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 Beitrag Verfasst: Sonntag 26. Dezember 2004, 12:45 
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NZZ, 26.12.2004

Angst, die Passion zu verlieren - Der frühere Fussballer Admir Smajic kämpft um die Gesundheit

Von Peter B. Birrer

Die Frage ist unumgänglich. Ist es möglich, dass Admir Smajic nie mehr Fussball spielt und auch nie mehr als Trainer arbeitet? Der Angesprochene wiederholt die durchdringenden Worte «nie mehr», lässt den Blick sinken, macht eine abschüttelnde Handbewegung und sagt: «Das wäre mein Weltende. Ich habe Angst, daran zu denken.» Smajic sitzt in einem Restaurant in Martigny, das Pferdesteak vor sich. Der 41-jährige Bosnier hat sich damit zu befassen, den Fussball verlassen zu müssen. Lange Jahre war der Ball sein Begleiter, stand er vor Publikum und in den Stadien. Jetzt zwingt ihn eine schwere Rückenverletzung zu einem längeren Halt - wenn nicht zum Rücktritt. «Wenn ich mit dem Kopf denke, ist der Fussball für mich fertig. Wenn ich jedoch mit dem Herzen fühle, dann . . .», sagt Smajic. Er bricht den Satz abermals ab.

Smajic war während der neunziger Jahre ein überdurchschnittlicher Fussballer, eine Reizfigur auch, er spielte in Neuenburg, in Basel für den damals noch kleinen FCB und zuletzt in Bern, als sich die wirtschaftlich serbelnden Young Boys von einem Niedergang zum nächsten hangelten. Als er gefragt wird, wann er zum letzten Mal gespielt habe, antwortet er ohne eine Sekunde Denkpause: «Am 29. November 1999. YB gewann in Wil 4:0.» Lange ist's her. Smajic erwarb die Trainerdiplome, war für YB tätig, betreute die bosnische Nationalmannschaft, ehe er Anfang 2003 als Trainer nach Yverdon kam. Die Familie, seine Frau und seine drei Töchter, blieb immer in Basel, Smajic wohnte auswärts und fuhr hin und her. Im April 2004 erreichte ihn der Ruf von Christian Constantin, dem Präsidenten des FC Sion. Constantin entliess seinen Trainerstab und strebte mit dem Trainer Smajic den Aufstieg mit allen Mitteln an.

Alles war gut. Smajic kam ins Wallis, beendete die Saison 2003/04 mit dem FC Sion in Anstand und zog die Familie nach, obschon die drei schulpflichtigen Töchter aus ihrem Umfeld herausgerissen wurden. Die Familie verliess ihre Sprache, ihre Schule, ihre Freunde, «einfach alles», wie Smajic sagt. Und für ihn, für den einstigen Offensivspieler mit dem grossen Herzen, für den begnadeten Techniker, der gleichzeitig auch ein unermüdlicher Läufer gewesen war, für den Jungtrainer, dem Constantin just in diesem Moment vorzeitig einen neuen Vertrag geben wollte, stand das letzte Training vor der neuen Spielzeit an. So fuhr er im August 2004 guten Mutes nach Sitten zum Stade de Tourbillon. Das anschliessende Training sollte sein Leben verändern.

Am Schluss der Übungseinheit wollte Smajic dem zu viele Fouls begehenden Franzosen Jamel Kaissi in einer Art Privatlektion korrekteres Zweikampfverhalten beibringen. Kaissi stand hinter Smajic, ein anderer Spieler warf den Ball hin - und es passierte. Ein Körperkontakt, ein Ruck, Smajic' Kopf wurde nach hinten geschlagen, dem Bosnier wurde «schwarz vor den Augen», er sackte bewusstlos zu Boden. Die Diagnose war erschütternd: Mehrere Rückenwirbel waren verschoben, der Patient kam knapp um eine Lähmung herum. Professor Heinz Fankhauser, Spezialarzt für Neurochirurgie in Lausanne, gibt keine Auskunft über den Patienten Smajic, obschon dieser will, dass man mit dem Arzt redet. Fankhauser bricht stattdessen zweimal unvermittelt und nach wenigen Sekunden das Telefongespräch ab. Im Januar soll es zu einer Operation kommen, die nur deshalb verschoben wurde, «weil ich psychisch nicht bereit war», wie Smajic erläutert. Viereinhalb Monate und etliche Therapiestunden nach dem Unfall trägt Smajic eine Halskrause, im linken Arm hat er zwar noch immer kein Gefühl, aber er kann ihn bewegen. Er habe auch Glück gehabt, sagt Smajic. «Zum ersten Mal denke ich über die Gesundheit nach.»

Über die Gesundheit hatte er sich früher hinweggesetzt. Er hatte schon länger Rückenschmerzen, biss auf die Zähne, schluckte «viele, viele» Tabletten und hörte auch nicht auf jene Ärzte, die zum Aufhören rieten. Er trug die Schmerzen mit sich herum, die Kraft des Fussballs war zu stark, um dagegenzuhalten. Einmal ging er ins Stade de Tourbillon, um mit 16 000 anderen das Cup-Spiel zwischen dem FC Sion und YB zu sehen. Auch Sitten gegen Yverdon wollte er besuchen, er fuhr hin, machte aber vor dem Stadion wieder kehrt. In diesem Moment seien so viele Emotionen hochgekommen, schildert Smajic, «alles, alles, alles». Er habe völlig die Fassung verloren.

Was jetzt? Das lange Warten auf die Operation? Smajic raucht nach dem Essen eine Muratti, noch eine, er verklärt Constantin, er spielt Bern hoch, er malt seine Fussballzukunft in grellsten Farben, er dankt dem Trainer Marco Schällibaum, der ihn wie Constantin nach dem Unfall nicht vergessen habe. «Wenn es gut läuft, hat man viele Freunde; wenn nicht, bleibt man oft allein.» In diesem Sinne betrachte er sein Leben jetzt anders, sagt Smajic. Er verabschiedet sich und geht.

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 26. Dezember 2004, 22:38 
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Ich wünsche am Ado gute Besserung.


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