Johan Vonlanthen bangt um WM-Start
Johan Vonlanthen wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die WM verpassen. Wegen einer Muskelverletzung im linken Oberschenkel fällt der Angreifer mindestens zwei Wochen aus. Für den 20-Jährigen würde Hakan Yakin ins Schweizer WM-Kader nachrücken.
Es passierte im dritten Sprinttest am Montagnachmittag in Magglingen. Vonlanthen griff sich an den Oberschenkel, und er erschien später mit einer dicken Bandage zum Mannschaftsfoto. Genauere Untersuchungen im Spital Beau-Site in Bern ergaben gestern, dass sich Vonlanthen einen Teilriss in der Muskulatur im hinteren, linken Oberschenkel -- der sogenannte «Hamstring» -- zuzog. «Das ist normalerweise eine langwierige Verletzung», erklärte Nati-Arzt Ruedi Roder.
Wieder ein Stürmer
Vonlanthen wird derzeit mit einer abschwellenden Behandlung therapiert. «Wir müssen nun erst einmal den Bluterguss im Muskel wegbringen», so Roder weiter. Er habe zum ersten Mal in seiner Karriere eine Muskelverletzung, berichtete der Arzt. Köbi Kuhn nahm die Hiobsbotschaft gefasst auf. «Muss das sein», sei sein erster Gedanke gewesen. «Nicht schon wieder ein Stürmer wie schon vor zwei Jahren», schoss dem Nationalcoach ebenfalls durch den Kopf. Vor der Euro 2004 in Portugal war Marco Streller nach einem Zusammenprall mit Marco Zwyssig mit einem Beinbruch ausgeschieden.
Hakan Yakin in erhöhter Bereitschaft
Nicht festlegen mochte sich Kuhn, ob die Verletzung schon das Ende der WM-Hoffnungen Vonlanthens sei. «Wir werden die Reaktion auf Therapie in den nächsten ein bis zwei Tagen abwarten», sagte Kuhn. Gleichwohl rief er bereits gestern Mittag, kurz nachdem die Diagnose bekannt war, Hakan Yakin an und informierte diesen über die jüngste Entwicklung. Der Mittelfeldspieler sei «in erhöhter Bereitschaft», erklärte Kuhn.
Yakin noch in den Ferien
Kuhn liess jedoch keinen Zweifel darüber offen, dass beim definitiven Ausfall Vonlanthens Yakin nachrücken würde, obwohl er ihm bei der Bekanntgabe des WM-Kaders vor neun Tagen einen schwierigen Charakter beschieden hatte. Er weile noch in den Ferien, sei aber sehr schnell abrufbar, verriet Kuhn, ohne den derzeitigen Aufenthaltsort des YB-Spielers zu enthüllen.
Allfällige Änderung vor dem Wochenende
Yakin sei in guter Verfassung, schliesslich habe er noch eine Woche länger trainiert. Der 44-fache Internationale ist mit 14 Treffern nach Alex Frei (23 Goals) der beste Torschütze des Schweizer Teams. Obwohl Kuhn nicht sofort über eine Änderung im Kader entscheidet, wird er sicher vor dem ersten Testspiel am Samstag gegen die Elfenbeinküste die allfällig nötige Änderung vornehmen.
Durchzogene Saison für Vonlanthen
Für Vonlanthen, der in 17 Einsätzen mit dem Schweizer Nationalteam fünf Treffer erzielte, endet damit eine durchzogene Saison äusserst unschön. Der Stürmer mit kolumbianischen Wurzeln gilt als eines der grössten Talente des Schweizer Fussballs, kam in dieser Spielzeit nicht richtig auf Touren.
Jüngster EM-Torschütze der Geschichte
Seit seinem Wechsel von den Young Boys zum PSV Eindhoven geriet die Karriere Vonlanthens ins Stocken. Er wurde vorletzte Saison an Brescia ausgeliehen und spielte in diesem Jahr auf Leihbasis beim PSV-Ligakonkurrenten Breda. Dabei gelangen ihm in 23 Partien sechs Tore. Für Furore sorgte Vonlanthen zuletzt mit seinem 1:1-Ausgleich an der Euro 2004 gegen Frankreich (1:3); er wurde damit zum jüngsten EM-Torschützen der Geschichte. (si)
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Schweizer Fernsehen