Polizei besteht die Euro-Hauptprobe
Einen Monat nach den Randalen in der Innenstadt hat die Berner Polizei das Hochrisikospiel zwischen YB und Zürich offenbar gut gemeistert. Sie wurde dabei – im Hinblick auf die Euro 08 – von Experten der Uefa inspiziert.
Immer, wenn YB im Wankdorf gegen Zürich spielt, gilt für die Polizei Alarmstufe Rot. In der Vergangenheit ist es rund ums Stadion regelmässig zu Ausschreitungen zwischen den Fangruppen gekommen – mit Verfolgungsjagden bis mitten ins Wohnquartier.
Gestern war es wieder einmal so weit. Mehr denn je war die Stadtpolizei bestrebt, wüste Szenen zu verhindern. «Wir wollen beweisen, dass wir fähig sind, solche Risikospiele reibungslos durchzuführen», sagte Polizeisprecher Franz Märki. War es doch der erste Grosseinsatz seit den Randalen vom 6.Oktober in der Innenstadt. Damals hatten einige Politiker gefordert, den Bernern die Euro-08-Spiele wegzunehmen.
Uefa hat alles überprüft
Die Vertreter des Europäischen Fussballverbandes (Uefa) konnten sich gestern gleich selber ein Bild machen. «Eine Expertenkommission der Uefa ist angereist, um die Sicherheit im und um das Stade de Suisse zu begutachten», sagte YB-Pressesprecher Charles Beuret auf Anfrage. Dies würde die Uefa im Hinblick auf die Euro 08 in sämtlichen Austragungsstädten tun. «Die Delegation hat alles überprüft, die Eingangskontrollen, die Polizeitaktik und die Schnittstellen zwischen der Stadionorganisation und der Polizei.» Anscheinend waren die Experten aus Zypern, Portugal, England und Spanien mit den Bernern zufrieden. «Unser Stadionsicherheitschef Michael Kropf jedenfalls hat ein positives Feedback erhalten», sagte Beuret. Wie genau dieses Feedback lautet, soll ein Bericht zeigen, der in den nächsten Tagen veröffentlicht wird.
Die Stadtpolizei selber schrieb gestern kurz vor 20 Uhr in einer Medienmitteilung: «Das Fussballspiel BSC Young Boys - FC Zürich verlief aus polizeilicher Sicht ohne Zwischenfälle. Insgesamt wurden neun Fans zur Kontrolle angehalten.»
Fangruppen trennen
Ein Augenschein vor Ort vermittelte ebenfalls ein geordnetes Bild. Etwas mehr als eine Stunde vor Spielbeginn rollte der Extrazug aus Zürich in die S-Bahn-Station Wankdorf ein. Rund 1000 Zürcherinnen und Zürcher liefen singend zum nahe gelegenen Stadion – abgeschirmt von Polizisten mit Gummischrotgewehren und Schutzschilden. Schmährufe ertönten. Stinkefinger wurden gezeigt. «Unsere Hauptaufgabe ist es, die beiden Fangruppen voneinander fernzuhalten», sagte Polizeisprecher Märki. Nur einmal kam für kurze Zeit Hektik auf, als behelmte Polizisten mehrere Männer mitten aus der Menge abführten.
Etwa 400 Polizisten standen im Einsatz. Die Stadtpolizei wurde von der Kantonspolizei und dem Polizeikonkordat Nordwestschweiz unterstützt. «Wir sind froh um jede Gelegenheit, bei der wir vor der Euro die Zusammenarbeit mit den anderen Polizeikorps trainieren können», sagte Märki. Für eine reibungslose Euro sei es wichtig, dass auch die Polizisten aus Basel, Aarau und Solothurn das Stadion und dessen Umgebung kennen würden.
Fussballmatch YB-FC Zürich in Bern. Die Polizei bringt randalierende Fans vor Spielbeginn aus dem Stadion.
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