Blick, 29.12.2009
«Darum verlasse ich YB»
Saïf Ghezal hat genug von YB. Er sei ungerecht behandelt worden. Da sind die Berner anderer Meinung.
Das Rätsel um Saïf Ghezal beginnt kurz vor dem 13. Dezember. Der Tunesier erscheint nicht zum Cup-Spiel gegen Lausanne. Seine Begründung: Seine Ex-Frau sei ums Leben gekommen. Ohne Ghezal und den gesperrten Abwehrchef Emiliano Dudar gehen die Berner gegen den Challenge-Ligisten Lausanne sang- und klanglos mit 1:4 unter.
Seit seinem Verschwinden ist Ghezal für die YB-Bosse nicht mehr erreichbar. Und jetzt das: Das amerikanische Internetportal «ESPNStar.com» schreibt, der saudi-arabische Klub Al-Ahli Jeddah vermelde den definitiven Zuzug des YB-Verteidigers. Das sagt auch Ghezal! Nicht in der Schweiz, sondern in Tunesien. Gegenüber «Radio Jawhara» sagt er am Sonntag: «Ich habe bei Al-Ahli für sechs Monate unterzeichnet.»
Ausserdem habe er eine Option auf Verlängerung um ein Jahr. Sollte er tatsächlich unterschrieben haben, wäre das äusserst dumm von Ghezal. Sein Vertrag mit YB läuft noch bis 2011. Er hätte also Vertragsbruch begangen. Logische Folge: Die Fifa wird ihn sperren.
Zweifel sind berechtigt
YB-Sportchef Alain Baumann sagt: «Ich glaube nicht, dass Ghezal unterschrieben hat. Ich habe schon ein Interview mit ihm gesehen, in dem er erzählt hat, er habe bei Etoile du Sahel unterschrieben. Das hat er ja auch nicht.» Bei Ghezal scheinen Zweifel angebracht – auch bezüglich dem angeblichen Tod seiner Ex-Frau. Mit seinem Stammverein Etoile du Sahel hat er aber tatsächlich verhandelt – er stand in Kontakt mit Klub-Präsident Hamed Kammoun. Doch irgendwann war Ghezal auch für Kammoun nicht mehr erreichbar, sein Handy aus.
Im Interview mit dem tunesischen Radiosender entschuldigt sich Ghezal bei seinem Ex-Verein. Er wolle den Präsidenten noch persönlich anrufen. Warum aber will Ghezal unbedingt weg aus Bern? Er sei ungerecht behandelt worden. Ein Angebot von Dortmund habe man ihm unterschlagen. Baumann: «Das weisen wir weit von uns. Es hat nie eine Anfrage für Ghezal gegeben – von keinem Klub.» Mit ungerechter Behandlung, so macht es den Eindruck, meint der Tunesier seinen Lohn. Bei YB verdiente er «bloss» 350 000 Franken – bei Al-Ahli soll er rund 1 Million kassieren.
Gewiss ist im Moment bloss eins: Die Vertrauensbasis zwischen YB und Ghezal ist weg. Der Tunesier wird in der Rückrunde mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr für die Berner auflaufen. Ob er will oder nicht.
Mitarbeit: Peter Pflugshaupt, Benny Epstein
http://www.blick.ch/sport/fussball/supe ... -yb-136798