...und er hats leider trotzdem wieder gschafft.
NZZ, 27.2.2005
Alles kommt gut in dieser Demokratie
Ralph Zloczower bleibt Präsident des SFV
Wer noch vor ein paar Monaten die Revolution im Schweizer Fussball angekündigt und eine Art «Führungs-Katastrophe» geortet hatte, kam am Samstag im Rathaus zu Bern sozusagen auf die Welt. Der Anschauungsunterricht, wie der Fussball an seiner Basis funktioniert, hätte eindrücklicher nicht sein können. Der 72-jährige Berner Anwalt Ralph Zloczower wurde per Akklamation an der Spitze des Schweizerischen Fussballverbands bis zum Jahr 2007 bestätigt. Kein Lüftchen einer Opposition, keine Regung war auszumachen - null. Zloczower stand auf, hob die Hand und liess sich von den 99 SFV- Delegierten beklatschen. Das war's.
Der Nachmittag im Parlamentssaal gehörte in der Tat den älteren Herren. Zugegen war auch der 75-jährige Uefa- Präsident Lennart Johansson, der von Ralph Zloczower begrüsst, beschenkt und mit Lob eingedeckt wurde. Johansson gab die Blumen zurück, sprach von der «engen Verbundenheit» zwischen der Uefa und dem SFV und nannte Zloczower einen «in der Uefa geschätzten Rechtsberater». Alles ist kein Problem: Die Männerfreundschaft scheint intakt, von einer Missstimmung kann offenbar keine Rede sein. Und als die Behörden der Stadt und des Kantons Bern den SFV in Sachen Euro 2008 mit Polit- PR-Statements sekundierten, blieb nur noch ein Fazit übrig. Nichts geschehen, alles kommt gut, freut euch des Lebens.
Die Versammlung ging ohne Aufsehen zu Ende. Zwei Anträge der Swiss Football League wurden von den Abteilungen 1. Liga und Amateurliga gebodigt. So erhält die Profi-Liga keinen dritten Sitz im SFV-Zentralvorstand, und von einer Alters- und Amtsdauerbeschränkung will der Souverän ebenfalls nichts wissen. Letztlich blieb die Frage zurück, was die Profi-Abteilung mit ihren Vorstössen bezweckte. Deren Präsident Peter Stadelmann hätte «wenigstens eine inhaltlich sachliche Diskussion» erwartet. Aber es verflüchtigte sich sehr viel. Eigenartig mutet an, dass die Swiss Football League das Gespräch mit den Verantwortlichen der Amateurliga zuvor nicht gesucht hatte. Beim Kräfteverhältnis - 73 «Amateur»- stehen 28 «Profi»-Stimmen gegenüber - ist die Football League auf Koalitionen angewiesen.
Vielleicht war die Liga auch nur darauf aus, das Schreckensbild «Amateure bestimmen über uns» schwarz an die Wand zu malen. So schlimm ist die Lage der Fussball-Demokratie, die übrigens derjenigen anderer Länder ähnlich ist, nicht. Immerhin erhält die Profi-Liga vom Verband die Hälfte des Euro-2004-Gewinns, der 4,3 Millionen Franken beträgt. Etwas schlecht wurde wohl einigen, als sich Amateurliga- Präsident Urs Saladin verteidigte, indem er die Skandalnudeln der obersten Liga aufreihte: Lausanne, Lugano, Wil, Sitten, Servette. Da herrscht bald einmal Argumentationsnotstand.
Scharfe Kommentare 2004 - null Folgen
«Unzufriedene Sponsoren und Vertreter der Grossklubs GC, Basel und YB planen nicht nur einen Putsch gegen den angeschlagenen Präsidenten Zloczower, sie streben im Hinblick auf die EM im Jahre 2008 die Revolution im Schweizer Fussball an. (. . .) Eingeweihte reden von einer ‹brutalen Front›. Und regelmässig werde die Frage gestellt: Wann wird in Bern endlich aufgeräumt?»
«Tages-Anzeiger», Juli 2004.
«Zloczower soll selbst zur Einsicht gelangen, dass er fehl am Platz ist. (. . .) Von sich aus geht dieser Mann nie. Herr Zloczower, es ist nur noch peinlich.»
«Blick», September 2004.
«Noch haben SFV-Präsident Ralph Zloczower und seine Mitstreiter die Möglichkeit, selber die Konsequenzen zu ziehen und nicht als Sesselkleber in die Geschichte einzugehen. Denn eines ist klar: Jetzt müssen jüngere, dynamische Kräfte an die Spitze.»
«Berner Zeitung», September 2004.
«Abhilfe kann da nur ein Machtwechsel an der Verbandsspitze und die Installation eines Mannes sein, der Strukturen aufbricht und erneuert.»
«Aargauer Zeitung», Oktober 2004.
«Zlocz-over?»
«Weltwoche», August 2004.