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Bieler Tagblatt, 03.06.2006
Fussball-Nostalgie in Grenchen
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des FC Grenchen spielte gestern in einem Nostalgiespiel das NLA-Team des FCG aus der Saison 85/86 gegen den damaligen Schweizer Meister YB. Die Berner gewannen das unterhaltsame Spiel 3:1.
Marco Oppliger
Am 20. Mai 1986 standen sich der FC Grenchen und die Young Boys das letzte Mal in der höchsten Spielklasse gegenüber. Die Berner siegten dazumal gleich mit 6:0 im Grenchner Brühl und hievten sich so an die Tabellenspitze. Später holte YB dann dank einem 4:1-Auswärtssieg beim direkten Konkurrenten Neuenburg Xamax den Meistertitel - zum bisher letzten Mal. Die Grenchner hingegen wurden nach einem starken Saisonbeginn immer schlechter und stiegen schliesslich zusammen mit Baden ab.
Nun, 20 Jahre später, standen sich dieselben Akteure wieder gegenüber. Der eine oder andere Spieler wahrscheinlich mit ein paar Kilos mehr auf den Rippen als früher, aber sonst doch noch überraschend fit.
Alte Erinnerungen
Den besseren Matchbeginn erwischten die Berner. Mit herrlichen Kombinationen spielten sie sich durch die Grenchner Abwehrreihen und gingen nach einem schönen Angriff durch Robert Prytz in Führung. Manch einer schwelgte in alten Erinnerungen und so hörte man oft das berühmte «Weisch no früecher?» auf der Haupttribüne.
Den ersten Szenenapplaus des Heimpublikums erntete der Grenchner Torhüter Martin Affolter, als er alleine gegen Siwek und Lunde klären konnte. Der Spieler mit den meisten Ballkontakten in der ersten Halbzeit war aber unbestritten der legendäre YB-Regisseur Robert Prytz. Er flankte zum Sturmduo Siwek/Lunde, als hätte er mit dem Fussballspielen gar nie aufgehört. Bezeichnend für seine Leistung war die Entstehung des zweiten YB-Treffers. Prytz flankte in der 13. Minute zu Joachim Siwek, dieser zu Lars Lunde, und Letzterer schloss schliesslich herrlich per Kopfball zum 2:0 ab.
Die Intensität wie auch die Regelauslegung des Schiedsrichters waren natürlich der Partie angepasst, und so endete eine amüsante erste Hälfte damit, dass sich Lars Lunde, meterweit im Abseits stehend, gemütlich die Schnürsenkel band.
In der Pause erzählte der Grenchner Speaker Othmar Dellsperger, der schon 1986 für den FCG tätig war, einige Anekdoten aus der letzten NLA-Saison der Grenchner. Die besten Erinnerungen habe er aus dieser Spielzeit an Adilson de Almeida, «ein aussergewöhnlicher Dribbler in unserem Team», wie Dellsperger betonte. Aber auch Robert Prytz sei ihm noch bestens in Erinnerung, «und er kanns immer noch».
Grenchner Chancenplus
Die Grenchner Equipe spielte zu Beginn der zweiten Halbzeit stark und konnte einige hervorragende Chancen verzeichnen. Der grösste Sünder war in der 32. Spielminute Michel Lehnherr, der das halbleere YB-Tor verfehlte. Auffälligster Akteur war aber weiterhin YBs Robert Prytz. Fast jeder Angriff lief über ihn. Auch der heutige Grenchen-Trainer Reto Gertschen kam nach der Pause für die Berner noch zum Einsatz. Die letzten Spielminuten hatten es in sich. Zuerst traf wiederum Robert Prytz zwei Minuten vor Spielende zum 3:0 für die Young Boys, worauf die Grenchner doch noch das Ehrentor durch Marcel Ostrowski erzielten.
Lunde liess sich fit spritzen...
Robert Prytz zeigte sich nach der Partie müde, aber glücklich. «Wir konnten den Ball gut vorne halten, und ich war überrascht, wie gut wir zusammen spielten», erklärte Prytz nach Spielende. Die YB-Meistersaison sei bei ihm immer noch sehr präsent. «Es war eine Super-Saison, ich stiess damals erst im Januar zu YB. Es war ein starkes Team, das ich damals antraf», rekapitulierte der Mittelfeldregisseur der Young Boys. Auch der damalige Top-Torjäger Lars Lunde, der später noch für Bayern München spielte, hatte sichtlich Spass. «Ich habe mich extra für dieses Spiel wegen meinen Knieproblemen fit spritzen lassen, aber es hat sich gelohnt», meinte der Vize-Torschützenkönig von 1986. Das letzte Duell zwischen Grenchen und YB sei ihm immer noch sehr präsent. «Wir haben damals 6:0 gewonnen, ich habe zwei Tore geschossen und es gab uns den letzten Schub, den wir für den Titel brauchten.»
Auch Grenchens Michel Lehnherr zeigte sich zufrieden. «Es war schön, die alten Kollegen wieder einmal zu sehen. Ein paar habe ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.» Vor allem das Heimpublikum sei ihm all die Jahre in bester Erinnerung geblieben. «Manchmal unterstützten uns gegen 10 000 Zuschauer. Das war schon super.»
Grenchen 86 - BSC YB 86 1:3 (0:2)
Brühl. - 200 Zuschauer.
3. Prytz 0:1. 13. Lunde 0:2. 48. Prytz 0:3. 50. Ostrowski 1:3.
Grenchen: Probst, Affolter; Bruder, de Coulon, Born, Maradan, Jäggi, Zaugg, Fleury, Reich, Michelberger, Lehnherr, Adilson, Eggeling, Stohler, Röthlisberger, Jubin, Ostrowski, Trittibach, Fluri, Cardone.
Young Boys: Zurbuchen, Knutti; Schönenberger, Brönnimann, Conz, Hänzi, Prytz, Siwek, Moranduzzo, Gertschen, Lunde, Wittwer, Zahnd, Sutter, Baumann.
200 Zuschauer
Das Nostalgie-Spiel verfolgten rund 200 Zuschauer. Wenn diese zwei Mannschaften früher aufeinander trafen, sah dies jedoch ganz anders aus. Bei der 0:6-Niederlage 1986 gegen YB verfolgten 8500 Zuschauer die einseitige Partie. Der absolute Zuschauerrekord aus jener Saison liegt aber bei sage und schreibe 10 500 Anhängern am 20. August 1985 gegen Neuenburg Xamax. (Si)
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