Bund, 03.08.2005
«Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen»
Der Ticketverkauf im Stade de Suisse Wankdorf sei noch ein Sorgenkind, sagt der neue Betriebsleiter Stefan Niedermaier
YB-Fans warteten lange auf ihre Saisonkarten oder stehen Schlange für ein Einzelbillett. Die Verantwortlichen versprechen «mehr Komfort» – und Billettverkauf per SMS.
Die Betreiber des Stade de Suisse Wankdorf stehen unter Beschuss: Die einen bemängeln die teuren Eintrittspreise zur Eröffnungsfeier vom Wochenende, die andern die Eröffnungsfeier selber, Dritte den Ticketverkauf. Rund 1000 Billette für die Eröffnungsfeier waren nicht rechtzeitig bei den Adressaten angekommen und mussten an einem Expressschalter abgeholt werden. Käufer von Saisonabonnementen beklagten sich eine Woche vor dem ersten Meisterschaftsspiel im neuen Stadion, sie hätten ihr Abonnement noch nicht erhalten. «Die Abos sollten nun verschickt sein», sagt Stefan Niedermaier, seit dem 1. August neuer Betriebsleiter der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG: Es habe Verzögerungen gegeben, weil unerwartet die Spiele YB gegen Olympique Marseille und FC Thun gegen Dynamo Kiew dazugekommen seien.
Im Bereich des Billettverkaufs wolle Stade de Suisse der Kundschaft «mehr Komfort bieten», sagt Niedermaier. So sind die Stadionbetreiber auf der Suche nach mehr Verkaufsstellen. Bisher werden YB-Billette nur an fünf Orten verkauft: bei der YB-Geschäftsstelle, beim BLS Reisezentrum in Bern, bei Zig Zag Records AG in Thun, Beat-it Records GmbH in Langnau und Beo-Tickets in Interlaken. «Wir sind mit verschiedenen Leuten im Gespräch», sagt Niedermaier. Warum die Billette nicht via TicketCorner vertrieben werden, kann er nicht sagen: «Ich bin erst seit kurzem hier und weiss nicht, warum es nicht zur Zusammenarbeit kam.»
Der Schweizerische Fussballverband hingegen wird die Billette für den Match Schweiz gegen Frankreich, der am 8. Oktober im Wankdorf stattfindet, ab nächsten Samstag via TicketCorner verkaufen. «Der Matchveranstalter organisiert seinen Ticketverkauf selber –ausser er delegiere ihn an die Stade de Suisse AG», sagt Niedermaier. Der FC Thun hatte den Billettverkauf delegiert –musste aber die Tickets in letzter Minute doch selber drucken, weil die Stade de Suisse AG in Arbeit versank.
Bisher werden die YB-Tickets ausgedruckt und an die Verkaufsstellen verteilt. Da kann es vorkommen, dass am einen Verkaufsort der gewünschte Sektor ausverkauft ist und andernorts noch Billette für ebendiesen Sektor vorhanden sind. «Am besten ist die Reservation via Internet», sagt Niedermaier. «An den Vorverkaufsstellen sind wir nicht so flexibel.»
Und so gesteht Niedermaier ein: «Das Ticketing ist unser Sorgenkind: Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.» Niedermaier will den Ticketkauf via SMS Wirklichkeit werden lassen. «Das ist aber ein Prozess, der lange dauert», schwächt er Hoffnungen auf die baldige Einführung des Systems, das in drei österreichischen Stadien und bei Benfica Lissabon bereits funktioniert, ab.
Zum Trost drei Gratisbillette
«Wer nach diesem Spektakel nicht begeistert aus dem Stadion geht, kann mich anrufen und bekommt drei Tickets für ein YB-Spiel.» Das sagte Peter Jauch von der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG am Samstag in einem «Bund»-Interview. «Das war eine spontane Aussage, denn Peter Jauch war überzeugt davon, dass die Eröffnungsfeier allen gefallen wird», sagt Stefan Niedermaier, der am 1. August Jauch als Betriebsleiter abgelöst hat. Und: «Wir stehen zu seiner Aussage.»
Das wird nötig sein, denn bereits haben sich zahlreiche enttäuschte Fans gemeldet – sowohl auf der YB-Geschäftsstelle als auch beim «Bund». «Das Spektakel entsprach absolut nicht der Qualität einer Olympiaeröffnungsfeier», schreiben Gisela Fink Schoch, Willy Schoch und Lilo Creighton aus Bolligen in ihrem Brief an Peter Jauch. Luca Keusen aus Ostermundigen bemängelt in seinem Leserbrief das Musikprogramm: «Vor nicht allzu langer Zeit wurde noch der Name U2 herumgereicht – schlussendlich reichte es noch gerade für Monique. Das selbst ernannte Eröffnungsspektakel war nichts anderes als ein Bluff.» Wie andere Briefschreiber auch verlangen sie nun von Jauch ihre drei Gratisbillette.
Unterdessen haben die Verantwortlichen beschlossen, dass sie am Donnerstag auf ihrer Homepage (
http://www.stadedesuisse.ch) informieren werden, wie Enttäuschte zu ihren Trosttickets kommen, sagt Niedermaier. (njb)