Zitat:
Es knarrt im Gebälk des Stade de Suisse und der Young Boys
Im Berner Euro-Stadion nimmt auch ein Russe Einfluss
Im Herbst 2007 liess der BSC Young Boys verlauten, dass mit dem Trainer Martin Andermatt Gespräche über die Vertragsverlängerung geführt und bald Resultate kommuniziert würden. Doch nichts geschah. An Weihnachten konkretisierte sich immer noch nichts. Jetzt ist Ende Januar 2008. Noch immer ist nicht klar, ob Andermatt auch nach dem Sommer YB-Trainer ist. Das Zögern verdeutlicht dreierlei: Andermatt hat in der YB-Führung nicht nur Freunde, die Strukturen unter dem weiten Stadiondach sind schwammig geregelt, und in der im Stade de Suisse letztlich bestimmenden Sport und Event Holding AG ziehen die Kräfte in verschiedene Richtungen.
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Wie aus klubnahen Kreisen zu erfahren ist, sind in der Holding vorwiegend drei Kraftfelder zu orten. Zum einen gehören Andy Rihs, sein Bruder Hans-Ueli Rihs und Fritz Bösch. Im anderen ist der Verwaltungsratspräsident Benno Oertig, der als Verbündeter des Stadion-CEO Stefan Niedermaier gilt. Als dritte Kraft wirkt der Österreicher Michael Bona, der dem Vernehmen nach mit dem früheren Stadion-CEO Peter Jauch zusammenspannt. Derweil sich das Gewicht zugunsten der finanzkräftigen «Rad-Fraktion» Rihs/Bösch verschieben könnte, soll sich Bona offenbar auf dem Absprung befinden. Mehrere Quellen bestätigen inzwischen, dass ein russischer Geldgeber über Bona seit längerem sowohl im BSC YB wie auch im Stade de Suisse Einfluss nimmt. Doch dies stritt Oertig Ende 2007 vehement ab. «Das mit der russischen Beteiligung ist ein Märchen, ein mieser Witz. Ich weiss nicht, woher das immer wieder kommt. Wir haben genug prominente und finanzkräftige Personen im Verwaltungsrat.» Am Samstag sagte Oertig über die Causa des russischen Geldgebers etwas kleinlauter: «Darüber muss Bona Auskunft geben.» Der geschäftlich im Ausland weilende Österreicher war nicht erreichbar.
Auch Niedermaier äusserte «keinen Kommentar» und verwies auf eine am Montag terminierte Medienkonferenz. Gut möglich, dass der Trainer-Entscheid und die Gewichtsverschiebung in der Holding demnächst öffentlich gemacht werden. Andy Rihs war am Samstag am Skifahren und sagte: «Ich bin Verwaltungsrat im Stade de Suisse. Über Änderungen kann Herr Oertig Auskunft geben.» Auf die Nachfrage, ob er, Andy Rihs, die Mehrheit übernehme, antwortete er zögernd: «Nein, nein.» Dann brach die Leitung ab, und Rihs war auf der Skipiste nicht mehr zu erreichen. Es klang aber, als wäre nach dem «Nein, nein» noch ein «Aber» gefolgt. Oertig entgegnete am Samstagabend: «Das sind reine Spekulationen. Dazu sage ich nichts. Wir haben Ruhe und sind zufrieden.»
Trotzdem soll es mehrere unruhige Verwaltungsratssitzungen gegeben haben. Einige behaupten, dass YB 2007 Verluste in Millionenhöhe eingefahren habe, die nur dank dem Verkauf der Spieler Gohouri und Mangane gedrückt worden seien. Zudem drohen der Chefetage des Stadions Millionen-Abschreiber wegen der Klage der im März 2007 kurzerhand abgehalfterten Zürcher Marketingfirma V+F. Im März treffen sich die beiden Parteien vor Gericht zur nächsten Verhandlung. Die finanziellen Engpässe stellt Oertig in Abrede. Man müsse die konsolidierte Rechnung der Stadion-Holding sehen, bemerkt er, «YB hat 2007 keinen Verlust gemacht. Wegen der Transfers gab es sogar einen kleinen Gewinn.»
Quelle: NZZ