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 Beitrag Verfasst: Sonntag 7. Oktober 2018, 22:18 
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Wille und meisterhafte Taktik führten zum Erfolg

Nach grossem Sieg gegen Meister YB – Schaut her, der FCL lebt!

Dieser FC Luzern ist besser, als er von seinem Trainer und Sportkoordinator bei jeder Gelegenheit dargestellt wird. Sonst wäre der grossartige 3:2-Sieg beim zuvor verlustpunktlosen Leader und Titelverteidiger YB nicht möglich gewesen. Gelingt es René Weiler und seinem Team dieses Mal, den Schwung aus diesem emotionalen Schlüsselerlebnis mitzunehmen?

Mit seiner grossen Hornbrille sah er in der Coachingzone des Stade de Suisse zu Bern aus wie Harry Potter. Doch ein Zauberlehrling ist FCL-Trainer René Weiler schon lange nicht mehr. Darum ist das 3:2 auch nicht Zauber und schon gar nicht dem Zufall geschuldet. Es ist vielmehr eine Kombination aus taktischer Meisterleistung und unbändigem Willen.

Weiler ist der erste Super-League-Trainer seit vielen Wochen und Monaten, der aufgezeigt hat, wie die gnadenlose Offensivmaschine der Young Boys gestoppt werden kann. Sein Rezept im 4-1-4-1-System: bloss nicht mitspielen und den Ball führenden Berner schon in dessen eigener Platzhälfte mit kompaktem Pressing angreifen. Darum durfte Weiler nach dem vierten Saisonsieg der Luzerner gegenüber «SRF» zu Recht feststellen: «Wir haben in der ersten Halbzeit nicht viel zugelassen.»

Der Glaube an die eigenen Stärken

Neun von elf FCL-Spieler hat er beim Duell David gegen Goliath auf dem ungeliebten Kunstrasen laufen lassen, die der eigenen Defensivabteilung angehören. Und vor allem auch den Goalie gewechselt: der altgediente David Zibung für den vor der Saison neuverpflichteten Mirko Salvi. Letztlich ging alles auf. Auch wenn die gegnerische Angriffsmaschinerie zu schnauben begann, den Druck massiv erhöhte und die Partie bis zur 79. Spielminute in ein 2:1 wendete – der FCL wankte, aber er fiel nicht.

«Eine solche Wende gelingt nur, wenn man den Glauben an die eigenen Stärken nicht verliert.»
David Zibung, Goalie


Weil er sich nicht entmutigen liess, weil er sich für eine solidarische und leidenschaftliche Teamleistung unbedingt belohnen wollte. Mit einer feinen Einzelleistung von Marvin Schulz und einem Abpraller-Tor von Stefan Knezevic schlug er zurück und erschütterte das Selbstverständnis der nach neun Saisonsiegen selbstbewussten Hausherren. Das unmissverständliche Signal nach drei Niederlagen in Folge: Schaut her, der FCL lebt!

Klar, dass Weiler, der kommunikative Realist, hinterher nicht vergass zu erwähnen, dass bei der abermaligen Wende auch etwas Glück dabei war. Zibung stellte aber einen für ihn wichtigeren Aspekt ins Zentrum seiner Analyse: «Eine solche Wende gelingt nur, wenn man den Glauben an die eigenen Stärken nicht verliert.»

Dämpft der kommunikative Realismus die Hochstimmung?

Kein Schelm, der festhält: Der FCL ist qualitativ und mental besser, als er von Weiler und Sportkoordinator Remo Meyer dargestellt wird (zentralplus berichtete). Eine Mannschaft, die laut Weilers Einschätzung bloss Mittelmass ist, hätte in Bern keine nahezu perfekte Vorstellung abliefern können. Sie wäre von der gegnerischen Angriffsmaschinerie aus dem Stadion geschossen worden.

Aber was bedeutet dieser grosse FCL-Sieg in Bern für den zweiten Teil der Vorrunde? Sind die nächsten Gegner nach der Nationalmannschaftspause (Thun am 20. Oktober und Aufsteiger Xamax am 28. Oktober) nun bloss noch Kanonenfutter?

Ganz sicher nicht. Der FC Luzern hat schon einmal den Schwung nach einem emotionalen Schlüsselerlebnis nicht mitnehmen können. Nach der irren Wende und dem grossartigen Last-Second-Sieg gegen GC (2:1) Anfang September gingen die nächsten drei Meisterschaftsspiele verloren. Hatte Weilers kommunikativer Realismus etwa die Hochstimmung im Team gedämpft?

Das Problem mit der Spielgestaltung

Das Problem, das Weiler vor den nächsten beiden richtungsweisenden Ernstkämpfen lösen muss, ist taktischer Natur. Der FCL kann vor allem dann seine Stärken ausspielen, wenn die gegnerische Mannschaft zumindest ein gleich grosses Interesse daran zeigt, das Spiel mitzugestalten. Dann kann er mit schnellen Gegenstössen zum Erfolg kommen. Das haben die Siege gegen YB, St. Gallen und GC deutlich gemacht.

Wenn der Gegner aber dem FCL die Spielgestaltung überlässt, fangen die Probleme an. Dann wird der FCL in der Rückwärtsbewegung verwundbar. Diese Geschichte erzählt selbst der wacklige 4:2-Heimsieg gegen Lugano. Ein passendes taktisches Konzept für das Meistern dieser Herausforderung hat Weiler bislang noch nicht gefunden.

Aber angesichts der über dem Liga-Mittelmass anzusiedelnden Qualität von Trainer und Mannschaft sollte dies bloss noch eine Frage der Zeit sein.


https://www.zentralplus.ch/de/news/spor ... -lebt!.htm

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 Beitrag Verfasst: Sonntag 7. Oktober 2018, 22:29 
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«Das Nationalteam war nicht mal mehr ein Traum»

YB-Offensivspieler Christian Fassnacht äussert sich zu der Niederlage gegen Luzern, seinen traumhaften Wochen und zum Nationalteam.

Wie konnte YB gegen Luzern nach 2:1-Führung noch verlieren?
Christian Fassnacht: Das ist richtig ärgerlich, wir haben nach schwacher erster Halbzeit sehr gut gespielt und dürfen diese Führung natürlich nicht mehr hergeben. Irgendwann musste die erste Niederlage für uns kommen, aber ich hätte lieber nach zwei schwachen Halbzeiten verloren.

Sie wurden beim Stand von 2:1 in der 80. Minute ausgewechselt.
Das ist egal. Wir haben so dämliche Gegentore erhalten, nach einem Einwurf, nach einem Sonntagsschuss, nach einem riesigen Durcheinander. Diese Niederlage schmerzt uns sehr.

Aus YB-Sicht könnte man sie auch als Betriebsunfall abtun.
Vielleicht kann man das, ja, wir hatten viele gute Chancen nach der Pause, hätten zudem einen Elfmeter erhalten können.

Hat der Champions-League-Auftritt bei Juventus Einfluss auf die Leistung von YB gehabt?
Nein. Aber das war ein grosses Spiel für uns, das Drumherum, der Gegner von Weltklasseformat, die Emotionen, die Stimmung, das war gigantisch und etwas Besonderes für uns. In Valencia und bei Manchester United werden wir darauf vorbereitet sein.

Trotz der bemerkenswerten Klasse von Juventus war die YB-Leistung aber nicht gut in Turin.
Wir haben 0:3 verloren und keine Chance gehabt. Juve bestimmt auf dem Platz, wo es langgeht. Das ist ein aussergewöhnlich starkes Team, und dass wir nie richtig ins Spiel kamen, hing auch mit der Qualität des Gegners zusammen.

Sie gaben der Zeitung «Tuttosport» ein langes, launiges In­terview. War das speziell für Sie?
Ehrlich gesagt ist es mir nicht so wichtig, ob ich mit einer Zeitung aus Thalwil oder Turin ein Gespräch führe. Das Juventus-Spiel war allgemein ein toller Moment für uns, und ich bin sicher, dass wir davon profitieren werden.

Und drei Tage später wurden Sie erstmals für die Schweizer Nationalmannschaft aufgeboten.
Dafür fehlen mir fast die Worte, das ist Wahnsinn, ich werde am Montag mit viel Stolz einrücken.

«Das ist Wahnsinn, ich werde am Montag mit viel Stolz einrücken.»

Wie haben Sie denn von Ihrer Nomination erfahren?
Mein Bruder informierte mich, irgendwie ging das früh durch die Medien, dann hatte ich bald auch Kontakt mit dem Verband.

Störte es Sie eigentlich, waren Sie an der WM nicht dabei, zumal einige Experten Ihr Aufgebot gefordert hatten?
Klar wäre ich gerne dabei gewesen, aber vielleicht wäre das zu früh gekommen für mich. Nun habe ich mit YB die Champions League erreicht und dort gespielt, das sind wertvolle Erfahrungen. Ich hoffe und denke, dass ich bereit bin für das Nationalteam.

Welches sind Ihre Kindheitserinnerungen an die Auswahl?
Ich bin 24 und habe die Generation um Stéphane Chapuisat nur noch am Rande mitbekommen, meine ersten Helden waren Marco Streller, Alex Frei, Benjamin Huggel, ich erinnere mich an die WM 2006 und habe die Spiele immer als grosser Fan verfolgt.

Sie schrieben auf Instagram, ein Traum gehe für Sie in Erfüllung.
Eigentlich war es ja nur ein Bubentraum. Später, als Jugendlicher oder noch vor zwei, drei Jahren, war die Nationalmannschaft nicht mal ein Traum mehr, so unrealistisch wäre ein Aufgebot gewesen. Ich spielte in unteren Ligen und war nie Nachwuchsnationalspieler, einmal wurde ich immerhin für irgendeine U-13-Regionalauswahl Zürichs aufgeboten (schmunzelt).

Was hätten Sie denn vor ein paar Jahren als Zweitligafussballer gesagt, wenn man Ihnen erklärt hätte, im Herbst 2018 würden Sie für das Nationalteam aufgeboten werden?
Ich hätte gesagt, das sei totaler Blödsinn und absolut unmöglich. Das ist echt wie in einem Märchen. Manchmal kann ich es selber nicht fassen, was da gerade abgeht. Am Freitagabend dachte ich, das sei doch alles nicht normal, meine Entwicklung, der Meistertitel, die Spiele gegen Manchester United und Juventus, dieser Saisonstart, nun das Aufgebot für die Schweiz.

Dass Sie im Sommer trotz Angeboten aus Topligen bei YB geblieben sind, bereuen Sie kaum.
Überhaupt nicht. Es hätte nicht besser kommen können. Und trotz der Niederlage gegen Luzern spielen wir ja erneut eine überragende Saison.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/28889510

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