|
Bund, 18.11.2006
Shi Juns langer Marsch
Ein Jahr lang rang der chinesische Fussballer Shi Jun, einsam und sprachlos, in Bern mit seiner Existenz. Jetzt hat er zwei Tore geschossen – und schon gehört «der Chinese» allen.
Die Annäherung ist umständlich, sie ist aber auch witzig und ein Beleg unterschiedlicher Kulturen: endlich ist die Telefonnummer des Dolmetschers bekannt, ein erstes Telefon, ein zweites, es sollten noch viele folgen, ehe die Koordinaten des Treffens stehen. Kein Foto in der 2,5-Zimmer-Wohnung in Schönbühl; kein Bild in der Innenstadt; kein Bild mit Skischuhen; der Journalist darf auch nicht in die Wohnung, es liegen einige Bananenschachteln herum und der Spieler möchte wegen der Unordnung das Gesicht nicht verlieren; ein Treffen am Mittag ist nicht möglich, weil sich Shi Jun nach dem Morgentraining ausruhen und auf die Einheit am Nachmittag vorbereiten will. Der Fototermin wird zur Zangengeburt – und zur Postkartenidylle. Shi Jun hat seine Frau Xiaoxia mitgebracht, wunderbar, und wie die beiden inmitten der Herbstblätter und bei strahlendem Sonnenschein am Aargauerstalden spazieren, Hand in Hand und glücklich strahlend, ist das ein vollkommenes Bild, zwei Verliebte, die keine Wörter brauchen, um ihr Zweisamkeit zu verkünden.
Mögen Sie die Aufregung um Ihre Person in den Medien?
«Ich bilde mir darauf nichts ein. Ich bin zu allen Journalisten freundlich. Aber man muss auch respektieren, wenn ich nicht alles mitmache.» Shi Jun ist gefragt in Bern, plötzlich, zwei Tore innerhalb von drei Tagen, in Basel und gegen Sion erzielt, haben ihn zu einer Medienfigur katapultiert, der Chinese ist herausgerissen worden aus seinem ruhigen Leben, der Boulevard, die Lokalzeitung, Radio, TV, Stadionfernsehen, alle wollen sie etwas von ihm, das ist stressig und ungewohnt und neu. Sogar das Zentralfernsehen in China und viele weiteren Fernsehstationen in der Heimat haben von den Treffern berichtet. Als Marketinggag verspottet Shi Jun ist in Bern angekommen, nach über einem Jahr und nach vielen Irrungen und Wirrungen.
Als Marketinggag ist er verspottet, als monumentaler Fehltransfer der Young Boys kritisiert worden, und als er in einem Plauschspiel vor einigen Wochen gegen eine Journalistenauswahl sehr verbissen agiert und innerhalb von einigen Minuten zwei Tore erzielt hatte, da sagte der damalige YB-Trainer Gernot Rohr witzelnd: «Wenigstens hier erzielt er ein Tor.»
Das Fussballgeschäft ist brutal, und vielleicht hat Shi Jun ja immer gewusst, dass er Geduld haben muss, dass er nur ruhig bleiben muss, dass seine Zeit kommt. Irgendwann. Irgendwie. Irgendwo. Haben Sie gedacht, dass es bei YB so beschwerlich werden würde? «Ich wusste, dass es lange braucht, bis ich mich eingelebt haben werde.» Sein erster Trainer bei YB, Hans-Peter Zaugg, hat ihn nicht gewollt, der zweite, Gernot Rohr, hat ihn nicht beachtet, und erst der dritte, Martin Andermatt, hat ihm jetzt eine faire Chance gegeben. Vermutlich wäre Shi Jun eine Fussnote in der an unerklärlichen Spielerwechseln reichen jüngsten Vergangenheit des Berner Fussballvereins geworden, hätte nicht Martin Andermatt vor rund zehn Tage die Idee gehabt, dieses Muskelpaket in Basel überraschend aufs Matchblatt zu setzen. «Ich habe von allen Trainern viel gelernt», sagt Shi Jun.
«Die Trainer müssen entscheiden, und sie werden ihre Gründe gehabt haben, warum ich so wenig eingesetzt worden bin.» Das ist eine höfliche Antwort. Shi Jun ist höflich, er ist nett, er ist zuvorkommend und alle seine Zitate sind frei von negativem Unterton oder gar Bösartigkeiten. Das ist angenehm. Einerseits. Andererseits ist es unbefriedigend. Es ist ja nicht einfach, mit einer Person ein Gespräch zu führen, wenn man sich nicht versteht. Man stellt eine Frage, Shi Jun antwortet zwei Minuten, der Dolmetscher übersetzt, und oft bleiben nach einer Antwort drei, vier Punkte offen, es öffnen sich weitere Themenfelder, doch man kann nicht wie gewohnt nachhaken, diskutieren, intervenieren.
Die exotische Idee
Die Szene spielt in Shis Wohnort Schönbühl, in einer Pizzeria, es ist Donnerstagabend, die Leute sind beim Apéro, der Dolmetscher Lianpeng Jing sitzt neben Shi Jun, der Fussballer hat seine wirren Haare leicht gezähmt, er trägt einen schwarzen Markenpullover, Blue Jeans, farbige Sneakers, am Arm hängt eine grosse Uhr und an der Stuhllehne eines dieser modischen Täschchen, die gerade hip sind.
Wenn Shi Jun redet, dann blickt er auf die Tischplatte, er guckt zum Dolmetscher, er spricht schnell, setzt oft die Hände ein, um etwas zu erklären, doch die Gestik bleibt unverstanden, und man ist froh, liefert der Dolmetscher rasch eine Übersetzung der Worte. Shi Jun hat diese Erklärungen nicht bekommen, als er im Sommer vor einem Jahr nach Bern kam. Allein in einer völlig fremden Welt. 1,90 m gross und 89 kg schwer, war auf den Unterlagen gestanden: Das ist ein kräftiger Stürmer, dachte sich Marcel Hottiger, der YB-Sportchef, also hatte er den Fussballspieler nach Sichtung einer DVD zu einem dreiwöchigen Probetraining eingeladen.
Und als er vernahm, dass dieser Chinese ein Linksfuss sei, war der Entschluss gefällt – Stürmer mit einem linken Fuss sind auf dem Markt eine gefragte Spezies. Die Idee war gut, nicht neu zwar, aber doch sinnvoll. Einen chinesischen Spieler wollte Hottiger zu den Young Boys holen. Ein bisschen Exotik, ein bisschen Mut, ein bisschen Geschäftssinn.
Die Verpflichtung Shi Juns zeigt, wie globalisiert der Fussball geworden ist: Ein rumänischer Spielervermittler, der als Trainer in Vietnam und China gearbeitet, und ein chinesischer Dolmetscher, der in England und Deutschland gelebt hatte, boten mehrere chinesische Fussballer in Europa an, und so landete Shi Jun, der zuvor gewusst hatte, dass es in der Schweiz Schokolade und Schnee, Berge und Uhren gibt, und so landete dieser damals 22-jährige Fussballer in der Schweiz. Es hätte auch Belgien sein können, oder Griechenland oder Kroatien. Haben Sie lange überlegt, als Sie das Angebot von YB erhielten?
«Ich war schon ein wenig überrascht. Natürlich hatte ich Zweifel. Aber nach einiger Bedenkzeit war ich bereit für den Wechsel. Es war immer ein Traum von mir gewesen, einmal in Europa zu spielen.»
Die ersten Wochen in Bern waren schwierig, kompliziert, hin und wieder unerträglich, oft sass Shi Jun am Abend alleine zu Hause in der Wohnung, er konnte sich nicht verständigen, kapierte den Waschplan im Block und die Anweisungen des Trainers nicht. Shi Jun fuhr ins Training, grüsste alle freundlich, trainierte, lächelte immerzu, duschte, fuhr wieder nach Hause, war einsam, am Wochenende sass er auf der Bank, manchmal wurde er zum Warmlaufen geschickt, meistens nicht eingewechselt, er lächelte nach dem Spiel trotzdem, was hätte er anderes tun sollen, und am nächsten Tag fuhr er wieder ins Training.
Nach drei Monaten erhielt Shi Jun Unterstützung, seine Frau zog ebenfalls in die Wohnung, die Einsamkeit ging, doch Zweifel, Unsicherheit, Selbstzweifel bleiben. «Aber nur für kurze Zeit», betont Shi Jun. Aufgeben und als Verlierer wieder in die Heimat zurückkehren, diese Schmach wollte er nicht erleiden. Also lächelte er, trainierte er weiter, sass auf der Bank. Oder auf der Tribüne. Und lächelte.
Das Vorbild Maradona
Es war ein langer Marsch gewesen, von Dalian bis nach Bern. In der chinesischen Hafenstadt in der Provinz Liaoning ist Shi Jun als Einzelkind aufgewachsen. 5,5 Millionen Einwohner leben in Dalian, «das ist eine kleine Stadt in China», sagt Shi Jun. Wahrscheinlich sagt er deshalb, Bern sei eine ruhige, eine schöne, eine angenehme Stadt. Sein Vorbild als Kind war das Vorbild aller Fussball spielenden Buben in den Achtzigerjahren.
Maradona zauberte damals für Napoli und vor allem für Argentinien, und der kleine Shi spielte bereits mit fünf Jahren im örtlichen Sportklub, bei Dalian Wanda. Nach Abschluss des Gymnasiums zog er mit 17 Jahren zu Changchun Yatai und nach zwei Saisons zu Chongqing Lifan, wo ihm der Durchbruch in der nationalen Spitzenklasse gelang. «Ich habe nur für den Fussball gelebt und alles versucht, um nach oben zu kommen», sagt Shi Jun. Sind Sie in Ihrer Heimat ein Star? «Ich habe einige Länderspiele absolviert. Unter anderem in diesem Sommer gegen die Schweiz. Man kennt mich, aber ich muss mich immer wieder beweisen.» Jetzt sitzt Shi Jun also in Schönbühl in einer Pizzeria, weit weg von Dalian.
Er repräsentiert hier im Westen seine 1,3 Milliarden Landsleute. Die Leute an den Nebentischen blicken ab und zu hinüber, möglicherweise haben sie das Gesicht Shi Juns in den letzten Tagen irgendwo gesehen, es war ja nach seinen Toren in den Medien auch nicht zu übersehen. Einen Dreijahresvertrag haben ihm die Young Boys im Sommer 2005 offeriert, Zeit wollte ihm Marcel Hottiger geben. Der Sportchef ist seit kurzem nicht mehr bei YB angestellt, auch er ist ein Opfer des hektischen Vereinsumfelds geworden.
«Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte immer an Shi geglaubt», sagt Hottiger ehrlich. Früh habe er registriert, dass die Schweizer Super League nicht den Stellenwert der deutschen Bundesliga oder der englischen Premier League habe. «Auf dem Papier war unsere Idee sehr gut. Aber bei der Umsetzung haperte es. Die Schweiz interessiert in China kaum Fussballfans», sagt Hottiger. Als 1860 München vor einigen Jahren den Chinesen Shao verpflichtet hatte, wurde die Spiele des deutschen Vereins nach China übertragen, oft schauten 100 Millionen Leute zu. Das Potenzial im asiatischen Riesenreich ist unschätzbar, die grössten Talente Chinas sind längst von Spitzenvereinen wie Inter Mailand oder Real Madrid getestet worden, die Anzahl potenzieller Fussballfans wird auf über 700 Millionen veranschlagt.
Sie blicken nach England, dort spielen die Helden Wayne Rooney, Didier Drogba und Thierry Henry. Everton oder Manchester United sind Partnerschaften mit chinesischen Fussballschulen eingegangen. Als Everton vor einigen Jahren den Chinesen Li Tie ins Kader nahm, zog der britische Verein einen millionenschweren Sponsorenvertrag mit einem chinesischen Unternehmen an Land, die Homepage verzeichnete teilweise über eine Million Aufrufe pro Tag. «Auch bei uns rufen ab und zu chinesische Journalisten an und fragen, wie es Shi Jun geht», sagt Stefan Stauffiger, Media Officer der Young Boys. Shi Jun sagt: «Die Medien in China haben auch über mich berichtet, als ich nicht gespielt habe.»
Wenn man möchte, kann man in dieser Aussage einen Vorwurf heraushören, schliesslich ist Shi Jun in der Schweiz bis vor einer Woche über den Status des belächelten Missgriffs nicht hinausgekommen. Shi Jun würde das selbstverständlich nicht so sagen, er bleibt während des Gesprächs nett, höflich, verbindlich.
«Ich habe mich immer mit allen verstanden und ich möchte mich bei allen bedanken, dass sie mich so unterstützt haben», sagt er. Und auf die Frage, ob er später einmal noch zu einem grösseren Verein wechseln möchte, antwortet er: «Ich möchte YB helfen, Erfolg zu haben. Ich habe diesem Klub viel zu verdanken.»
Marcel Hottiger erklärt, Shi Jun verdiene bei YB gut, er liege mit seinem Lohn im Mittelfeld aller Kaderspieler.
Sprachproblematik unterschätzt
Bei YB haben sie zuletzt nicht mehr an ihn geglaubt, er war einfach noch da, im Kader, ein Spieler, den man loswerden wollte. Beim Super-League-Verein FC Schaffhausen hat er im Sommer ein Probetraining absolviert, erfolglos, man hat den Fussballer wie eine Ware den Vereinen in der zweithöchsten Spielklasse angeboten, erfolglos, und auch in der zweiten Mannschaft hat man nicht gejubelt, wenn Shi Jun heruntergeschickt wurde, um in der 1. Liga Spielpraxis zu sammeln.
Vor wenigen Wochen hat er mit dem YB-Nachwuchs gegen Münsingen sogar eine rote Karte gesehen. Das war der Tiefpunkt. «Ich habe meine Fähigkeiten nie in Frage gestellt, der Durchhaltewille war stark», sagt der 24-Jährige. Die innere Ruhe habe ihm viel Sicherheit verliehen, und die Angst vor der Blamage in der Fremde habe ihn beflügelt. Er habe es als Fügung des Schicksals angesehen, dass er so lange in der zweiten oder dritten Reihe gestanden sei. «Ich habe hohe Ziele, möchte später, wenn ich bei YB noch mehr gelernt habe, gerne mit China an die WM 2010. Man muss hart arbeiten, dann wird man im Leben belohnt», sagt er.
Das ist wohl wahr. Und hart gearbeitet hat er, keine Frage, denn man stellt sich während des Gesprächs vor, wie unangenehm es sein muss, in China in einem Fussballklub zu spielen und kein Wort chinesisch sprechen zu können.
«Wir haben die Sprachproblematik unterschätzt», gibt Marcel Hottiger zu. «Wir hätten Shi noch ein halbes Jahr in China spielen lassen sollen, wo er eine Sprachschule hätte absolvieren können.» Wie mit einem Taubstummen sei es in der Anfangsphase gewesen, sagt Hottiger, und es sei oft vorgekommen, dass man Shi Jun etwas nicht habe erklären können, weil der Dolmetscher nicht bei jedem Training, jeder Sitzung oder jedem Essen dabei sein konnte.
«Es war ein mutiges Experiment», sagt Hottiger, «und ich bin froh, dass es sich vielleicht doch gelohnt hat. Shi Jun scheut sich nicht, dorthin zu gehen, wo es weh tut. Das ist für einen Stürmer eine gute Qualität. Und er ist torgefährlich, relativ schnell und auch technisch gut ausgebildet.» Waren diese zwei Tore in Basel und gegen Sion für Sie eine besondere Genugtuung? «Nein. Wichtig ist, dass ich dem Team helfen konnte.»
Zweimal hat Shi Jun jetzt gut gespielt, doch das ist in einer Woche bereits wieder vergessen. «Er hat jetzt zweimal ein Tor erzielt“, sagt YB-Spieler Carlos Varela. «Aber wenn er jetzt zehnmal kein Tor erzielt, dann spielt er nicht mehr.» Das ist nicht böse gemeint, es ist die Wahrheit, das Fussballbusiness ist unbarmherzig, es verzeiht keine Nachlässigkeiten. «Wir haben immer gesehen, dass Shi Jun gute Anlagen hat», sagt Offensivspieler Thomas Häberli. «Aber wir können uns nicht mit ihm unterhalten. Das macht alles sehr kompliziert.» Und Hakan Yakin, der neue Captain, erklärt, es sei enorm schwierig, einen Spielern zu integrieren, mit dem man sich nicht austauschen könne. Er fordert: «Alle Ausländer müssen so rasch wie möglich deutsch lernen.» Warum haben Sie nicht versucht, die deutsche Sprache zu lernen? «Das habe ich. Aber in der Migros-Klubschule sprach die Lehrerin nur Englisch. Und das verstehe ich auch nicht.»
Die Sache mit dem Skischuh
Seit einigen Wochen kümmert sich Dolmetscher Lianpeng Jing persönlich um die Sprachfortschritte. Der Fussballspieler vertraut seinem Landsmann, der seit zwanzig Jahren in Bern lebt und mit einer Schweizerin verheiratet ist. Nach einer Stunde Gesprächszeit wirkt Shi Jun offener, er lacht jetzt ab und zu herzhaft, die Augen strahlen, wenn er über die Heimat erzählt. Shi Jun blickt einen jetzt öfter an. Spezielle Hobbys habe er keine, er gehe gerne mit seiner Frau an der Aare spazieren. Nein, in den Ausgang gehe er nie, in Restaurants selten, er surfe viel oft auf dem Internet, besucht chinesische Seiten, telefoniere mit Skype in die Heimat oder höre Musik, chinesische, und auch den Hip-Hop, denn die Teamkollegen in der Garderobe oder im Teambus auflegten, möge er, namentlich könne er aber keinen Interpreten nennen. Und, ach ja, kochen tue er sehr gerne mit seiner Frau.
Im «A-Chau-Trading», einem Laden mit asiatischen Spezialitäten im Liebefeld, habe er bis jetzt eingekauft, aber am Freitag werde in Köniz ein Geschäft mit chinesischen Produkten eröffnet und er werde an der Einweihung des «Ruilong» (Schwarzer Drache) dabei sein. Es ist ihm wichtig, ein Stück Heimat zu bewahren, er trifft sich auch mit anderen Chinesen, die in Bern wohnen, um gemeinsam zu kochen oder TV-Sendungen anzuschauen. Was ist Ihnen besonders wichtig aus der Heimat, irgendein Gewürz oder ein Getränk? «Alles.»
Hunderte von Dialekte gibt es in der chinesischen Sprache, Mandarin verstehen alle, so sprechen auch Shi Jun und sein Dolmetscher miteinander.
Zum Abschluss des Gesprächs kommt Shi Jun der Bitte nach, seinen Namen aufzuschreiben. Er nimmt einen Kugelschreiber, unterschreibt in chinesischer Schrift und setzt seinen Namen darunter. Lianpeng Jing buchstabiert die korrekte Aussprache: «Schr dschün». Der «r» im ersten Wort wird verschluckt und zu einem «ö». So ist das. Man hätte noch viele Fragen, man möchte noch vieles wissen, aber der Eistee ist ausgetrunken, draussen ist es dunkel geworden und drinnen laut, es ist Essenszeit, in der Wohnung nebenan, wo die Bananenschachteln herumliegen, wartet Xiaoxia.
Eine Sache aber muss noch geklärt werden. Die YB-Fans mögen den Chinesen, er ist der neue Publikumsliebling, die Anhänger nennen Shi Jun liebevoll «Schischueh». Man muss vielleicht wissen, dass man im Fussball einen Spieler, der zwei unbrauchbare Füsse besitzt, gemeinhin und gemein als «Schischueh» bezeichnet. Aber bei Shi Jun hat sich das einfach so ergeben, der Name lädt zu diesem witzigen Wortspiel ein. Wissen Sie, dass man Sie «Schischueh» nennt? «Ja, ich habe das im Stadion gehört. Ich habe es mir übersetzen lassen und weiss jetzt, was es bedeutet. Ich bin in der Schweiz schon Ski und auch Langlauf gefahren. Es ist schön, wenn mich die Leute bejubeln. Aber es wäre schön, wenn sie meinen richtigen Namen rufen würden. Das gebietet der Respekt.»
_________________ For Ever
|