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Bund, 29.07.2006
Ein (Alb)traumlos für YB
Und wieder gegen Olympique Marseille: In der zweiten Uefa-Cup-Qualifikationsrunde trifft YB auf den französischen Traditionsverein. Die Setzliste der Uefa und Popstar Robbie Williams sind für YB überraschende Stolpersteine.
«Das ist der schwierigste Gegner, den wir haben bekommen können», sagt Gernot Rohr. Der YB-Trainer ist nicht erfreut, treffen die Berner in der zweiten Uefa-Cup-Qualifikationsrunde auf Olympique Marseille. «Wir sind klarer Aussenseiter», sagt Rohr. Marseille, der Skandalklub aus dem Süden Frankreichs, wollte Rohr ja noch in diesem Sommer als Coach verpflichten. Nach Rang fünf in der letzten Saison sicherte sich Marseille in diesem Sommer erst über den UI-Cup und Dnejpr Dnjepropetrowsk den Aufstieg in die zweite Qualifikationsrunde. Gegen den ukrainischen Verein mit dem Zungenbrechernamen profitierte Marseille allerdings von der Auswärtstoreregel (0:0; 2:2).
Ribery und weitere Stars
Marseilles Starspieler Franck Ribery glänzte zuletzt an der WM an der Seite Zinédine Zidanes beim Finalisten Frankreich. Der wirblige und verwegene Offensivspieler gilt in seiner Heimat als legitimer Nachfolger des zurückgetretenen Regisseurs Zidane. Der 23-jährige Ribery wird am internationalen Transfermarkt derzeit als Blue Chip gehandelt. Den Interessenten wie Bayern München, Lyon oder Manchester United haben Marseilles Verantwortliche eine Ablösesumme von rund 30 Millionen Franken für Ribery als Verhandlungsbasis genannt.
Ein Blick auf die Kaderliste Marseilles (Jahresbudget über 100 Millionen Schweizer Franken) offenbart die Leistungsstärke und Attraktivität des Teams. Auf der linken Abwehrseite ist Taiwo, 21 Jahre alt, ein hoch interessanter Akteur, der von der internationalen Klubprominenz (Inter, Milan, Valencia) umworben wird. Im Mittelfeld ragen die technisch beschlagenen Ribery, Lamouchi, der ehemalige Servettien Oruma sowie das 19-jährige Supertalent Nasri heraus. Weitaus am besten besetzt ist der Angriff, wo gleich neun Topstürmer um die beiden Plätze kämpfen. Cissé wurde von Liverpool ausgeliehen und fällt mit einem Schienbeinbruch noch monatelang aus. Dennoch ist der ehemalige Basel-Torjäger Gimenez hinter Luyindula, Niang, Pagis, Bamogo und Koke und zusammen mit Maoulida und Fiorese höchstens fünfte Wahl.
Ärger über die Setzliste …
Bis am Freitagmorgen waren die Young Boys für die gestrige Auslosung in Nyon ja noch gesetzt gewesen (siehe Ausgabe von gestern). Weil der europäische Fussballverband Uefa aber kurzfristig Marseille in die geografische Zone der Schweizer Vereine einteilte, rutschte YB zu den ungesetzten Klubs. Von den fünf möglichen Gegnern Marseille, Hertha Berlin, Wisla Krakau (Pol), Rubin Kasan (Rus), Mettalurg Saporoschje (Ukr) ist der französische Traditionsverein zweifellos «die grösste Knacknuss», wie Rohr feststellte. «Es ist sehr unglücklich, waren wir nicht mehr gesetzt», sagt der Trainer. Der verlorene Cupfinal am Ostermontag hat die Berner in dieser Beziehung ein weiteres Mal eingeholt: Cupsieger Sion weist den gleichen Uefa-Koeffizienten wie YB auf, blieb aber gesetzt, weil die Walliser als Cupsieger in der Uefa-internen Rangordnung höher stehen. Sion trifft jetzt auf den österreichischen Vertreter Ried. Auch Basel (gegen Vaduz) und GC (gegen Fehervar aus Ungarn) wurden erneut lösbare Aufgaben zugelost.
… und Robbie Williams
Doppelt ärgerlich für YB: Ursprünglich hätten sie gegen Marseille zuerst auswärts antreten dürfen. Weil aber am Datum des Rückspiels (24. August) der britische Popstar Robbie Williams im Stade de Suisse sein zweites Konzert gibt, muss YB nun zuerst in Bern spielen. «Das ist sportlich ein grosser Nachteil», sagt Rohr verärgert. Stefan Niedermaier, Wankdorf-CEO, findet dagegen, es sei schön, zuerst ein Heimspiel austragen zu dürfen: «Das Stadion wird gut gefüllt sein. Und letztlich braucht es sowieso zwei Topleistungen.»
Die Chancen auf das Erreichen der ersten Hauptrunde des Uefa-Cups sind für YB gegen Marseille natürlich kleiner als zum Beispiel gegen Ried. Die Franzosen werden vor dem Hinspiel am 10. August aber erst einen Match in der Ligue 1 absolviert haben. «Das kann für uns eine Chance sein», sagt Rohr. Vor einem Jahr schied YB übrigens im UI-Cup gegen Marseille trotz zweier guter Vorstellungen aus. Nach einem 2:3 in Bern führten die Young Boys im Stade Vélodrome lange 1:0 und vergaben ausgezeichnete Torchancen, ehe sie zwei späte Gegentreffer kassierten. Das Heimspiel Anfang Juli 2005 gegen Marseille ist bis heute die einzige YB-Partie in der neuen Heimstätte ausser dem Cupfinal, die ausverkauft war. Damals, einige Wochen vor der offiziellen Stadioneröffnung, erhielten aber auch bloss 14 000 Besucher Zutritt ins Wankdorfstadion …
_________________ For Ever
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