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 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 08:11 
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Mehr als nur ein Meistertitel

Mit dem Titelgewinn haben die Young Boys den Pfad des Scheiterns endgültig verlassen. Die Berner Fussballwelt sieht sich mit völlig neuen Gefühlen konfrontiert.

Die Young Boys sind Schweizer Meister. 32 Spiele, 23 Siege, 77 Tore, 75 Punkte – so sieht der erste Meistertitel seit 1986 in nackten Zahlen aus. Doch selbst das unendliche Universum der Ziffern ist zu klein, um die Bedeutung dieses Erfolgs beschreiben zu können. Denn Zahlen unterliegen dem strengen Pflichtbewusstsein der Logik, und Logik ist etwas, das in der leidenschaftlichen Welt des Fussballs nicht in der Startelf steht. Es sind zu viele Emotionen im Spiel, sodass der Rationalität nur ein Platz auf der gedanklichen Ersatzbank bleibt. Und genau das macht Fussball zu einer so wunderbaren Sache. Er beschert uns Helden, Legenden und Mythen. Er erzählt uns Geschichten. Die Geschichte dieses Meistertitels ist besonders erzählenswert.

Es waren 32 lange Jahre des Scheiterns, dicht umhüllt vom Schatten der Meisterlosigkeit. Die Verbundenheit mit YB nahm oft zwangsneurotische Züge an. Schlussendlich waren es jedoch Lehrjahre der Tugend. Hinter den Club scharte sich ein Anhang, der lernte zu leiden, der warten konnte und Treue zeigte. Auch wenn der Glaube an die Hoffnung manchmal arg strapaziert wurde, ging er nie verloren. Er führte nach der Jahrtausendwende von den Niederungen der NLB in aufregende Jahre auf dem Neufeld und strömte ins frisch erbaute Stade de Suisse.

Doch auch da hatte Galgenhumor regelmässig Hochkonjunktur, und Titelambitionen entpuppten sich oft als schlechter Scherz. Das führte dazu, dass Erfolg immer mit grossem Misstrauen bedacht wurde. Selbst als sich YB in dieser Saison längst von der Konkurrenz abgesetzt hatte, liess der eiserne Griff der Skepsis nicht vom traumatisierten YB-Gedächtnis ab. Erst als am Samstagabend der Schlusspfiff durch das Stade de Suisse schallte, wurde Bern auch vom letzten Rest Argwohn befreit.

Kerngeschäft Fussball

YBs Weg zum Erfolg ist eine Geschichte, die schmachtende Herzen von Fussballromantikern höherschlagen lässt. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass der Weg zum Titel mit Millionen von Franken gepflastert wurde. Der moderne Fussball ist längst zu einem Wirtschaftszweig herangewachsen, der Meistertitel nur noch zu stolzen Preisen vergibt. Zwar werden Spiele immer noch auf dem Rasen entschieden, doch wer auf diesem steht, hängt von der finanziellen Schlagkraft der Vereine ab. Die Young Boys sind in dieser Hinsicht privilegiert.

Seit die Gebrüder Rihs als Investoren gewonnen werden konnten, ist das Clubbudget zu einem grossen Argument für Erfolg geworden. Doch Geld alleine reicht nicht, um einen Titel zu gewinnen – es muss auch noch richtig eingesetzt werden. Eine Kunst, welche die Young Boys lange nicht beherrschten. Die rihsschen Finanzspritzen wurden in Phasen, Strategien und Positionen injiziert, die nicht die gewünschten Auswirkungen auf die sportliche Leistung gebracht hatten.

Doch dann machte die YB-Clubführung etwas, was in den Teppichetagen von Schweizer Fussballclubs eher selten vorkommt: Sie zeigte sich lernfähig. Wie an einem Zahlenschloss wurde gedreht, bis die richtige Kombination gefunden war. Mit Personen wie Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger, Sportchef Christoph Spycher oder auch Trainer Adi Hütter ist bei YB eine Zeit des fokussierten Schaffens angebrochen. Dadurch konnte sich der Club gänzlich auf sein Kerngeschäft konzentrieren: Fussballspielen. Und was für einen Fussball die Young Boys in dieser Saison gezeigt haben! Selbst in Basel dürften kaum Zweifel daran bestehen, dass der Pokal verdientermassen nach Bern gezogen ist.

Sieg für die Fussball-Schweiz

Dieser Pokal ist nicht nur eine Erlösung für die Young Boys, sondern auch ein Sieg für die Super League. Die Dominanz von Basel ist gebrochen. Die Liga, in der die Frage nach dem Absteiger lange spannender war, als die, wohin der Meistertitel geht, bekommt endlich eine neue Dynamik. Für die Young Boys stellen sich dadurch völlig neue Fragen. Wie werden sie mit der Rolle des Titelverteidigers umgehen? Ist das Fundament, auf dem dieser Titel steht, solide genug, um diesem Druck standzuhalten? Stoff für neue Geschichten für die Club-Annalen ist jedenfalls gegeben.


https://www.derbund.ch/bern/nachrichten ... y/31554987

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 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 08:12 
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Die lange Nacht des Feierns

Der Meistertitel wurde nicht nur im Stade de Suisse gefeiert. Auch ausserhalb des Stadions gab es kein Halten mehr.

Es gibt Dinge, die braucht man nicht zu lernen. Man kann sie intuitiv. Einen Meistertitel feiern gehört in diese Kategorie. Das haben in der Nacht auf Sonntag in der Stadt Bern weit über 30'000 Personen getan. Während das Stade de Suisse das Epizentrum der Euphorie bildete, brauchte es eine Weile, bis das freudige Beben durch das Breitenrainquartier zog und schliesslich die Innenstadt erreichte. Auf seinem Weg dorthin hinterliess es Spuren, fern ab vom Alltag.

Es ist nichts Spezielles, was er da macht. Eigentlich tut Kuno Lauener gerade nichts anderes, als durch die Stauffacherstrasse in Richtung Breitenrainplatz zu gehen. Und dennoch wird er dabei gefeiert, als wäre er es gewesen, der knapp drei Stunden zuvor die Young Boys im Stade de Suisse zum Meistertitel geschossen hat. Obwohl es bereits ein gutes Stück nach Mitternacht ist, sind im Quartier mehr als genug Leute zugegen, um den Züri-West-Frontmann mit frenetischen Sprechchören einzudecken. Lauener drückt ein paar Hände und verschwindet in der Dunkelheit, während hinter ihm immer noch sein Name skandiert wird.

Die Nacht ist kühl. Es ist eine Kühle, die sich jedoch ertragen lässt, wenn man genug Bier intus hat. Deshalb sind am Breitenrainplatz viele Fans in T-Shirts anzutreffen. Im Barbière ist das zusätzlich aufgebotene Personal damit beschäftigt, die Kunden nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Währenddessen kommt es beim Fussgängerstreifen vor der Aussenbestuhlung zum Stau. Ein Torpfosten, den sich ein paar Fans als Souvenir aus dem Stade de Suisse mitgenommen haben, wird zur Barriere umfunktioniert. Verkehrsentlastende Massnahmen sind bei diesem Einsatz kaum zu erkennen. Doch eines fällt auf: Mit Vorliebe werden schwarze Hondas angehalten. Denn in solchen ist die Meistermannschaft zurzeit in die Stadt unterwegs. So auch YB-Captain Steve von Bergen. Er öffnet die Tür, hebt die Hand zum Gruss, lässt sich feiern. Die Motorhaube seines Wagens wird mit Bier geduscht.

Wenn Scherben tatsächlich Glück bringen, dann ist die Kornhausbrücke ein glücklicher Ort. Splitter von zerbrochenen Glasflaschen verteilen sich über den Asphalt und sorgen dafür, dass wohl so mancher Veloreifen von seiner Luft befreit wird. Auf dem Kornhausplatz ist die Luft jedoch noch längst nicht draussen. Gerade versucht jemand die Spitze des Kindlifresserbrunnens zu erklimmen, muss die Expedition aber nach mehreren Versuchen abbrechen. Er gibt sich mit der Hälfte der Höhe zufrieden und schiesst von da aus Feuerwerk in den Nachthimmel. Nicht weit davon entfernt gibt ein Gitarrist Hymnen der Populärkultur zum Besten. An einem Stehtischchen kippt ein Mann mittleren Alters um, wird von seinen Kollegen umgehend wieder hochgehievt und mit Wasser begossen.

Vor dem Kornhaus hat sich ein mobiler Bierstand eingerichtet. Schäumende Plastikbecher werden im Sekundentakt über die Theke geschoben. Ein Mann mit fehlender Oberkörperbekleidung bestellt so viel von ihnen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, sie in voller Fülle zu seinen Kollegen zu balancieren. Die unterstützenden Kartonträger sind schon lange ausgegangen. In der Zwischenzeit wurde die allgemein anerkannte Grenze zwischen Trottoir und Strasse aufgehoben. Menschen tummeln sich auf den Gleisen, was den Tramfahrern Nerven aus Stahl abverlangt. Immer wenn eine neue Ladung Fans aus dem Stade de Suisse einrollt, wird diese mit euphorischem Klatschen gegen die Tramscheiben empfangen.

Nur wenn sich wieder ein schwarzer Honda nähert, schlägt die Stimmungskurve noch deutlicher in die Höhe. Und das passiert gleich mehrmals. Die Fahrzeuge werden eingekreist, Fackeln flammen auf, Lieder werden angestimmt. Aus einem der Wagen steigt Verteidiger Loris Benito, der es sich nicht nehmen lässt, auf dem Autodach eine Tanzeinlage vorzuführen. Wo das Ziel der schwarzen Autos liegt, bleibt unbekannt.

Es ist kurz nach 3.30 Uhr. Die Bars um den Kornhausplatz sind immer noch gut gefüllt. Prall volle Nachtbusse fahren Fans in Vorortgemeinden. Zwei Menschentrauben rufen sich Fangesänge über die Strasse zu, die sich zum fortgeschrittenen Zeitpunkt der Nacht mehr nach Durchhalteparolen anhören. Das Feld lichtet sich langsam. Hie und da leuchtet nochmals das rote Licht einer Fackel durch die Nacht. Doch das Meisterwerden scheint langsam seinen Tribut zu fordern. Köpfe werden auf Tischplatten gelegt, das Bier wird in den Bechern schal. In der Cuba-Bar schwingen Unermüdliche schwarz-gelbe Flaggen zu Reggaeton. Im McDonald’s verkauft die Bedienung in Meister-T-Shirts Hamburger an hungrige Fans.


https://www.derbund.ch/bern/stadt/die-l ... y/26178386

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 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 08:14 
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Wie Bern vom YB-Erfolg profitiert

Fällt der Erfolg von YB auf die Stadt Bern zurück? Das sei denkbar, sagt Sportökonom Tim Ströbel. Doch um langfristig Image und wirtschaftlichen Erfolg einer Stadt zu beeinflussen, brauche es mehr als einen Titel.

Endlich ist es offiziell: Die Farbe des Berner Frühlings ist gelb-schwarz. Ebenfalls klar ist, dass der langersehnte Meistertitel YB allein durch den Verkauf von Fan-Artikeln viel Geld in die Vereinskasse spülen wird. Denn obwohl YB-Fans das Wort Meister in den vergangenen Wochen vorsichtshalber kaum in den Mund genommen haben, deckten sie sich kräftig mit Fanartikeln ein. «Gerade die Nachfrage nach Trikots und Schals hat in den letzten Wochen massiv zugenommen», sagt Marc Schmidt, Verantwortlicher für den Vertrieb von Fanartikeln. Sie liege deutlich über derjenigen der Vorjahre. Und auch wenn der Club dazu bis heute nichts sagen wollte: Natürlich kommen zu den Erlösen noch diejenigen dazu, die der Club durch den Verkauf von speziellen Meistergadgets erzielen wird.

Doch wie wichtig ist der Erfolg für die Clubfinanzen – wird YB nun gar zur wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte? «Der Titel kann für YB vieles einfacher machen», sagt Tim Ströbel. Der 37-jährige Sportökonom setzt sich an der Universität Bern mit Fragen der Finanzierung von Profisportclubs auseinander. Sportlicher Erfolg sei wichtig, weil er dem Club mehr Medienpräsenz verschaffe und ihn so für Sponsoren attraktiver mache. «Um aber langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein, braucht es mehr», sagt Ströbel (siehe Interview).

Die Stadt Bern: Eine Siegerin?

Mit dem Titelgewinn hat YB das Verliererimage definitiv abgelegt. In den Köpfen der Spieler scheint ein Mentalitätswechsel stattgefunden zu haben. Stellt sich die Frage, ob ein solcher Wechsel auch in den Köpfen der Bernerinnen und Berner möglich wäre. Ist es denkbar, dass der Erfolg eines Sportclubs die Mentalität einer Stadt verändert, dieser eine Art Gewinnerimage verleihen kann? Grundsätzlich ja, sagt Sportökonom Ströbel. «Doch ­dazu reicht ein einzelner Meistertitel vermutlich nicht.» Belegt seien solch positive Effekte im Zusammenhang mit grösseren Veranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Da könne eine tadellose Durchführung oder ein erfolgreiches Abschneiden des Heimteams eine Region oder ein ganzes Land positiv beflügeln. Ströbel verweist auf Studien zur WM in Deutschland im Jahr 2006. «Diese belegen, dass sich dadurch das Image des Landes im In- und Ausland verbessert hat.»

Schwieriger nachzuweisen ist, ob der Erfolg der Heimmannschaft einer Stadt auch wirtschaftlich Schwung verleihen kann. Wahrscheinlich verhalte es sich eher andersrum, vermutet Tim Ströbel. Nämlich, dass prosperierende Städte mit der nötigen Infrastruktur und vielen ­erfolgreichen Unternehmen als Arbeitgeber und potenzielle Sponsoren eher wirtschaftlich erfolgreiche Clubs hervorbringen. «In den USA etwa sind alle erfolgreichen Clubs in Metropolen angesiedelt», sagt Ströbel.

Wo Club und Stadt eins sind

Für den Sportökonomen steht jedenfalls fest: Damit ein Club zum Synonym einer Stadt wird und in der Wahrnehmung der Leute mit ihr zu einem Ganzen verschmilzt, dass seine Erfolge also einen messbaren wirtschaftlichen Effekt auf die Stadt haben – dafür braucht es Zeit. Ein Meistertitel kann ein Anfang sein – aber nicht mehr. «Solche langfristigen Effekte gibt es beispielsweise in Barcelona oder Liverpool», sagt Ströbel. «Da planen Urlauber einen Besuch im Camp Nou oder an der Anfield Road fest ein und finden dort ein entsprechendes touristisches Angebot vor, das ganz bewusst auf ausländische Gäste abzielt.»

Müsste YB demnach im Stadion – nennen wir es Wankdorf – eine «Wunder von Bern»-Führung für deutsche Urlauber ins Programm aufnehmen? Von der Vermarktung her kein einfaches Thema für Bern, findet Tim Ströbel. «Als Deutscher und Fan der deutschen Nationalmannschaft würde es mich aber natürlich freuen.»


https://www.bernerzeitung.ch/region/ber ... y/17263969

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 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 08:17 
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«Gäng wie gäng» ist besiegt und Spycher keine Niete

Fussball-Bern versinkt im Jubel: YB ist erstmals seit 32 Jahren wieder Meister.

«Management by Jeans – an jeder wichtigen Stelle eine Niete. Christoph Spycher ist als Sportchef eine Fehlbesetzung. Der nächste YB-Fehler.»

Das waren drei Sätze in meinem Leitartikel, der am 23. September 2016 in der BaZ verfasst worden war. Die Gelbschwarzen hatten gerade eine Woche hinter sich, in der sich das ganze Chaos entfaltet hatte: Fredy Bickel war als Sportchef Geschichte, Verwaltungsrat Urs Siegenthaler, ein Basler, hatte sich am Fernsehen mit abfälligen Bemerkungen ins Abseits gedribbelt, und die Club-Besitzer Hansueli und Andy Rihs – Letztgenannter ist vor Wochenfrist leider verstorben – versuchten an einer Medienkonferenz noch zu retten, was kaum noch zu retten war. Ein paar Tage später präsentierte YB seinen neuen Sportchef. Christoph Spycher.

Meine Einschätzung sorgte in Bern für helle Empörung, obwohl ich ihn im Text sogar gelobt hatte. Spycher war ein Versprechen für die Zukunft. Aber mit seiner Unerfahrenheit zur falschen Zeit am falschen Ort. Auf ihn wartete der mediale Scheiterhaufen, aus dem bereits die Flammen züngelten.

Ein Jahr und sieben Monate später muss man festhalten: Spycher ist viel mehr als ein Versprechen für die Zukunft – und er war auch nicht zur falschen Zeit am falschen Ort. Sondern im richtigen Moment die perfekte Lösung. Er ist der Sportchef des Jahres, Quatsch, des Jahrzehnts, weil er einen hervorragenden Job erledigt. Eine Standing Ovation für Spycher, die Gelbe Karte hingegen für Rohr.

Ich habe mich grandios getäuscht in diesem unscheinbaren, ruhigen Zeitgenossen, der den Club stilsicher aus einer seiner grössten Krisen führte und das Werk seines Vorgängers Fredy Bickel geschickt veredelt hat.

Ein Schluck für Fredy Bickel

Selbstverständlich sei Christoph Spycher ein Riesenschluck des Meisterchampagners gegönnt, aber er sollte die Flasche nicht alleine trinken. Da wäre zum Beispiel Fredy Bickel. Schon beim FC Zürich bewies der Manager zwischen 2006 und 2009, dass er das Talent hat, ein Meisterteam zusammenzustellen. Unter schwierigsten Bedingungen trat er im November 2012 zum zweiten Mal sein Amt in Bern an. Bickel musste unzählige Altlasten abtragen, ehe er ab der Saison 2015/2016 «seine» Mannschaft bauen konnte. Mit Steve von Bergen, Kasim Nuhu, Kevin Mbabu, Loris Benito, Denis Zakaria, Miralem Sulejmani, Guillaume Hoarau, Roger Assalé und wie die neuen Helden in kurzen Hosen alle heissen.

Doch Bickel litt unter dem Handicap, dass der Verein lange von internen Machtkämpfen und Richtungsstreits geschüttelt wurde. Die Trainer wechselten, die Führungskräfte gaben entnervt auf, der Misserfolg blieb – bis Bickel selbst gehen musste. Ein Jahr zuvor hatte er aber noch persönlich für den Meistercoup gesorgt, als er einen unbekannten Trainer aus Österreich nach Bern lotste. Adi Hütter.

Der 48-jährige Vorarlberger fand im Stade de Suisse zunächst jene Probleme vor, die zuvor schon sämtliche Vorgänger mit der Wucht einer Abrissbirne getroffen hatte: Die Berner «Gäng wie gäng»-Mentalität. In der Bundes- und Beamtenhauptstadt war das jahrelang eine ansteckende Krankheit, die alles und jeden erfasste, die hier ihr Glück versuchten. «Gäng wie gäng» beinhaltet nichts anderes als den Gedanken, nichts zu überstürzen und es möglichst gleich zu machen wie im Vorjahr. «Gäng wie gäng» ist im bezahlten Fussball schlimmer als zwei Eigentore in 90 Minuten, es saugt sogar jedem Nicht-Berner die Energie aus den Knochen. Auch Christian Gross, neben Helmut Benthaus der wohl grösste Schweizer Trainer der Geschichte, versuchte ab 2011, den Young Boys diese nervtötende Mentalität auszutreiben. Aber sogar der strenge Meistermacher aus Basel schaffte es nicht. Nach knapp einem Jahr wurde Gross mit Schimpf und Schande davongejagt.

Eine schöne Tradition

«Gäng wie gäng» implizierte in der Welt des Berner Sports auch das Hinnehmen von Niederlagen in wichtigen Momenten. Wenn es eine Mannschaft gab, die im Cup an einem kleinen Gegner scheiterte: Es waren die Young Boys. Wenn es eine Mannschaft gab, die in der Liga das alles entscheidende Spiel verlor, vorzugsweise gegen den FC Basel: Es waren die Young Boys. «Gäng wie gäng», das war der Slogan, mit dem Gelbschwarz jahrelang in die Niederlagen stolperte, fast schon, als wäre es eine schöne Tradition.

«Nume langsam. Nume nitt jufle. Chunnt scho guet. Dra gloube.»

Fredy Bickel spürte, dass er beste Chancen hatte, mit diesem Adi Hütter die träge Berner Mentalität zu bezwingen. Er hielt an seinem Trainer fest, bis er bei YB selbst seine Zukunft hinter sich hatte. Einen grossen Schluck Champagner für Bickel.

Sein Nachfolger Christoph Spycher war schlau genug zu erkennen, dass Bickel mit Hütters Wahl richtig gelegen hatte. Der neue Sportchef ging den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Einen nächsten herben Dämpfer gab es noch im März 2017, als Hütter den Cup-Viertelfinal zu Hause gegen den FC Winterthur verlor. Fast schien es, als könne auch er die Verlierermentalität, mittlerweile landesweit auch als «veryoungboysen» ein fester Begriff, nicht abschütteln.

Attraktive Spielweise

Doch Spycher und Hütter behielten die Nerven und durften in Ruhe weiterarbeiten, was auch mit der attraktiven Spielweise von YB zu tun hatte. Schweizer Meister wurde 2017 zwar der FC Basel, doch Hütter liess seine Mannschaft so agieren, wie sich das viele in Basel von Urs Fischer gewünscht hätten: mutig und offensiv.

In der Sommerpause 2017 musste Spycher mit den Abgängen von Goalie Yvon Mvogo und Mittelfeldpuncher Denis Zakaria zwei Leistungsträger ersetzen. Der Sportchef schenkte im Tor dem unerfahrenen David von Ballmoos das Vertrauen und holte das Schweizer Talent Djibril Sow aus Gladbach. Damit bewies Spycher, dass man sich nicht nur auf ihn, sondern auf seine gesamte Crew im Hintergrund verlassen konnte; allen voran die Scoutingabteilung mit Ex-Nationalspieler Stéphane Chapuisat präsentierte sich früh in Meisterform.

Eine Flasche für Adi Hütter

Doch eine austarierte Mannschaft mit Talent garantiert noch lange keinen Meistertitel. Insbesondere dann nicht, wenn sie diesem 32 Jahre lang vergeblich nachgerannt ist. Es brauchte die Persönlichkeit Hütters, die aus notorischen Verlierern Sieger machte. Der letzte Trainer, der das ähnliche Kunststück fertigbrachte, war Gross. In Basel hatten sie 22 Jahre lang auf den Meisterkübel gewartet, ehe er 2002 wieder erobert wurde. Gross brachte dem FC Basel das Siegen bei. So wie Adi Hütter den Young Boys das Siegen beigebracht hat. Er ist der Trainer des Jahres, keine Frage. Eine Flasche Champagner extra für ihn.

Natürlich kam YB zupass, dass der FC Basel mit seinem unerfahrenen Trainer Raphael Wicky eine enttäuschende Saison gespielt hat. Doch das darf die Leistung der Berner keinesfalls schmälern. Keines der vier direkten Duelle in dieser Saison verloren sie gegen den FCB. Im Cup-Halbfinal spielten sie den rotblauen Dominator der Liga phasenweise sogar an die Wand. Es war eine der grössten Demütigungen für die Basler in den letzten Jahren.

Und jetzt? Jetzt darf unter den Lauben noch lange der Alkohol sprudeln. Meisterpartys, die nur alle 32 Jahre stattfinden, schmecken besonders süss. Und Ende Mai kann YB sogar noch im eigenen Stadion im Cupfinal gegen den FC Zürich das Double holen. Es wäre die Krönung einer fantastischen Saison.

Der Alltag wird die Gelbschwarzen früh genug einholen. Leistungsträger wie Mbabu, Nuhu, Sanogo oder Assalé lockt das Ausland. Christoph Spycher wird erfahren, wie der Erfolg seine eigenen Kinder frisst. Er muss die Meistermannschaft umbauen, so viel scheint schon sicher.

Doch es wäre eine typische Schweizer Nörgelei, in der Stunde des Triumphes wieder mit düsteren Gedanken nach vorne zu blicken. Die Zukunft ist nicht schwarz, viel eher gelb-schwarz; YB hat durchaus die Chance, dem FC Basel dauerhaft den Rang abzulaufen. Denn als Sportchef amtet ja, wie wir nun alle wissen, nicht eine Niete, sondern Christoph Spycher, der zusammen mit seiner Crew die «Gäng wie gäng»-Mentalität eindrücklich besiegt hat. Und dass auch Bern eine grosse Fussballstadt ist, bewies der packende Samstagabend, über den noch lange zu reden sein wird.


https://bazonline.ch/sport/fussball/Gae ... y/24511410

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 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 08:19 
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Der König von Bern

Eigentlich war er abgeschrieben, nun ist er der Held: Die märchenhafte Saison von YB-Goalie Marco Wölfli.

Die Hände gehen in die Höhe, es ist die Pose des Siegers. Mit dem Schlusspfiff legt er sich auf den Rücken, um den triumphalen Moment zu geniessen. Aber kaum ist Marco Wölfli am Boden, rennen sie auf ihn zu, Mitspieler, Zuschauer, «gefühlt hundert Menschen» stapeln sich auf ihn, das ist sein Eindruck und ein Bild, das haften bleibt. Ein anderes ist das, wie er, der Goalie, heroisch gefeiert und auf Schultern über den Platz getragen wird. Auf einem Transparent steht: «Wölfli id Nati».

Es ist ein Samstag der wilden Emotionen, der grenzenlosen Freude, der wunderbaren, bleibenden Impressionen. Es ist der Abend, an dem YB erstmals nach 32 Jahren wieder Schweizer Fussballmeister wird. Und eben: Es ist der grosse Abend von Marco Wölfli. Der im August 36 wird. Und der unter normalen Umständen eigentlich nur Zuschauer gewesen wäre. Aber der 23-jährige David von Ballmoos hat im Januar eine gravierende Schulterverletzung erlitten. Darum steht Wölfli wieder im Tor. Er bleibt mit YB 2018 ungeschlagen. Und gegen ­Luzern gelingt ihm eine Aktion, die alles überstrahlt.

Just, als nach 75 Minuten die sogenannte YB-Viertelstunde anbricht, droht die Stimmung im Stade de Suisse zu kippen. 1:1 steht es, und der Gegner ­bekommt einen Elfmeter, den ausgerechnet Stürmer Hoarau verschuldet hat. Erlebt YB, erlebt Bern doch noch keine Meisterparty? Valeriane Gvilia läuft an. Und die rechte Hand von Wölfli schnellt hoch, der Ball fliegt an die Latte – es ist das unmissverständliche Signal des Torhüters an seine Kollegen: Wir packen das. Und packen heisst: siegen, Meister werden. Nach 89 Minuten passiert es tatsächlich, Nsame glückt das 2:1. Auf den Tribünen gibt es kein Halten mehr. Nach Matchende stürmen die Zuschauer zu Tausenden den Rasen.

Die Dramaturgie passt perfekt zum Anlass, sie intensiviert die Emotionen. «Fast kitschig» sei der Stoff eigentlich, sagt Wölfli, «aber es hat so sein müssen».

«Sieht cool aus»

Er hat eine Nacht hinter sich, die «nicht nur für mich, sondern auch für die Jungen lang gewesen ist», sagt er mit heiserer Stimme. Als er nach Hause kommt, ist es hell, aber er ist immer noch aufgewühlt. Er sieht Bilder der Partie, sieht, wie er den Elfmeter pariert, und denkt: «Sieht cool aus.» Und er denkt in diesem Moment auch an seinen Vater, der im Oktober verstorben ist. Zu ihm hat er ein enges Verhältnis gepflegt, der Vater hat bei jeder Gelegenheit im Stadion zugeschaut. «Er hat sicher auch jetzt zugeschaut», sagt Wölfli, «und er hat mir in dieser Situation geholfen.»

Marco Wölfli ist in Grenchen gross ­geworden. 1999 stösst er zu YB, wird 2002 für ein Jahr an Thun abgegeben, kehrt ­danach zurück. Und bleibt. Im ­November 2008 debütiert er als Nationalgoalie und reist 2010 mit an die WM, insgesamt bringt er es auf elf Länderspiele. Wölfli ist keiner, der das Spektakel sucht. «Für die Galerie brauche ich nicht durch die ­Gegend zu hechten», sagt er. Und: «In den Zeitungen herumposaunen, das ist nicht mein Stil.» Laut werden kann er schon, aber nur auf dem Platz. Das Temperament, die Impulsivität, sagt er, habe er von seiner Mutter. Sie ist Sizilianerin.

Wölfli findet sich damit ab, wie schnell sich Kritiker formieren, bemüht sich, das auszublenden, und tut das, ­indem er sich sagt: «Es ist bei einem Goalie oft so: Entweder ist er das Poulet oder der König.»

Für YB lehnte er einst sogar ein Angebot von Schalke ab.

2014 wird er bei YB von Yvon Mvogo verdrängt, er muss sich an eine neue Rolle gewöhnen. «Der Entscheid war hart für ihn», erinnert sich der damalige Sportchef Fredy Bickel, «aber wie er ­darauf ­reagiert hat, zeugt von grosser Klasse.» Wölfli steckt die Degradierung weg, ­erweist sich als Teamplayer und verlängert den Vertrag. Obwohl er weiss, dass die Jugend den Vorzug erhält. ­Obwohl es – auch aus dem Verwaltungsrat – Stimmen gibt, die fragen: Wie kann man nur mit Wölfli vier Jahre weitermachen?

Er selber hat nie einen Gedanken ­daran verschwendet, aus Bern wegzuziehen. Als ihm Schalke ein Angebot unterbreitete, Ersatztorhüter zu werden, lehnte er ab. «Eigentlich ist es ja ­komisch, auf die Bundesliga zu verzichten», sagt er, «aber YB ist mein Verein, hier gefällt es mir so gut. Wieso soll ich das aufgeben?» Der Rollenwechsel hat weder seine Leidenschaft für den Sport noch die Liebe zu YB beeinträchtigt. Und jetzt bietet sich Wölfli am 27. Mai die Chance, noch einen Pokal zu erringen. Dann geht es im Cupfinal gegen den FCZ.

Erfahrung macht gelassen

Bis mindestens 2019 ist Wölfli noch Goalie bei YB, wobei die Frage ist: Hat er die Ambition, wieder dauerhaft die Nummer 1 zu werden? «Ich lasse alles auf mich zukommen», sagt er an diesem Sonntag und erklärt seine Gelassenheit mit einer Erfahrung, die er als Fussballer gemacht hat: «Es ist halt so in diesem Geschäft: So schnell wie du weg bist, so schnell bist du wieder da. Und umgekehrt.»

Aktuell ist er der König von Bern, aber ihm ist es ganz recht, wenn mit dem Hype um seine Person nicht übertrieben wird. Auf seiner Website steht ein Satz, der viel aussagt über ihn als Menschen: «Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens und bin mir bewusst, dass es nicht alle so gut haben wie ich.» Er ist stolz, nun Meister zu sein, klar. Aber ihn hat die Freude der Leute im Stade de Suisse überwältigt, er könnte mit all diesen Bildern problemlos ein ganzes Buch füllen: «Ich habe so viele glückliche Gesichter gesehen. Was gibt es Schöneres?»


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/29056048

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Feier frei

Die Young Boys besiegen den Meisterfluch und gewinnen erstmals seit 32 Jahren den Titel. Eindrücke aus 24 Stunden, in denen Gelb-Schwarz in Bern die Glücksfarbe ist.

Am Samstagabend kurz vor Mitternacht verbreitet Bernmobil in einer Meldung, dass die Tramlinie 9 – vom Guisanplatz zum Bahnhof – aufgrund der Meisterfeierlichkeiten nicht mehr bedient werden könne. Es sind nüchterne Worte, die von grossen Emotionen berichten: Bern steht still und tanzt gleichzeitig, mittendrin die Spieler, die sich nun in Autos vom Stadion in die Innenstadt aufmachen.

Diese Nacht kennt nur eine Regel: Ekstase. Es hat sich in über drei Jahrzehnten vieles angestaut, das jetzt rausmuss. Im Jahr 1986, als YB für sehr lange Zeit zum letzten Mal den Meistertitel gewonnen hatte, wurde Argentinien in Mexiko angeführt vom grandiosen Maradona Weltmeister, die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl schockte die Welt. Und Polo selig schrieb sein wunderbares Stück «Im letschte Tram», in dem er von jungen Gesellen singt, die in ihrer Lieblingsbar die Sehnsucht stillen. Die Zeile passt auch zum 28. April 2018 – nur das letzte Tram fällt diesmal aus.

Ganz Bern scheint am Samstagnachmittag auf den grossen Moment zu plangen. Die Stadt ist gelb-schwarz, eine Metzgerei am Breitenrainplatz verkauft YB-Meisterwürste. In der Länggasse sitzen Menschen im YB-Trikot beim Zähringer und schlecken Glace. Und draussen beim Stade de Suisse versammeln sich Menschen Stunden vor Anpfiff und bräteln auf Wegwerfgrills. Die Vorfreude ist überall greifbar, die Zuversicht ebenso, das Szenario, dass YB das Spiel gegen Luzern nicht gewinnen werde, existiert nicht. Die Stadt und ihre Einwohner sind gerüstet für eine Partynacht.

Burgdorf statt Wankdorf

Es ist diese Ausgangslage, die diesen Match für die Young Boys so schwer macht: Es ist wie eine Finalissima am fünftletzten Spieltag. Und das ist den Akteuren von Beginn an anzumerken, YB stürmt und drängt in gewissen Phasen, das schon. Die Kontrolle über das Spiel hat es aber nie. All die Erwartungen, der Druck, der auch selbst auferlegt ist, weil es die Young Boys unbedingt schaffen wollen, zu Hause am feiertechnisch idealen Samstagabend, dieser Druck lähmt. Leduc von Lo & Leduc verlässt zur Pause das Stadion, es steht 0:0, die Band hat einen Auftritt in Burgdorf. Falls YB gewinne, werde er nach Mitternacht zurück sein, um gemeinsam mit Guillaume Hoarau aufzutreten, sagt er. Als Leduc gegangen ist, bringt Christian Schneuwly kurz nach der Pause die Gäste mit einem Freistoss in Führung. Kommt nun das Erwachen aus dem Meistertraum?

Es wäre auch unpassend gewesen, hätte dieser Club mit seiner beschwerlichen Geschichte souverän und abgeklärt die Meisterschaft gewonnen. «Veryoungboysen», Sie wissen schon. YB-Fan zu sein ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Und die YB-Fans leiden jetzt, Guillaume Hoarau gleicht zwar fast postwendend aus, doch bald bestätigt der Franzose das alte Fussballgesetz, dass Stürmer im eigenen Strafraum nichts zu suchen haben. Es gibt Penalty nach Foul Hoaraus, und oben auf der Tribüne denkt Sportchef Christoph Spycher, dass es nun ganz schwer werde, wie er später gesteht. Doch diesmal werden alle, die ein YB-Herz in sich tragen, belohnt. Mit einer Dramaturgie, die nicht berührender, dramatischer, schöner hätte erfunden werden können. Aus «veryoungboyst» wird «eryoungboyst».

Dank Goalie Marco Wölfli, vor kurzem noch der ewige Zweite, der mit dem gehaltenen Penalty in der 76. Minute zum Helden avanciert. Und natürlich: Jean-Pierre Nsame, nach starker Vorrunde zum Edelreservist degradiert, der, wieder einmal nur eingewechselt, in der 89. Minute zum Meistermacher wird. Das Bild, wie der seriöse YB-Medienchef Albert Staudenmann in diesem Moment lossprintet, völlig losgelöst, mit Ersatzspielern, verletzten Spielern, gesperrten Spielern, einfach allen, die sich am Spielfeldrand befinden, und in der riesigen Jubeltraube an der Eckfahne verschwindet, hat sich für immer ins Gedächtnis eingebrannt. Ebenso wie oben auf der Tribüne der Sportreporter von Energy Bern, Luzi Fricker, nach dem 2:1 dem Nervenzusammenbruch nahe ist. Wer das Video dazu noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen.

Es sind Szenen für die Ewigkeit, die sich im Stade de Suisse zutragen. Einer, der den FC Basel seit Jahrzehnten begleitet, meint, es sei jene Meisterfeier des FCB 2002, nach 22 Jahren ohne Titel, die er nie mehr vergessen werde. Bei Anbruch der Nachspielzeit stehen schon Hunderte Zuschauer direkt am Spielfeldrand, als der Schiedsrichter nach bangen Minuten endlich abpfeift, stürmen Abertausende den Platz. Und es werden immer mehr. Die Tore zum Stadion sind geöffnet, das Stade de Suisse ist das Epizentrum der Schweiz. Nach 32 Jahren ist der Meisterfluch abgelegt, die Young Boys und ihre Fans tanzen sich frei.

Austoben in Barcelona

Am Tag danach zeugen Bierbecher auf dem Kunstrasen und die belegten Stimmen der YB-Spieler von der Ewigkeit. Der Club hat zur Medienkonferenz eingeladen, den jungen Christian Fassnacht, Loris Benito und Leonardo Bertone ist anzumerken, dass sie im Berner Club Du Théâtre bis tief in die Nacht gefeiert haben, dem alten Steve von Bergen hingegen nicht. Der halbjährige Sohn kenne keine Meisterfeierruhe, sagt er, er sei deshalb schon seit 7 Uhr wach. Die Sonne und die Gewissheit, Meister zu sein, hätten das Aufstehen einfach gemacht. Wird von Bergen zu sportlichen Belangen befragt, gibt er nüchtern Auskunft, doch auf die Feierlichkeiten angesprochen, beginnen seine Augen zu leuchten. Der 34-Jährige, der 2006 mit dem FC Zürich dank eines Tores von Filipescu in allerletzter Minute beim FC Basel hochdramatisch Meister wurde, sagt, so etwas wie am Samstag habe er noch nie erlebt – und zeigt auf die Hühnerhaut an seinem Arm. Der Captain erzählt, wie er in der Stadt einen Fan gesehen habe, der einen Torpfosten aus dem Stade de Suisse herumgetragen habe. Und hebt einen Moment heraus: Als das ganze Stadion die YB-Hymne «We Love You» anstimmte, oben auf dem Balkon der Champions Lounge die Mannschaft, unten auf dem Rasen und den Rängen vielleicht 40 000 Feiernde. Von Bergen sagt: «Diese Emotionen werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen.»

Es ist ein Abend voller grosser kleiner Momente. Etwa jener, als kurz nach Spielende der zur YB-Leidenshymne gewordene Züriwest-Song «Irgendeinisch fingts Glück eim» eingespielt wird. Diese Worte stehen am Sonntag auch beim Kursaal auf einem grossen gelb-schwarzen Banner. Oder als Fassnacht über das Stadionmikrofon gefragt wird, ob die Meisterzigarre schmecke, und er sagt: «Sie muss nicht schmecken. Sie muss brennen.» Die Spieler ziehen sich nach einer ersten Feier auf dem Platz zurück in die Kabine, es sind ausgelassene Minuten, die mit Luzi Fricker im Erholungsbecken gipfeln. Nur einmal wird es ruhig, als Besitzer Hansueli Rihs eine Ansprache hält, am Ende bekommt er von Hoarau einen dicken Kuss auf die Backe – die Sause kann weitergehen. Später sagt Rihs, sein Bruder und verstorbener Mitbesitzer Andy sei vor knapp zwei Wochen mit der Überzeugung für immer eingeschlafen, dass YB bald Meister werde. Hansueli Rihs ist mit gelb-schwarzen Ringelsocken noch spät in der Nacht in der Champions Lounge anzutreffen. Und Lo & Leduc spielen tatsächlich, einfach ohne Hoarau, der sich längst in die Stadt verabschiedet hat.

Und so trägt jeder seine eigene Geschichte von diesem magischen Abend nach Hause. Der 28. April hinterlässt Spuren, natürlich auch auf dem Kunstrasen, der jedoch nicht ernsthaft Schaden nimmt und am Mittwoch, wenn die Young Boys das Training wieder aufnehmen, bespielbar sein sollte. Vorerst weilen die YB-Spieler in Barcelona, in der Weltstadt können sie sich ungestört austoben.


https://www.derbund.ch/sport/fussball/F ... y/18813884

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Irgendeinisch fingt ds Glück eim

BZ-Chefredaktor Peter Jost zum Meistertitel der Berner Young Boys.

Irgendwenn chunnt me immer a, irgendeinisch geits gäng wieder wiiter. Du chasch no so töiff ir Sosse schtah, irgendwenn chunnt me immer a.» Wenn sich die Young Boys erstmals nach 32 Jahren wieder zu Meisterehren kicken, kann man fast nicht anders, als an die legendären Liedzeilen von Züri West zu denken.

Was hat dieses YB – und mit ihm seine grosse Fangemeinde – nicht alles durchgemacht seit 1986 und dem letzten Meistertitel. O ja, die jüngere YB-Geschichte ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab, einem Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen, Vorfreude und Enttäuschung.

In den unseligen Neunzigerjahren sind die Gelb-Schwarzen zweimal in die Zweitklassigkeit abgetaucht, kurz vor der Jahrtausendwende kämpfte der Club gar ums nackte wirtschaftliche Überleben. Wäre damals Bauunternehmer Bruno Marazzi nicht bereitgestanden und hätte seinen Geldsäckel geöffnet, YB gäbe es in seiner heutigen Form wohl nicht mehr.

Mit Marazzi wurde aus dem Wankdorf das Stade de Suisse. Und aus YB ein Club, in den im grossen Stil investiert wurde. Während der Bauphase des neuen Stadions, als YB temporär in die Idylle des Neufeldstadions auswich, begann die gegenseitige Zuneigung zwischen Fans und Club wieder zu keimen. Mit dem Umzug ins heutige Stadion wuchs das Budget von YB und damit im Gleichschritt die Erwartungen der Fans.

Doch wie wurden sie enttäuscht! Wer erinnert sich nicht an die verlorenen Finalissimas gegen Basel, an die verlorenen Cupfinals 2006 und 2009. Und an die Wortschöpfung, welche dieses YB fortan begleiten sollte wie ein Fluch: «veryoungboysen».

Veryoungboysen? Millionen Kilometer weit weg war dieses elende Verb am Samstag von Bern entfernt. Mit dem Selbstvertrauen eines Siegerteams nutzte YB die Chance zum Titelgewinn. Auf Anhieb. Im eigenen Stadion. Trainer Adi Hütter hat in den letzten drei Jahren ein Team geformt, das agiert wie aus einem Guss. Das ackert und kämpft, gleichzeitig aber mit so völlig unbernischem Selbstvertrauen so spielfreudig die Tore sucht, dass jedes Fanherz zu hüpfen beginnt.

Selbstverständlich gehört auch Sportchef Christoph Spycher ein Teil des Erfolgs. Und seinem Vorgänger Fredy Bickel, der die meisten der heutigen Leistungsträger verpflichtet hat – mit dem Geld der geduldigen Zürcher Investorenbrüder Rihs. Ohne deren Millionen, rund hundert sollen es sein, wäre YB heute nicht jenes YB, das es ist. Das siegreiche, begeisternde, bejubelte YB, welches das Potenzial hat, in Bern eine anhaltende Fussballeuphorie zu entfachen, wie man sie in der Schweiz sonst nur aus Basel kennt.

Es scheint, als hätte es Kuno Lauener immer schon gewusst. Oder, frei nach Züri West: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim, irgendwo uf emene Fuessballplatz. Plötzlech schmöckts wider wie deheim, irgendeinisch fingt ds Glück eim.»


https://www.bernerzeitung.ch/region/ber ... y/18924514

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Sulejmani wurde schon Meister

«Dieser Titel ist unvergleichlich!»

YB krönt sich nach 32 Jahren wieder zum Schweizer Meister. Miralem Sulejmani hat bereits Titel mit Benfica Lissabon und Ajax Amsterdam gewonnen. Was diesen Titel besonders macht, verrät er im Interview.


https://www.blick.ch/sport/fussball/sup ... 19422.html

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Souvenir-Jäger ergattern sich Marco Wölflis Tor

YB-Fans demontierten nach dem Sieg gegen den FC Luzern die Tore des Stade de Suisse. Eine Latte wurde für einen Auto-Limbo im Breitenrain verwendet.

Nach dem YB-Sieg gegen den FC Luzern und dem damit gesicherten Meistertitel verwandelten sich das Stade de Suisse und die Stadt Bern in eine Party-Hochburg. Gesänge, Feuerwerk Hupkonzerte – überall wurde gefeiert, was das Zeug hält

Besondere Szenen spielten sich im Breitenrain-Quartier ab: Dort wurden Autos mit einer langen Stange angehalten und durften erst weiterfahren, wenn sie kräftig gehupt hatten. «Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass war ein Torpfosten aus dem Stade de Suisse», meinte Fan Markus Silva.

YB-Sprecher Albert Staudenmann bestätigt, dass für den Auto-Limbo im Breitenrain ein Torpfosten aus dem Stade de Suisse herhalten musste. Auch Captain Steve von Bergen sei in die Fan-Kontrolle getappt. «Er durfte sogar erst weiter, nachdem er ausgestiegen und aufs Dach geklettert war», weiss Staudenmann.

Auch Tornetze und Cornerfahnen wurden aus dem Stadion entführt. Staudenmann zeigt sich nachsichtig: «Wir haben Verständis für die Souvenir-Jäger und ersetzen die einzelnen Teile gern.»

Rasen muss nicht ersetzt werden

Nachdem Tausende nach dem Schlusspfiff aufs Spielfeld gestürmt waren, glich der Kunstrasen einem Schlachtfeld. «Er hat einen Kater, wie viele andere Berner heute auch», witzelt Staudenmann. Der Rasen müsse nun gesäubert, einzelne Teile müssten zudem ausgewechselt werden.
«Ganz ersetzen muss man ihn aber nicht.» Es seien auch keine Rasenteile rausgeschnitten worden, wie dies oft vor dem Abriss alter Stadien geschieht.

Staudenmann versichert: «Beim Heimspiel gegen Lugano in zwei Wochen werden wir wieder einen super Rasen vorfinden.»


http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/ ... i-26817134

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Zehntausende Berner Fans feiern den Meistertitel friedlich – Polizei muss nicht eingreifen

Nach dem Gewinn des Meisterschaftstitel für die Young Boys feierte Bern mit einer Freinacht. Diese verlief mehrheitlich friedlich.

"Meischter, Schwiizermeischter" skandierte die Menge. Überall in der Stadt krachten Feuerwerk und Knallkörper. Autokorsos fuhren hupend durch die Strassen.

Nach dem Spiel feierten die über 31'000 Zuschauerinnen und Zuschauer zuerst im Stadion. Später verlagerte sich das Geschehen in die Innenstadt.

Die Stadt Bern hatte für den Fall einer Meisterfeier am Samstag Freinacht erklärt. In den Beizen dürfte der Meistertitel bis in die frühen Morgenstunden begossen werden.

Obwohl Zehntausende in der Stadt feierten und teilweise stark dem Alkohol zugesprochen hatten, blieb alles mehrheitlich friedlich, wie die Berner Kantonspolizei am Sonntagmorgen bilanzierte.

So gab es laut der Polizei Fanansammlungen auf dem Bärenplatz und anschliessend auch auf dem Bundesplatz. Dabei sei auch Feuerwerk gezündet worden. Vereinzelt sei es dabei zu gefährlichen Situationen gekommen.

Die Polizei habe aber keine Kenntnisse von grösseren Zwischenfällen erhalten und habe auch nicht direkt einschreiten müssen. Es sei zu keinen Festnahmen gekommen.

32 Jahre seit letztem Titel

32 Jahre mussten die Bernerinnen und Berner auf einen Meistertitel ihres Fussballclubs Young Boys (YB) warten. Am Samstagabend hat YB seine langjährige "Titelresistenz" abgelegt.

Die Nerven der Fans wurden nicht geschont. Erst kurz vor Schluss konnte sich YB den Sieg gegen Luzern und damit den Meistertitel sichern. In der Berner Innenstadt verfolgten hunderte Bernerinnen und Berner den Match auf Fernsehbildschirmen. Wo immer eine Bar oder ein Restaurant den Match übertrug, bildeten sich grosse Menschentrauben.

Fast das gesamte Spiel lang wurden die Fans von ihrer Mannschaft auf die Folter gespannt. Die Stimmung bei den Fans in der Innenstadt war angespannt, aber ruhig.

Erst kurz vor Schluss fiel der Siegtreffer, da gab es aber kein Halten mehr. Die Fans lagen sich in den Armen und feierten den lange erhofften Meistertitel ihrer Mannschaft.


https://www.aargauerzeitung.ch/sport/fu ... -132492657

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