08.04.2013

Zitat:
Ein Ende mit Schrecken und Vitkieviez’ Genugtuung
Nach dem 0:2 gegen Servette liessen die YB-Fans ihrem Ärger freien Lauf. Der von Martin Rueda nicht mehr erwünschte Matias Vitkieviez war an beiden Genfer Toren beteiligt.
Dem Schlusspfiff des Schiedsrichters folgte ein gellendes Pfeifkonzert. Und die YB-Fans wurden auch nicht ruhiger, als sich in der Folge eine Mehrzahl der Berner Akteure um Marco Wölfli, Mario Raimondi und Alain Nef an der Absperrung zur Ostkurve erklären wollte. Ein erboster Zuschauer warf gar ein Trikot, das er von einem Spieler erhalten hatte, zurück auf den Platz. «Ich verstehe die Fans. Ich bin ja selbst sehr enttäuscht über unsere Leistung», sagte Torhüter Wölfli, der über eine Viertelstunde lang mit den Anhängern diskutiert hatte.
Mit Pfiffen und der Verhöhnung der eigenen Mannschaft – in der Schlussphase bejubelten die Zuschauer jeden erfolgreichen Pass des Heimteams – äusserte das Publikum bereits während der Partie mehrmals seinen Unmut. «Mir tut es leid für die Fans», sagte Martin Rueda, der zu diesem Zeitpunkt noch YB-Trainer war. Und mit der Vorahnung, dass die 0:2-Niederlage gegen Servette das Ende seiner Zeit bei den Young Boys bedeuten würde, gab er enttäuscht, aber gefasst zu: «Manchmal hadert man mit seinem Schicksal.»
Die vergebenen Chancen
Rueda meinte damit, dass seine Spieler, wie schon eine Woche zuvor gegen Lausanne, in der ersten Halbzeit vorzügliche Chancen vergaben. Samuel Afum, Mario Raimondi und Alexander Farnerud hätten bis zur 30.Minute den Führungstreffer für die Young Boys erzielen müssen. Doch alle drei liessen die nötige Präzision im Abschluss vermissen und scheiterten an Torhüter João Barroca. Die verpassten Möglichkeiten hinterliessen bei YB ihre Spuren. Die Gelb-Schwarzen wurden von Minute zu Minute unsicherer und konnten froh sein, nicht schon vor der Pause in Rückstand geraten zu sein: Der Genfer Geoffrey Tréand scheiterte in der 36.Minute nach einer schönen Kombination an Wölfli, sechs Minuten später traf Vincent Ruefli mit seinem Distanzschuss nur die Latte.
Rueda sagte, er habe während des Spiels eine gewisse Machtlosigkeit, aber auch Ärger darüber verspürt, dass seine Akteure nach gutem Beginn nicht weiter gespielt hätten. Der geschasste Trainer muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, mit seinen Auswechslungen und taktischen Anpassungen keine Wirkung erzielt zu haben. Im Gegenteil. Die Darbietung der Young Boys wurde von Minute zu Minute grauenhafter. Die Höhepunkte des Schreckens ereigneten sich zwischen der 66. und 70.Minute. Zuerst stieg Gonzalo Zarate halbherzig in den Zweikampf gegen Alexandre Pasche, dieser bediente Matias Vitkieviez, welcher herrlich mit der Hacke zum 1:0 für Servette traf. Und kurz darauf genügte ein simpler Haken des YB-Leihspielers, um Marco Bürki auszuspielen. Der Pass des uruguayisch-schweizerischen Doppelbürgers fand Goran Karanovic, der kaltblütig den zweiten Genfer Treffer erzielte.
Der persönliche Triumph
Ausgerechnet Vitkieviez war damit am Scheitern Ruedas massgeblich beteiligt. Der Mittelfeldspieler hatte unter dem ehemaligen YB-Trainer keine Perspektiven mehr gesehen und sich im vergangenen Januar zu Servette ausleihen lassen. Vor der gestrigen Partie beschwerte er sich in der «Tribune de Genève» über Rueda und dessen Umgang mit ihm. Nach dem Spiel sagte er: «Ich wollte zeigen, dass er sich in mir getäuscht hat. Und dass ich diesem Team hätte weiterhelfen können.» Freilich vergass er dabei, dass er im YB-Trikot nur selten überzeugt hatte. Als Vitkieviez in der 82.Minute ausgewechselt wurde, spendete ihm das Berner Publikum Applaus. Eine Anekdote, die zum rabenschwarzen Tag Martin Ruedas passte.
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