Berner Zeitung, 20.02.2010
«Ich will Führungsspieler werden»Seit dieser Woche gehört Mauro Lustrinelli zu YB. Der Tessiner könnte schon in St.Gallen zum Einsatz kommen. Er sei gekommen, um die Berner noch stärker zu machen, als sie es jetzt schon seien, sagt er.
Mauro Lustrinelli, wie haben Sie Ihre ersten Tage in Bern erlebt?
Oh, ich hatte viel zu tun. Ich habe meine ersten Trainings mit den Young Boys bestritten, und es waren einige administrative Arbeiten zu erledigen. Ich will so rasch wie möglich eine Wohnung finden, damit meine Familie, die noch im Tessin ist, nachkommen kann. Am Donnerstag haben sie mich besucht, und meine zwei kleinen Buben hielten mich ganz schön auf Trab (lacht).
Welchen Eindruck erhielten Sie von Ihrer neuen Mannschaft?
Ich bin von einer hohen Qualität in den YB-Trainings ausgegangen, sonst stünde das Team nicht an der Spitze der Super League. Die ersten Trainings haben diesen Eindruck bestätigt. Gleichzeitig war die Harmonie eindrücklich, die in der Kabine herrscht. Die Gruppe ist sehr gesund, sehr solidarisch. Für den Erfolg sind diese Eigenschaften enorm wichtig.
Wie ging der Wechsel von Bellinzona zu YB über die Bühne?
Alles geschah sehr schnell. Vorletzten Mittwoch wurde ich von den Young Boys kontaktiert. Sie fragten, ob ich mir einen Wechsel nach Bern vorstellen könne. Ich sagte, ich könne das sehr gut – wenn sie mit Bellinzona eine Einigung erzielten. Am Montag war ich dann bereits in Bern.
Weshalb waren Sie in Bellinzona nicht mehr zufrieden?
Im Fussball geschehen halt manchmal irrationale Dinge. Was passiert ist, ist auch für mich schwierig zu erklären. Ich möchte darauf nicht weiter eingehen. Vielleicht hilft mir der Abstand, den ich mit meinem Engagement bei YB zu Bellinzona erhalte, um das Geschehene zu verarbeiten.
Ein Wechsel zu YB war für Sie bereits 2005 ein Thema, als Sie beim FC Thun spielten. Weshalb hat es damals nicht geklappt?
Bereits 2001 stand ich im Kontakt mit den damaligen YB-Verantwortlichen. 2005 war wieder ein Angebot da, die Thuner wollten aber nicht, dass ich zu YB wechsle. Sie bevorzugten, dass ich zu Sparta Prag transferiert werde. Und so bin ich damals für ein Jahr nach Tschechien gegangen. Diesen Wechsel habe ich aber nie bereut. Ich hatte dort eine gute Zeit.
Welche Ziele haben Sie sich in Bern gesetzt?
Ich will dazu beitragen, dass es YB mit mir noch besser läuft, als es das jetzt schon tut. Mein Vertrag läuft vorerst über drei Monate, das heisst, ich muss mich so schnell wie möglich integrieren. In dieser kurzen Zeit will ich zum Führungsspieler werden. Das ist mein Anspruch, und um diesen zu erfüllen, wurde ich mit meiner grossen Erfahrung auch geholt.
Was bedeutet das mit Blick auf das Spiel morgen in St.Gallen?
Ich bin froh, ist die Spielberechtigung so rasch eingetroffen. Den Entscheid, ob und wann und wo im Team ich am Sonntag spiele, fällt der Trainer. Für mich ist entscheidend, bereit zu sein, wenn ich zu meinem Einsatz komme.
YB agiert unter Vladimir Petkovic mit einem Dreimannsturm. Wie vertraut sind Sie mit diesem System bereits?
Als ich vor zehn Jahren für Bellinzona spielte, kam ich gemeinsam mit zwei Sturmkollegen zum Einsatz. Aus meiner Zeit in Prag kenne ich das System ebenfalls. Auch wenn es bei Sparta ein wenig anders interpretiert wurde. Im Training haben wir diese Woche aber grossen Wert auf den Angriff gelegt, und ich habe mich gut daran gewöhnt. Das System erfordert von den Angreifern viel Laufarbeit, und ich bin ein Stürmer, der gerne weite Wege geht.
Rechnen Sie sich als YB-Stürmer auch die Chance aus, sich vor der WM für das Nationalteam aufzudrängen?
(überlegt) Was gibt es Schöneres, als zum Nationalteam zu gehören? Jeder sollte sich dieses Ziel setzen. Ich habe es auf jeden Fall immer getan. Sogar in Bellinzona ging ich auf den Platz mit dem Gefühl, dies als Nationalspieler zu tun (schmunzelt). Das sorgt für zusätzliche Motivation. Daran wird sich auch jetzt nichts ändern. Einen Platz im WM-Aufgebot zu erhalten wird aber schwierig. Es gibt vier, fünf Stürmer, die hervorragende Leistungen zeigen. Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld steht vor einem angenehmen Problem.
Hatten Sie bereits Kontakt zu Ottmar Hitzfeld?
Nein. Bisher war dies nicht der Fall. (Berner Zeitung)
http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussball/Ich-will-Fuehrungsspieler-werden/story/19607147