11.08.2013

Zitat:
Wie selbstverständlich
Fünftes Spiel, fünfter Sieg: Den abgeklärten Young Boys glückten in Aarau vier Tore
Von Peter M. Birrer
AARAU Uli Forte gab sich ein weiteres Mal alle Mühe, bescheiden zu sein. Es lag ein Resultat vor, das eigentlich nur eines zum Ausdruck bringt: Einseitigkeit. 4:0 hatten die Young Boys in Aarau gewonnen, was den Trainer zwar freute, ihn aber keineswegs dazu verleitete, euphorische Töne anzuschlagen. «Was die Punktzahl angeht, haben wir das Maximum», sagte er, «aber was die Leistung angeht, können wir zulegen. Wir dürfen nicht den Fehler machen und uns einzig am Resultat orientieren.»
Das Ergebnis war für ihn zu eindeutig. Und als er sich verabschiedete, sagte er: «Cool bleiben jetzt, ganz cool.» Es war ihm ein Bedürfnis, das loszuwerden, weil er sich von fünf Siegen in fünf Spielen nicht blenden lassen will. Augenfällig war gleichwohl, dass YB eine bemerkenswerte Qualität ausspielte: Abgeklärtheit. Zuerst erlaubten die Berner ihrem Gegner, zu stürmen. Das sah durchaus willig aus, und das Publikum hatte seine Freude daran, obwohl für Aarau nicht mehr als drei Corner in den ersten zwölf Minuten herausschauten. Aber was Effizienz bedeutet, das machten die Young Boys vor, als wäre es für sie eine Selbstverständlichkeit. Und inzwischen eben auch eine Leichtigkeit.
Aaraus verpasste Chance – und Costanzos wunderbares Tor
Nach 16 Minuten bekam Zarate den Ball, er hatte viel Zeit, auch viel Platz, und der Rest war überaus sehenswert: Mit einem prächtigen Schlenzer überraschte er Goalie König. Der Leader hatte, was er wollte, liess danach aber Gradlinigkeit vermissen. Oder wie es Sportchef Fredy Bickel formulierte: «Wir waren etwas zu hektisch.»
Gegenüber stand ein FC Aarau, dem es in der Offensive an Substanz mangelte. Ein Callà allein genügte nicht, um die Berner Defensive ernsthaft zu bedrängen. Und als sich doch die Chance zum Ausgleich bot, versagten Staubli kurz vor der Pause in bester Position die Nerven: Wie er neben das Tor schoss, hatte Symbolkraft. Trainer Forte nahm aber just diese Szene, um den Mahnfinger zu heben: «In diesem Moment hatten wir Glück. Wer weiss, welche Fortsetzung das Spiel genommen hätte, wenn das 1:1 gefallen wäre.» YB hatte sich auf eine aufgeheizte Atmosphäre eingestellt und auf einen furchtlosen Aufsteiger. Insgesamt kam der Gast aber sorgenfrei durch den Abend, weil er in der zweiten Hälfte schnell für Klarheit sorgte. Mit einem wunderbaren Schuss erhöhte Costanzo auf 2:0. Der Rest war das Schaulaufen des Leaders. Steffen, einst als Aarauer Junior für zu leichtgewichtig befunden, liess das 3:0 folgen, bevor wieder Costanzo an der Reihe war. Er verwertete einen Penalty nach Hands von Jaggy.
Der erstaunte YB-Sportchef Bickel: «Ziemlich abgeklärt»
«Wir verlieren den Bezug zur Realität nicht so schnell», hatte YB-Captain Christoph Spycher unter der Woche noch gesagt. Nach dem 4:0 meldete er: «Wir haben sauberen Fussball gespielt. Alles in allem war das souverän, wir hatten den Gegner im Griff.» Und Sportchef Bickel fügte staunend bei: «Das war ziemlich abgeklärt, wie wir vor allem in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind.»
Und die Aarauer? Davide Callà fand: «Wir sind brutal bestraft worden, die Niederlage fiel zu hoch aus.» Aber er anerkannte auch: «Die Qualität von YB hat sich durchgesetzt.» Trainer René Weiler bilanzierte: «Wir haben Lehrgeld bezahlt. Entscheidend war die Effizienz des Gegners.» Und ein weiteres Mal wurde offensichtlich, wo dringender Handlungsbedarf besteht: in der Abwehr. Die Aarauer haben in 5 Partien 15 Tore erhalten. Das gibt Weiler schwer zu denken.