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 Betreff des Beitrags: Euphorie mit seltsamen Auswüchsen
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 10. April 2008, 08:59 
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Euphorie mit seltsamen Auswüchsen

Die zwei Wochen Spielpause haben der Hochstimmung rund um YB keinen Abbruch getan. Vor den letzten acht Partien in 28 Tagen werden die Spieler – wie Thomas Häberli – aber auch mit merkwürdigen Geschichten konfrontiert.

Ganz egal, wo YB derzeit auftritt, die Euphorie rund um den Verein ist spürbar. Am Dienstagabend zum Beispiel, beim Testspiel gegen den FC Aarberg (2.Liga Inter), sahen 1800 Zuschauer in Aarberg zu, wie die Young Boys 10:1 gewannen. «Wir haben ziemlich gestaunt, als wir die vielen Leute gesehen haben. Das war beeindruckend, zumal wir nur auf einem Nebenplatz gespielt haben», sagt Thomas Häberli. Der YB-Stürmer erzielte in Aarberg zwei Tore, er dürfte sich beim lockeren Spielchen auch ein bisschen vom Trubel abgelenkt haben, der um seine Person entstanden ist. An die fünfzig Interviews habe er in den letzten Wochen gegeben, sagt Häberli, das eine oder andere Bild sei dabei gemacht haben. Eines zeigt den Torjäger in wenig vorteilhafter Pose zu Hause auf dem WC. Die Young Boys versuchten, die Publikation des Fotos auf der Titelseite des Boulevardblatts noch zu verhindern. Doch YB ist en vogue, Häberli ein Dauerthema, selbst wenn er nur mit einer Zeitung in der Hand auf dem WC sitzt. Häberli hatte mit dem Fotografen vereinbart, dass das Bild nie erscheinen werde, aber der Höhenflug der Young Boys (und von Häberli) weckt die seltsamsten Begehrlichkeiten.

Und so dürfte Häberli froh sein, geht es am Samstag auch für das formstarke YB in der Super League weiter. Zum letzten Mal treten die Berner im St.Galler Espenmoos an, die urchige Spielstätte wird im Sommer durch die moderne AFG-Arena ersetzt. Am 1.Dezember 2007 hatten die Berner ihre imposante Auswärtsserie mit einem 7:2-Sieg in St.Gallen lanciert – 13 Punkte und zwanzig Tore resultierten aus den letzten sechs Partien in der Fremde, dabei erzielte Häberli gleich acht Treffer. «Von mir aus kann es natürlich so weitergehen. Wir sind bereit für die Schlussphase der Meisterschaft», sagt der Angreifer.

Endlich ausverkauft?

Weil im Wankdorfstadion derzeit der Naturrasen für die Euro verlegt wird, trainieren die Young Boys auf der Allmend oder im Turnerstadion – bei nicht immer perfekten Bedingungen. Das spiele keine Rolle, sagt Häberli. «In dieser Phase der Meisterschaft mit derart vielen Partien in kurzer Zeit geht es darum, Kräfte zu bündeln und sich auf die Spiele zu konzentrieren.» Die zwei Wochen Spielpause dürften für YB angesichts des Steigerungslaufs zuletzt zwar nicht zu einem idealen Zeitpunkt gekommen sein. Hingegen vermochten sich die Akteure vor dem strengen Programm (acht Partien in 28 Tagen) zu erholen. Gestern stieg auch Captain Hakan Yakin, der gekränkelt hatte, wieder ins Training ein. «Wir spüren die Euphorie rund um YB», sagt Häberli. «Und das ist für uns auch eine riesige Verpflichtung, die Erwartungen weiter zu erfüllen.» Er glaube nicht, dass der Druck für YB jetzt gestiegen sei. «Im Gegenteil, wir dürfen weiter unbelastet auftreten. Von uns erwartet doch niemand den Meistertitel. Das kann für uns ein Vorteil gegenüber dem FC Basel sein», sagt Häberli.

Der Traum vom ersten Titelgewinn seit 1986 hat offenbar viele Fussballinteressierte in Bern und Umgebung elektrisiert. Gestern dauert es keine halbe Stunde, bis die Young Boys im Fanshop das 1000-Ticket-Kontingent für den Gästesektor im St.-Jakob-Park verkauft hatten, die Warteschlange war rund dreissig Meter lang. In Basel tritt YB in der letzten Runde – voraussichtlich am Pfingstsamstag – gegen den Rivalen FCB an. Und für das nächste Heimspiel, am Sonntag in einer Woche gegen Aarau, sind bereits über 17000 Karten verkauft worden. Solche Zahlen nähren die Hoffnung des Vereins, in dieser Saison in einer der verbleibenden Partien (gegen Aarau, Luzern, Xamax und GC) nach bald drei Jahren Betrieb endlich eine Super-League-Partie in einem ausverkauften Stade de Suisse austragen zu können. «Wir müssen einfach ruhig weiterspielen und Partie für Partie nehmen», sagt Trainer Martin Andermatt.

Markige Töne aus Basel

Andermatt bleibt, trotz erhöhten Rummels, ruhig und gelassen. Die nächsten Aufgaben in St.Gallen und beim FC Zürich sind für YB delikat, jeder Ausrutscher kann im Titelkampf mit dem FCB der eine zu viel sein. Zumal die zuletzt schwächelnden und selten überzeugenden Basler nach dem Cupsieg neue Zuversicht geschöpft haben. «Dieser Erfolg wird uns viel Moral für die Super League geben», sagte FCB-Mittelfeldspieler Benjamin Huggel am Sonntag nach dem 4:1 gegen Bellinzona. Und Stürmer Marco Streller, der den FCB nach seiner Verletzungspause zum Titel schiessen soll, ergänzte: «Jetzt geht es los. Wir werden Meister.» Solch markige Töne aber lassen die Young Boys (noch) kalt. Sie wollen nicht mit Worten (und Bildern) brillieren – sondern mit Taten (und Toren).

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