinem Jubel vor Hütter für Fragezeichen. Nun kommt seine Begründung.

Nicht einmal zehn Minuten sind im Cupfinal gespielt, da zieht Michael Frey von der Strafraumlinie ab und trifft flach in die Ecke. 1:0 für Zürich. Es ist eine wichtige Szene im Spiel und ein grosser Moment für den 23-Jährigen. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Eben vor der Kurve habe ich noch geweint, aber jetzt bin ich schon wieder einigermassen gefasst», sagt er nach der Partie.

Der Seitenhieb gegen den Ex-Verein

«Es war ein richtiger Cupfinal, in welchem wir einfach kaltblütiger waren.» Vor allem sei es besonders, gegen die Young Boys – Freys Ex-Verein – zu gewinnen. «Als kleiner sechsjähriger Junge habe ich schon immer geträumt, in diesem Stadion einen Titel zu gewinnen. Jetzt habe ich ihn – einfach in anderen Farben.»

YB gönne er zwar den Meistertitel und sei stolz auf seinen Ex-Verein. Doch er fügt hinzu: «Als ich in Bern war, hat man nicht so richtig an mich geglaubt.» Dies ist auch der Grund für die skurrile Szene kurz nach dem Treffer. Denn anstatt zur Fankurve zu rennen, macht Frey eine Kehrtwende und stürmt in Richtung Spielerbank. Dabei sprintet er jubelnd und mit Blickkontakt sehr nahe an YB-Trainer Adi Hütter vorbei. Die Begründung folgt im SRF-Interview. «Mein Jubel vor Hütter? Ich wollte zeigen: Vielleicht hätte YB das Double geholt, wenn ich noch bei ihnen wäre.»

«Diesen Titel teile ich mit Uli Forte»

Grund zum Jubeln hat auch FCZ-Trainer Ludovic Magnin. Der Lausanner weiss, weshalb sein Team gewonnen hat: «Die Mentalität ist eine Qualität dieser Mannschaft. Sie hat seit drei Monaten hart gearbeitet und wir haben gesehen, dass man in einem Spiel viel erreichen kann.» Magnin dankt dabei nicht nur dem Präsidenten Ancillo Canepa und seiner Frau, sondern auch seinem Vorgänger: «Diesen Titel teile ich mit meinem Vorgänger Uli Forte, denn er hat diese Mannschaft in die Halbfinals gebracht.»


http://www.20min.ch/sport/fussball/stor ... r-30300724

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:27 
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Die letzte grosse Party – nach dem Cup-Sieg wird sich der FCZ verändern

Der FC Zürich gewinnt gegen YB zum zehnten Mal den Schweizer Cup. Ludovic Magnin besteht seine erste grosse Prüfung als FCZ-Trainer. Doch für nächste Saison steht ein Umbruch bevor.

Einen schnelleren Trainer hat man im Schweizer Fussball noch nie gesehen. Ludovic Magnin trug Anzug, Krawatte und nicht unbedingt die passendsten Schuhe, aber aufhalten konnte ihn niemand. Er rannte mit einer Überdosis Adrenalin im Blut los, als ginge es um sein Leben, und war nach dem 2:1-Sieg im Cup-Final als Erster in der Fan-Kurve des FC Zürich. Magnin war an diesem Nachmittag die perfekte Fotokopie seiner Mannschaft; sie war wie der Trainer manchmal fast schon ungesund aufgeputscht und leidenschaftlich, wie man sie schon lange nicht mehr erlebt hat.

Man weiss vielleicht noch nicht allzu viel über den erst 39-jährigen Trainer Magnin, eigentlich ist er ja immer noch in der Ausbildung, am Donnerstag hat er eine Prüfung. Aber etwas hat man nun schon im Stade de Suisse erfahren können: Er kann eine Mannschaft für einen grossen Tag bereitmachen. Für dieses eine Spiel hat Magnin den FCZ wie einen Rennwagen getunt und ihn überraschend schnell gemacht. Nur schon deshalb hat sich der Wechsel vor drei Monaten vom Trainer Uli Forte zu Magnin gelohnt. Forte war im November nach Bern gereist und hatte sich quasi geweigert, gegen YB mitzuspielen. Mannschaften, die dies versucht hätten, hätten «1:6, 1:5 oder 0:3» verloren, sagte er. Der FCZ hatte damals nur 1:2 verloren. Aber er war als mutlos verschrien. Vielleicht ist der FCZ unter Magnin manchmal etwas überreizt. Aber feige ist er nie.

Als der Präsident Ancillo Canepa an diesem Sonntag auf dem Rasen stand und mit beiden Zeigefingern auf Magnin deutete, sagte er damit auch: «Ich hatte recht mit deiner Wahl.» Canepa nahm Magnins Gesicht in beide Hände, die Geste hatte etwas Väterliches. Es war vor ein paar Monaten vor allem ein Bauchgefühl, das Canepa dazu bewogen hatte, Forte freizustellen. Jetzt weiss er, dass ihn dieses damals noch vage Gefühl nicht getäuscht hat. Und Magnin weiss, wem er Dank schuldet: dem Ehepaar Canepa und dem Sportchef Thomas Bickel, die ihm vertrauten. Trotz allem Selbstbewusstsein ist Magnin demütig. Es sei mutig gewesen, ihn zu verpflichten.

Wenn es an diesem Sonntag einen entscheidenden Unterschied zwischen den Young Boys und dem FC Zürich gab, dann diesen – der FCZ spielte so emotional, dass YB von dieser Gefühlsdosis überfordert war. Der FCZ war der verdiente Sieger eines Spiels, in dem er YB mit einem einzigen Muskel geschlagen hat: dem Herzen. In Unterzahl in der zweiten Halbzeit, hatten die Zürcher fast nur noch zu überleben versucht, aber selbst das sah bei ihnen noch gut aus. Es war ein ehrlicher Kampf mit jungen Spielern, mit denen Magnin erst vor kurzem die U-18-Meisterschaft gewonnen hat. Nun stehen sie für die Zukunft des Vereins. Aber es waren nicht die Jungen allein. Diese Mannschaft hat sich das Beste dieser Saison für den Schluss aufgespart, «Save the best for last», wie in dem Song von Vanessa Williams. Das gilt für Rasmus Thelander, dessen letztes Spiel für den FCZ auch sein bestes war, oder für Cédric Brunner, auch er einer, der den FCZ verlassen wird. Und natürlich für die Torschützen Antonio Marchesano und Michael Frey, die dem FC Zürich so viel versprochen und nun auch viel gehalten haben. Magnin und sein FCZ haben in Bern ein Hochrisikospiel gespielt, ein mutiges «alles oder nichts», ohne mit den Kräften zu haushalten. In einer allfälligen Verlängerung wären sie «tot» gewesen, sagte Magnin, «aber es gab keine Verlängerung». Sein Plan hatte eine Overtime nicht vorgesehen, und dieser Tag in Bern war ein so guter Tag, dass er sich an Magnins Plan hielt.

Zum fünften Mal in Folge hat der FC Zürich nun einen Cup-Final gewonnen, den zehnten insgesamt. Und obwohl man mit diesen Vergleichen vorsichtig sein sollte: Langsam wird der FCZ im Cup zu einem kleinen FC Sion mit seinem ganz eigenen Mythos. Nach dem traurigsten Cup-Sieg 2016 in der Abstiegssaison folgte nun einer der schönsten Siege – nicht nur, weil selbst Gegner einräumten, der FC Zürich sei besser gewesen, sondern auch, weil dieser Erfolg mit einem Fahrplan verbunden ist, vielleicht sogar einem Aufbruch in eine neue Zeit, die den Klub wieder an die nationale Spitze bringen soll. Magnin sagte, man wolle den beiden grossen Vereinen Young Boys und FC Basel künftig Paroli bieten – und natürlich meinte er nicht bloss den Cup, sondern auch die Meisterschaft. Selbstverständlich denkt man in solchen Momenten immer auch an Lucien Favre, der 2005 zuerst den Cup und danach wieder Meistertitel gewann. Das könnte die Vorlage für die Zukunft sein, die sich der Klub wünscht.

Der FCZ wird sich dafür nochmals verändern müssen, eine ganze Saison lang kann man nicht so spielen, wie er es an diesem Sonntag getan hat. Oder auf Magnins Einstiegsszene übertragen: Aus dem Sprinter muss ein Marathonläufer werden. Dafür braucht es ganz andere Qualitäten. Die Einnahmen aus der Europa League, bis zu fünf Millionen Franken, sollten es dem FCZ erlauben, eine Mannschaft zusammenzustellen, die ihn in der Meisterschaft weiter nach oben tragen wird. Und der Umbruch könnte gross werden. Magnin sprach «von der letzten grossen Party», die man nun mit diesem Kader feiern werde. In dieser Mannschaft gibt es immer noch Spieler, die für die Aufstiegssaison verpflichtet worden sind, und nicht alle genügen den Ansprüchen, wenn der FC Zürich wirklich wieder eine Spitzenmannschaft sein möchte.

Als Canepa im letzten Sommer die Prognose wagte, der FCZ werde nächste Saison europäisch spielen, wurde er belächelt. Aber er wusste, dass er und sein Sportchef Bickel eine Cup-Mannschaft zusammengestellt hatten, die für diesen Wettbewerb wie gemacht schien. Die nächste Aufgabe wird schwieriger: ein Team zu bauen, um erstmals seit 2009 wieder eine Meisterschaft zu gewinnen.


https://www.nzz.ch/sport/die-letzte-gro ... ld.1389214

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 Beitrag Verfasst: Montag 28. Mai 2018, 00:29 
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Michael Frey und YB: Wahrheiten einer Trennungsgeschichte

Michael Frey führt den FC Zürich gegen seinen früheren Lieblingsklub zum Cup-Sieg. Der Saisonverlauf gibt aber auch den Young Boys recht.

Doch, doch, er passe durchaus in ein Schema, sagte Michael Frey im vergangenen Sommer, sein Schema sehe nämlich so aus: «Ich versuche so zu spielen, dass wir gewinnen. Vielleicht mache ich es nicht in allen Momenten so, wie es der Trainer will, sondern eher, wie ich es situativ für richtig empfinde.»

Cup-Finals kommen wie gerufen für solche Schemata, für von Intuition und Emotionen getriebene Spieler. Vom allerersten Moment an sprach aus Frey dieser unbedingte Wille, aus dem Cup-Final etwas Besonderes zu machen. In der zweiten Minute lief er alleine aufs Tor zu und scheiterte knapp. Bald darauf aber brachte er sein Team in Führung. Es war der Wegweiser zum Titel.

Frey wuchs in Münsingen auf, nur einige Kilometer von Bern entfernt. YB war sein Traum, im Stade de Suisse wollte er einmal einen Titel gewinnen. Und am Sonntag schaffte er es – als Stürmer des FC Zürich, seit einem Jahr nicht mehr bei YB, verabschiedet und verletzt.
Ins Gesicht geschrien

Über die Tiefe dieser Verletzung sprach er nie öffentlich, er liess sie höchstens durchschimmern, andere redeten nur hinter vorgehaltener Hand darüber. Aber am Sonntag brach es zuerst aus ihm heraus, ohne dass er redete. Nach dem 1:0 rannte Frey am YB-Trainer Adi Hütter vorbei und schrie ihm ins Gesicht. Und als die Verlierer den Siegern Spalier standen und jeder jeden abklatschte, da schien es, Frey habe wirklich jeden abgeklatscht – bloss Hütter nicht.

Und so erzählte dieser Cup-Final viel mehr von dieser Trennungsgeschichte als manch ein verklausulierter Satz der letzten Monate. Mit seiner Herkunft und seiner Extrovertiertheit wirkte Frey einst wie gemacht für die Young Boys der Zukunft, und beide Seiten, YB und Frey, hätten sich mögen wollen – aber sie hielten sich nicht mehr aus. Frey wollte eine Führungsrolle einnehmen, nachdem er 2016 nach Abstechern nach Lille und Luzern zu YB zurückgekehrt war. Aber er fand seinen Platz nicht mehr, weder auf dem Platz noch in der Hierarchie. Er brauche viel Betreuung, heisst es; er wolle immer spielen, immer von Anfang an, und wenn dem nicht so sei, werde es anstrengend. Bei YB hatte es im Sturm auch Guillaume Hoarau und Roger Assalé gegeben, im FCZ aber stiess Frey auf Leute, die bereit schienen, ihm einen hohen Status zu geben. Für den FCZ kam er zu 31 Super-League-Einsätzen, 30-mal spielte er von Anfang an. Er galt als Forte-Spieler, vom Trainer Uli Forte gewünscht und gefördert – weil sie Brüder im Geiste seien, Menschen, die stark über die Motivation funktionieren. Doch der Sportchef Thomas Bickel stärkte Frey genauso, und die grosse Erweckung mit sechs Toren in den letzten fünf Spielen erlebte Frey erst, nachdem ihn der neue Trainer Ludovic Magnin einmal aus dem Kader gestrichen hatte.

Die Frage des Mehrwerts

In der Schlussphase dieser Saison fern von Bern hat Frey sein Profil geschärft, er hatte nicht nur die Rolle des Leaders, sondern spielte sie auch, ein gewisser heiliger Zorn trieb ihn bis zum Final. Als wolle er jedes falsche Wort vermeiden, gab er in den vergangenen Tagen keine Interviews, und dieser eine Satz nach dem Cup-Final legte nahe, dass es vielleicht keine schlechte Idee gewesen war. Denn Frey sagte vor der TV-Ka­mera, wenn er noch bei den Young Boys wäre, hätten sie vielleicht das Double geholt.

Mit diesem Seitenhieb legte Frey quasi Wahrheiten der Trennung offen, seine Verletztheit, sein Selbstverständnis – und dass er mehr gelitten hatte unter seinem Abgang als YB. Der FCZ-Sportchef Bickel hatte 2017 gesagt, Frey sei «ein Mehrwert im Sozialgefüge». Genau dieses Plus hatte YB nicht mehr gesehen. Und so lag darin die einzige Versöhnlichkeit dieser Partie: Irgendwie gab sie beiden Seiten recht. Frey hat etwas Spezielles, das ihn Spiele prägen und entscheiden lässt, und er verhehlt nicht, dass auch er dieser Meinung ist. Aber um heuer Meister zu werden, brauchte YB nicht Spieler für ein Spiel, sondern eine Mannschaft für eine ganze Meisterschaft.


https://www.nzz.ch/sport/michael-frey-u ... ld.1389210

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Der Torte fehlt die Kirsche

Ein Sieg im Cupfinal sollte die Krönung einer meisterlichen Fussballsaison für YB sein. Doch die Feiern der letzten Wochen erhielten einen enttäuschenden Schlusspunkt.

Trotz des lange ersehnten und ekstatisch gefeierten Meistertitels gehen YB-Fans mit einer Enttäuschung in die Sommerpause: Den gestrigen Cupfinal im Stade de Suisse gegen den FC Zürich verloren die Young Boys mit 1:2. Für den in diesem Jahr so dominanten Berner Fussballverein schien das Double bereits vorbestimmt. Zum ersten Meisterschaftsgewinn seit 1986 sollte der erste Cupsieg seit 1987 dazukommen. Doch das, was ein Fan im Vorfeld als «die Kirsche auf der Torte» bezeichnete, blieb aus. Für viele Anhänger des BSC YB verleiht dies der Meistersaison einen bitteren Nachgeschmack.

Frühstück mit Gipfeli und Bier

Bei der morgendlichen Zusammenkunft auf dem Bärenplatz zeigten sich die Berner Fans zuversichtlich, dass die Young Boys auch im letzten Spiel der Saison einen Sieg einfahren könnten. Ihr selbst zusammengestelltes Supporter-Frühstück aus Gipfeli, Bier und Alcopops, aber auch ein Gefühl der Vorsehung befeuerten ihren Optimismus.

«Wir haben YB auch noch unterstützt, als sie in der Nationalliga B vor 3000 Leuten spielten», sagte Jüre, der mit seinem Kumpel Urs an den Match ging. Jahrelang hätten sie mit dem Team mitgelitten. «Jetzt werden wir endlich für unsere Treue belohnt.» Doch auch jüngere Fans sahen den Cup nicht als unwichtig an: Viele sprachen von Kirschen, Sahnehäubchen, i-Tüpfelchen und Krönungen. So sagte Kevin etwa, diese Krönung verdiene vor allem Meistertrainer Adi Hütter. Der Österreicher stand am Sonntag zum letzten Mal als YB-Trainer an der Seitenlinie; ab nächster Saison übernimmt er bei den Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Ausschreitungen oder Randale gab es vor dem Spiel kaum: Die Fanmärsche der konkurrierenden Supporter begannen zeitgleich, führten aber über unterschiedliche Wege zum Stadion. Der YB-Marsch durch Altstadt und Breitenrainquartier nahm dieselbe Route und zeigte dieselbe Ausgelassenheit wie der Meisterumzug vor einer Woche. Bei der Ankunft im Wankdorf war die Anspannung jedoch bereits spürbarer.

YB-Anhänger Alain beschrieb seine Gemütslage mit den Worten «grosse Vorfreude, grosse Nervosität». Die erste halbe Stunde im Match werde entscheidend sein. Noel sagte einen Sieg der Young Boys voraus. Einige Faktoren könnten aber den Spielern in Gelb-Schwarz zum Verhängnis werden. «Sie sind schon lange im Partymodus, der Trainer geht, und die Form hat seit dem Titelgewinn etwas nachgelassen.» Diese Analysen erwiesen sich als scharfsichtig: Vom Anpfiff an schienen die Berner Spieler unkonzentriert, und nach elf Minuten fiel bereits ein Zürcher Tor, von dem sich YB nie mehr richtig erholen sollte.

«Einfach zu locker genommen»

Beim Abpfiff war von der Berner Euphorie nach dem Meistertitel nichts mehr zu spüren. Beim Public Viewing auf dem Bundesplatz schwankte die Stimmung zwischen Trauer und Zorn. Ein kleiner Junge in gelb-schwarzem Trikot trat wütend in einen Haufen leerer Bierdosen, Erwachsene mussten mit den Tränen kämpfen. Die jubelnden Gesichter der FCZ-Spieler auf der Grossleinwand wurden mit Flaschen beworfen.

Auch vor dem Stade de Suisse war die Enttäuschung gross: Still und hastig verliessen die YB-Anhänger das Stadion. «Die letzten vier Wochen haben sie gefeiert, heute haben sie es einfach zu locker genommen», sagt Nick. Der gesperrte Kevin Mbabu habe gefehlt, einigen YB-Spielern auf dem Feld habe man angemerkt, dass sie den Kopf woanders hatten – womöglich schon bei einem anderen, grösseren Club. «Der Meistertitel ist für mich jetzt nur ein Pseudo-Trost», sagte Nick.

«Frühling war unvergesslich»

Auch nach dem Spiel kam es zu keinen Auseinandersetzungen zwischen den Fans, trotz Berner Frust und Zürcher Siegestrunkenheit verhielten sie sich auf beiden Seiten mehrheitlich ruhig. Für Berns Stadtpräsidenten Alec von Graffenried (GFL) war dies ein Pluspunkt an einem sonst enttäuschenden Tag (siehe Text unten). Doch er rief auch YBs Glanztaten in Erinnerung: «Den Meisterbecher kann uns niemand nehmen und dieser Frühling mit YB war einfach unvergesslich», sagte er. Die Berner sollten sich nicht die Laune verderben lassen. «YB und ganz Bern können beschwingt in die nächste Saison starten.»


Fanmärsche: Trotz Petarden und Pyros weitgehend friedlich

Beim Cupfinal kam es zu keinen Konfrontationen zwischen den beiden Fanlagern.

Am Sonntag Vormittag zogen die YB- und die FCZ-Fans auf gesonderten Routen zum Stade de Suisse. Die beiden Fanmärsche waren bewilligt, die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent. «Die Anreise der Fangruppierungen sowie die beiden bewilligten Fanmärsche konnten ohne Konfrontation abgewickelt werden», bilanzierte die Polizei. Dennoch verliefen die Märsche nicht ohne Probleme.

Auf beiden Routen kam es zu Behinderungen des privaten und öffentlichen Verkehrs. Zudem zündeten beide Fanlager pyrotechnisches Material und auch Knallpetarden. Zwei unbeteiligte Personen meldeten sich wegen eines möglichen Hörtraumas. Ausserdem gingen bei der Polizei Meldungen wegen öffentlichen Urinierens und Sprayereien ein sowie auch wegen Diebstählen in einem Tankstellenshop durch FCZ-Anhänger.

Laut Polizei seien zudem bereits vor Beginn der Fanmärsche Fahrzeuge in der Stadionregion versprayt worden. Zwei FCZ-Fans wurden vorübergehend angehalten, weil sie Sicherheitspersonal attackiert hatten.

Die Abreise nach dem Spiel verlief nach Polizeiangaben weitgehend ruhig und geordnet. Die FCZ-Fans hätten die sechs Extrazüge relativ zügig bestiegen, teilte die Polizei mit. Nach einem Flaschenwurf gegen die Polizei wurden aber zwei Personen angehalten. Weitere Abklärungen seien im Gang.

Zusammenarbeit «modellhaft»

Auch Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zog eine positive Bilanz: «Es ist alles weitgehend friedlich verlaufen und das Ganze behielt Fussballfestcharakter.» Er gab jedoch auch zu, er sei, insbesondere wegen der Fanmärsche, im Vorfeld «etwas besorgt» gewesen. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. «Die Zusammenarbeit aller Beteiligten, von den Clubs über die Fanorganisationen bis zu den Kantonspolizeien, war modellhaft», sagte von Graffenried. Das stimme ihn optimistisch für die Zukunft von Sportanlässen in Bern. «So kann der Cupfinal wieder regelmässig in Bern stattfinden.»


https://www.derbund.ch/bern/nachrichten ... y/14280428

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