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Berner Zeitung; 20.04.2007
Wenn der Schuh auswärts drückt
Auf dem Kunstrasen im Wankdorf ist YB eine Macht. Auf Naturrasen rutschen die Berner aber immer wieder aus.
YB im Stade de Suisse und YB auswärts – das sind zwei paar Schuhe. Die Heimbilanz der Young Boys in der Premieren-Saison auf Kunstrasen: 10 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, Torverhältnis 29:15 (siehe Grafik). Kein anderer Verein der Super League hat in der Meisterschaft zu Hause mehr Punkte gesammelt als YB. Auswärts dagegen leisten sich Yakin und Co. zu viele Ausrutscher – der verschossene Penalty von Tiago in der 93. Minute gegen Aarau (1:1) am Mittwoch passt zum Auswärtsfluch. Von 42 möglichen Punkten hat YB auf Naturrasen bloss 14 geholt. Zürich (26), Basel (22), GC (21), St. Gallen (18 ) und Sion (17) waren erfolgreicher.
Auswärts zu wenig effizient
YB-Trainer Martin Andermatt: «Auf Kunstrasen spielen wir einen technisch hochstehenden Fussball. Wir möchten auch auf Naturrasen attraktiv nach vorne spielen. Doch auf dieser Unterlage fehlt uns bislang die Effizienz, wir sind noch zu wenig gefestigt.» Die Formschwankungen der Berner lassen sich mit dem ständigen Wechsel von Kunst- auf Naturgras teilweise erklären. Vor jedem Auswärtsspiel trainieren die Berner in der Regel auf dem Rasen des Turnerstadions. Wenn YB in der Fremde spielt, trifft es üblicherweise auf einen aggressiveren Gegner als im Wankdorf. Auf einen Gegner, der eine solch kämpferische Spielweise nur auf Naturrasen praktizieren kann. Würde er dasselbe im Wankdorf tun, käme er beim Tackling meist einen Tick zu spät. Diese Erfahrung hat auch Oliver Kreuzer gemacht. Er ist Sportdirektor bei Red Bull Salzburg, das seit vier Saisons seine Heimspiele auf Kunstrasen austrägt. «Auswärts kommen wir mit dem aggressiven Gegner nicht zurecht.» Der Leader der österreichischen Bundesliga hat in dieser Saison 12 seiner 15 Heimspiele auf Kunstrasen gewonnen (drei Remis). Auswärts tut sich das Ensemble von Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus jedoch vergleichsweise schwer: In 14 Partien resultierten sieben Siege, vier Remis und drei Niederlagen. Matthäus duldet keine Ausreden: «Alles ist eine Einstellungssache! Ein Bauarbeiter kann auch nicht sagen, weil heute Sauwetter ist, habe ich keine Lust. Wir müssen auswärts entschlossener auftreten», forderte der Fussball-Weltmeister in der «Sport Woche».
«Standfest» wären die YB-Fussballer auf beiden Unterlagen. Aber nicht jeder Spieler setzt auf das gleiche Schuhwerk: Torhüter Marco Wölfli präsentiert stolz sein Unikat. «Im Wankdorf spiele ich mit einem Nockenschuh, bei dem ich sechs Stollen eingeschraubt habe. So habe ich beste Bodenhaftung. Auswärts gehe ich aber nur mit Stollenschuhen ins Tor.» Christian Schwegler sagt, dass er in Bern stets Nockenschuhe trage, auswärts beim Aufwärmen jeweils die Bodenbeschaffenheit überprüfe. «Wenn der Rasen nass ist, wechsle ich auf Stollenschuhe.» Einfacher ist die Wahl für Carlos Varela. Der Mittelfeldspieler rennt stets mit dem gleichen Modell herum. «Mein Fabrikant hat einen Schuh entwickelt, der sowohl auf Kunstrasen als auch auf Naturrasen optimalen Halt bietet.»
YB-Teamarzt Cuno Wetzel lässt mit einer interessanten Beobachtung aufhorchen. «Akutverletzungen wie Knieverstauchungen oder das Verdrehen des Fusses haben sich auf Kunstrasen verringert.» Das hängt wohl damit zusammen, dass der Belag berechenbarer und gleichmässig belastend wirkt. «Dafür sind vermehrt Schürfungen festzustellen.» Kann der wenig federnde Kunstrasen eine Fussballer-Karriere verkürzen? «Wir sind erst daran, eine Statistik über Spätschäden auf Kunstrasen zu erstellen», berichtet Wetzel. Gelenkbeschwerden könnten früher oder später aber schon eintreten, meint Wetzel.
Das könnte der Fluch des Kunstrasens sein – auch wenn er für YB in dieser Saison ein Segen ist.
_________________ For Ever
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