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NZZ am Sonntag; 02.09.2007
Zu wenig und zu viel
Vor ein paar Wochen war alles rosarot. Die Protagonisten des BSC Young Boys präsentierten sich frohgemut vor der neuen Saison und rechneten unter anderem mit der Vergangenheit ab. Sie liessen durchschimmern, dass vor einem Jahr unter Trainer Gernot Rohr «kaum trainiert» worden sei. Will heissen: Punkto Kondition sei fast nichts gemacht worden, deshalb sei die letzte Saison nicht nach Wunsch geglückt.
Der YB-Konditionstrainer unter dem Deutsch-Franzosen Rohr war Michael Lindemann. Dieser sagt im Rückblick, dass Rohr die französische Schule pflege. Das heisst laut Lindemann: «Mehr auf Erholung setzen, im Spiel alles geben.» Das stehe im Kontrast zur deutschen Schule «jeden Tag Vollgas». Lindemann ergänzt, dass man nicht ein Jahr später behaupten könne, dass unter Rohr nichts gemacht worden sei. Das sei zu billig.
Rohr ist schon lange weg. Weil der YB-Trainer Martin Andermatt als Konditionstrainer seinen Vertrauten Robin Städler wollte, musste auch Lindemann gehen. Nun läuft die neue Saison, die Young Boys pflegen weiterhin ihr Motto «manchmal top, immer wieder Flop» - und was heisst es da nach einer 1:5-Ohrfeige beim FC Zürich? Die YB-Spieler hätten womöglich zu viel trainiert. Wohlverstanden: Nicht zu wenig, sondern zu viel trainiert. Stunden später beenden die Berner die Zusammenarbeit mit Robin Städler. Der Stadion-CEO Stefan Niedermaier begründet: «Die Chemie stimmte nicht. Die Trennung hat zwischenmenschliche Gründe. In gewissen Trainings-Bereichen ist wohl zu viel gemacht worden.»
Also hat Robin Städler das Wort, der in Bern neue Trainingsmethoden einführte: «Wenn sie das Gefühl haben, wir hätten zu viel trainiert, muss ich das akzeptieren.» In Bern seien die Geduld und die Zeit nicht vorhanden - «man braucht Leute, die dahinterstehen». Weitere Fragen an Robin Städler: Türmen die Young Boys nicht Ausreden? «Vielleicht.» - Sind Sie ein Bauernopfer? «Keine Ahnung. Ich habe Erfahrungen gesammelt und kein schlechtes Gewissen.» - Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen? «Nein. Ich würde noch härter dreinfahren.» - Was halten Sie von Yakin? «Ich habe ein anderes Bild, als die Medien zeichnen. Wenn man ihm sagt: <Mach>, dann macht er das.»
Der nächste Konditionstrainer, der sich in Bern versuchen darf, ist Harry Körner, der sieben Jahre FCB-Erfahrung mitbringt. Er setzt auf «fussballorientiertes Konditionstraining», wie er sagt. Ist die Körner-Dosis für YB gut? «Die Resultate werden das zeigen», so Körner. Wir warten gespannt - auf die nächste YB-Ausrede. (bir.)
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