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BZ, 02.03.2006
Gelungener Schweizer Formtest in Schottland
Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat 100 Tage vor dem WM-Beginn ein Testspiel in Glasgow gegen Schottland auf überzeugende Weise 3:1 gewonnen. Die ausnahmslos herrlichen Tore erzielten Tranquillo Barnetta, Daniel Gygax und Ricardo Cabanas.
Die Schweizer dominierten die Schotten im Hampden Park, wo die Einheimischen schon zehn Jahre auf einen Erfolg in einem Freundschaftsspiel warten, schon fast nach Belieben. Die erste Annäherung ans schottische Gehäuse hatte Marco Streller mit einer Direktabnahme (11.).
Nach 21 Minuten lancierte Philippe Senderos auf der rechten Seite Ricardo Cabanas, dessen Flanke Barnetta mit einer sehenswerten Direktabnahme verwertete. Vier Minuten vor der Pause erhöhte Gygax nach schöner Kombination über Cabanas und Barnetta, immer wieder er, per Kopf zum verdienten 2:0. Die Schotte waren vorab in der ersten Halbzeit harmlos und tauchten nur selten vor Pascal Zuberbühler auf. Die gefährlichste Szene entschärfte Senderos gegen Kevin Miller, als er in extremis für seinen Verteidigungskollegen Stéphane Grichting mit einer spektakulären Grätsche klärte.
Erst nach dem Seiten- und einigen Spielerwechseln fanden die Schotten besser in die Partie. Miller schloss so eien schönen Angriff des Heimteams zehn Minuten nach Wiederanpfiff zum Anschlusstreffer ab. Mit dem Seitenwechsel kamen Fabio Coltorti und Johan Djourou zu ihren Länderspieldebüts - wie zehn Minuten vor Schluss auch Blerim Dzemaili.
Der GC-Keeper liess vom schnellen Gegentreffer jedoch nicht verunsichern und bewahrte die Schweiz einige Male mit schnellen Reflexen vor weiteren Gegentreffern. Dennoch blieb die Schweiz, die zuvor auf britischem Boden noch nie gegen Schottland gewann, die überlegene Mannschaft. So war der dritte Treffer durch Cabanas (69.) nach schönem Doppelpass mit Streller die logische Konsequenz im ersten von vier Testspielen vor der WM.
Schottland - Schweiz 1:3 (0:2)
Hampden Park, Glasgow. -- 20#952 Zuschauer. -- SR Coué (Fr). -- Tore: 21. Barnetta 0:1. 41. Gygax 0:2. 55. Miller 1:2. 69. Cabanas 1:3.
Schottland: Gordon (46. Neil Alexander); Gary Caldwell, Weir (46. Steven Caldwell), Webster; Dailly, Ferguson (46. Teale), Quashie, Graham Alexander; Fletcher, Miller; McFadden. Schweiz: Zuberbühler (46. Coltorti); Philipp Degen, Senderos (73. Smiljanic), Grichting, Behrami (46. Djourou); Vogel (81. Dzemaili); Barnetta, Cabanas, Wicky (46. Vonlanthen); Gygax; Streller (73. Lustrinelli).
Bemerkungen: Schweiz ohne Frei, Magnin und Spycher (alle verletzt). Länderspieldebüts von Coltorti, Djourou und Dzemaili.
Schweizer Debütantenball
Der Start ins WM-Jahr ist den Schweizer Fussballern gelungen. Beim 3:1 gegen die schwachen Schotten in Glasgow schossen Barnetta, Gygax und Cabanas die Tore. Es war der erste Schweizer Erfolg überhaupt in Schottland.
Gegen Spielende mutierte die sportliche Veranstaltung – zumindest aus helvetischer Sicht –endgültig zum Debütantenball. Nach Torhüter Fabio Coltorti sowie Defensivspieler Johan Djourou, die zur Pause eingewechselt worden waren, durfte zehn Minuten vor Schluss auch Blerim Dzemaili noch aufs Feld. Selbst diese jetzt massiv verjüngte Schweizer Auswahl zeigte sich stilsicher genug, um in Schottland einen letztlich ungefährdeten 3:1-Sieg zu feiern.
Die starke erste Halbzeit
In der ersten Hälfte boten die Schweizer sogar eine überaus starke Vorstellung. Mit beeindruckender Ballsicherheit und präzisem Passspiel deckten sie die Limiten der bescheidenen Schotten gnadenlos auf. Tranquillo Barnetta, in der Bundesliga seit Wochen in überragender Verfassung, erzielte in der 21. Minute nach einem schönen Steilpass von Philippe Senderos und einer Flanke von Ricardo Cabanas mit einer Direktabnahme das 0:1. Und wie die Schweizer kurz vor der Pause ihren zweiten Treffer herausspielten, verdient besondere Erwähnung: An der eigenen Cornerfahne leitete Valon Behrami den Angriff mit einem gewonnenen Zweikampf ein. Über Stratege Johann Vogel und Raphael Wicky gelangte der Ball zu Cabanas, der Barnetta lancierte. Dessen Flankenball köpfte der ansonsten diskrete Daniel Gygax zum 0:2 ein.
Die erfreuliche Performance vor der Pause vermochten die Schweizer allerdings in der zweiten Hälfte nicht zu bestätigen. Der Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn wechselte zwar vorerst nur Torhüter Pascal Zuberbühler sowie die Vertreter der linken Seite, Behrami und Wicky, aus. Doch die personellen Rochade sorgten für eine Destabilisierung der Defensive. Coltorti musste in der 54. Minute den ersten Schuss auf sein Tor als Nationaltorhüter passieren lassen. Kenny Miller hiess der Torschütze der Schotten, und Johan Djorou war der zweite Schweizer Debütant, der damit ziemlich unfreundlich im Nationaldress empfangen wurde.
Nach rund zwanzig Minuten und einem aggressiven, aber relativ unkontrollierten Ansturm Schottlands hatten sich die Schweizer in der zweiten Halbzeit wieder gefangen. Cabanas und Marco Streller kombinierten sich in der 68. Minute mit einem schnellen Doppelpass durch die behäbige Defensive der Schotten – und es war gewiss kein Zufall, dass mit Cabanas der gestern beste Schweizer das 1:3 schoss. Er und Stürmer Streller, der viele Ballverluste hatte, sammelten mit dieser Aktion wenigstens ein bisschen Selbstvertrauen, bevor es am Wochenende bei den kriselnden Kölner mit Trainer Hanspeter Latour wieder gegen den Abstieg aus der Bundesliga geht. Der 1. FC Köln jedenfalls kennt den Wert seiner Schweizer Nationalspieler, liess er Cabanas und Streller doch gestern unmittelbar nach dem Spiel mit einem Privatflieger zurückfliegen.
Die biederen Schotten
Auch Köbi Kuhn dürfte mit einem guten Gefühl in die Schweiz heimkehren. Mit einer über weite Strecken konzentrierten Vorstellungen unterstrichen seine Fussballer, dass sie einer deutlich höheren Kategorie als die biederen Schotten anzusiedeln sind. Angesichts der EM-Qualifikationsgegner Frankreich, Italien und Ukraine könnten die Schotten eigentlich bereits den Aufbau einer Mannschaft vorantreiben, die dann möglicherweise eine realistische Möglichkeit besitzt, die WM 2010 zu erreichen … Die Schweizer Anhänger im Hampden Park zu Glasgow freute sich derweil über den Auswärtssieg. «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin», sangen sie. Dort findet am 9. Juli der WM-Final statt. Der gestrige Erfolg, auch wenns der erste in Schottland war, sollte aber nicht überbewertet werden. Die WM-Gegner werden stärker sein.
_________________ For Ever
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