 |
 |
Forum ybfans.chTreffpunkt der Fans des BSC Young Boys |
|
| Autor |
Nachricht |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 4. April 2020, 23:33 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
04.04.2020  Zitat: Ex-Nati-Spieler im Interview - Sutter:
«Mein Körper sagt mir, dass es langsam genug ist»
Von 2004 bis 2017 spielte Scott Sutter in der Super League für GC, YB und den FCZ. Seither stand der gebürtige Engländer in der nordamerikanischen Profiliga MLS bei Orlando und Vancouver unter Vertrag. Aktuell hält sich der zweifache Schweizer Internationale und frischgebackene Vater in den USA auf. Wir haben mit dem 33-Jährigen über die Corona-Krise und seine sportliche Situation gesprochen.
SRF Sport: Scott Sutter, wo erreichen wir Sie gerade?
Scott Sutter: Wir sind in Orlando, Florida. Es ist alles ein bisschen aussergewöhnlich. Niemand weiss so genau, wie das alles weitergeht. Es ist für jeden sehr unangenehm. Meine Frau und ich haben einen sechs Wochen alten Sohn, da ist vieles recht unklar. Das macht schon ein bisschen Angst.
Es wäre für Sie ja jetzt der Zeitpunkt, so richtig glücklich zu sein. Gleichzeitig macht man sich wegen der Corona-Krise sicher Sorgen.
Obwohl es eine sehr unangenehme Situation ist, ist es auch der perfekte Zeitpunkt, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Wenn ich jetzt noch am Spielen wäre und ich müsste jede zweite Woche irgendwohin fliegen, dann könnte ich diese spezielle Zeit mit meiner Frau und dem Kind nicht nutzen. Aus diesem Blickwinkel ist es natürlich schön. Wir nehmen es positiv.
Florida wird bald das neue Epizentrum des Coronavirus sein. Es gibt hier sehr viele ältere Leute.
Wie sieht denn die Situation aktuell in Orlando aus?
Man ist immer noch relativ flexibel. Jeder Staat in den USA ist anders. Unser Gouverneur in Florida hat recht lange gebraucht, bis er die Anordnung erlassen hat, dass man zuhause bleiben soll. Er war recht in der Kritik, weil er so lange gebraucht hat. Florida wird bald das neue Epizentrum des Coronavirus sein. Es gibt hier sehr viele ältere Leute.
In den sozialen Medien haben Sie immer wieder Kritik an US-Präsident Donald Trump geäussert ...
Wir haben hier mit Donald Trump jemanden, der an vorderster Front steht und Sachen erzählt, die überhaupt nichts mit der aktuellen Lage zu tun haben. Positiv ist immerhin, dass langsam klar wird, dass Trump nicht fähig ist, ein solches Land zu führen. Im Moment können wir nichts daran ändern. Aber ich hoffe, dass die Amerikaner bei der Wahl richtig entscheiden. Es muss sich etwas ändern. Wir haben jetzt gesehen, dass er nicht fähig ist.
Auch Ihre sportliche Situation ist unklar. Bis Ende letzter Saison haben Sie bei Vancouver gespielt. Jetzt sind Sie zurückgezogen nach Orlando, wo sie vorher gespielt haben. Wie sehen Sie Ihre sportliche Zukunft?
Es ist derzeit ein bisschen schwierig, etwas zu suchen. Zudem bin ich selber nicht sicher, ob ich noch ein Jahr spielen will oder nicht. Ich würde lieber in den Coaching-Bereich einsteigen, als noch einmal ein Jahr zu spielen. Mein Körper sagt mir, dass es langsam genug ist. Aber ich schliesse auch nicht aus, dass wir im Sommer zurück in die Schweiz kommen und dann weiterschauen.
Wenn Christoph Spycher von den Young Boys kommt und sagt, wir brauchen noch einen zweiten Aussenverteidiger, dann würde ich das sicher annehmen.
Falls Sie weiterspielen würden, könnten Sie also nicht sagen, ob das in den USA oder in der Schweiz wäre?
Wenn etwas kommt und es passen würde, dann würde ich sicher noch ein Jahr spielen, ob jetzt in der MLS oder auch in der Schweiz. Wenn Christoph Spycher von den Young Boys kommt und sagt, wir brauchen noch einen zweiten Aussenverteidiger, dann würde ich das sicher annehmen. Derzeit hat das aber nicht Priorität.
Im Moment ist es wegen der Corona-Krise sicher besonders schwierig, weil ja gar nichts läuft …
Niemand weiss so genau, wie es weitergeht, und ob die Saison überhaupt fortgesetzt wird. In Europa ist es genau das Gleiche. Es ist gerade kein guter Zeitpunkt, einen Job zu suchen.
Haben Sie noch Kontakt mit Ihren ehemaligen Mitspielern in der Schweiz?
Loris Benito, der bei Bordeaux spielt, ist einer meiner besten Kollegen. Wir haben regelmässig Kontakt. Auch Marco Wölfli von YB ist ein guter Freund. Wir haben zusammen einen Gruppenchat, auch mit ehemaligen Spielern wie Steve von Bergen oder Sportchef Spycher.
Falls es in der Super League noch weitergehen sollte. Würde es YB noch schaffen, St. Gallen noch einzuholen?
Ich glaube schon, dass YB stark genug wäre, das aufzuholen und dass sie wieder Meister werden würden. https://www.srf.ch/sport/fussball/inter ... -genug-ist
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Mittwoch 13. Mai 2020, 15:30 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
13.05.2020  Zitat: «Es ist Zeit, eine Flasche Rotwein zu öffnen» – Scott Sutter tritt ab
Scott Sutter erklärt an seinem 34. Geburtstag den Rücktritt. Der Schweizer mit Wurzeln in London spielte zuletzt für die Vancouver Whitecaps. Dort lief sein Vertrag Ende 2019 aus.
«Es ist Zeit, zurückzulehnen, eine Flasche Rotwein zu öffnen, oder drei, und darüber nachzudenken, was ich alles erlebt habe dank diesem wunderschönen Spiel», verkündete Sutter über Twitter.
Sutter absolvierte in seiner Karriere über 250 Spiele (acht Tore) in der Super League für die Grasshoppers, die Young Boys und den FC Zürich – die meisten als rechter Aussenverteidiger. Im Frühling 2017 wechselte er in die nordamerikanische Profi-Liga zu Orlando City und zog von dort Anfang 2019 weiter zu den Vancouver Whitecaps.
Das nunmehr letzte offizielle Spiel seiner Karriere bestritt Sutter am 30. September 2019 beim 4:3-Auswärtssieg gegen Los Angeles Galaxy und Superstar Zlatan Ibrahimovic.
Für die Schweiz kam Sutter unter Ottmar Hitzfeld 2010 in zwei Länderspielen zum Einsatz. https://www.bluewin.ch/de/sport/fussbal ... 91244.html
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
Bierflasche
|
Verfasst: Freitag 30. Juli 2021, 15:33 |
|
Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21 Beiträge: 3440 Wohnort: In der Brauerei
|
|
Scott Sutter: «Ich liebe YB!»
Der ehemalige Verteidiger lebt mit seiner Familie in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia. Der 35-Jährige hofft, eines Tages in Bern als Trainer tätig sein zu können.
***
Scott, Du hast am 13. Mai 2020, an Deinem 34. Geburtstag, den Rücktritt als Profi erklärt. Was hat den Ausschlag gegeben? Ein Jahr wäre vielleicht noch gegangen, aber mein Fussgelenk machte mir so zu schaffen, dass ich doch schon aufhörte. Jahrelang hatte ich gegen Schmerzen gekämpft, bis der Punkt erreicht war, an dem ich mir sagte: Jetzt ist genug. Das Ende meiner Karriere kam nicht unerwartet, ich habe mich darauf vorbereiten können.
Wie sieht Deine berufliche Zukunft aus? Ich konzentriere mich darauf, Trainer zu werden, und bin daran, die Diplome zu erwerben. Praktische Erfahrung sammle ich seit ein paar Monaten an der Universität von Virginia, ich stehe drei bis vier Mal auf dem Platz. Der Weg zur Uefa-Pro-Lizenz ist zwar noch weit, aber die Ausbildung macht Spass.
Du hast mehr als acht Jahre bei YB gespielt. Welche Verbindungen bestehen noch nach Bern? Ganz viele. Meine Frau ist Bernerin, ihre Familie lebt in Bern. Wir haben selber ein Haus da, und YB prägte einen grossen Teil meines Lebens. Ich bin quasi auch ein Berner geworden. Ich liebe YB! Es ist nicht mehr oft der Fall, dass ein Fussballer so lange beim gleichen Verein verbringt. Wenn ich bei YB vorbeischaue, ist das für mich wie ein Heimkommen: Ich kenne so viele Menschen, die bei YB arbeiten, und wenn ich sie sehe, fühlt sich das an, als wäre ich nie weggegangen.
Möchtest Du irgendwann zu YB zurückkehren? Das ist mein Ziel. Ich stehe mit Christoph Spycher immer noch in Kontakt, mit ihm spielte ich bei GC, dann bei YB wieder, er ist über die Jahre ein Freund geworden. Er leistet überragende Arbeit. Ich hoffe, dass er noch sehr lange bei YB bleibt und ich irgendwann als Trainer nach Bern kommen kann.
Kannst Du in den USA die Spiele von YB verfolgen? Es ist schwierig, Partien zu sehen. Aber ich informiere mich übers Internet, lese viel oder tausche mich mit ehemaligen Spielern per WhatsApp aus.
Du bist 2017 gegangen. Im Nachhinein betrachtet: etwas zu früh… ...ja, eigentlich schon. Trotzdem denke ich nicht so: Was wäre gewesen wenn… Das bringt nichts. Natürlich fehlt ein Meistertitel mit YB, aber ich habe so schöne Zeiten erlebt in Bern, danach auch in Amerika, dass ich sagen kann: Es passt wunderbar. Über die vier Meistertitel habe ich mich als Fan wahnsinnig gefreut.
Nun trifft YB auf GC, den Klub, bei dem Du Profi geworden bist. Hast Du noch einen Bezug zu GC? Nein, nicht mehr. Ich werde GC immer dankbar bleiben, dass ich damals die Chance bekam. Aber in der Schweiz steht für mich YB über allen anderen. Und natürlich hoffe ich, dass noch ganz viele Titel gewonnen werden.
Du bist seit 17 Monaten Vater. Soll Dein Sohn Lio einmal Fussballer werden? Lieber Golfer (lacht). Dann könnte ich mit ihm zusammen spielen. Golf ist meine grosse Leidenschaft in der Freizeit, und das Schöne ist, dass man sich immer steigern kann.
|
|
 |
|
 |
|
Bierflasche
|
Verfasst: Mittwoch 3. April 2024, 17:44 |
|
Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21 Beiträge: 3440 Wohnort: In der Brauerei
|
|
Scott Sutter: «Ich bin und bleibe YB-Fan»
Er gab sein Profi-Debüt bei GC und verbrachte danach mehr als sieben Jahre seiner Laufbahn als Spieler bei YB (249 Spiele). Nun lebt Scott Sutter (37) mit seiner Familie in den USA – aber die Verbundenheit mit Bern ist immer noch gross.
Scott, was machst Du im fussballerischen Ruhestand? Nach meinem Rücktritt Ende 2019 wollte ich beruflich weiterhin etwas mit Fussball zu tun haben. Eine Weile trainierte ich die U17 von D.C. United in Washington. Dann zogen wir nach Orlando um – und ich entschied mich für die Selbstständigkeit. Ich biete Individual- und Gruppentrainings für Kinder und Jugendliche an. Zudem organisiere ich Camps in den Schulferien. Das Interesse ist gross, ich habe ziemlich viel zu tun, und es macht Spass.
War immer klar, dass Du mit Deiner Familie in den USA bleibst? Nein. Als ich 2017 von YB zu Orlando City wechselte, gingen meine Frau und ich davon aus, zwei, vielleicht drei Jahre zu bleiben und nach Vertragsende in die Schweiz zurückzukehren. Doch dann gefiel es uns so gut, dass wir den Aufenthalt verlängerten. Aber das heisst nicht, dass wir für immer bleiben. Wir sind nun zweifache Eltern und denken, dass unsere Kinder einmal in der Schweiz zur Schule gehen sollen. Ausserdem möchten wir unseren Familien wieder näher sein.
Was verbindet Dich mit Bern? Es ist die Heimat meiner Frau. Es ist die Stadt, die mir ebenfalls viel bedeutet. Bern ist so etwas wie unser Rückzugsort, auch wenn wir – wie gerade jetzt – anderswo leben. Und natürlich besteht weiterhin eine Verbindung dank YB. Wenn wir auf Heimatbesuch sind, schaue ich stets im Wankdorf vorbei und freue mich, viele bekannte Gesichter zu sehen. Mit Loris Benito bin ich eng befreundet, wir tauschen uns regelmässig aus. Christoph Spycher kenne ich noch aus gemeinsamen Spielerzeiten bei GC und später bei YB. Es ist jedes Mal mega schön, beim Club vorbeizuschauen. Und wer weiss, vielleicht kehre ich eines Tages in einer Trainerfunktion, zum Beispiel im Nachwuchs, zu YB zurück. Das wäre cool.
Wie verfolgst Du das Geschehen aus der Ferne? Ich sehe Zusammenfassungen und verfolge in den sozialen Medien oder in den Zeitungen, die ich online lesen kann, was sich in der Schweiz tut. Zudem schildert mir mein Vater, der immer mal wieder Spiele besucht, seine Eindrücke. Ich bin und bleibe YB-Fan – und hoffe, dass es diese Saison erneut mit dem Meistertitel klappt.
Hast Du auch noch Kontakte zu GC? Nein. Aber ich bin dem Club dankbar, dass er mir den Sprung zu den Profis ermöglicht hat. Übrigens absolvierte ich meinen ersten Match von Anfang an in der Super League im Jahr 2004 gegen YB – mit Christoph Spycher bei GC. Bei YB sah Joël Magnin noch vor der Pause die gelb-rote Karte. Und wir verloren 0:1…
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Freitag 5. Juli 2024, 11:37 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
05.07.2024  Zitat: Ex-Nati-Spieler über Viertelfinal
Duell Scott Sutter: «Die Engländer überschätzen sich»
Scott Sutter kommt auf zwei Länderspiele für die Schweiz. Doch der in London geborene frühere Fussballprofi verbindet auch einiges mit England. Der EM-Viertelfinal ist für ihn ein spezielles Duell.
Scott Sutter wächst in London auf. Als 16-Jähriger siedelt er in die Schweiz, die Heimat seines Vaters, um und verfolgt den Traum vom Fussballprofi, der sich erfüllt, als er zwei Jahre später für die Grasshoppers debütiert. Am längsten spielt der Rechtsverteidiger in Bern. Nach acht Jahren bei den Young Boys erfüllt er sich 2017 den Traum vom Auslandabenteuer und wechselt in die nordamerikanische Profiliga MLS zu Orlando City. Seit seinem Rücktritt 2020 ist der 38-Jährige als Trainer im Nachwuchsbereich tätig. In Florida hat er die «Scott Sutter Soccer School» gegründet. Zudem wirkt er bei den Übertragungen der Spiele von Orlando City als Co-Kommentator und Analyst.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA spricht Sutter über das spezielle Duell im EM-Viertelfinal zwischen der Schweiz und England. Er sagt, was die Schweiz in seinen Augen abhebt von den «Three Lions». Er erklärt, weshalb die Engländer auf ihn bisweilen arrogant wirken, und der zweifache Schweizer Nationalspieler prognostiziert, was er dem Gewinner dieses Viertelfinals zutraut.
Scott Sutter, Sie leben in Florida. Haben Sie die Europameisterschaft überhaupt verfolgt?
Bisher habe ich nur etwa zweieinhalb Spiele live gesehen. Den Achtelfinal der Schweiz gegen Italien, denjenigen der Engländer gegen die Slowakei und noch einen Teil von Belgien gegen Frankreich. Ich hätte gern mehr geschaut, aber ich hatte einfach keine Zeit. Hier in Orlando ist Mittag und Nachmittag, wenn gespielt wird. Und da stehe ich meistens auf dem Trainingsplatz.
Wie stark wird das Turnier in den USA überhaupt wahrgenommen?
Es ist schon nicht wie in Europa, wo du während einer EM keine zehn Meter laufen kannst, ohne irgendeine Fahne zu sehen, die auf das Turnier hinweist. Die USA sind so ein grosses Land, und die Distanzen sind so gross. Hier gibt es Millionen von Menschen, die sich gar nicht für Fussball interessieren. Selbst die 15-Jährigen, die zu mir ins Training kommen: Wenn ich sie frage, ob sie das Spiel der Engländer gegen die Slowakei und den Fallrückzieher von Jude Bellingham gesehen haben, sagen sie: «Nein, was ist passiert?» Es ist alles nicht so präsent hier.
Sie haben den Fallrückzieher aber gesehen. Wie erlebten Sie diesen Moment?
Als er das Tor geschossen hat, habe ich mitgejubelt. Einfach, weil ich unbedingt wollte, dass England gegen die Schweiz spielt. Aber in einem Spiel Schweiz gegen England bin ich klar für die Schweiz. Ich freue mich sehr auf den Samstag.
Sie sind Doppelbürger und haben Ihre Jugend in England verbracht. Wie speziell ist so eine Partie für Sie?
Schon speziell. Jetzt fühle ich mich mehr als Schweizer als Engländer, aber in meiner Jugend war ich ein riesiger England-Fan. Meine Frau fiebert voll mit der Schweiz mit, wir haben lange dort gelebt, und ich habe auch zwei Länderspiele für die Schweiz bestreiten können. Und ich mag Underdog-Geschichten. Die kleine Schweiz gegen das grosse England, da habe ich sowieso immer Sympathien für den Aussenseiter.
Ist die Schweiz denn wirklich Aussenseiter? In den Medien wird sie nach dem Spiel gegen Italien teilweise favorisiert.
Wenn man die Formkurve dieses Turniers anschaut, ist die Schweiz sicher Favorit. Das ist schon recht speziell. Und ich bin gespannt, wie die Schweiz damit wird umgehen können. Mit dem Druck, den so eine Ausgangslage mit sich bringt. Ob sich die Spieler plötzlich Gedanken machen werden, oder ob sie auch gegen England so befreit werden aufspielen können wie gegen Italien. In Berlin haben sie so super gespielt, das war schön zum Zuschauen.
Weniger schön haben die Engländer bisher gespielt. Wie haben Sie das Team erlebt?
Ich habe zwar nicht alle Spiele live gesehen, aber viel gelesen und mich auch mit meinem Vater ausgetauscht, der alle Partien der Engländer gesehen hat. In den sozialen Medien liest man schon viel Kritik. Es ist wie immer in den letzten Jahren, wenn England an grossen Turnieren spielt.
Wo sehen Sie die Probleme?
Trainer Gareth Southgate macht in meinen Augen keinen guten Job und hat auch noch nie einen guten Job gemacht. An der letzten WM nicht, und auch an der letzten EM nicht.
Trotz Finaleinzug 2021?
Wenn man die letzten zwei Spiele zu Hause im Wembley austragen kann, muss man das Turnier einfach gewinnen. Da gibt es keine Ausreden. Betreffend individueller Qualität der Spieler gibt es fast keine Mannschaften, die so gut besetzt sind wie die Engländer.
Woran liegt es denn, dass man das auf dem Platz nicht sieht?
Experten haben es schon oft gesagt: Trainer des Männernationalteams ist einer der schwierigsten Jobs in England. Man hat so viel Druck, die Erwartungen sind so hoch. Bei jedem Turnier heisst es wieder «It’s coming home», und die Mannschaft bringt die Trophäe dann doch nicht nach Hause.
Erwarten die Fans zu viel von diesem Team?
Ja. Mich stört bei den englischen Fans, dass sie eine gewisse Arroganz haben. Sie sagen, sie hätten die beste Liga der Welt, die besten Spieler. Aber wenn dann englische Teams in der Champions League spielen oder das Nationalteam an einem Turnier, sieht man, dass es andere Mannschaften gibt, die einfach deutlich besser sind. Die Engländer überschätzen sich, und das führt dann dazu, dass sie immer wieder enttäuscht werden.
Welche Liga stufen Sie denn besser ein als die englische?
Ich liebe es, Spiele der Premier League zu schauen, weil ich finde, dass es die interessanteste Liga ist. Aber ich glaube nicht, dass es die qualitativ beste Liga ist. Wenn man Manchester City und Arsenal wegnimmt, ist das Spielniveau in der spanischen Liga viel höher.
Wo orten Sie neben dem Trainerposten sonst noch Probleme im Nationalteam?
Die Abstimmung zwischen Harry Kane und Jude Bellingham ist zum Beispiel noch überhaupt nicht vorhanden. Ich habe eine Statistik gesehen. Im Spiel gegen die Slowakei spielten die Engländer um die 670 Pässe. Aber nur gerade einer war zwischen diesen beiden. Das ist wahnsinnig. Und das zeigt, dass England kommunikativ noch nicht auf einem guten Level ist. Aber solange die Resultate stimmen, spielt das nur eine untergeordnete Rolle.
Diese Herangehensweise scheint riskant.
Ja. Die Engländer spielen lieber schlecht und gewinnen dann irgendwie 1:0 oder im Penaltyschiessen. Aber so schlecht wie in diesem Jahr haben sie in meiner Erinnerung nie gespielt an einem Turnier.
Eine grosse Chance für die Schweiz.
Im Gegensatz zu England agiert die Schweiz als Team. Sie war in den letzten Jahren immer relativ erfolgreich an den grossen Turnieren, überstand die Gruppenphase und schied dann meistens in der ersten K.-o.-Runde aus. So ausgeprägt wie in diesem Jahr hat man dieses Teamgefüge aber schon lange nicht mehr wahrgenommen. Die Überzeugung, wie die Spieler auf dem Platz agieren, ist beeindruckend.
Also tippen Sie auf einen Sieg der Schweiz?
Ich hoffe es. Aber England verfügt über so viel Potenzial. Die können in jedem Moment plötzlich ein gutes Spiel machen. Ich hoffe für die Schweiz, dass die Engländer so spielen, wie sie bis jetzt gespielt haben.
Kann die Schweiz gar noch weiter kommen als bis in die Halbfinals?
Wenn man die Tableau-Hälfte anschaut, denke ich, dass der Gewinner dieses Viertelfinals im Final stehen wird. Wenn die Schweizer die Engländer schlagen, könnten sie auf die Niederlande oder die Türkei treffen, was keine schwierigere Aufgabe als England ist. Es könnte also weitergehen. https://www.bluewin.ch/de/sport/fussbal ... 71376.html
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
shalako
|
Verfasst: Samstag 6. Juli 2024, 14:56 |
|
Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08 Beiträge: 29376
|
06.07.2024  Zitat: Zwei Herzen in der Brust
Scott Sutter: «Mein Tipp ist 1:0 für die Schweiz»
Für den Ex-Nati-Spieler mit englischen Wurzeln ist klar, wem er im EM-Viertelfinal die Daumen drückt.
Scott Sutter kommt auf zwei Länderspiele für die Schweiz. Doch den in London geborene früheren Fussballprofi verbindet auch einiges mit England. Vor dem EM-Viertelfinal konnte SRF mit dem heute 38-Jährigen sprechen.
- Schweiz oder England: Zu wem hält Sutter am Samstag?
«Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich bin ganz klar für die Schweiz. Früher war ich grosser England-Fan und habe auch entsprechend mitgefiebert, auch als ich in der Schweiz gelebt habe. Nach längerer Zeit – insgesamt 16 Jahren in der Schweiz und mit meinen Einsätzen für die Nati – hat sich das aber geändert. Meine Frau ist Schweizerin, wir haben immer noch ein Haus in der Nähe von Bern.»
- Wer ist Favorit?
«Das ist ein geiler Match. Ich wollte unbedingt, dass es dazu kommt. Ich finde es immer toll, wenn ein kleineres Land die Underdog-Rolle übernimmt. Obwohl, wenn man die Form der beiden Mannschaften anschaut, kann man eigentlich sagen, dass die Schweiz favorisiert ist. Das ist sehr speziell.»
- Gibt es noch Kontakte zu Schweizer Spielern?
«Michel Aebischer war mit mir bei YB. Ich folge ihm auf Instagram, wo wir ab und zu Nachrichten austauschen. Kwadwo Duah und Yvon Mvogo kenne ich auch noch aus YB-Zeiten. Loris Benito ist ja leider nicht dabei, zu ihm pflege ich einen engen Kontakt.»
- War es ein Thema, das Spiel live im Stadion in Düsseldorf zu verfolgen?
«Ich hätte das Spiel gerne gesehen. Es ist jedoch schwierig, an Tickets zu kommen, auch als ehemaliger Nationalspieler. Am Samstag spielt aber ohnehin noch Orlando City. Kaka wird in die Hall of Fame aufgenommen.» (Dabei ist er als Co-Kommentator und Analyst tätig – Anmerkung der Redaktion.)
- Wer zieht in den Halbfinal ein?
«Die Schweiz hat ein überragendes Turnier gespielt bis jetzt. England dagegen konnte das Potenzial überhaupt nicht ausschöpfen. Nur: Die Engländer haben genug Talent in der Mannschaft, um das plötzlich trotzdem abrufen zu können. Mein Tipp ist aber ein 1:0 für die Schweiz. Sie tritt als Einheit auf. Wer das Spiel gewinnt, hat für mich gute Chancen, auch in den Final vorzustossen.»
Zur Person
Scott Sutter siedelte als 16-Jähriger in die Schweiz, die Heimat seines Vaters, über. Im Profifussball fasste er zwei Jahre später bei GC Fuss. Am längsten spielte der Rechtsverteidiger in Bern. Nach acht Jahren bei den Young Boys wechselte er 2017 in die nordamerikanische Profiliga MLS zu Orlando City. Seit seinem Rücktritt 2020 ist er als Trainer im Nachwuchsbereich tätig. https://www.srf.ch/sport/fussball/uefa- ... ie-schweiz
_________________ For Ever
|
|
 |
|
 |
|
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste |
| |
|
|
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
|
|
 |