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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 9. Juli 2009, 21:31 
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Solange Raimondi nicht spielen kann, wird dies definitiv der Fall sein....


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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Montag 13. Juli 2009, 19:41 
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Tja.... zu spät... nun hat sich der FCZ den Vonlanthen geschnappt... Hoffe ja jetzt nur, dass der nicht eine wichtige Rolle spielen wird, sonst nervt es mich schon jetzt, dass YB ihn nicht geholt hat, abgesehen davon, dass uns sowiso Spieler fehlen auf der linken Position...


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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Dienstag 30. November 2010, 10:29 
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NZZ am Sonntag, 30.11.2010

In der Sackgasse von Salzburg

Johan Vonlanthen darf bei Red Bull nicht mit den Profis trainieren.

Für ihn sind es 40 000 Quadratmeter Einsamkeit: Wenn Johan Vonlanthen im riesengrossen Red-Bull-Trainingszentrum in Salzburg stundenlang Eisen stemmt oder leere Kilometer auf einem Laufband rennt, ist er oft alleine. Manchmal schaut ihm ein Trainer über die Schulter, und hin und wieder kommen ein paar Mannschaftskollegen vorbei, die der Salzburger Trainer Huub Stevens gerade nicht gebrauchen kann. Aber meistens wird Vonlanthen ausgegrenzt. Er sagt: «Ich darf nicht mit der ersten Mannschaft trainieren.»

«Tun, was man mir sagt»

Der Chefcoach Stevens wirft ihm manchmal beim Vorbeigehen ein flüchtiges «Hallo» zu, sonst hat man nichts miteinander zu besprechen. «Der Trainer setzt nicht auf mich», sagt Vonlanthen. Auf der Mannschaftsliste ist sein Name nirgends zu finden. Er ist kein Kadermitglied. Vonlanthen sagt: «Ich bin Angestellter des Vereins. Ich muss tun, was man mir sagt.» Aber der Angestellte hat keine Aufgabe, und was man ihm sagt, ist ziemlich ernüchternd: Vonlanthen darf sich nach seiner Knieoperation im Mai in Salzburg wieder in Form bringen. Aber weitere Perspektiven gibt es für ihn nicht.

Als der 24-jährige Vonlanthen im letzten Frühling von Zürich nach Salzburg zurückkehrte, wartete niemand mit Blumen auf ihn. Als er im Jahr 2006 von Breda nach Österreich transferiert wurde, war er noch als «Wunderkind» empfangen worden. Lothar Matthäus, damals Co-Trainer in Salzburg schwärmte, einen Spieler wie Vonlanthen habe er noch nie gesehen. Das ist lange her. Thomas Linke, langjähriger Fussballer beim FC Bayern und deutscher Nationalspieler, ist heute im Red-Bull-Sportmanagement tätig. Er sagt: «Wir haben nicht mit Vonlanthen gerechnet. Wir dachten, er wolle sich verändern.» Dass Vonlanthen nicht einmal mittrainieren dürfe, sei nicht auf ein Zerwürfnis zurückzuführen, «wir haben einfach anders geplant». Aber bei Salzburg hat Vonlanthen noch einen bis Sommer 2011 gültigen Vertrag. Das Stück Papier bringt ihm viel Geld, rund 1,5 Millionen Franken pro Saison. Das hat ihm den Vorwurf eingetragen, er sitze nun in Salzburg bloss gemütlich seinen Vertrag ab. Vonlanthen sagt: «Es hat mich erstaunt und enttäuscht, als ich das gelesen habe.»

Denn ihm sei gar keine andere Wahl geblieben, als zu seinem Arbeitgeber Salzburg zurückzukehren. Im Sommer 2009 wurde er für eine Saison zum FC Zürich ausgeliehen. Am Anfang spielte er ausserordentlich gut, vor allem auch in der Champions League. Doch später geschah, was auch früher schon oft vorgekommen war: Vonlanthen geriet in die Schlagzeilen, diesmal wegen Verbindungen zu einer Freikirche und seinem Wunsch, aus religiösen Gründen am Samstag nicht mehr Fussball zu spielen. So war das damals kolportiert worden. Vonlanthen dementierte.

«Der FCZ hätte ihn gerne behalten», sagt der Sportchef Fredy Bickel auch heute noch. Der FC Zürich verfügte über eine Option für eine definitive Übernahme. Aber in Salzburg beharrte man auf der Ablösesumme von rund einer Million Franken. Der FC Zürich versuchte vergeblich, über den Preis zu verhandeln. Bickel fragte Ende April in Salzburg schriftlich nach, ob der FCZ den Zeitpunkt für eine Übernahme Vonlanthens etwas hinausschieben dürfe. Er erhielt aus Österreich keine Antwort. Doch es waren nicht nur finanzielle Gründe, die den FCZ zögern liessen. Vonlanthen hatte sich in seinem letzten Spiel für die Zürcher im Mai gegen GC erneut am Knie verletzt.

Tatsächlich musste sich Vonlanthen kurze Zeit später wegen eines Knorpelschadens am Knie operieren lassen. Erst seit Oktober steht er wieder auf dem Fussballplatz, mit der zweiten Mannschaft Salzburgs darf er manchmal mittrainieren. Jetzt sagt Vonlanthen: «Ich bin fit und einsatzbereit. Aber nun brauche ich eine Mannschaft, wo ich spielen kann.» Er strebt in der Winterpause einen Wechsel an, noch immer gibt es Kontakte zu Hapoel Tel Aviv, wo er sich im Oktober medizinisch hatte untersuchen lassen. Aber das Problem ist: Red Bull Salzburg wird ihn nicht ausleihen, der Verein verlangt 600 000 Euro Ablöse.

«Wir unternehmen nichts»

Aber welcher Klub ist bereit, so viel Geld für einen Spieler auszugeben, der ein halbes Jahr verletzt war und der nur noch wenige Monate unter Vertrag steht, ehe er ablösefrei wechseln kann? Thomas Linke sagt: «Wenn Vonlanthen einen interessierten Verein bringt, setzen wir uns an einen Tisch.» Und der Salzburger Kommunikationschef ergänzt, der Verein werde keine Anstrengungen unternehmen, um einen neuen Klub für Vonlanthen zu suchen, «wir unternehmen nichts».

Die unerfüllten Träume des «Wunderkindes»

Johan Vonlanthen wuchs in der kolumbianischen Karibikküstenstadt Santa Marta ohne Vater auf, als 12-Jähriger kam er in die Schweiz. Als 16-Jähriger schoss er sein erstes NLA-Tor für YB, keiner war vor ihm jünger. 2003 wechselte er von Bern nach Eindhoven. Im Alter von 18 Jahren debütierte der Offensivspieler im Schweizer Nationalteam, sein Treffer an der Euro 2004 gegen Frankreich machte ihn zum jüngsten EM-Torschützen. Vonlanthen galt als «Wunderkind», dem man alles zutraute. Aber die Träume gingen nicht in Erfüllung. Eindhoven schob Vonlanthen nach Brescia ab, nach sechs Monaten zog er nach Breda weiter. Oft geriet er in die Schlagzeilen. Im U-21-Nationalteam rebellierte er einmal gegen die Rolle als Ersatzspieler. Die WM-Teilnahme 2006 wollte er mit dem Attest eines Vertrauensarztes erzwingen. 2006 verpflichtete ihn Salzburg, in 84 Spielen erzielte er 11 Tore. Im Mai kehrte Vonlanthen nach Österreich zurück, nachdem er im Sommer 2009 an den FCZ ausgeliehen worden war. (fcl.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. August 2011, 08:55 
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«Ich will nicht berühmt sein»

BLICK besucht Johan Vonlanthen (25) beim neuen Klub Itagüi Medellín in Kolumbien. Er betet mit dem Trainer vor jedem Training.

9.30 Uhr, Trainingsgelände des Fussballklubs Itagüi Medellín. Johan Vonlanthen und sein leiblicher Vater, Milton Rodriguez, treffen ein. Das Stadion liegt in einem Industriegebiet. Metallarbeiter stehen an der Busshaltstelle. Johan Vonlanthen wirkt scheu und misstrauisch.

Herr Vonlanthen, wie geht es Ihnen in Kolumbien?

Johan Vonlanthen: Fantastisch. Ich habe das, was ich ein Leben lang vermisst hatte.

Kannten Sie Medellín?

Ich habe Verwandte hier. Fast alle meine Freunde sind in Medellín zu Hause.

Wo ist Ihr Zuhause?

Momentan ist es Kolumbien, ich hatte viele schöne Jahre in der Schweiz und in Europa. Als ich in Europa lebte, bin ich jedes Jahr nach Kolumbien geflogen. Wenn ich wieder zurück nach Europa musste, war das hart. Meine Wurzeln sind in Kolumbien. Ich bin wegen meiner Familie nach Kolumbien zurückgekommen und würde auch gerne meine Familie aus der Schweiz bei mir haben. Ich habe eine kolumbianische Frau. Wir wollten, dass unser Sohn in Kolumbien aufwächst. Er ist jetzt elf Monate alt.

10.20 Uhr: Vonlanthen hat muskuläre Probleme. Er trainiert im Kraftraum. Beim Saisonauftakt gegen den Lokalrivalen Independiente Medellín fehlt er.

Wie gut kennen Sie den kolumbianischen Fussball?

Sehr gut! Seit ich ein kleiner Junge war, wollte ich Fussballprofi in Kolumbien werden. Ich wuchs auf, als Valderrama, Rincón und Goalie Higuita für die Nationalmannschaft spielten. Als ich zwölf war, zogen wir in die Schweiz. Ich weinte viel in dieser Zeit. Mein Traum war es damals, Profi in Kolumbien zu werden.

Wie schätzen Sie das Niveau der kolumbianischen Liga ein?

Der grösste Unterschied zwischen südamerikanischem und europäischem Fussball besteht im Geld. In Europa dreht sich alles ums Geld. Fussballerisch ist der Unterschied gering. In Kolumbien wird anders Fussball gespielt. Mit mehr Leidenschaft. Das gefällt mir. In Südamerika wird technischer gespielt.

Hier ist Fussball Kultur. Vor allem unter den Jungen. Ich will ein Teil dieser Kultur sein. Für mich geht es im Fussball nicht um Geld.

12 Uhr: Termin im Büro des Klubpräsidenten, José Fernando Salazar. Statuen der Jungfrau Maria, Weihwasser an den Wänden. Die Sekretärin besorgt Johan Vonlanthen die Unterlagen für die Krankenversicherung. Präsident Salazar hat den Klub vor drei Jahren gekauft. Er will in Medellín, das jahrelang als Drogenhauptstadt der Welt galt, einen sauberen Fussballklub etablieren. «Johan ist unser Aushängeschild», sagt der Präsident. Vonlanthen ist der einzige Ausländer im Team.

Herr Vonlanthen, wie kamen Sie ausgerechnet zu Itagüi Medellín?

Ich hatte kein bestimmtes Team im Kopf. Ich wusste einfach, dass ich in Kolumbiens erster Division spielen wollte. Itagüi ist aufgestiegen. Mich hat beeindruckt, wie der Verein organisiert ist. Es gibt sogar eine Zahnversicherung für die Mitglieder! Der Verein wird wie eine Familie geführt. Itagüi engagiert sich in der Jugendarbeit. Es gibt ein Programm für 5000 sozial benachteiligte Kinder, die jedes Wochenende gratis ins Stadion dürfen. Das beeindruckt mich. Dieser Verein hilft jungen Menschen, ihren Traum vom Profifussball zu leben.

Welche Ziele haben Sie mit Itagüi?

Das Team wurde verstärkt. Von mir wird viel erwartet. Wir wollen die Playoffs erreichen, danach ist alles möglich.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Die Mitspieler haben Respekt vor mir. Ich will ein Führungsspieler sein. Ich will ihnen meine Erfahrungen, die ich in Europa gemacht habe, weitergeben. Ich bin noch jung. Ich glaube, ich kann dem Team sehr viel geben.

12.45 Uhr in einer nahen Shoppingmall. Vonlanthen will typisch kolumbianisch essen. Er bestellt eine Gemüsesuppe.

Sie haben auf sehr viel Geld verzichtet: In Salzburg sollen Sie rund 1,5 Mio. Franken verdient haben. Laut Medienberichten bekommmen Sie bei Itagüi nur noch 40 000 Franken pro Jahr.

Wer erzählt so etwas? Ich spreche nicht über Geld. Meine Situation in Europa war schwierig, weil ich meinen Glauben nicht so leben konnte, wie ich dies wollte. In der Schweiz hatte ich Probleme mit den Medien – auch mit dem BLICK. Man wollte meinen Glauben nicht akzeptieren. In Kolumbien fühle ich mich wohl, die Menschen nehmen mich so, wie ich bin.

Was bedeutet Ihnen Geld?

Ich will ein angenehmes Leben führen, wie jeder! Aber viel wertvoller als Geld ist für mich, dass ich in Kolumbien niemandem meinen Glauben erklären muss. Der Trainer bei Itagüi hat auf seinem iPhone Bibelverse. Wir lesen sie und beten vor jedem Training. Hier verstehen mich die Leute.

Mit 25 sind Sie im besten Fussballeralter: Viele fragen sich, warum Sie nicht versuchen auf höchstem Niveau zu spielen.

Mit ist egal, was die anderen denken. Ich will nicht berühmt sein.Ich habe andere Wer te als früher. Ich will einfach eine normale Person sein, die Fussball spielt.

Werden Sie es einmal bereuen, dass Sie nicht mehr aus Ihrem Talent herausgeholt haben?

Mein Anspruch an mich ist, immer 100 Prozent zu geben. Jeder darf über meine Rückkehr nach Kolumbien denken, was er will. Ich bereue nichts: Weder meine Karriere in Europa noch meine Rückkehr in die Heimat.

Sie fühlen sich von den Schweizer Medien und der Öffentlichkeit missverstanden?

Kaum jemand verstand meine Ar t zu leben und meinen Glauben. Ich spielte eine gute erste Saison in Zürich. Danach begannen die Probleme: Mein Herz war gespalten. In Zürich habe ich mit Sportchef Fredy Bickel und Präsident Ancillo Canepa über meinen Glauben gesprochen. Dass es für mich schwierig sei, am Samstag zu spielen. Ich wollte dem Verein aber keine Probleme machen. Sie hatten Verständnis dafür. Aber es gab andere Leute, denen ich meine Probleme ebenfalls anvertraute. Sie sind zur Zeitung gerannt und haben alles erzählt. Es hiess dann, ich gehöre einer gefährlichen Sekte an. Es hiess, ich sei verrückt. Dabei will ich doch nur Gottes Gebote einhalten. Ich war nicht mehr glücklich in der Schweiz.

Erzählen Sie von Ihrem Glauben.

Gott steht für mich an erster Stelle, danach kommen Familie und Arbeit. Ich lebe nach den zehn Geboten. Ein Gebot lautet: «Am 7. Tage sollst du ruhen.» Der 7. Tag ist der Samstag. Das will ich befolgen. Gott bedeutet mir alles!

Stimmt es, dass Sie bei Itagüi am Samstag nicht spielen werden?

Der Klub hat überhaupt kein Problem damit. In Kolumbien wird normalerweise sonntags und mittwochs gespielt. Endlich kann ich meinen Glauben auch als Fussballprofi leben. Das wird mir eine Extra-Motivation geben.

Es ist Nachmittag geworden. Johan Vonlanthen möchte aufbrechen. Er darf ein Auto aussuchen. Er wird sich für einen Familienwagen entscheiden. Und später für Holzmöbel, mit denen er und seine Frau das Appartement einrichten wollen.

Verfolgen Sie den Schweizer Fussball noch?

Klar! Die Super League ist eine tolle Liga! FCZ, GC, Basel, YB und jetzt Ser vette und Lausanne. Viele Teams haben junge Spieler, die sich in der Schweiz einen Namen machen und dann ins Ausland wechseln wollen.

Können Sie sich vorstellen, wieder für die Schweizer Nationalmannschaft zu spielen?

Keine Ahnung! Ich werde in Itagüi mein Bestes geben, die Entscheidung liegt immer bei den Trainern!

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich könnte versuchen, Pläne zu machen. Aber das Einzige, was zählt, ist Gottes Plan. Keiner weiss, was in zehn Jahren ist. Ich möchte meinem Sohn zuschauen, wie er aufwächst. Ich möchte glücklich sein mit ihm und meiner Frau.

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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. August 2011, 08:57 
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Vom Abstellgleis zur Attraktion

Das Debüt von Johan Vonlanthen im kolumbianischen Verein Itagüi verzögert sich um mindestens eine weitere Woche. Die Erwartungen an den 25-Jährigen sind in seinem südamerikanischen Heimatland gleichwohl unverändert hoch.

Über mangelndes Medieninteresse kann sich Vonlanthen bei seinem Neuanfang in Kolumbien nicht beschweren. In seiner neuen Heimat Medellin widmete das lokale Blatt «El Colombiano» dem 25-Jährigen eine ganze Seite. Die Erwartungen an den Stürmer sind hoch. Das Debüt des in der Touristenstadt Santa Marta an der Karibikküste geborenen Stürmers im Trikot des CD Itagüi war für heute Mittwoch im Heimspiel gegen Envigado vorgesehen. Wegen Trainingsrückstandes gehört Vonlanthen allerdings dem Aufgebot noch nicht an.

Medellin und sein zweifelhafter Ruf

Itagüis Klub ist neu strukturiert, existiert in dieser juristischen Form erst seit zwei Jahren. Das Stadion, in dem auch die Geschäftsstelle untergebracht ist, fasst nur gerade 12 000 Zuschauer. Fanklubs fehlen, der Klub muss sich erst seinen Platz in Medellin erkämpfen. Die Platzhirsche sind Independiente Medellin und der amtierende Meister Atlético Nacional.

Doch genau dieses Ambiente hat Vonlanthen offenbar gesucht. «Vor ein paar Wochen hat mich sein Vater angerufen und gefragt, ob wir uns einen Wechsel vorstellen könnten», berichtet Klub-Präsident Fernando Salazar. «Es ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass Geld bei einem Wechsel keine Rolle spielt. Johan wird hier die Unterstützung vorfinden, die er braucht, um nach seiner schwierigen Zeit in Salzburg wieder Fuss zu fassen.»

Die Stadt Medellin leidet im Ausland immer noch unter ihrem Image aus der Zeit des legendären Drogenbarons Pablo Escobar und seines brutalen Drogenkartells. Doch die Zeiten haben sich geändert. Escobar liegt in seinem Familiengrab auf dem Friedhof Montesacro – nur ein paar Autominuten vom Klubgelände entfernt – begraben. Medellin hat sich zu einer pulsierenden Metropole gewandelt, die dank ihrer kulturellen Vielfalt viele Touristen gewinnt. Drogenhandel gibt es immer noch, doch die neue Generation der Kartellmanager tritt nicht mehr so aggressiv und gewalttätig auf wie zu Zeiten Escobars. Gefährlich ist das Leben in der Stadt trotzdem.

Religiöse Einstellung respektiert

Vonlanthen zählt die Beweggründe für seinen Wechsel in die fussballerische Provinz auf: «Ich habe mich ganz bewusst für Itagüi entschieden. Hier bin ich in der Nähe meiner Familie und meiner Freunde. Das ist wichtig, damit ich mich wieder voll auf den Fussball konzentrieren kann.» Für Vonlanthen ist Medellin deshalb der ideale Ort für einen Neuanfang. Nach Europa blickt er enttäuscht zurück: «Da hatte ich nicht viele Freunde abseits des Fussballs. Es war nicht so wunderbar gelaufen für mich zuletzt.» In Salzburg wurde der Stürmer, der 2004 als jüngster Torschütze an einer Europameisterschaft in die Geschichte einging, zuletzt aussortiert.

Zudem nimmt der neue Klub Rücksicht auf seine religiöse Einstellung. «Von Freitag 18 Uhr bis Sonntag 6 Uhr morgens kann ich nicht spielen», bestätigt Vonlanthen der Zeitung «El Colombiano». «Die Samstage sind heilig, weil sie für die Ruhe und die Kommunikation mit Gott reserviert sind», sagt er als Mitglied der «Siebenten-Tag-Adventisten».

Neubeginn für Kolumbiens Klubfussball

Kolumbiens Vereine unternehmen in der gerade begonnenen Meisterschaft einen Neuanfang. Die grossen Stadien wurden für die U20-WM im Sommer renoviert, 1,3 Millionen Fans strömten in die Stadien in Medellin, Cali oder Bogota und erlebten dank der strengen Fifa-Auflagen ein grosses Fussballfest ohne die Gewalt der gefürchteten Hooligans – für viele Fans angesichts der Gewaltexzesse in den letzten Jahren eine ganz neue Erfahrung. Davon wollen nun auch die Klubs profitieren. «Wir hoffen, dass uns diese erfolgreiche WM einen Schub gibt», sagt Salazar. Itagüi zählt nach eigenen Angaben zu jenen Vereinen, die ihre Löhne pünktlich bezahlen. Grosse Sprünge kann sich der kolumbianische Vereinsfussball nicht leisten; selbst die drei grossen Traditionsklubs America de Cali, Atlético Nacional de Medellin oder die Millionarios aus Bogota verfügen nicht über einen Etat, der über zwei Millionen Franken hinausgeht.

Nationalmannschaft als Ziel

Vonlanthen hofft, dass er in der familiären Umgebung wieder zur alten Leistungsstärke zurückfindet. Dann soll auch die Schweizer Nationalmannschaft wieder ein Thema werden. «Ich kenne die Politik der Nationalmannschaft so, dass ein Spieler aufgeboten wird, wenn er gute Leistungen im Verein bringt. Das ist mein Ziel. Der Trainer kennt mich, und er wird sich über mich informieren, wenn ich gut spiele.»

Bis zum 27. November dauert die «Liga Postobon». Dann beginnt nach 18 Spieltagen die Playoff-Runde. Das ist das erklärte Ziel von Itagüi und Vonlanthen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Samstag 21. Januar 2012, 15:25 
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Johan Vonlanthen löst Vertrag auf

Der frühere Schweizer Internationale im Fussballklub Itagüi erfolglos

Eine Woche vor dem Beginn der neuen Saison in der kolumbianischen Fussballliga haben sich der ehemalige Schweizer Nationalspieler Johan Vonlanthen und der Erstligaklub CD Itagüi auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Dies bestätigt die Vereinsführung auf Anfrage.
tkä. Johan Vonlanthen war erst im August nach Kolumbien gewechselt, um dort sportlich neu anzufangen. In den 18 Spieltagen der vergangenen Meisterschaftsrunde konnte der ehemalige Spieler der Young Boys und des FC Zürich nicht überzeugen.

Vonlanthen absolvierte keine Partie über die gesamte Spieldauer von 90 Minuten, auch ein Torerfolg gelang dem in der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta geborenen Offensivspieler nicht. Als Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten hatte Vonlanthen bei Vertragsabschluss im Sommer zudem darauf bestanden, aus religiösen Gründen am Samstag nicht spielen zu müssen.

Itagüis neuer Trainer Hernán Torres entschied sich nun gegen eine weitere Zusammenarbeit des Klubs mit dem 25 Jahre alten Angreifer, der als eines der grössten Talente des Schweizer Fussballs galt. Der Verein teilte das Ende der Zusammenarbeit mit einer einzigen Zeile auf der vereinseigenen Website mit. Wie die sportliche Zukunft Vonlanthens aussieht, ist nicht bekannt.


http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/akt ... 41069.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 30. Mai 2012, 09:23 
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Das Ende

Johan Vonlanthen tritt zurück

Die Nati spielt heute um 20.15 Uhr in Luzern gegen Rumänien. Das einst grösste Talent ist nicht dabei. Johan Vonlanthen (26) sagt Adios.

Vor acht Jahren, an der EM 2004 in Portugal, schrieb Johan Vonlanthen Geschichte. Beim 1:3 gegen Frankreich wurde er mit 18 Jahren jüngster EM-Torschütze aller Zeiten.

Nun ist das Fussballer-Leben vorbei. Johan Vonlanthen spricht leise, als BLICK ihn in Kolumbien erreicht. Er sagt: «Es geht mir sehr gut. Ich bin glücklich.» Neun Monate ist es her, seit Vonlanthen beim kolumbianischen Aufsteiger Itagüi anheuerte.

Nach der Weihnachtspause der Knall: Itagüi trennt sich von Vonlanthen. Eine Begründung für das abrupte Ende liefern weder der Verein noch der Spieler.

Bis Johan sechs Jahre alt war, lebte er in Kolumbien. Danach zog seine Mutter in die Schweiz. «Es ist eine Rückkehr zu meinen Wurzeln», sagte Vonlanthen letzten August, als der Wechsel von Salzburg zu Itagüi feststand.

Doch Vonlanthen konnte sein Talent in der Heimat nur selten zeigen. Zuerst war er verletzt, dann spielten die «Goldenen Adler» so gut, dass es für den Trainer keinen Grund zum Wechseln gab.

Nur gerade sechs Spiele bestritt Vonlanthen. Ein Tor gelang ihm nicht. Von den Medien, die ihn im August noch gefeiert hatten, gab es Kritik. Dass er wegen seines Glaubens (Vonlanthen ist Adventist) samstags nicht spielen wollte, machte die Sache nicht einfacher.

Zwar sagte Vonlanthen letzten Oktober im BLICK: «Ein Teambetreuer bei Itagüi hat auf seinem iPhone Bibelverse. Wir lesen sie zusammen und beten vor jedem Training. Der Präsident versteht mich.»

Doch der Trainer duldete die Extrawürste seines Stars nicht.

Vonlanthen: «Im Moment bin ich daran, mein Leben neu zu ordnen. Ich hätte mein Knie, mit dem ich seit längerem Probleme hatte, erneut operieren müssen. Das wollte ich nicht. Fussball hat einen ganz anderen Stellenwert als früher.»

Vonlanthen galt als grösstes Talent des Schweizer Fussballs: Mit 16 debütierte er in der höchsten Schweizer Liga für YB. Sein Treffer bei der EM 2004 in Portugal gegen Frankreich (Schlusstand 1:3) ging in die Geschichte ein. Vonlanthen war der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten.

Der grosse Durchbruch gelang ihm trotz allem nicht: Weder in Eindhoven noch in Brescia oder Breda. Auch nicht in Salzburg.

2009 kehrte er in die Schweiz zurück. Bisweilen liess er beim FCZ sein Genie aufblitzen (27 Spiele/10 Tore). Dennoch verzichteten die Zürcher ­darauf, Vonlanthen zu verpflichten.

Vonlanthen: «Ich bin meinem Herzen gefolgt und wechselte nach Kolumbien.» In der Heimat seines Vaters, wo er früher die Ferien verbrachte, im Meer badete und zu karibischer Musik tanzte, fühlt er sich wohl.

Eine Rückkehr in die Schweiz schliesst er aus: «Wir wollen, dass unser Sohn in Kolumbien aufwächst.»

Finanzielle Sorgen muss sich Vonlanthen in Kolumbien keine machen. Er hat in Europa genug verdient, um in den Ruhestand zu treten. Vonlanthen möchte seinem Sohn zuschauen, wie er aufwächst. Er will das Leben genies-sen, wieder fischen gehen. Zeit dafür hat er jetzt.


http://www.blick.ch/sport/fussball/joha ... 02800.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Johan Vonlanthen
 Beitrag Verfasst: Freitag 21. Dezember 2012, 17:55 
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«Er realisiert die geistige Abhängigkeit nicht»

Johan Vonlanthen hat sich einer Freikirche verschrieben und seine Karriere mit 26 Jahren beendet. Experten schauen auf ein beklemmendes Stück Schweizer Fussball-Geschichte zurück.

Johan Vonlanthen ist der Aussteiger des Jahres 2012. Der sportliche Absturz des 26-jährigen ehemaligen Nationalspielers und das Ende einer jungen Karriere wirft Fragen auf. Vonlanthen hat für die Schweiz 40 Länderspiele absolviert und dabei sieben Tore erzielt. Er spielte für die Young Boys, den PSV Eindhoven, Brescia, Breda, Red Bull Salzburg und den FC Zürich. Doch nirgends konnte er sich letztendlich so richtig durchsetzen. In Kolumbien wurde der Vertrag jenes Mannes, der einst als Jahrhunderttalent gepriesen wurde, bei Itagüi Ditaires nach nur einem halben Jahr vorzeitig aufgelöst. Der Vertrag hatte eine Klausel beinhaltet, dass Vonlanthen am Samstag nicht arbeiten muss. Dies schreibt die Glaubensgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten vor, der Vonlanthen angehört.

Johan Vonlanthen wurde am 1. Februar erst 26 Jahre alt. Und schon ist seine Karriere beendet. «Mit seinen Möglichkeiten und seinem Talent hätte er eigentlich bei jedem europäischen Spitzenclub spielen können», sagt Marco Schällibaum. Der Zürcher war einst bei YB Trainer des damaligen Supertalents. Er hatte Vonlanthen in der Saison 2001/02 als 16-Jähriger in der höchsten Schweizer Liga debütieren lassen. «Johan war ein absolutes Ausnahmetalent», erinnert sich Schällibaum. Er habe sämtliche Qualitäten mitgebracht, die man als Vollblutstürmer braucht. «Er ist pfeilschnell, trickreich, torgefährlich, technisch hochstehend und spielerisch stark», sagt der Experte, der Vonlanthen einst mit dem grossen brasilianischen Torjäger Ronaldo verglichen hatte.

«Er wirft sein Genie und Millionen einfach aus dem Fenster»

«Im mentalen Bereich hatte Vonlanthen allerdings schon immer Defizite», erinnert sich der Zürcher. Er habe nie die psychische Stabilität gehabt, die es für eine grosse Karriere brauche. Er sei sogar labil gewesen. «Dazu wurde Johan immer wieder hin und her geschoben, von einem Club zum anderen», sagt Schällibaum. Das sei für seine Karriere nicht förderlich gewesen. «Er ist schon mit 17 Jahren nach Holland zum PSV Eindhoven gegangen. Das war viel zu früh», so Schällibaum. Und dann habe er sich erst noch einer Sekte angeschlossen. Schällibaum bedauert Vonlanthens frühzeitiges Karriereende: «Er wirft sein fussballerisches Genie und Millionen einfach aus dem Fenster.»

«Wir wollten Vonlanthen definitiv übernehmen»

Als Sportchef hat Fredy Bickel mit Johann Vonlanthen zweimal zusammengearbeitet, bei YB und beim FC Zürich. «Johan ist ein Riesenfussballer. Er hätte in jeder europäischen Spitzenliga spielen können», sagt Bickel spontan. Er sei damals bei YB mit 16 Jahren der Shootingstar der Schweiz gewesen. Vor zwei Jahren schien Vonlanthen beim FC Zürich den grossen Durchbruch doch noch zu schaffen. Er hatte die Zürcher mit seinen Toren in die Champions League geschossen. «In den ersten fünf Monaten lief alles optimal, wir wollten den Vertrag verlängern und ihn definitiv von Red Bull Salzburg übernehmen», sagt Bickel. Doch dann seien plötzlich ungeahnte Probleme aufgekommen. «Johan hat uns gesagt, dass er aus religiösen Gründen am Samstag nicht mehr spielen könne», so Bickel.

Der Verein hätte das sogar noch akzeptiert. «Doch wir wären darauf nur eingegangen, wenn wir ihn ablösefrei von Salzburg hätten übernehmen können», sagt Bickel. Die Österreicher hätten das aber abgelehnt. Und deshalb sei der definitive Transfer nicht zustande gekommen. «Die Kirche und der Glaube sind Vonlanthen immer mehr über den Kopf gewachsen», sagt Bickel. Man hätte auch vergeblich darauf gehofft, dass er sich doch noch einmal ändern und umdenken würde. «Das ist leider nicht geschehen. Und deshalb überrascht es mich nicht, was jetzt mit Johan passiert.» Wenn Bickel Vonlanthen charakterisiert, spricht er von einem feinen Menschen. «Ich kann wirklich nichts Schlechtes über ihn sagen. Im Umgang ist er ein problemloser Mensch. Er ist sehr intelligent. Mit Johan konnte man eigentlich über jedes Thema diskutieren.»

«Mir blutet das Fussballer-Herz»

Gürkan Sermeter, der am 14. Februar seinen 38. Geburtstag feierte, hat Ende Saison seine Laufbahn bei der AC Bellinzona beendet. Der Wädenswiler hatte den Karrierestart Vonlanthens bei YB ebenfalls hautnah miterlebt. «Man hat sofort gesehen, was für ein riesiges Potenzial in ihm steckt. Es war beeindruckend, wie weit er schon mit 16 Jahren war», erinnert sich Sermeter. Er habe über enorme technische Fähigkeiten verfügt. Sei schnell, trickreich und im Spiel nicht zu stoppen gewesen. «Ich kann mich nicht erinnern, einen Besseren gesehen zu haben. Und immerhin habe ich mit Topstürmern wie Chapuisat, Türkyilmaz oder Subiat zusammengespielt», so Sermeter.

Er habe Vonlanthen damals eine grosse Karriere vorausgesagt. «Er war enorm ehrgeizig und lernbegierig. Er hat im Training Sonderschichten eingelegt und wollte von den älteren Spielern wissen, wie die Fusshaltung bei stehenden Bällen sein muss, er wollte sich jeden Tag weiterentwickeln», sagt Sermeter. Und deshalb habe er ihm auch eine grosse Karriere prophezeit. «Ich bin nun schon seit 20 Jahren im Geschäft. Und Johan hat sich schon mit 26 Jahren von der grossen Bühne verabschiedet. Das tut mir echt weh. Das ist ein grosser Verlust für den Schweizer Fussball. Da blutet mein Fussballer-Herz», sagt er.

«Johan hat sämtliche Kontakte in die Schweiz abgebrochen»

Der Mann, der für Vonlanthen in Holland, Italien und Österreich Millionenverträge ausgehandelt hatte, ist Angelo Semeraro, der auch Johann Vogel seit Beginn seiner Karriere betreut. «Johan Vonlanthen hat sämtliche Kontakte in die Schweiz abgebrochen. Er wird auch niemals wieder zurückkehren», mutmasst Semeraro. Auch er persönlich habe schon seit fast einem Jahr keinen Draht mehr zu Vonlanthen. Auch der ehemalige Internationale Raimondo Ponte bedauert das frühe Karriereende Vonlanthens. «Aber er hat sich für diesen Weg entschieden. Der Glaube ist ihm mehr wert als Ruhm und Millionen. Und das muss man akzeptieren», sagt Ponte. Wichtig sei doch nur, dass Vonlanthen auf seinem eingeschlagenen Lebensweg glücklich sei.

«Er läuft Gefahr, seine Existenz oder seine Zukunft aufs Spiel zu setzen»

«Wie die orthodoxen Juden halten auch einzelne fundamentalistische christliche Freikirchen den Sabbat ein. In der Tora, die aus vorchristlicher Zeit stammt, gilt der Samstag als Ruhetag. Heute hat sich das Leben aber radikal verändert. Wenn Glaubensgemeinschaften dieses überkommene Dogma heute noch befolgen und das Arbeiten an Sabbat verbieten, mutet es sektenhaft an», sagt Experte Hugo Stamm.

Den Mitgliedern radikaler Gemeinden der Sieben-Tags-Adventisten, die vor allem in Südamerika zu finden seien, werde weisgemacht, es sei eine schwere Sünde, am Samstag zu arbeiten. Viele Gläubige seien deshalb überzeugt, dass sie das Seelenheil verpassen, wenn sie das Gebot nicht einhalten. «Das ist ein Glaube, der Angst erzeugt und zur Abhängigkeit führt. Johan Vonlanthen läuft Gefahr, seine Existenz oder seine Zukunft aufs Spiel zu setzen und eine unheilvolle Persönlichkeitsentwicklung zu vollziehen», warnt Stamm.

«Promis wie Vonlanthen sind besonders beliebte Zielsubjekte»

Stamm sagt, dass die meisten Freikirchen wie auch die Sieben-Tags-Adventisten neue Mitglieder mehrheitlich über persönliche Kontakte rekrutieren. Promis wie Johan Vonlanthen seien besonders beliebte Zielsubjekte. «Sie führen zu einem Imagegewinn und versprechen grosse Spenden. Von den Gläubigen wird der Zehnte abverlangt, also zehn Prozent des Einkommens. Reiche bringen oft auch einen Teil des Vermögens ein», so Stamm.

Den Missionierten werde eingetrichtert, die Sieben-Tags-Adventisten seien die wahre Kirche Gottes, der Weg ins Heil und zum ewigen Leben führe in erster Linie über ihre Institution. «Wer dies glaubt und wirklich gottesfürchtig leben will, muss sich der Freikirche unterwerfen, um keine religiösen Fehler zu machen. Dies ist ein wirksames Mittel der Einbindung und Indoktrination», so Stamm. Die Gläubigen seien überzeugt, alle Gebote aus eigenem Antrieb zu erfüllen. «Deshalb realisieren sie die geistige Abhängigkeit nicht. Radikale Freikirchen sind zwar keine eigentlichen Sekten, sie erfüllen aber sektenhafte Aspekte.»

«Das deutet auf einen radikalen Glauben hin»

Johan Vonlanthen scheine vom strengen christlichen Glauben der Adventisten überzeugt zu sein. Dass er seine Karriere dem Glauben geopfert habe, deute auf eine Wesensveränderung und einen radikalen Glauben hin, dem er alles unterordne. «Typisch ist auch die Isolierung und Entfremdung von einer gesunden Alltagsrealität: Um nicht mit Ungläubigen und deren kritischen Fragen konfrontiert zu werden, ziehen sich viele von der angestammten Umgebung und der Familie zurück. Dies deutet auf eine problematische Entwicklung hin.»


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