Zürichsee-Zeitung; 14.07.2007
Fussball Mladen Petric bestreitet am Dienstag mit Bundesligist Borussia Dortmund ein Testspiel gegen Tuggen
«Es gibt keinen Grund, mich auszupfeifen»
Er entschied sich für Dortmund und für Kroatien, aber nicht gegen die Schweiz. Mladen Petric gehört zum neuen BVB-Starensemble, das am Dienstag gegen den FC Tuggen antritt.
Interview Matthias Hafen
Mladen Petric wechselte in diesem Sommer vom FC Basel zum Bundesligisten Borussia Dortmund. Der 26-jährige Stürmer, der in der abgelaufenen Saison 19 Treffer für den FCB erzielte, unterzeichnete bei den Deutschen einen Vierjahres-Vertrag. Momentan weilt Petric mit den Borussen am Zürichsee im Trainingslager.
Der Torschützenkönig der Super League traf im BVB auf Philipp Degen und den zurzeit rekonvaleszenten Alex Frei. «Ich freue mich auf die Herausforderung in Dortmund und in der Bundesliga. Es ist ein wichtiger Schritt in meiner Karriere», sagt Petric. Der kroatisch-schweizerische Doppelbürger hatte im März den Vertrag mit dem FCB noch bis zum 30. Juni 2010 verlängert mit der Option einer beidseitigen Ausstiegsklausel. Wie sein früherer Klubkollege Ivan Rakitic entschied sich Petric - allerdings schon vor einiger Zeit -, für die kroatische Nationalmannschaft zu spielen und nicht für die Schweiz. «Kroatien ist meine Heimat, die Schweiz ist mein Zuhause», sagt er. In bisher 13 Länderspielen erzielte er 6 Treffer.
Mladen Petric, im Testspiel am Dienstag gegen die Berner Young Boys wurden Sie im Stade de Suisse bei fast jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?
Das stört mich nicht.
Wenn du YB schon mehrmals «abgeschossen» hast wie ich mit Basel, dann ist es klar, dass dich die gegnerischen Fans nicht sonderlich mögen. Als Basler - und als solchen nehmen mich die Zuschauer noch wahr - hast du es in jedem Stadion ausser im St.-Jakob-Park schwer. So gesehen, motivieren mich die Pfiffe eher.
Nun gehören Sie aber zum Kader des Bundesligaklubs Borussia Dortmund und nicht mehr zum FCB. Denken Sie nicht, dass Sie die Zuschauer in Bern ausgepfiffen haben, weil Sie sich entschieden haben, für die kroatische Nationalmannschaft zu spielen anstatt für die schweizerische? Die Schweizer sind momentan sehr sensibel, was dieses Thema betrifft.
Ich denke nicht, nein. Es gibt auch gar keinen Grund, mich deswegen auszupfeifen. Im Gegensatz zu Ivan Rakitic zum Beispiel habe ich nicht alle Schweizer Juniorenauswahlen durchlaufen, bevor ich für Kroatien spielte. (Petric bestritt lediglich ein U21-Spiel für die Schweiz, bevor er sich für Kroatien entschied, Red.)
Auf die neue Saison hin wechselten Sie vom FC Basel zu Borussia Dortmund nach Deutschland. Haben Sie schon Heimweh?
Nein, dafür ist es noch zu früh. Ich war seit dem Trainingsstart erst eine Woche in Deutschland, bevor wir schon wieder ins Trainingslager an den Zürichsee reisten. Ich bin noch gar nicht richtig in Dortmund angekommen.
Wie sind Ihre ersten Eindrücke vom neuen Klub?
Die Fans sind fantastisch. Beim ersten Training waren 13 000 Zuschauer anwesend. Und von denen hat es schon ein Grüppchen gegeben, die meinen Namen skandierte.
Und wie wurden Sie von Ihren neuen Teamkollegen empfangen?
Ich wurde von Anfang an sehr gut aufgenommen. Dass mit Philipp Degen und Alex Frei bereits zwei Schweizer beim BVB spielen, half natürlich. Alex ist von seiner Hüftoperation von Mitte Mai noch rekonvaleszent. Deshalb hat mir vor allem Philipp die ersten Trainingsstunden in Dortmund vereinfacht.
Kennen Sie schon andere Teamkollegen ausser Alex Frei und Philipp Degen?
Ja. Verteidiger Robert Kovac, der ebenfalls neu ist in Dortmund, kenne ich von der kroa- tischen Nationalmannschaft her.
Was verlangt BVB-Trainer Thomas Doll in der kommenden Saison von Ihnen?
Ehrlich gesagt, haben wir noch gar nicht gross miteinander gesprochen. Aber das wird noch kommen, da bin ich mir sicher.
In diesem Fall kennen Sie Ihre Rolle innerhalb des BVB noch gar nicht?
Doch doch. Ich wurde in erster Linie verpflichtet, um das Spiel im Mittelfeld anzukurbeln - als eine Art Spielmacher also.
Der Torschützenkönig der Schweiz wird auf einer Position hinter den Spitzen eingesetzt? In Basel und früher bei den Grasshoppers hatten Sie vor allem als Stürmer überzeugt.
Ich hatte die Position, die ich in Dortmund einnehmen soll, ab und zu schon bei GC und Basel inne. Für mich ist es auch kein Problem, sich einem System auf dem Fussballfeld anzupassen. Zudem stellt sich immer die Frage, wie der Trainer deine Rolle interpretiert.
Auch Borussia Dortmund hat Freude, wenn Sie Tore am Laufmeter erzielen würden wie in der Super League. Im ersten Testspiel in Deutschland sorgten Sie bereits für zwei Treffer. Wann heisst das Sturmduo des BVB Alex Frei / Mladen Petric?
Gut möglich, dass es einmal so weit kommen wird. Ich könnte mir das vorstellen. Aber die Bundesligasaison hat ja noch nicht einmal begonnen.
Am Sonntag, 12. August, geht es los. Dortmund spielt zu Hause gegen den Aufsteiger MSV Duisburg. Werden Sie zum Saisonauftakt im beeindruckenden Westfalenstadion auflaufen? Rechnen Sie mit einem Stammplatz?
Wenn Borussia Dortmund schon so viel Geld für mich ausgegeben hat (dem Vernehmen nach lag die Ablösesumme bei 3,5 Millionen Euro, Red.), dann ist wohl schon gedacht, dass ich mehrheitlich spielen werde.
Valdez, Frei, Klimowicz, Smolarek: Die Konkurrenz in Dortmunds Offensive ist gross. Sie werden in der Bundesliga mehr unter Erfolgsdruck stehen als noch in der Super League.
Permanenten Druck kennt man auch als Spieler des FC Basel. Daran bin ich mich gewöhnt, und damit kann ich gut umgehen. Druck ist kein Problem für mich.
Nicht nur von Ihnen, sondern von der ganzen Borussia wird in der Spielzeit 2007/08 viel erwartet. Welches sind die Ziele Ihrer Mannschaft?
Der BVB gibt für diese Saison kein Ziel heraus. 2006/07 wollte man am Ende auf einem Uefa-Cup-Platz stehen, stattdessen spielte Dortmund gegen den Abstieg. Wir alle wissen, dass diese Saison wieder ein Schritt nach vorne getan werden muss.
Seit Montag weilt Ihre Mannschaft am Zürichsee im Trainingslager. Als Unterkunft steht das Panorama Resort in Feusisberg zur Verfügung, als Trainingsplatz der Chrummen des FC Freienbach. Gefällt es dem BVB hier?
Viele Spieler schätzen die herrliche Aussicht vom Hotel und die schöne Umgebung im Allgemeinen. Die Trainingsbedingungen sind ebenfalls gut. Das Interesse der Zuschauer ist gross. Nur das Wetter spielte lange Zeit nicht mit.
In dieser Woche nahm Borussia Dortmund an einem internationalen Turnier in Bern teil. Waren die Spiele gegen die Young Boys (0:0, 1:3 nach Penaltyschiessen) und Anderlecht (2:1) schon Gradmesser?
Nein, sicher nicht. Wir haben vor zwei Wochen das Training aufgenommen, während YB in einer Woche in die Meisterschaft steigt. Angesichts dessen war unsere Leistung an diesem Turnier in Ordnung, auch wenn wir gerne gewonnen hätten (Borussia Dortmund beendete das Turnier auf Rang 3, Red.)
Am Dienstag um 19 Uhr

et der BVB ein letztes Mal gegen den Erstligisten FC Tuggen, bevor Ihr Team am Mittwoch aus dem Trainingslager in Ausserschwyz abreist. Sie kennen den Schweizer Fussball. Das Spiel an der Linthstrasse muss Ihnen vorkommen wie ein Grümpelturnier.
So kann man das nicht sagen. In dieser Anfangsphase der Saisonvorbereitung geht es für uns vor allem darum, Spielpraxis zu erhalten. Dafür ist es eigentlich egal, wer als Gegner auf dem Platz steht. Wir werden gegen Tuggen sicher nicht schon einstudierte Spielzüge hervorzaubern können.
Also kann sich Borussia Dortmund auch gegen den FC Tuggen motivieren?
Unser allererstes Testspiel trugen wir gegen den FSV Witten aus (8:0, Red.) - ein Bezirksligist, der eigentlich noch schwächer einzustufen ist als Tuggen. Mit solchen Spielen wie am Dienstagabend wollen wir für die anstehende Bundesligasaison in die Gänge kommen.