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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 27. Oktober 2005, 15:50 
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Registriert: Sonntag 16. Mai 2004, 14:39
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Philipp Anz

Hohe Eintrittspreise, Stadionverbote, schlechte Presse: Schweizer Fussballfans fühlen sich verschaukelt. Und fürchten, dass ihr Beitrag zur Fussballkultur bald unerwünscht ist.

Das kurze, aber eindrückliche Schauspiel löst bei den Besuchern auf den Sitzplätzen spontanen Applaus aus: Die Südkurve, der Stehplatz-Sektor des Zürcher Letzigrunds, wird von einem grossen Bild abgedeckt, das elf «FCZ-Gladiatoren» zeigt und fordert: «Ziit zum Kämpfe». Ein gutes Dutzend Fans hat zwei Tage lang an dieser Choreografie, kurz: Choreo, gearbeitet (siehe «Glossar der Fanbegriffe», Seite 18), die nun vor dem Anpfiff des Spiels FC Zürich gegen FC Basel für zwei, drei Minuten zu sehen ist.

An jedem Fussballwochenende sind im St. Galler Espenmoos, im Basler St.-Jakobs-Park, aber auch in kleineren Stadien wie dem Aarauer Brügglifeld oder dem Thuner Lachen solch kreative Inszenierungen zu bewundern. Sie haben es sogar der Swiss Football League (SFL) angetan. Für ihre im November erscheinende Jahresdokumentation wählt sie jeweils ein Spezialthema, in diesem Jahr sollten es Fanchoreografien sein. Die Fanklubs wurden um Bilder angefragt, doch nur gerade aus Aarau und Vaduz gab es Zusagen. Statt Fotos schickte ein YB-Fanklub einen Brief an die SFL: «Für Choreografien und dafür, die Kurve lautstark zu halten, sind die Fans gut genug. Für alles andere würde man sie am liebsten nicht mehr im Stadion sehen.»

Feindbild Nummer eins: «Pyromanen»

Die Reaktionen auf die SFL-Anfrage zeigen das Unbehagen und den Frust vieler aktiver Fussballfans. «Wochenende für Wochenende werden wir als Chaoten hingestellt, werden unsere Anliegen torpediert. Aber dann, wenn sie was von uns brauchen, dann kommen sie», sagt St.-Gallen-Fan Moritz*. Die Anliegen der aktiven Fans sind: faire Eintrittspreise, einheitliche Anspielzeiten, Erhalt von Stehplätzen, ein Anhörungsrecht bei Stadionverboten, ein in einem gewissen Rahmen erlaubtes Abbrennen von so genannter Pyro und ein Dialog zwischen Swiss Football League, Vereinen und Fans.

«Bis jetzt nimmt niemand diese Fans und ihre Forderungen ernst», sagt Polo Magnaguagno, ehemaliger Mitarbeiter des GC-Fanprojekts. «Sie spüren, dass ihr Freiraum durch die Kommerzialisierung des Fussballs enger wird, und verteidigen ihre Fankultur.» Ihre Fankultur, das heisst: laute und leidenschaftliche Unterstützung der Mannschaft, eigene Fanartikel, Inszenierungen wie Choreos oder Pyro.

Vor allem Pyro-Aktionen sorgen seit längerem für heisse Köpfe. Für viele der aktiven Fans gehört Pyro, also Rauch und Feuerwerk, «einfach dazu» * obwohl in den Schweizer Stadien sämtliches Feuerwerk bis hin zu Wunderkerzen verboten ist. Trotz dem Verbot schmückte bis vor nicht allzu langer Zeit mancher Verein seine Homepage gern mit Bildern von rot leuchtenden Fankurven. Heute sind die «Pyromanen» das Feindbild Nummer eins.

In dem Papier «Anliegen der Fans» meinen verschiedene GC-Fanklubs dazu: «Pyrotechnik bringt durchaus Risiken mit sich, innerhalb der Fanszenen ist man aber auch sehr bemüht, dass das Material nur in Hände gelangt, die damit umgehen können.» Das Fanprojekt des FC Basel fordert: «Es gilt zu überprüfen, ob die kritischen Begleiterscheinungen um Pyro-Aktionen nicht eher mit einer kontrollierten Legalität statt mit einer Nulltoleranzstrategie angegangen werden sollten.» Thomas Helbling, Präsident der Sicherheits- und Fankommission der SFL, lehnt dies ab: «Vorerst bleibt das Reglement so. Vor allem die alten Stadien in der Schweiz sind denkbar ungeeignet für das, was die Fans möchten.»

«Alles betrunkene Chaoten»

Wer beim Abbrennen von Pyro erwischt wird, wird mit einem Stadionverbot belegt. Das ist nach Reglement korrekt, führt aber auch dazu, dass in der öffentlichen Wahrnehmung solche Fans mit Hooligans und Gewalttätern gleichgesetzt werden, auch wenn das in vielen Fällen nicht zutrifft.

Aktive Fans beklagen nicht zuletzt deshalb eine «undifferenzierte Medienberichterstattung». «Für die Medien sind das alles betrunkene Chaoten», sagt Moritz, «auch wenn bejubelte Choreo-Künstler und verhasste Pyromanen manchmal identisch sind.» Schlechte Erfahrungen mit den Medien * die Fans des FC Basel waren nicht bereit, für diesen Artikel mit dem Beobachter zu sprechen.

Wenn es wie im Bahnhof Zürich-Altstetten letztes Jahr oder in Kopenhagen beim Uefa-Cup-Spiel Bröndby gegen FCZ zu Massenverhaftungen kommt, erfolgt oft eine öffentliche Pauschalverurteilung der Betroffenen, selbst wenn sich die Mehrheit als unschuldig erweist. Viele Fans befürchten, dass diese Repression gegen nicht gewalttätige Anhänger mit der Einführung einer Hooligan-Datenbank im Hinblick auf die Europameisterschaft 2008 noch zunehmen wird. «Je näher die EM rückt, desto mehr willkürliche Stadionverbote werden verteilt», kritisiert FCZ-Fan Flavio*.

Die aktiven Fans sind sich durchaus bewusst, dass es in und um Fussballstadien Probleme gibt * etwa was die Gewalt betrifft. Doch für eine Lösung seien alle gefordert. «Man kann nicht einerseits eine Selbstregulierung innerhalb der Fankurven verlangen und sich anderseits dem Dialog mit den Fangruppen verweigern», meint Flavio. Flavio wie auch Moritz erklären, dass sich zwar der Austausch zwischen Fans und Verein in letzter Zeit verbessert habe. Trotzdem: «Die Offiziellen begreifen nicht, dass wir all unsere Zeit in den Verein investieren, da dieser unser Lebensinhalt ist», sagt Flavio. «Das Einzige, was wir als Gegenleistung für unser Engagement verlangen: die Freiheit, uns so zu entfalten, dass wir unseren Verein am besten unterstützen können.»

Die Fans sind durchaus bereit, mit SFL und Vereinen an einen Tisch zu sitzen: «Mit Trötzeln allein kommt man nicht weiter», stellt Moritz fest, «man müsste ins Gespräch kommen.» Thomas Helbling von der SFL: «Das kann ich unterstreichen. Deshalb haben wir unsere Klubs Anfang Jahr verpflichtet, Fanverantwortliche zu stellen. Die Erfahrungen mit diesen Ansprechpersonen für Fans sind bis jetzt gut.»

Weltweite Solidarität

Trotzdem fühlen sich die Fans nach wie vor nicht verstanden: «Die Funktionäre wollen ein Produkt verkaufen, sie wollen Konsumenten * und keine leidenschaftlichen Fans», sagt Flavio. In den modernen Fussballarenen habe es keinen Platz mehr für sie, glauben viele Fans. Als «Horrorbeispiel» dieser Entwicklung gilt Austria Salzburg. Der österreichische Verein wurde in diesem Jahr von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz gekauft. Die traditionellen Klubfarben Weiss-Violett wurden gegen die Red-Bull-Farben ausgetauscht, Stehplätze im Schnelldurchlauf in Sitzplätze umgewandelt und im Stadion bezahlte Stimmungsmacher angestellt.

Ein Teil der Austria-Fans protestierte dagegen, unterstützt durch Solidaritätstransparente à la «Wozu Flügel, wenn man keine Seele hat», in unzähligen Fankurven in der Schweiz, in Deutschland, Norwegen, Portugal, ja sogar in den USA. Doch die neue Klubführung hatte kein Gehör für das Traditionsbewusstsein der Anhänger. Und so haben sich diese nun nach gescheiterten Verhandlungen wohl für immer aus dem Stadion verabschiedet, weil sie sich mit dem neuen Austria Salzburg nicht mehr identifizieren können. Vielleicht werden sie «ihren» Verein in einer tieferen Liga neu gründen * ein Vorgang, für den es in England bereits einige Beispiele gibt.

«So ist der moderne Fussball: Die Romantik geht, der Profit kommt», meint YB-Fan Kaspar* lapidar. Mit dem Berner Stade de Suisse konnte er sich bis jetzt nicht anfreunden: «Das neue Stadion ist kalt, es ist schwierig, Emotionen aufkommen zu lassen.» Bei YB sollte die neue Arena zu einem Zuschauerboom führen, doch bis jetzt blieb der Andrang unter den Erwartungen. Dafür nervten sich Fans über einen schlecht funktionierenden Vorverkauf, zu spät verschickte Saisonkarten und lange Wartezeiten an den Eingängen. «Das hat sich zwar verbessert», so Kaspar, «aber die Bürokratie hat wohl endgültig Einzug gehalten im Verein.»

Auch anderswo sorgt die Eintrittspolitik für Ärger: Sowohl in Basel wie in Zürich wurde gegen die nach Meinung der Fans zu hohen Eintrittspreise bei internationalen Spielen protestiert. FCB-Fans hielten gegen Werder Bremen das Transparent «45 Franken für Bremer Stadtmusikanten» hoch, FCZ-Anhänger gegen Legia Warschau eines mit der Aufschrift «50 Stutz für de billigscht Platz * eus platzt jetzt dänn de Chrage». Auch bei Länderspielen wie Schweiz * Frankreich ist es für viele «normale» Fans fast nicht mehr möglich, an Tickets zu kommen, weil ein Grossteil der Kontingente an Funktionäre und Sponsoren verteilt wird. In den Augen der aktiven Fans ein Sakrileg: «Für die ist das Spiel doch ein Event wie Kino oder Oper», sagt Flavio, «für uns aber ist das Fussball.»

Choreografie (Choreo): Mit diversen Hilfsmitteln inszenieren Fankurven grossflächige Bilder oder Farbmuster. In aufwändiger Freizeitarbeit werden diese * von meist wenigen Aktiven * vorbereitet und dann unter Einbezug der ganzen Kurve durchgeführt.

Doppelhalter (DH): ein an zwei Stöcken befestigtes Transparent, das mit Vereinswappen, Zeichnungen oder Sprüchen bemalt ist und hochgehalten wird. DHs sind heute in Fankurven ebenso häufig anzutreffen wie traditionelle Fahnen und gelten neben Choreos als Gradmesser für die Kreativität einer Kurve.

Pyro: Pyro geht auf das griechische Wort «pyr» (Feuer) zurück. Unter einer Pyro-Show wird im Fussball das Zünden von Feuerwerk und Raucherzeugern aller Art verstanden. Meist erfolgt dies vor dem Anpfiff oder in der Halbzeitpause und soll die «Hingabe» einer Kurve untermalen.

.

Ultra: Die Ultra-Bewegung nahm ihren Anfang in den sechziger Jahren in Italien und Jugoslawien. Ultras haben das Ziel, ihre Mannschaft «immer und überall bestmöglich zu unterstützen». Neben dem akustischen Support gehören dazu auch Pyro und Choreos, wobei für Letztere die Unterstützung von Sponsoren oder Vereinen abgelehnt wird und Spenden oder eigene Fanartikel zur Finanzierung dienen. Zwar beteiligen sich einzelne Ultra-Gruppierungen immer mal wieder an Auseinandersetzungen, sie kennen aber keine Rituale wie Hooligans, und viele von ihnen lehnen Gewalt ab.

Hooligan: Der Begriff geht vermutlich auf eine englische Strassengang zurück, die sich «Hooley» (irisch für «wild») nannte. In den siebziger Jahren wurde der Begriff in England und später im übrigen Europa für Gruppen benutzt, die sich regelmässig rund um Fussballspiele prügelten. «Traditionelle» Hooligans befolgen dabei einen «Ehrenkodex»: Es werden keine Unbeteiligten angegriffen, und der Gebrauch von Waffen ist nicht erlaubt. Heute ist «Hooligan» auch abseits des Sports zum Synonym für «gewaltbereite Person» geworden.


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 27. Oktober 2005, 21:24 
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Guter Artikel. Nur leider werdens die Herrschaften erst merken wenns zu spät ist.

Betreffend Thomas Helbling war ich früher noch beeindruckt von seiner Effizienz. Es gab eine Zeit, da hätte ich diesen Herrn gerne bei YB gesehen.......genau damals als das Durschnittsalter im YB-Vorstand ca. 90,2 Jahre war.

Heute ist es jedoch ganz anders! Sollte ich ihn zukünftig einmal treffen, werde ich ihn mit meinem Arsch begrüssen! :twisted:


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 Beitrag Verfasst: Montag 7. November 2005, 15:35 
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Solche Schlagzeilen sind nicht grad förderlich um ein legales abbrennen von Pyro zu erreichen.

Bild

Rauchbombe auf Schalke - Kleiner Fan (13) vergiftet im Krankenhaus

Von FRANK SCHNEIDER, PETER WENZEL und MANFRED MUCH


Der kleine Duisburg-Fan Julian (13) mußte mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus.
Toll: MSV-Boss Hellmich hat mit Julian und seinen Eltern telefoniert, lädt sie alle zu einem Duisburg-Spiel ein

Er hatte sich so auf diesen Tag gefreut. Doch er erlebte den Alptraum seines Lebens.
Julian H. (13), das Rauchbomben-Opfer von Schalke. Beim 3:0 gegen Duisburg zündet ein Chaot eine giftige Chemikalien-Mischung im Gäste-Block. Mitten im beißenden Qualm steht der kleine MSV-Fan mit seinem Bruder Jörg (16). Julian, der mit Rauch-Vergiftung ins Krankenhaus muß: „Es war der Horror.“

Julian erzählt: „Ich merkte auf einmal diesen Geruch. Das war, als wenn Tennisbälle verbrennen. Dann zog diese graue Wolke auf mich zu.

Eine Frau hat noch versucht, mich mit ihrem Mantel zu schützen. Aber es nützte nichts. Ich habe den Rauch eingeatmet und voll die Panik bekommen. Ich sah nichts mehr, kriegte keine Luft.“

Immer wieder wird Julian beim Sprechen von Hustenanfällen geschüttelt. Gegen die Vergiftung muß er mit Wasserdampf inhalieren.Julian erzählt weiter: „Ich bin nur noch gerannt. Nach zehn Minuten habe ich meinen Bruder wiedergefunden. Mir war total schwindlig. Kurz war mir schwarz vor Augen.“

Julian wird mit drei weiteren Fans von Sanitätern versorgt, dann in die Klinik gebracht.

Der Täter (19) wurde noch am Samstag gefaßt und wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz dem Haftrichter vorgeführt. Der ließ ihn laufen – keine Fluchtgefahr. Sollte er verurteilt werden, droht Gefängnis (sechs Monate bis zehn Jahre). Außerdem bundesweites Stadionverbot.

Wie konnte die Rauchbombe überhaupt ins Stadion geschmuggelt werden?

Polizeisprecher Konrad Kordts: „Bei 60 000 Fans kann man nicht jeden bis auf die Unterhose durchsuchen. Die Rauchbomben sind Pulver in kleinen Tütchen. Die kann man überall verstecken.“


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 Beitrag Verfasst: Montag 7. November 2005, 19:44 
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BILD erzählt immer die Wahrheit, in etwa so wie Landolt....

In Deutschland müssen die Hetzer wie Helbling,Landolt usw. nicht die Zeitungen anrufen,die Medien machen es von alleine !


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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 10. November 2005, 09:08 
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SVP-Mann Liebi fordert Schnellrichter im Stadion

Schnellrichter sollen Fussball-Hooligans gleich im Stadion verurteilen: SVP-Stadtratskandidat Roger Liebi fordert ein rigoroses Durchgreifen der Stadt.

Vor allem im Hinblick auf die Euro 08 will Liebi von der Stadt Taten sehen. So sollen an heiklen Fussballspielen Transport-Staatsanwälte, so genannte Schnellrichter, bei Ausschreitungen an Ort und Stelle agieren können.

«Diese Staatsanwälte haben über eine allfällige Bestrafung mit Strafbefehl zu befinden», heisst es im Postulat der Gemeinderäte Roger Liebi und Mauro Tuena. Damit könne ein langwieriges Strafverfahren, das heute sieben bis 14 Tage dauert, auf 24 Stunden reduziert werden.

«Ein Transport-Staatsanwalt darf jedoch nur einen geständigen Hooligan verurteilen», sagt Ursula Frauenfelder, leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl. Bestreitet ein Angeklagter jedoch die Tat, müsste der Fall an das Gericht weitergeleitet werden. «Effizienter wäre, wenn sich zusätzlich ein Richter vor Ort befände», sagt Frauenfelder.

Grundsätzlich begrüsse die Staatsanwaltschaft jedoch Liebis Forderung, doch sei man selber an der Ausarbeitung eines Euro-08-Konzeptes. «Zurzeit sind diverse Gespräche zur Bewältigung der Hooliganproblematik im Gange», so Frauenfelder.

20min.ch


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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 23. November 2005, 17:35 
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ein weiterer guter artikel, diesmal aus der FAZ:

Fußballfans
Sie können sich ihre Wappen selber basteln
Von Andreas Rosenfelder

23. November 2005 Noch in den späten achtziger Jahren kam niemand auf die Idee, Fußball als Teil der Popkultur zu betrachten. Damals traf man in einer ganz normalen Fankurve, die selten ausverkauft war, auf eine Monokultur von Röhrenjeansträgern mit Schnäuzer und Vokuhila.

Der Durchschnittsfan trug einen meterlangen Häkelschal in den Vereinsfarben und mindestens einen Aufnäher auf der Jeansjacke. Über weite Strecken beherrschte ein von heiseren Schreien durchbrochenes Gemurmel das Klangbild, aus dem sich nur manchmal Gesänge herausschälten, in denen man den Gästefans meistens zu Rod-Stewart-Melodien unterstellte, unter Brücken oder in der Bahnhofsmission zu schlafen - und das war noch eine der diplomatischeren Botschaften.

Man muß sich an diesen rauhen Urzustand erinnern, wenn im Vorfeld der WM nun jeder Theaterintendant seit Jahrzehnten eingefleischter Fußballfan gewesen sein will. Vor fünfzehn Jahren gab es noch keine Intellektuellenmagazine für Fußballkultur, sondern nur maschinengetippte und handkopierte Fanzines, die in den Halbzeitpausen verteilt wurden und die Vorfreude auf die berüchtigte „Dritte Halbzeit” anheizten. Daß sich Fußball zum hippen Gesamtkunstwerk entwickelt hat, das alle Gesellschaftsbereiche durchstrahlt, ist keineswegs nur den üblichen Verdächtigen wie Franz Beckenbauer, Nick Hornby oder dem Sender Premiere zu verdanken.

Revolution in den Stadien

Wesentlichen Anteil an der Wiederbelebung des lange Zeit als Proletensport verpönten Fußballs hatte die „Ultra”-Bewegung, die in den neunziger Jahren von Südeuropa nach Deutschland schwappte und die Atmosphäre in hiesigen Stadien revolutionierte. Die tribünenfüllenden Choreographien, die vor jeder Live-Übertragung als Stimmungsmacher eingeblendet werden und beim Stadionbesuch vor dem Anpfiff für unvergleichliche Gänsehaut sorgen, gäbe es ohne die „Ultras” nicht.

Daß nun Sicherheitsexperten und zweifelhafte Fansoziologen mit Begriffen wie „Hooltras” das Bild einer diffusen Bedrohung aus den Fanblöcken zeichnen und daß Reporter in jedem Bengalfeuer ein Vorzeichen des Bürgerkriegs ausmachen, während gleichzeitig der DFB mit dem offiziellen „Fan Club Nationalelf” den lächerlichen Versuch unternimmt, in der Retorte eine keimfreie Fankultur heranzuzüchten - dieser kritische Punkt in der jungen Geschichte der deutschen Ultras sollte Anlaß geben, ihren Standort zu bestimmen.

Tradition und Avantgarde

Wie bei vielen Jugendkulturen führt auch der Weg zu den Ultras über eine Negation. So verkörpert die urige Fankneipe „Auf Schalke” an der Kurt-Schumacher-Straße 119 in Gelsenkirchen - ein holzvertäfeltes Museum für Fanschals und Trikots - all das, was die Ultras nicht sein wollen. Hier sitzt der „Schalker Fanclub Verband”, der fast zwölfhundert Schalke-Fanclubs mit rund fünfundzwanzigtausend Mitgliedern zusammenfaßt. Im Gegensatz dazu haben sich die Ultras immer als Avantgarde verstanden: In Gelsenkirchen zählen sie rund achthundert Mitglieder.

In der Südtribüne der alten Glückauf-Kampfbahn, ebenfalls an der Kurt-Schumacher-Straße, sitzt das „Schalker Fanprojekt”. Der selbständige Designer Jan Klaffke und der Jurastudent Thomas Kirschner, beide fünfundzwanzig Jahre alt, sind die Vorsitzenden der „Ultras Gelsenkirchen” und waren schon in den späten Neunzigern dabei, als in der Schalker Kurve die ersten Choreographien auftauchten. Nach Deutschland übergesprungen war der Funke in Leverkusen, wo die „Madboyz” schon 1994 beim Uefa-Cup-Spiel gegen den FC Parma mit Pyrotechnik und Großschwenkfahnen experimentierten und das damals unscheinbare Ulrich-Haberland-Stadion in einen Hexenkessel verwandelten.

Das Ende der Kuttenkultur

Während, wie Klaffke sich erinnert, vorher die „Kuttenkultur aus dem Proletariat” die Stadien prägte, stammen die Ultras überwiegend aus „gutbürgerlichen Kreisen”. Eine wichtige Rolle bei der Aneignung der neuen Fankultur spielten das Deutsche Sportfernsehen mit seinen Übertragungen aus südlichen Ligen und das Internet, wo man auf Audiodateien mit neuartigen Fangesängen stieß, die alte Brüller wie „Zieht den Bayern die Lederhosen aus” verblassen ließen. Eines der deutlichsten Merkmale der Ultra-Kultur ist die Ersetzung des Schlachtrufs „Ole” durch „Allez” - auch wenn diese feine Lautverschiebung, wie Kirschner abwinkend feststellt, beim breiten Publikum längst noch nicht durchgedrungen ist.

In Italien existierte die „Ultra”-Bewegung, die für ultimative Unterstützung des Heimatvereins auch bei Auswärtsfahrten eintrat, seit den sechziger Jahren. Viele ihrer Formen - das Megaphon des „Capo”, der als „Kopf” der Kurve die Gesänge vorgibt, oder die mit zwei Stangen getragenen Doppelhalter - wanderten aus der Protestkultur in die Stadien. So spielten die „Brigate Rossonere” des AC Mailand mit ihrem Namen nicht nur auf die Vereinsfarben Schwarz-Rot, sondern auch auf die Roten Brigaden an. Auch wenn die „Ultra”-Szene nie politisch festgelegt war und es in Italien immer sowohl rechte als auch linke Kurven gab, verband sie doch der Wille, die Autonomie der Fanblöcke zu verteidigen. Man lehnte Trikots und kommerzielle Fanartikel ab, um statt dessen in Zivil zum Spiel zu kommen und alle für den „Support” wichtigen Gegenstände selbst zu basteln.

Small talk hält sich in Grenzen

Mit der üblichen Fanfolklore hat dieser unabhängig von Sponsoring und Vereinsgeldern hochgehaltene Anspruch, „die Stadionatmosphäre optisch und akustisch zu verbessern”, nicht viel gemein. „Wir sehen die Spieler nicht als Idole an, mit denen man Arm in Arm fotografiert werden will”, erklärt Klaffke. So spielt Small talk über das Privatleben der Profis oder die optimale Aufstellung natürlich auch bei den Ultras eine Rolle, hält sich aber in Grenzen. „Ich kann nicht beeinflussen, wer in der Viererkette spielt”, sagt Klaffke. „Wir können aber die Farben zeigen, die wir hochhalten.” Auch Kirschner betont den expressiven Wettbewerb, den die Ultras unterschiedlicher Vereine mit ihren Choreographien führen - und der das gewaltsame Austragen der Konkurrenz nach dem Schlußpfiff fast ganz abgelöst hat.

Viele „Normalos” unter den Fans argwöhnen, daß es den Ultras gar nicht mehr um den Spielverlauf, sondern nur noch um Symbolfetischismus und lückenlose Unterstützung geht. Schließlich steht der „Capo” über neunzig Minuten mit dem Rücken zum Spielfeld. Doch Klaffke sieht genau darin eine tiefere Form der Zuwendung - in einer Zeit, in der man sein Fantum nicht mehr nur über die alle paar Jahre durchgewechselte Mannschaft definieren kann. „Man klammert sich an die Idee des Vereins, die Gemeinschaft des Vereins. An traditionelle Werte wie Wappen und Farben.”

Fußball als Freiraum

Auch wenn sich die Ultras scheinbar vom modernen Fußball mit seinen ökonomischen Bedingungen und am Taktiktisch gewonnenen Erkenntnissen abkoppeln, geht es ihnen um die Rettung des Fußballs als eines nicht fremdbestimmten Freiraums. „Die Ultras haben unbewußt an der Kommerzialisierung des Sports mitgewirkt”, gibt der Jurastudent Kirschner zu. Jetzt, sagt Klaffke, kopiert der DFB mit seinem Laborfanclub die Stimmungstechniken der Ultras, während andererseits Angst geschürt wird vor „Menschenansammlungen in der Kurve, die nicht berechenbar sind”.

Schon wegen Bierbecherwürfen werden Stadionverbote verhängt. „Auf der Kurve”, sagt Klaffke, „sollte es aber gewachsene Rituale geben, die toleriert werden.” Denn längst werde die Jugendkultur der „Ultras” eingeholt von einer „Klingelton-Generation”, die mit Freundin im Arm und Fanshop-Tüte in der Hand ins Zentrum des Fanblocks eindringt, das doch nach alter italienischer Sitte den Ultras gehört, und sich dann, wenn die ganze Kurve hüpft, über Schmutzflecken auf ihren empfindlich weißen Turnschuhen beschwert. Das klingt nach jener Arroganz, die den Ultras oft vorgeworfen wird - aber die familienfreundlichen Sitzplatzstadien sind groß und die Ultras klein an der Zahl. „Die Fankurve”, sagt Klaffke, „ist in einer beliebigen Spaßgesellschaft eine Insel, die gleichbleibt.”

Wechselseitiger Respekt

Auch wenn die „Ultras” keinen Spielerpersonenkult betreiben, gibt es Bundesligaprofis, die genau diese Form der Unterstützung schätzen. Der Schalker Torhüter Frank Rost, im Fall eines Rückzugs von Jens Lehmann womöglich als dritter Torhüter bei der WM, trägt auf dem Platz seit geraumer Zeit ein T-Shirt der „Ultras Gelsenkirchen” unter seiner Torwartkluft und trifft sich immer wieder mit Vertretern der Ultras. Als Rost vor einigen Wochen auf seiner Homepage über das Verhalten einiger Fans klagte, die ihn mit aggressiven Sprüchen wie „Wir zahlen dein Gehalt” im Alltag anmachten, versuchten die Boulevardmedien anfangs das Bild des arroganten Millionärs zu zeichnen - während in der Fanszene großes Verständnis für die Forderung nach höflichem Umgang und wechselseitigem Respekt artikuliert wurde.

Wahrscheinlich wird Frank Rost auch deswegen so geachtet, weil er auf aufsehenerregende und gerade deshalb unglaubwürdige Loyalitätsgesten verzichtet. „Es widerstrebt mir, das Vereinswappen zu küssen”, sagt Rost. „Ich war auch nicht gleich Schalker, als ich aus Bremen nach Gelsenkirchen kam.” Im feinen Restaurant „Schloß Berge” nahe der jetzigen „VeltinsArena” bestellt er Scholle - er schätzt das gute Essen hier, das auch im Ruhrgebiet langsam die fettige Jägerschnitzel-Monokultur verdrängt. Der in Ostdeutschland aufgewachsene Torwart versteht sich mit den Ultras besser als mit den zum Starkult neigenden Modefans. „Die Ultras sind ganz normale Menschen, die sachlich mit dir reden. Ich weiß auch, was die für Entbehrungen auf sich nehmen.”

Reingepfercht und reingeprügelt

Für eine künstliche Fankultur, wie sie der DFB zur Weltmeisterschaft in Szene setzen möchte, hat Rost ebensowenig Sinn wie für Kunstrasen. „Wenn man so weit kommt, daß man offizielle Choreographen engagiert, dann ist der Fußball kaputt.” Ihm steht der harte Kern der Fans, „Leute mit Ecken und Kanten”, näher als jene Eventfans, die schon zur Pause zu pfeifen beginnen. „Wenn ein Pferd Temperament hat”, sagt der Ehemann einer Reiterin mit einem schönen Vergleich, „kann ich auch nicht sagen, es darf nicht ausschlagen, soll aber andererseits Ausstrahlung haben.” Daß die Ultra-Szene in jüngster Zeit wieder mit „Pauschalverurteilungen” von seiten der Politik leben müsse und zum Teil ins Stadion „reingepfercht und reingeprügelt” werde, hält er für absurd: „Diese Fans zahlen hohe Eintrittsgelder, um sich dann am Eingang die Unterhosen durchsuchen zu lassen.”

Frank Rost hat im DDR-Fußball bei Lokomotive Leipzig und dem 1. FC Markleeberg eine „eher rustikale Ausbildung” genossen, wie er sie heute, da Jungstars schon nach wenigen Bundesligaspielen vom Trainer verhätschelt werden, ein wenig vermißt - ohne daß in dieser Sehnsucht der Ruf nach knallharter Disziplin mitklänge. „Fußball muß authentisch bleiben.” Rost kann auch die Angst der Ultras verstehen, ihr Milieu zu verlieren und durch jüngere Spaßfans an den Rand der Kurve verdrängt zu werden. Auch dies, sagt der Torwart, sei eine Frage fehlenden Respekts. Vielleicht kann nur ein Keeper, der die Hälfte des Spiels dicht vor der eigenen Kurve steht und das Geschehen oft wie ein Zuschauer verfolgt, die Fußballwelt mit den Augen der Fans sehen.


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 Beitrag Verfasst: Freitag 25. November 2005, 16:52 
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Registriert: Montag 25. Juli 2005, 19:36
Beiträge: 285
Haribo hat geschrieben:
SVP-Mann Liebi fordert Schnellrichter im Stadion

Schnellrichter sollen Fussball-Hooligans gleich im Stadion verurteilen: SVP-Stadtratskandidat Roger Liebi fordert ein rigoroses Durchgreifen der Stadt.

20min.ch


jawoll! Ihr eländä schnouzträger! Mir si ufäm wäg zuma guet-bürgerliche Polizeistaat! :roll: :lol:

_________________
...habe fertig!


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