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Lex Constantin
Christian Constantin ist ein Machtmensch mit Absolutheitsanspruch. Neben sich duldet der Präsident des FC Sion niemanden. «Es ist mein Klub, mein Geld», sagt er. Seine Regeln sind Gesetz, doch sie bringen keine Ordnung ins Chaos. Im Walliser Fussballklub herrscht niemals Ruhe, oft geht es zu wie im Kabarett. Mit der Freistellung Marco Schällibaums nach grotesk kurzen 47 Tagen im Traineramt und nur 6 Pflichtspielen hat der Sittener Präsident diesen Eindruck verstärkt. Der Klub ist Constantins Spielball und hüpft unkontrolliert durch die Liga. Schon einmal ist er in einem tiefen schwarzen Loch verschwunden.
Man kann Constantin Rücksichtslosigkeit, Ungeduld, Unseriosität, ja vielleicht sogar Unmenschlichkeit vorwerfen, nicht aber mangelnde Transparenz. Nicht er entlasse die Trainer, sondern der Totomat, hat er einmal gesagt. Diesem Credo lebt er nach. Sieht er die Zukunftsperspektiven für künftigen Erfolg beeinträchtigt, handelt er, manchmal panisch. Der Bruch zwischen einem Teil des Teams und dem Trainer genügte, um Schällibaum fallenzulassen. In insgesamt neuneinhalb Jahren hat der Präsident 19 Trainer verbraucht. Jeder, der im Stade de Tourbillon eine Stelle antritt, kennt diese Lex Constantin - und erklärt sich mit seiner Vertragsunterschrift mit ihr einverstanden. Er willigt ein, keine Zeit zugestanden zu bekommen, starker Beeinflussung ausgesetzt zu sein und allein an Resultaten gemessen zu werden. Auch Nestor Clausen, Schällibaums freiwillig zurückgetretener Vorgänger, wusste dies und wunderte sich später doch, dass Präsident Constantin die Intimität der Mannschaftskabine nicht respektierte.
Mit der Entlassung Schällibaums ist jedoch eine Gesetzesverschärfung der Lex Constantin einhergegangen. Wer nur 47 Tage Zeit bekommt, hat keine Chance, sein Können zu beweisen und den (immer noch realisierbaren) Zielvorgaben zu entsprechen. Constantin glaubt nicht mehr an Schällibaum. So wie er im Sommer nicht an ihn geglaubt hatte, weil es Gründe gab, die gegen seine Verpflichtung als Trainer gesprochen hatten. Weshalb er im Oktober doch wieder auf den Zürcher zurückgekommen ist, bleibt sein Geheimnis. Schällibaum ergriff nach Jahren in der Anonymität die Chance, den Ruf aufzupolieren. Es war ein Missgriff in der Not. In der letzten Verhandlungsrunde um die Rettung des Arbeitsplatzes verkannte Schällibaum seine Position, als er im Machtkampf mit diversen Spielern auf den Beistand des Präsidenten hoffte. Doch dieser hatte sich schon für «Gabet» Chapuisat entschieden. Der Romand ist die Nummer 20 auf Constantins Liste, ein lauter Rebell, wie der Chef selber. Wann kommt der 21. Coach?
_________________ „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben... Den Rest habe ich einfach verpraßt“ George Best (†)
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