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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 19. September 2012, 23:07 
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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 07:27 
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Ein Abend für die Geschichtsbücher

YB empfängt am Donnerstag zum Start der Europa League den FC Liverpool – und träumt von einer historischen Begegnung im vermutlich ausverkauften Stade de Suisse.

Wenn jeder, der von sich behauptet, damals live im Stadion gewesen zu sein, wirklich im Wankdorfstadion selig anwesend war, dann müssten gefühlte 100'000 Menschen den historischen YB-Erfolg gesehen haben. Zumindest erhält man diesen Eindruck, weil alle älteren Berner Fussballfreunde mit glänzenden Augen vom 1:0-Heimsieg der Young Boys im Halbfinalhinspiel des Meistercups am 15.April 1959 gegen Stade de Reims berichten. Die Berner verloren das Rückspiel in Paris 0:3, doch Reims und das Siegestor des legendären Geni Meier stehen bis heute als Synonyme für den grössten YB-Auftritt der Vereinsgeschichte. Die wohl auf ewig bestehende Schweizer Rekordkulisse von 63'000 Zuschauern wurde offiziell vermeldet, laut Zeitzeugen drängten sich aber über 70'000 Leute ins hoffnungslos verstopfte Wankdorf.

Liverpool mit B-Team

Möglicherweise bestreiten die Young Boys heute mal wieder ein Spiel für die Geschichtsbücher. Nörgler werden anmerken, es handle sich am Donnerstag bloss um eine Begegnung der zweitklassigen Europa League, es sei kein Halbfinalspiel, sondern bloss die erste Vorrundenbegegnung, zudem trete der FC Liverpool nur mit einem besseren B-Team an. Und das alles stimmt ja auch. Aber Ilja Kaenzig, der YB-CEO, liegt gleichfalls richtig, wenn er anmerkt: «Liverpool ist Liverpool. Die Strahlkraft dieses Vereins geht über die Spieler hinaus. Der FC Liverpool ist ein Mythos, und es ist für YB ein Abend zum Geniessen, in einem Pflichtspiel gegen einen solch prominenten Verein antreten zu dürfen.»

Die Zuschauer sehen das ähnlich, heute könnte erstmals seit der Partie gegen Reims wieder ein internationales YB-Heimspiel vor vollen Rängen stattfinden. Im UI-Cup gegen Marseille (2:3) im Sommer 2005 wurde das Stade de Suisse zwar als ausverkauft gemeldet, aber damals liess man kurz vor Eröffnung der Arena bloss 14000 Leute ins Stadion. Für die heutige Begegnung sind bisher rund 29500 Tickets verkauft worden. Vor zwei Jahren, im Hinspiel der Champions-League-Playoffs gegen Tottenham (3:2), erschienen 30166 Besucher, restlos gefüllt ist die Arena bei 31120 Zuschauern. Und in der 1.Runde des Meistercups 1986 gegen Real Madrid (1:0), einer anderen grossen YB-Partie, waren 32'000 Zuschauer im Wankdorf (Fassungsvermögen damals: 50'000).

Der FC Liverpool wird heute einige Starspieler schonen, was nicht unbedingt ein Vorteil für YB sein muss, weil die jungen, talentierten Akteure der Engländer ihre Spielgelegenheit bestimmt motiviert wahrnehmen wollen. YB-Trainer Martin Rueda ist erstaunt über das Vorgehen seines Kollegen Brendan Rodgers: «Liverpool ist ja nach dem unbefriedigenden Start in die Saison nicht in der Situation, um Leistungsträger zu schonen.» Die heimische Liga aber und das Spiel gegen Rivale Manchester United am Sonntag ist für Liverpool wichtiger als das Duell mit einem Schweizer Vertreter.

Lukrativer Europacup

Für YB dagegen ist die heutige Veranstaltung sportlich und wirtschaftlich ein Höhepunkt. Etwas weniger als 1 Million nimmt der Klub allein heute ein, insgesamt werden es aus den Heimspielen gegen Liverpool, Udinese und Anschi rund 2,5 Millionen sein. Zusammen mit dem Europa-League-Startgeld (1,3 Millionen) und weiteren Erträgen aus Zentralvermarktung und TV dürfte YB im Herbst zwischen 5 und 6 Millionen im Europacup einnehmen. Das ist auch abhängig von den Prämien, pro Sieg gibt es 250'000 Franken vom Europäischen Fussballverband – und pro Remis 125'000 Franken.

Es geht heute für YB also um Ruhm, Ehre und Geld. Vielleicht ist es ein gutes Omen, setzten sich die Young Boys gegen Reims, Real Madrid und Tottenham zu Hause durch – auswärts dagegen kassierten sie hohe Niederlagen (0:3, 0:5, 0:4). Viele YB-Fans freuen sich ja bereits auf das Spiel Ende November an der legendären Anfield Road gegen Liverpool. Wenn jeder, der heute behauptet, er reise nach England, wirklich dort sein wird, dürften gefühlte 5000 Berner Supporter in Liverpool dabei sein.

Das Spiel

Das Spiel der BSC Young Boys gegen Liverpool FC findet am Donnerstag, 20. September 2012, um 19.00 Uhr im Stade de Suisse in Bern statt. Es wird von SF 2 live übertragen.

Die Young Boys spielen ohne Alain Nef (gesperrt nach roter Karte gegen Midtjylland), Josh Simpson (Schien- und Wadenbeinbruch), Pascal Doubai (Oberschenkelverletzung) und Marco Bürki (Mittelfussbruch).

Bisher wurden 29'100 Tickets abgesetzt, davon 14'537 Pakete, die für alle drei YB-Heimspiele in der Gruppenphase gültig sind. Der Vorverkauf läuft weiter, die Abendkassen werden geöffnet sein.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/31724910

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 07:29 
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Spychers Vergleich, Schneuwlys europäisches Jubiläum

YB strahlt vor dem Saisonhöhepunkt zumindest äusserlich Ruhe aus. Christoph Spycher muss niemanden motivieren – und der junge Christian Schneuwly blickt schon auf einige Spiele im Europacup zurück.

Es sind diese Spiele, welche die Höhepunkte einer Schweizer Fussballkarriere ausmachen. Für Exponenten der Super League sind Begegnungen mit internationalen Schwergewichten rar, und wenn YB heute (19 Uhr) im Stade de Suisse auf Liverpool trifft, dann sprechen auch die ganz Erfahrenen klare Worte: «Dieser Abend wird sich unter meine ganz grossen Partien einreihen», sagt etwa Christoph Spycher. Der Gegner versammelte zu seinen Glanzzeiten vor einigen Jahren noch mehr Nationalspieler als heute in seinen Reihen und war in der Champions League Stammgast. Nationalspieler war auch Christoph Spycher, der 34-jährige Könizer hat für die Schweiz 47 Länderspiele absolviert, er lief für Frankfurt 120-mal in der Bundesliga auf – und dennoch firmiert das Duell mit dem FC Liverpool im persönlichen Palmarès ganz weit oben. «Das ist vergleichbar mit den wichtigsten Auftritten in der Nationalmannschaft», sagt Spycher und denkt an die WM-Qualifikation via Barrage gegen die Türkei (2005) oder den WM-Achtelfinal gegen die Ukraine (2006).

«Dafür trainiere ich jeden Tag»

Seit Tagen dürfen (und müssen) sich die YB-Akteure zum Liverpool-Spiel äussern. «Ich muss niemanden wachrütteln», kommentiert Spycher die Stimmung im Team, «vielmehr muss ich vielleicht einigen Mut machen.» Und Spycher versucht vor allem, ruhig zu bleiben: «Solche Spiele bringen im Vorfeld auch mentale Spannung mit sich.»

Ruhe und Konstanz verkörpert bei den Young Boys auch Captain und Goalie Marco Wölfli. Er steht mit YB in der zweiten Europa-League-Kampagne nach 2010/ 2011, und er sagt nach den Siegen von damals über Teams wie Fenerbahce Istanbul, Zenit St.Petersburg oder Stuttgart: «Dafür trainiere ich doch jeden Tag, damit ich mich irgendwann mit den Besten messen kann.» Heute erhält Wölfli eine weitere hochkarätige Gelegenheit dazu. Der Hauch von Weltklasse, der grosse Name des Gegners behagt ihm. «Sehr nervös bin ich aber nie», beteuert Wölfli augenzwinkernd.

Und sogar Spieler aus der jüngeren YB-Garde erleben mit der Begegnung gegen Liverpool nicht den ersten echten Prüfstein im europäischen Geschäft. Christian Schneuwly bestreitet mit 24 Jahren heute Abend schon die 20.Europacup-Partie. Der Mittelfeldspieler absolvierte nach der Kampagne mit YB 2010/2011 ein Jahr später auch mit dem FC Thun die Europa-League-Qualifikation. Auf englische Widersacher traf Schneuwly dabei schon zweimal – mit Thun scheiterte er in den Playoffs zur Gruppenphase an Stoke City, mit YB verpasste er die Champions League wegen der hohen Auswärtsniederlage gegen Tottenham (0:4). Im denkwürdigen Hinspiel, das YB 3:2 gewann, hatte der Düdinger nach seiner Einwechslung beim Stande von 3:1 zwei gute Torchancen. «Schade» sei es, habe er diese verpasst. Heute wird auch er nochmals Gelegenheit erhalten, gegen ein englisches Team zu treffen. Ob es ihm nun gelingt oder nicht – es sind solche Spiele, die auch für Schneuwly die vielbeschriebenen Höhepunkte in der Karriere ausmachen.

http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/30494628

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 07:31 
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Liverpool schont acht Stammspieler

Brendan Rodgers soll Liverpool in die Zukunft führen. Noch tut sich das Team aber schwer, die Vorgaben des neuen Coachs umzusetzen. Die Unruhe im Umfeld ist gestiegen.

Captain Steven Gerrard, Luis Suarez, Glen Johnson, Martin Skrtel, Daniel Agger, Joe Allen, Martin Kelly und Goalie Pepe Reina: Acht Namen umfasst die Liste jener Stammspieler, denen Liverpools Trainer Brendan Rodgers eine Pause zugesteht und die die Reise an die Europa-League-Partie gegen YB nicht antraten. Stattdessen bereiten sie sich in Melwood, dem Trainingszentrum des Klubs, auf das Heimspiel von Sonntag gegen Manchester United vor. «Wir haben eine gute Mischung hier aus erfahrenen und jüngeren Spielern», sagte Rodgers nach der Ankunft in Bern. «Es ist ein Team, das die Young Boys schlagen kann.» Routinier Jamie Carragher wird Liverpool als Captain anführen, und voraussichtlich kommen die Deutsch-Türken, Samed Yesil und Nuri Sahin zum Einsatz. Der 18-Jährige Yesil ist ein vielversprechender Stürmer, der seit einigen Jahren mit seinen Toren für die deutschen Nachwuchsnationalteams auf sich aufmerksam macht. Sahin (24) hat bereits 31 Länderspiele für die Türkei bestritten und gewann 2011 mit Dortmund den deutschen Meistertitel. Der Mittelfeldspieler konnte sich vergangene Saison bei Real Madrid nicht durchsetzen und wurde an Liverpool ausgeliehen. «Die Europa League ist ein guter Wettbewerb. Wir wollen so weit kommen wie möglich», sagte er.

Erfolgreich mit Swansea

Sein Trainer bekräftigte indes, dass die Europa League für ihn nicht die höchste Priorität geniesst. «Unser Fokus liegt auf der Meisterschaft», sagte Rodgers. Mit grossen Vorschusslorbeeren trat der 39-Jährige sein Amt als Liverpool-Coach im Sommer an. Schliesslich hatte er zuvor zwei Jahre lang äusserst erfolgreich bei Swansea City gearbeitet. Als erster Klub aus Wales stiegen die «Swans» 2011 unter Rodgers in die Premier League auf. Die Verblüffung im Vereinigten Königreich wurde noch grösser, als das Team in der höchsten Liga nicht nur problemlos mithielt, sondern auch noch attraktiven Fussball spielte. Im Februar 2012 verlängerte Rodgers seinen Vertrag vorzeitig bis 2015. Der Familienmensch, der in Nordirland mit vier Geschwistern aufgewachsen war, mit 20 Jahren bereits Vater wurde und unterdessen auch schon einen Enkelsohn hat, fühlte sich wohl beim Kleinklub aus dem Südwesten von Wales. Doch das Fussballgeschäft bringt selbst einen so bodenständigen Menschen wie Brendan Rodgers dazu, bei einem entsprechenden Angebot ihre Situation zu überdenken. Als ihm der FC Liverpool nach der Entlassung von Kenny Dalglish am Ende der vergangenen Saison einen Dreijahresvertrag anbot, konnte und wollte er die Offerte nicht ausschlagen.

Rodgers soll Liverpool in die Zukunft führen. So lautet die Vorgabe des Managements. Seit dem letzten Meistertitel 1990 hat der Klub gegenüber der Konkurrenz ständig an Boden verloren. Der neue Trainer soll der Mannschaft jenes präzise, zielstrebige und attraktive Kurzpassspiel beibringen, das Swansea unter ihm so erfolgreich praktizierte.

Befreundet mit Mourinho

Wie viele der sogenannten Konzepttrainer spielte Rodgers selber nie auf höchstem Niveau Fussball. Als 20-Jähriger musste er seine Karriere beim unterklassigen Reading wegen Knieproblemen beenden. Intensiv widmete er sich danach seiner Trainerlaufbahn und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. Als Nachwuchstrainer bei Chelsea lernte ihn José Mourinho kennen und schätzen. «Er ist ein Coach mit Ideen und ein guter Freund», sagte Mourinho, nach Rodgers’ Engagement in Liverpool.

Doch aller Anfang ist schwer. In vier Meisterschaftsspielen hat Liverpool bloss zwei Punkte gewonnen, das Team fiel dabei durch viele lange Zuspiele vor das gegnerische Tor auf – nicht durch gepflegtes Passspiel. Die Unruhe im Umfeld ist bereits gestiegen. Für den Umbau eines Teams braucht offenbar auch ein Trainertalent wie Brendan Rodgers Zeit. Zeit, die er aber eigentlich nicht hat.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/23989426

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 07:34 
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«The Reds» kommen mit dem «Zwöi»

Der FC Liverpool ist ohne acht Stammkräfte nach Bern gereist, wo er heute Abend gegen YB antritt. Die Berner lassen sich die Freude auf das Treffen mit dem englischen Traditionsklub nicht nehmen.

Die Namen bürgen für Klasse: Pepe Reina, Glen Johnson, Martin Skrtel, Daniel Agger, Martin Kelly, Joe Allen, Steven Gerrard, Luis Suarez. Sie sind Eckpfeiler des FC Liverpool, Ausgabe 2012/13. Pech haben alle Fussballanhänger, die sie heute Abend im Stade de Suisse beobachten wollten: Die acht Stammspieler gehörten nicht zur Liverpooler Delegation, die gestern Mittag Richtung Bern-Belp aufbrach. Coach Brendan Rodgers gewährte ihnen eine Ruhepause, weil er sie am Sonntag dringend braucht. Dann spielt Liverpool in der heimischen Anfield Road gegen Manchester United.

Die Begegnung gegen den Erzrivalen aus Manchester ist diesmal von besonderer Brisanz, weil «The Reds» einen für ihre Ansprüche miserablen Saisonstart (4 Spiele/2 Punkte) hinter sich haben. Eine weitere Niederlage würde Rodgers’ Position, der auf diese Saison von Swansea City kam, weiter schwächen. Deshalb setzt er im ersten Europa-League-Gruppenspiel gegen YB ganz auf die Karte Jugend. Am Karren ziehen sollen weitestgehend unbekannte Spieler wie Samed Yesil (18), Jordan Henderson (22), Suso (19), Andre Wisdom (19), Conor Coady (19), Jon Flanagan (19), Jack Robinson (19), Sebastian Coates (21) und Dani Pacheco (21).

Carragher, Donwing, Sahin

Als Gegengewicht gedacht sind der Ex-Dortmunder Nuri Sahin (ausgeliehen von Real Madrid), Stewart Downing und Jamie Carragher. Diese drei haben klingende Namen, spielen aber in den Überlegungen von Rodgers aus verschiedenen Gründe keine zentrale Rolle. Der Ex-Dortmunder Sahin ist nach einer katastrophalen Saison bei Real Madrid noch nicht richtig im Team integriert. Downing hat das Pech, nicht zu den Lieblingsspielern des Coaches zu gehören. Und der 34-jährige Carragher, der seine ganze Karriere für den FC Liverpool bestritt, hat seinen Zenit überschritten.

In Bern trägt der von den Fans verehrte Verteidiger die Captainbinde. Beim gestrigen Medientermin lobte Rodgers den verdienten Spieler über den grünen Klee: «Jamie lebt den Jungen täglich vor, was es heisst, ein Musterprofi zu sein.» Selbstredend verteilte er auch Blumen an die unerfahrene Jungmannschaft, die heute Abend im Stade de Suisse zum Einsatz kommt. «Das sind alles sehr talentierte Spieler, die zeigen wollen, was sie können.»Skurril wurde es, als Rodgers gefragt wurde, was er von YB wisse.

Die Berner hätten einen starken Stürmer, zwei, drei sehr gute Individualisten, und sie seien wie alle Schweizer Teams technisch stark. Viel mehr fiel dem Liverpool-Coach zum heutigen Widersacher nicht ein. Es war offensichtlich: YB stand in den letzten Tagen nicht zuoberst auf der Prioritätenliste des Nordiren.

Spycher: «Es braucht Topleistung»

Für Nuri Sahin sind die Young Boys eine «Blackbox». Er verfolge die Schweizer Liga nicht und kenne nur ein paar Akteure, die in der Bundesliga ihr Geld verdient hätten, gestand er ein. Auf Nachfrage kamen ihm spontan nur die Namen seiner Ex-Dortmunder Kumpels Alex Frey und Philipp Degen in den Sinn. Sahin, ein intelligenter junger Mann, war clever genug, dem ihm weitestgehend unbekannten Gegner aus der Schweiz ein Minimum an Respekt zu zollen. Keinesfalls nehme man YB auf die leichte Schulter. «Wir treten nicht mit allen Stammspielern an, weil wir mitten in englischen Wochen stehen.»

Den YB-Spielern und ihrem Staff war gestern um die Mittagszeit zu Ohren gekommen, dass Liverpool nur mit einer B-Mannschaft anrückt. Trainer Martin Rueda hatte Zweifel an der Richtigkeit der Botschaft: «Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich die besten Spieler zu Hause lassen.» Christoph Spycher sagte, es interessiere ihn «nicht wahnsinnig», ob sie gegen Liverpool A oder Liverpool B um die ersten Europa-League-Punkte kämpfen müssten. Unbestritten sei, dass jeder, der bei diesem Traditionsverein unter Vertrag stehe, grosse Qualitäten mitbringe. Und auch den Umbruch, den Liverpool derzeit vollzieht, mochte der Routinier nicht übergewichten. «Wollen wir gegen die Engländer bestehen, müssen wir eine Topleistung bringen.»

Liverpool, Udinese, Anschi

Attraktive Gegner helfen ein paar Löcher stopfen

Die Marke Liverpool Football Club zieht. Heute Abend ist das Stade de Suisse möglicherweise erstmals ausverkauft, wenn der BSC YB eine internationale Partie austrägt. Über 29 000 der insgesamt 31 120 Tickets verfügbaren Tickets waren bis gestern Abend verkauft. Dem Klub sind Einnahmen von 1,8 bis 2 Millionen Franken gewiss. Demgegenüber stehen Betriebskosten von 350 000 bis 400 000 Franken und im Falle eines Punktegewinns die Auszahlung von Erfolgsprämien in unbekannter Höhe. Selbst wenn die Spieler einen Extralohn ausbezahlt kriegen, bleibt dem Verein immer noch ein knapp siebenstelliger Betrag. Ordentliche Überschüsse werden auch die Heimspiele gegen Udinese und Anschi Machatschkala abwerfen, bei denen die Geschäftsleitung aufgrund der grossen Nachfrage nach Billetten im Dreierpack (YB hat fast 15 000 Packages verkauft) mit zweimal 20 000 Zuschauern rechnet. Bei einer solchen Kulisse fliesst mindestens eine halbe Million Franken in die Klubkasse.

Der Geldsegen relativiert sich, wenn man weiss, dass das aktuelle Team samt Betreuerstab jährlich etwa 25 Millionen Franken kostet. YB-CEO Ilja Kaenzig wird nicht müde, zu beteuern, wie wichtig die Einnahmen aus den Gruppenspielen der Europa League sind, um sich das aktuelle Kader leisten zu können.

«Glücksfall» Liverpool

Auf die attraktiven Gruppengegner angesprochen, die von der Stärke her eigentlich in die Champions League gehören, sagt Kaenzig: «Liverpool ist ein Glücksfall, auch wenn die Gefahr besteht, dass sich das Team verausgabt gegen einen Verein mit einem derartigen Renommee.» Die Angst ist nicht unberechtigt. Und doch möchte Kaenzig nicht mit dem ebenfalls in der Europa League beschäftigten FC Basel tauschen. Dieser trifft in der Gruppe B auf Sporting Lissabon, Genk (Bel) und Videoton (Ung) – drei unbequeme, aber nicht wirklich zugkräftige Gegner. Der Vorverkauf in Basel ist entsprechend harzig angelaufen, obwohl zum Beispiel die Jahreskartenbesitzer in der Muttenzer Kurve nur 55 Franken bezahlen, wenn sie sich für das Vorzugs-Package für alle drei Heimpartien entscheiden. FCB-Pressesprecher Josef Zindel hat eine einleuchtende Erklärung für die Zurückhaltung des Basler Anhangs: «Die Fans haben sich daran gewöhnt, dass wir in der Champions League spielen.» Zudem seien sie in den letzten Jahren verwöhnt worden. «Wer Topteams wie ManU, Bayern, Barcelona und Valencia live gesehen hat, der ist wählerisch.»

Beim FCB geht man davon aus, dass der St.-Jakob-Park knapp halb voll ist, wenn Genk und Videoton gastieren. Das entspräche in etwa den Besucherzahlen, die YB vor zwei Jahren verzeichnete, als es der Klub in der Gruppenphase mit Getafe, Odense BK und dem VfB Stuttgart zu tun bekam. Gegen die Deutschen waren etwas mehr als 18 000 Zuschauer im Stade de Suisse, gegen die Dänen und die Spanier knapp 13'000.

Aufstellungen und Spiele

Die möglichen Aufstellungen:
Young Boys: Wölfli; Sutter, Ojala, Veskovac, Raimondi; Spycher; Zárate, Farnerud, Christian Schneuwly, Nuzzolo; Bobadilla.
Liverpool: Jones; Wisdom, Carragher, Coates, Enrique; Suso, Henderson, Sahin; Assaidi, Pacheco, Downing.

Gruppe A, 19.00 Uhr:
Young Boys - Liverpool (SF 2)
Udinese - Anschi Machatschkala (Russ)

Gruppe G, 21.05 Uhr:
Sporting Lissabon - FC Basel (SF 2)
Genk - Videoton Szekesfehervar (Un)


http://www.derbund.ch/sport/fussball/Th ... y/20578314

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 09:07 
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YB spielt heute gegen den FC Liverpool

Mit dem FC Liverpool ist heute einer der ganz Grossen des europäischen Klubfussballs im Stade de Suisse zu Gast. Die Reds werden mit ihrer eigenen Variante der Young Boys antreten.

ie Berner mussten sich den Beginn der Europa-League-Gruppenphase und die Belohnung in Form des heutigen Tages hart verdienen. Ihre bisherigen Reisen führten in dieser Saison nach Moldawien, Schweden und Dänemark, wo gegen biedere, aber willige Widersacher die Qualifikation für die Gruppenphase sichergestellt wurde. Als am letzten Samstag im Cup auch noch die Formalität Wettswil-Bonstetten abgehakt war, konnte der Blick endgültig nach vorne gehen. Die sechs Partien gegen Liverpool, Anschi Machatschkala (Russ) und Udinese werden zweifelsfrei zu Höhepunkten im Saisonalltag.

Gerade der heutige Start wird den europäischen Herbst aus Berner Sicht perfekt lancieren. Das verknorzte Rückspiel vor drei Wochen gegen Midtjylland (0:2) ist nur noch in den Statistiken präsent. YB ist bereit, wie Trainer Martin Rueda sagt: «Wir haben eine gute Chance. Wir wollen mutig und entschlossen nach vorne spielen und unser Spiel spielen.»

Volles Haus wird erwartet

Die Vorfreude ist gross, «tout Berne» wird heute das Stade de Suisse bevölkern. Bis gestern Mittag wurden 29 000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. Bei YB hofft man, dass 31 120 Fans für ein ausverkauftes Stadion sorgen werden. Eine grössere Kulisse zogen die Berner nur einmal an: 1959 wohnten dem Meistercup-Halbfinal gegen Stade Reims im Wankdorf sogar 63 000 Fans bei. Christoph Spycher freut sich enorm: «Für diese Spiele arbeitet man jeden Tag.»

Dass sich YB vor einem englischen Team nicht verstecken muss, beweist ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Im August 2010 setzte sich YB in der Champions-League-Qualifikation gegen Tottenham 3:2 durch, nachdem man die Londoner in der ersten Halbzeit regelrecht an die Wand gespielt hatte. Lulic, Bienvenu und Hochstrasser sorgten damals bis in der 28. Minute für einen YB-Rausch und eine 3:0-Führung. «An jene erste Halbzeit können wir uns gerne erinnern», so Goalie Marco Wölfli, «wir dürfen Respekt haben, aber nicht zu viel. Wir spielen zu Hause und wollen unser System durchziehen.»

Liverpool in Schieflage

Für Liverpool kommt die heutige Partie zu einem schlechten Zeitpunkt. Nach einem enttäuschenden Meisterschaftsstart mit nur zwei Punkten aus vier Partien steht am Sonntag ein ganz heisser Tanz an: Erzrivale Manchester United gastiert an der Anfield Road und die Liverpooler müssen unbedingt gewinnen, um sich aus der Schieflage zu befreien.

Der neue Trainer Brendan Rodgers hat sich deshalb für heute zu einer «Frischzellenkur» entschieden. Seine Stars wie Steven Gerrard, Luis Suarez, Glen Johnson, Martin Skrtel, Joe Allen, Martin Kelly oder Daniel Agger haben die Reise nach Bern ebenso nicht mitgemacht wie der zuletzt kritisierte Goalie Pepe Reina, für den Brad Jones zwischen den Pfosten stehen wird.

Die «Young Boys» von der Anfield Road

Liverpool spielt heute quasi mit der britischen Version der «Young Boys». Es ist nicht damit zu rechnen, dass mit Ausnahme des türkischen Mittelfeldspielers Nuri Sahin am Sonntag auch nur ein Akteur aus der heutigen Formation in der Startaufstellung stehen wird. Für Rueda kam diese Erkenntnis ein wenig überraschend, noch an der Medienkonferenz am Mittwochmittag hatte er gesagt, er rechne nicht damit, dass Liverpool viele Spieler schonen werde.

Schlagkräftig dürfte der LFC dennoch sein. Besonders gespannt darf man auf das Debüt des Marokkaners Oussama Assaidi sein, der unlängst von Heerenveen verpflichtet wurde sowie auf Samed Yesil. Der 18-jährige Deutsche wurde im Sommer zu einem «Schnäppchenpreis» von einer Million Euro von Bayer Leverkusen verpflichtet und dürfte nun heute erstmals auf höchster Ebene getestet werden, tendenziell aber nicht von Anfang an.

«Muss schauen, was im besten Interesse unseres Klubs ist»

Brendan Rodgers sah seine Vorstellungen von Fussball bislang nur vereinzelt verwirklicht. Der Nordire hatte im Vorjahr mit Swansea City die gesamte Liga verblüfft, nicht nur mit Resultaten, sondern vor allem auch mit gepflegtem Passspiel, ein wenig à la spanische Nationalmannschaft. Für die heutige Partie erwartet er von seinen Spielern trotz der Absenzen einiges: «Ich denke, wir haben ein Team hier, das gewinnen kann, mit einer guten Mischung aus erfahrenen Spielern und hoffnungsvollen Nachwuchsspielern.» Rodgers kann verstehen, dass von aussen der Eindruck aufkommen kann, sein Klub nehme den Wettbewerb nicht ernst: «Ja, das kann ich nachvollziehen, aber ich muss doch schauen, was im besten Interesse unseres Klubs ist.

Gross geglänzt hat Liverpool heuer auf internationaler Ebene noch nicht: Den beiden Siegen gegen die Weissrussen von Gomel (a 1:0; h 3:0) folgte in den Playoffs ein «Geknorze« gegen Hearts of Midlothian. Trotz des 1:0-Erfolges in Schottland geriet die Qualifikation für die Gruppenphase noch einmal in Gefahr, als die Gäste an der Anfield Road nach 85 Minuten in Führung gingen. Suarez verhinderte mit seinem Ausgleichstreffer (88.) dann den gefährlichen Gang in die Verlängerung.

Liverpools Erfolge liegen weit zurück

Ein weites Vorstossen oder sogar der Titelgewinn würde dem beeindruckenden Palmares nur wenig zusätzlichen Glanz verleihen: Liverpool zählt national mit 18 Meistertiteln, 7 FA-Cup-Trophäen und 8 Liga-Cup-Titeln ebenso zur absoluten Elite wie international (5 mal Meistercup beziehungsweise Champions League, 3 mal UEFA Cup). Allerdings liegen die meisten Erfolge schon weit zurück, die letzte Meisterschaft datiert von 1990. Noch vier Jahre länger wartet YB auf einen Meistertitel.

In grauer Vorzeit waren sich die beiden Teams zweimal in Freundschaftsspielen gegenübergestanden. 1953 trennten sich die beiden Teams in den USA 1:1 unentschieden, 1984 gewann der Favorit 1:0.


Young Boys - Liverpool.

Donnerstag, 19.00 Uhr, Stade de Suisse.

Die möglichen Aufstellungen:
Young Boys: Wölfli; Sutter, Ojala, Veskovac, Raimondi; Spycher; Zarate, Farnerud, Christian Schneuwly, Nuzzolo; Bobadilla.
Liverpool: Jones; Wisdom, Carragher, Coates, Enrique; Suso, Henderson, Sahin; Assaidi, Pacheco, Downing.
Bemerkungen: YB ohne Nef (gesperrt), Liverpool ohne Gerrard, Suarez, Johnson, Agger, Skrtel, Allen, Kelly, Reina (alle geschont) und Cole (verletzt).


http://www.20min.ch/sport/fussball/stor ... s-10467921

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YB und der Teufel

Liverpool gastiert in Bern. Beim letzten Besuch eines englischen Riesen wähnten sich die Young Boys im Aufbruch – zu Unrecht

Vor gut zwei Jahren begann YB, eine funktionierende Struktur zu zerschlagen. Der Erfolg blieb aus. Mehr noch: Viel Geld ging verloren – und die Euphorie.

Der Teufel liegt im Detail. Bei YB ist diese Redensart Programm. Stets funkt irgendein Teufel in irgendein Detail, das irgendetwas scheitern lässt. In der Regel: den ersten Meistertitel seit 1986.

Die wahre Grösse eines Details entpuppt sich erst im Nachhinein. Ein Beispiel datiert aus der Saison 2009/10, als YB dem Titel sehr nahe kam. Seydou Doumbia und Gilles Yapi glänzten. Doch in der Winterpause gab Yapi bekannt, er wechsle im Sommer nach Basel – und schon war Bern verteufelt. Es heisst, der Verwaltungsrat habe dem Coach Vladimir Petkovic nahegelegt, Yapi nicht mehr einzusetzen. Denn verkünde in der Privatwirtschaft ein Top Shot den Abgang, müsse er sofort gehen. Das Spiel auf dem Rasen mit Wirtschaftsabläufen zu verwechseln – der Fehler ist altbekannt, wird aber gern begangen. Bei YB führte er dazu, dass Petkovic lavierte, bald auf Yapi setzte, bald nicht. Verwirrung pur. Widersprüche made by YB. Alle liessen sich verunsichern. Nur der Teufel nicht, der sich wieder mal ins Fäustchen lachte.

Man stelle sich vor, YB hätte sich von Yapi zum Titel führen lassen . . . Niemand könnte mehr sagen, im Stade de Suisse niste eine Verlierermentalität. Eine ewige Sehnsucht der Berner wäre gestillt. Sie könnten jubilieren und schreien: «Zur Hölle mit dem Teufel!»

Blick nach Rom

Am Donnerstag darf sich YB dem Himmel nahe fühlen. Zum Europa-League-Spiel gastiert Liverpool, ein englischer Riese. Der Besuch erinnert an die letzte derart grosse YB-Partie im August 2010, als Tottenham kam. YB gewann in der Champions-League-Qualifikation daheim 3:2 und verlor auswärts 0:4 – und beschwor den Anfang einer Ära. Kurz zuvor war der in der Stadt beliebte CEO Stefan Niedermaier entlassen und durch Ilja Kaenzig ersetzt worden. Der Verwaltungsrat mit Benno Oertig und den Brüdern Andy und Hansueli Rihs hatte durchgegriffen. Wieder einmal.

Der Wechsel von Niedermaier zu Kaenzig war ein Paukenschlag und der Beginn der Zerschlagung von Strukturen, die dreimal zu Rang 2 gereicht hatten. Der Verwaltungsrat trachtete nach Dominanz in der Schweiz und rief «Phase 3» aus. Aber als YB doch nicht durchstartete, erhielten die YB-Chefs die vollmundige Formulierung um die Ohren geschlagen – und reagierten bald so allergisch darauf, als sei «Phase 3» eine Erfindung der Medien gewesen. Erneut: Widersprüche made by YB.

Der Paukenschlag und seine Folgen – es war ein Schlag ins Wasser. Nach der Installierung Kaenzigs lotste YB die vermeintlich Besten der Besten nach Bern. Ab 2011 kam Hansruedi Hasler als Technischer Direktor, Christian Gross als Trainer, Raúl Bobadilla als Stürmer – bloss der Erfolg folgte nicht. Es gibt Berner, die wehmütig nach Rom schauen, wo der neue Lazio-Trainer Petkovic nach drei Ligaspielen drei Siege verbucht. Doch weil jedes verteufelte Detail zählt, sind sich Fans nicht einig, wie gut Petkovic wirklich war. Die einen behaupten, YB habe zwischen 2008 und 2010 nur dank Doumbia so schwungvoll gespielt; die anderen meinen, erst Petkovic habe Doumbia so gut gemacht.

Geld dank altem Tafelsilber

Immerhin implantierte Petkovic einst entschlossen ein 3-4-3-System, das zum Team passte wie ein Deckel auf den Topf. Beim heutigen Trainer Martin Rueda indes weiss man kaum, mit welchen Töpfen er überhaupt kochen will. Er stellt die Equipe oft um und findet durchaus spannende Kombinationen – was wahlweise als experimentierfreudig oder unsicher bezeichnet werden kann. Rueda ist ein Trainer, der sich nicht in den Vordergrund drängt und manchmal wirkt, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Sein Vorgänger Gross hingegen war diametral anders. Er konnte so aufbrausend sein, dass sich sogar die Bären im Bärenpark gefürchtet hätten.

Von Peitsche zu Zuckerbrot – YB schlug so oft einen anderen Weg ein, dass nicht erstaunen kann, wenn er nicht zum Erfolg führt. Der lang herbeigesehnte Gross musste nach knapp einem Jahr gehen; im Sommer wich auch Oertig, der grösste Gross-Fan und das liebste Feindbild der Fans. Doch Gross' Wirken bleibt spürbar, die Nachwehen sind garniert mit: Widersprüchen made by YB. Spieler, die Gross zu Statisten machte, sind wieder fixe Grössen – wobei es sich um Spieler handelt, denen nachgesagt wird, sie seien nette Kerle, aber keine Winnertypen (Raimondi, Sutter, Nuzzolo). Männer, die vor Bären keine Angst haben, folgern zynisch: YB will gar nie Meister werden.

Gewiss, vermutlich stimmt das Gegenteil, bloss: Davon ist nichts zu spüren. Seit August 2010 verkaufte YB für viel Geld das Tafelsilber, das noch unter dem CEO Niedermaier herangekarrt worden war (Lulic, Doubai, Bienvenu, Mayuka) – und verbrannte dennoch so viel Geld, dass die Brüder Rihs eine zweistellige Millionensumme einschiessen mussten. Eine solche Bilanz ist bemerkenswert. Aber der grösste Schaden besteht darin, dass die Euphorie verflog. Als 2008 Petkovic Tempofussball einführte und 2011 Gross kraft seiner Aura und seiner Erfolge Hoffnung versprühte – da herrschte Aufbruchstimmung. Rueda hingegen entfachte: nichts. Weder Begeisterung noch Ablehnung. Ähnlich spielt bis jetzt die Equipe: heute feurig, morgen lauwarm. YB ist derzeit nur ein recht gutes Team, das vielleicht ganz vorne mitspielt. Und vielleicht auch nicht. Aber ganz sicher spricht niemand vom Meistertitel.

Eigentlich müsste YB am Donnerstag Liverpool und am Sonntag Basel besiegen – und im Frühling Meister werden. Es wären Widersprüche made by YB. Oder Coups mit des Teufels Segen.


http://www.nzz.ch/aktuell/sport/uebersi ... 1.17625889

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Star-Verbot und ein Versprechen

Fussball · Die besten Spieler von Liverpool sitzen beim Spiel gegen YB zu Hause vor dem Fernseher
Eigentlich hätte es ein Fussball-Fest werden sollen. Das grösste in Bern seit dem 22.11.2005, als der FC Thun im Stade de Suisse Arsenal empfing. Das grösste YB-Fest seit 1959, als 63000 Fans dem Meistercup-Halbfinal gegen Stade Reims beiwohnten.

Nun also der grosse FC Liverpool zu Gast bei den Young Boys. Doch in Bern droht vor über 30000 Zuschauern eine Party mit Misstönen. Acht Stammspieler von Liverpool sind nicht einmal nach Bern gereist, darunter Captain und Klub-Legende Steven Gerrard, Stürmerstar Luiz Suarez und Torhüter Pepe Reina.

Das Interesse in Liverpool gilt dieser Tage nur einem Event: dem Spiel gegen Manchester United vom nächsten Sonntag. Und die Europa League? Vielleicht ist sie für die Engländer ein «Trost-Wettbewerb», vielleicht nicht einmal das. In weiten Teilen der Umgebung von Liverpool herrschte gestern noch die Überzeugung, dass YB auf Kunstrasen spielt.

Das fehlende Wissen

Als gestern Trainer Brendan Rodgers und Nuri Sahin – immerhin der ehemalige Dortmunder und Madrilene läuft heute auf – in Bern ankamen, gaben sie sich alle Mühe, den Eindruck zu vermitteln, die Aufgabe gegen YB sei eine wichtige.

Der Erfolg war überschaubar. Sahin sagt: «Dass wir acht Spieler zu Hause lassen, hat nichts mit mangelndem Respekt gegenüber YB zu tun.» Also die Frage an Sahin: Was wissen Sie über YB? «Nichts. Ich kenne Alex Frei und Philipp Degen, aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, den Schweizer Fussball zu verfolgen.» Trainer Rodgers weiss: «YB ist ein Team, das Tore schiessen will.» Es gab schon überzeugendere Qualitäts-Analysen. Und Rodgers fügte an: «Am Dienstag hat sich Samir Nasri von Manchester City gegen Real Madrid verletzt. Bei uns darf so etwas nicht passieren.»

Die Reaktion von YB-Trainer Martin Rueda ist deutlich. Er sagt: «Liverpool kann es sich nicht leisten, die besten Spieler gegen uns zu schonen.» Und weiter: «Was die Qualität der Teams angeht, sind wir ziemlich nahe beieinander.»

Gerne erinnern sich die Berner an die Europa-League-Qualifikation vor zwei Jahren. Damals fegten sie über die Tottenham Hotspurs hinweg wie einst Orkan «Lothar» über die Schweiz. Nach 28Minuten stand es bereits 3:0, zum Schluss 3:2. «Dieses Spiel, vor allem die erste Halbzeit, hat gezeigt, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen», sagt Torhüter Marco Wölfli.

Die Aussagen klingen wie ein Versprechen, dass nach dem FC Basel gegen Manchester United nun mit YB ein weiterer Schweizer Verein einem grossen Namen aus England ein Bein stellt. Zumal Trainer Rueda festgestellt hat: «Liverpool hat Mühe in der heimischen Meisterschaft. Zwei Punkte aus vier Spielen sprechen für sich.»

YB träumt durchaus davon, dank einigen Exploits europäisch zu überwintern. Dafür wäre Rang zwei nötig in der Gruppe A, die Udinese und Machatschkala komplettieren.

Die rote Faszination

Normalerweise bedeutet Liverpool: Legende, Drama, Faszination. Die «Reds» in Zahlen lesen sich so: 5Meistercup-/Champions-League-Titel, 3Uefa-Cup-Titel, 18-facher Meister und 7-facher englischer Cupsieger. Allein, die erfolgreichen Zeiten sind lange her. Der Champions-League-Triumph 2005 und der Cup-Sieg 2006 sind einsame Ausreisser nach oben. Seit 1990 wartet Liverpool auf den nächsten Meistertitel.

Und das Warten könnte weitergehen. Trainer Brendan Rodgers hat zwar in der letzten Saison mit Swansea den beachtlichen 8. Rang erreicht, die Frage ist aber, wie viel Zeit er für seinen «Neuaufbau» mit Liverpool erhält. Er versucht, Liverpool einen fussballerischen Anzug à la Barcelona zu verpassen. Das ist ambitioniert, aber nicht aussichtslos. Immerhin besitzt der Verein einige hoffnungsvolle Talente. Einige von ihnen versuchen heute, YB das bereits angesäuerte Fest noch weiter zu verderben.

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 09:19 
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Kaenzig: «Das macht einen Klub kaputt»

fussball YB empfängt den FC Liverpool (heute, 19.00/SF 2) zum Auftakt der Europa League. YB-CEO Ilja Kaenzig spricht über den englischen und den Schweizer FCL. Und über das neue Denken in Bern.

Ilja Kaenzig, fiebern Sie schon längere Zeit dem Heimspiel gegen das grosse Liverpool entgegen?

Ilja Kaenzig*: Beim Bankett zusammen mit den Liverpool-Verantwortlichen am Mittwochabend hat für mich die Vorfreude so richtig begonnen. Die guten Vorverkaufszahlen zeigen, wie viele Leute sich extrem auf den Match freuen.

Wird das Stade de Suisse mit über 31 000 Fans ausverkauft sein?

Kaenzig: Unser Stadion wird bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Für mich noch ein positiveres Signal ist, dass wir für alle drei Europa-League-Heimspiele über 14 500 Abos verkauft haben. Wir dürfen also auch gegen Udinese und Machatschkala mit mehr als 20 000 Zuschauern rechnen.

Die Gruppe mit Liverpool, Udinese und Anschi Machatschkala fühlt sich an, als spiele YB in der Champions League.

Kaenzig: Wir haben Glück gehabt! Schon auf dem Weg in die Gruppenphase, den wir mit einem Penaltyschiessen in Moldawien begannen. Glück widerfuhr uns auch bei der Gruppenauslosung in Monaco. Alle Vertreter der 47 Klubs wollten Liverpool als attraktivsten Gegner. Wegen eines höchst riskant geschossenen Penaltys von Maicosuel verpasste der Serie-A-Verein Udinese die Champions League – und die Russen von Machatschkala mit Eto’o und Trainer Hiddink sind natürlich auch ein attraktives Team. Alle drei Klubs besitzen Champions-League-Potenzial. Liverpool ist sogar ein Weltverein mit Fans auf allen Kontinenten. Für unsere Spieler ist es eine schöne Geschichte, sich international zu messen und zu präsentieren. Im schlechtesten Fall können sie später ihren Enkelkindern erzählen, dass sie früher gegen Gerrard und Eto’o gespielt hatten.

Liverpool startete schwach in der Premier League mit 2 Punkten aus 4 Spielen. Hat YB in dieser Situation sogar eine Chance, den Sieger der Champions League 2005 und vierfachen Gewinner des Europacups der Landesmeister zu bezwingen?

Kaenzig: Zu Hause haben wir immer eine Siegchance. Die Heimniederlage zuletzt gegen Midtjylland war aussergewöhnlich. Sonst haben wir mit Ausnahme der 2:2 gegen Braga und Fenerbahçe in den letzten drei Saisons daheim alle Partien gewonnen. Wir besiegten unter anderem Tottenham, Stuttgart und Zenit Sankt Petersburg. Im Stade de Suisse haben wir immer gut ausgesehen. Es wird auch gegen Liverpool ein offener Match. Aber wir wollen nicht vermessen sein, die Spieler sollen den Match geniessen. Wenn Punkte rausschauen, ist es gut, unser Ziel war das Erreichen der Europa League. Liverpool darf es sich gar nicht leisten, gegen einen Schweizer Klub zu verlieren. Wir sind derzeit nicht so aufgestellt, dass wir fordern können, weiterzukommen. Basel kann das. In dieser starken Gruppe können wir das Zünglein an der Waage spielen. Wir sind in einem Findungsprozess, wie man in der Liga sieht.

YB hat seine Ziele deutlich tiefer gesteckt als in den Vorjahren. Ist man in Bern realistischer geworden?

Kaenzig: Es ist richtig, wir sind tatsächlich realistischer geworden. In den letzten sechs, sieben Jahren wollten wir unbedingt einen Titel gewinnen. Am Schluss verloren wir entweder den Cupfinal oder die Finalissima oder mussten den Trainer wechseln. Alle waren hässig und enttäuscht. Jedes Mal schämten wir uns für die Saison, statt dass wir ein Fest feierten. Nun haben wir 26 Jahre keinen Titel geholt, wenn wir uns also weiter nur auf Titel konzentrieren, muss der Verein in tiefster Trauer sein, das macht einen Klub kaputt. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass nur Pokale zählen.

Aber Bern ist und bleibt ein schwieriges Pflaster.

Kaenzig: Wir haben ein gewisses Niveau erreicht und können nicht mehr abbauen. Beim FC Basel und FC Zürich ist es gleich. Alle anderen Klubs können Fünfter oder Sechster werden. Hier in Bern sind wir abhängig von den Zuschauerzahlen, Sponsoren und den Transfererlösen. Ohne diese Einnahmequellen ist YB nicht mehr finanzierbar. Wir müssen mit der Europa League und Spielerverkäufen planen können, denn in der Schweiz fehlen hohe TV-Gelder wie im Ausland.

Nach dem Knaller gegen Liverpool folgt am Sonntag das Heimspiel gegen Basel. Ist es für Sie trotz allem immer noch eine Art Spitzenspiel?

Kaenzig: Der Vergleich mit dem FC Basel wird für uns schwierig werden. In den Köpfen haben wir die Vorsaison noch nicht ganz verarbeitet, wir geraten zu schnell aus dem Tritt. Anfang Saison haben wir von einem Platz zwischen 3 und 5 gesprochen, dabei bleibt es. Basel wird den Blinker setzen und auf der Überholspur allen anderen davonfahren. Das heisst jedoch nicht, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen wollen.

Ich nehme Ihnen die Aussagen ab, aber es tönt für einen grossen Schweizer Klub wie YB schon sehr bescheiden.

Kaenzig: Ich denke nicht, dass es bescheiden, sondern viel mehr realistisch ist. Wir können nicht das gleiche Risiko wie Sion eingehen, das von Christian Constantin abhängig ist. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit ist unsere oberste Maxime. Letztes Jahr fuhren wir einen Verlust ein, die Saison ist gelinde gesagt anders gelaufen als geplant (YB musste den als «Meister-Garanten» geholten Trainer Christian Gross entlassen Anm. d. Red.). Wir besitzen keine Mäzene, die Titel kaufen wollen. Unsere Aktionäre (die Gebrüder Andy und Hans-Ueli Rihs Anm. d. Red.) geben Geld fürs Wachstum. YB und das Stade de Suisse sind selber finanzierbar dank Kongressen, Konzerten und Fussball.

Wobei im Stade de Suisse der Fussball im Mittelpunkt steht.

Kaenzig: Ganz klar. Wir veranstalteten innert weniger Tage ein Konzert der Red Hot Chili Peppers und den Klitschko-Boxkampf – alles gut und schön, aber die Emotionen würden in Bern viel höher gehen, wenn YB am Donnerstag Liverpool besiegen könnte.

Sie sind gebürtiger Luzerner und in Sursee aufgewachsen. Beim FCL waren Sie nie engagiert, doch könnte eine Rückkehr in die Innerschweiz, genauer gesagt in die Swissporarena, in absehbarer Zeit eine mögliche Option sein?

Kaenzig: Das Schöne am Fussball ist, dass man nie weiss, was kommt. Der FC Luzern ist für mich immer speziell gewesen. Walter Stierli spricht jeweils davon, dass nicht nur eine Region, sondern grossräumig sieben Kantone zum Einzugsgebiet des Vereins gehören. Es ist dem Klub extrem gut gelungen, mit dem Stadion und der «Hausbank» ein Fundament zu legen. Zwar ist nach einer starken letzten Saison derzeit der sportliche Erfolg ausgeblieben, weil einfach nicht alles so schnell geht. Aber ich bin sicher, Luzern kann eine Nische im Schweizer Fussball finden und künftig zu den drei, vier Spitzenklubs zählen.

Wie meinen Sie das?

Kaenzig: Spannend ist es dort, wo ein Aufbau möglich ist. Luzern wird wieder europäisch spielen und früher oder später auch mal einen Titel gewinnen. Die Luzerner werden vorne mitmischen, mal Zweiter, mal Dritter oder Vierter werden. Die Leute, die dort sind, werden auch mal einen «Kracher» holen. Luzern regt die Fantasie an und macht Appetit, grösser zu werden. Für mich sind durchschnittlich 12 000 Fans pro Heimspiel ein wenig enttäuschend, ich glaube, der FCL wird in Zukunft noch mehr Leute anziehen.

* Ilja Kaenzig (geboren am 21. Juni 1973 in Sursee) studierte in Lausanne Betriebswirtschaft. Der Fussball-Manager arbeitete bei GC, Leverkusen und Hannover. Er war Sportchef der «Blick»-Gruppe und ist seit dem 9. August 2010 CEO von YB und des Stade de Suisse in Bern.

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 20. September 2012, 09:34 
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