Registrieren    Anmelden    Forum    Suche    FAQ

 

 

 

     

 

 

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » BSC Young Boys Stammtisch




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Interview: Gernot Rohr
 Beitrag Verfasst: Montag 13. Februar 2006, 13:33 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Sonntag 16. Mai 2004, 14:39
Beiträge: 801
Wohnort: Bernensis
«Ich bin gerne ein Maurermeister»
Heute startet YB gegen Yverdon in die Rückrunde (Wankdorf, 14.30 Uhr). Trainer Gernot Rohr spricht über einen Karaokeabend, attraktiven Fussball, seine Ziele, Hakan Yakin und über diverse Angebote aus dem Ausland.

Bild

In den weitläufigen Katakomben des Wankdorfstadions herrscht am Donnerstagmittag fröhliche Stimmung. Nach dem Training blödeln einige YB-Spieler an den Fitnessgeräten, andere kicken im Aufwärmraum noch ein wenig, Trainer und Betreuer wuseln herum, und auch Sportchef Marcel Hottiger steht im engen Gang mit den farbig bemalten Steinen an der Wand und bespricht sich kurz mit Gernot Rohr. Dann öffnet der YB-Trainer seine Bürotüre.

Gernot Rohr, warum wird YB in der Rückrunde endlich besser als vor der Winterpause spielen?

Gernot Rohr: Weil wir in der Vorbereitung fantastisch gearbeitet haben. Wir durften in Meiringen, Cap Ferret und auch an der Côte d’Azur bei idealen Bedingungen auf guten Plätzen trainieren. Und wir haben viel für die Stimmung gemacht. Es gab einen Karaokeabend, wir wanderten im Schnee und in den Dünen. Die Jungs haben vielleicht gestaunt, als es in Cap Ferret keine Fernseher auf dem Zimmer gab. So sassen wir am Abend alle zusammen im TV-Raum und haben geredet, Karten gespielt oder sassen einfach vor dem Kamin. Es war beinahe schon romantisch…

Haben Sie selber auch ein Lied gesungen beim Karaoke?

Nein, ich war ja Gastgeber. Der Abend war witzig, sogar Shi Jun hat gesungen, doch das chinesische Lied konnte leider nicht musikalisch begleitet werden.

Mit guter Laune allein gewinnt man keine Fussballspiele.

Natürlich nicht. Aber wenn die Harmonie stimmt, dann ist das eine gute Basis. Und ich darf behaupten, dass wir auch physisch bereit sind. Ich bin zudem froh, dürfen wir im Stade de Suisse auf einem geheizten Rasen trainieren. Wer kann das in der Schweiz sonst noch?


Im Büro des YB-Cheftrainers herrscht ein kreatives Chaos. Blätter mit Trainingsplänen stapeln sich über Kader- und Geburtstagslisten, und zahlreiche Mappen, ein Laptop sowie anderes technisches Material liegen über dem massiven Pult verstreut. Am Sonntag startet Rohr mit YB gegen Yverdon in die Rückrunde. Der Coach hat sich viel vorgenommen. Er offeriert einen Espresso und spricht über seine Ziele. Im Gespräch ist Rohr eloquent wie immer, präzis gibt er Auskunft über seinen Job, seine Ideen, sein Team. Er skizziert an der Taktiktafel in der Büroecke die Möglichkeiten seines Kaders: mit Hakan Yakin; ohne den ewigen Patienten als Spielgestalter; mit einem Stürmer, mit zwei, mit drei.

Herr Rohr, YB hat in den letzten acht Monaten beinahe das ganze Team ausgetauscht. Sind Sie zufrieden mit dem Kader?

Ja, natürlich. Wir haben mit Everson fürs zentrale Mittelfeld und Christian Schwegler für die rechte Abwehrseite im Winter noch einmal zwei gute Spieler geholt, die uns weiterhelfen. Und wir haben einige Akteure ausgeliehen, das erleichtert meine Aufgabe. Es ist angenehmer, mit 19 oder 20 Feldspielern zu arbeiten als mit 25.

Noch fehlt ein Stürmer.

Nicht unbedingt. Natürlich wäre es schön, noch einen kräftigen Angreifer zu besitzen. Aber wir haben João Paulo, den Chinesen Shi Jun, der grosse Fortschritte macht, und den jungen Schneuwly. Und sie dürfen nicht vergessen, dass Carlos Varela gereift ist. Er ist jetzt in einem Alter, wo er Verantwortung übernehmen kann. Varela hat alle Anlagen, er ist technisch stark, er ist schnell, er ist clever.

Was ist mit den Testspielern?

Naja, das ist immer so eine Sache mit diesen Testspielern. Der Sportchef Marcel Hottiger und ich, wir sind uns einig, dass wir nur einen Angreifer holen, der uns richtig verstärkt. Ich habe im Winter mit Olivier Kapo gesprochen. Er spielt bei Monaco nicht, er wäre gerne zu uns gekommen. Kapo gehört Juventus und ist nicht billig, und deshalb muss ich akzeptieren, dass ein Transfer nicht möglich war. Das war auch bei Victor Agali oder Christian Gimenez so.

Eines ist klar: YB muss attraktiver spielen…

…ich habe Mühe mit dieser Diskussion in der Schweiz. Attraktiv oder nicht attraktiv – am Ende zählen die Resultate. Was bringt es mir, mit vier Stürmern zu spielen, sechs Tore zu schiessen und doch 6:7 zu verlieren? Ich gewinne lieber 1:0 oder 2:1.

Dennoch: Ihrem Vorgänger Hans-Peter Zaugg wurde vorgeworfen, er biete mit YB zu wenig Spektakel. Aber auch die Auftritte unter Ihnen gerieten nicht zum faszinierenden Feuerwerk.

Einverstanden. Doch es bringt nichts, irgendetwas zu versprechen, nur damit alle zufrieden sind. Geredet kann viel werden, wir müssen auf dem Rasen zeigen, dass wir bereit sind, mutig und aggressiv zu spielen.

Insbesondere auswärts haben Sie mit YB sehr defensiv gespielt. Nur ein Stürmer…

…auch das ist falsch. Wir spielten mit drei Stürmern. Die Aussenspieler Raimondi und Varela sind offensiv ausgerichtet.

Okay. Aber stört es Sie nicht, bezeichnet man Sie despektierlich als Maurermeister?

Nein, im Gegenteil. Ich bin gerne ein Maurer. Sehen Sie, ein Fussballteam ist wie ein Haus. Wenn die Maurer keine gute Arbeit leisten, dann haben Sie kein solides Fundament. Die schönste Innenausstattung ist völlig nutzlos, wenn die Mauern nichts taugen. Insofern bin ich gerne ein Maurermeister. Wir haben immerhin bei GC und dem FCZ 1:1 gespielt. Das waren für mich gute Auftritte und wertvolle Resultate.

Wie wichtig ist Hakan Yakin?

Sehr wichtig. Er war früher ein fantastischer Spieler. Ich habe ihn aber als YB-Trainer gar noch nie richtig gesehen. Wir müssen Yakin wieder Zeit lassen.

Ob mit oder ohne Yakin: Rang 4 kann nicht Ihr Anspruch sein.

Natürlich nicht. Wir wollen in den Europacup, ganz klar. Dazu reicht vielleicht auch Rang 4, falls der FCZ Cupsieger wird.

Das würde aber heissen, dass YB im Halbfinal ausscheidet. Sie haben kürzlich gesagt, Basel und der FCZ seien ausser Reichweite. Das ist eine erstaunliche Aussage, denn Zürich hat kaum das bessere und breitere Kader.

Wie viele Punkte hat Zürich mehr als wir?

Sechs.

Na also. Das ist kein Zufall. Dort arbeiten der Trainer und der Sportchef lange zusammen. Wir stehen erst am Anfang. Wir wollen und können Cupsieger werden. Es wäre aber auch keine Riesensensation, würden wir den Halbfinal verlieren. Und in der Liga ist Rang 3 das Ziel. Alle Konkurrenten haben jetzt wichtige Spieler abgeben müssen. Wir nicht. Das ist ein Vorteil.

Was sind Ihre langfristigen Ziele? Sie stehen unter grossem Erfolgsdruck. YB ist seit 1986 nicht mehr Meister geworden…

Wir müssen realistisch bleiben. Basel hat das dreimal so hohe Budget, hat ein tolles Team mit 22, 23 guten Spielern. Da wollen wir hinkommen, Schritt für Schritt. Mein Vertrag läuft bis 2007. Und ich sehe ja, wie schnell in Bern eine Fussballbegeisterung wachsen kann. Seit über einem Jahrzehnt hat YB nicht mehr den Uefa-Cup erreicht, seit 19 Jahren wartet man auf einen Cupsieg, seit 20 Jahren auf einen Titel. Man kann ein Meisterteam nicht backen, das geht nur mit harter Arbeit.

Gernot Rohr ist ein ausgezeichneter Redner, smart, aber knallhart in der Sache und ein grossartiger Verkäufer seiner selbst. Wie beiläufig zeigt er das Vereinsjacket – riesengross prangt die Aufschrift eines Hotels neben dem YB-Emblem. Rohr vergisst nie – schon gar nicht am TV – zu erwähnen, dass er im Hotel Bern eine ideale Unterkunft gefunden habe. Für diese nicht penetrante, nicht peinliche, sondern eher charmante Werbung darf er gratis im Zentrum «einer wunderbaren Stadt» (Rohr) wohnen, in einer Juniorsuite. «Ich habe meine Wohnung im Stadion an Everson abgegeben, er hat zwei Kinder und braucht Platz», sagt Rohr. Derzeit ist sein dreijähriger Sohn Oscar zu Besuch – die Familie lebt aber weiter in der Nähe von Bordeaux.

Bedeutet das, dass Sie bald nicht mehr in Bern arbeiten?

Überhaupt nicht. Mir gefällt es bei YB ausgezeichnet. Doch ich bin erst 52 Jahre alt. Also ist es kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es nach der Zeit hier in Bern wohl noch einen nächsten und vielleicht übernächsten Verein für mich geben wird.

Man hörte zuletzt viel von Angeboten aus dem Ausland.

Ach, darüber möchte ich lieber nicht sprechen.

Trotzdem: Waren der englische Premier-League-Verein Portsmouth und unter anderen auch die französischen Ligue-1-Klubs Ajaccio und Strassburg tatsächlich an Ihnen interessiert?

Ja, gut, das stimmt schon. Doch es spielt keine Rolle. Das wären sicher reizvolle Aufgaben gewesen. Aber ich habe hier bei YB eine Mission, deshalb habe ich keine Sekunde nachgedacht. Ich würde mich ja auch komplett unglaubwürdig machen, hätte ich nach wenigen Wochen wieder den Klub gewechselt.

Beim deutschen Fussballbund sollten Sie angeblich als Sportdirektor installiert werden.

Es gab Kontakte zum DFB, doch es ging nicht um jene Position, die jetzt Matthias Sammer bekleidet. Ich sollte im Nachwuchsbereich mithelfen, dort wurde in Deutschland in den letzten Jahren die Entwicklung verschlafen. Die Schweiz hat da besser gearbeitet. Ich bin deshalb froh, dass wir bei YB wie die französischen Vereine ein Nachwuchszentrum errichten wollen. Und es ist gut, werden wir ein Scoutingsystem aufbauen. Wir haben grosse Pläne. Jetzt geht es erst richtig los.

Quelle: Berner Zeitung


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
 
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » BSC Young Boys Stammtisch


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 37 Gäste

 
 

 
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de