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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 10:04 
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YB-Analyse Die schlechte sportliche Bilanz und die hohen Kosten brachten CEO Ilja Kaenzig um den Job. Das stärkt Trainer Rueda.

YB hangelt sich zur nächsten Improvisation

Bei YB wird wieder einmal umgekrempelt. Gestern Morgen wurde CEO und Sportdirektor Ilja Kaenzig entlassen und am Mittag die Neuorganisation vorgestellt. Kern der Neustrukturierung ist die klare Trennung der Bereiche Sport und Kommerz. Der Berner Wirtschaftsprüfer Hanspeter Kienberger wird wie erwartet neuer Verwaltungsratspräsident der Sport und Event Holding AG, YB-Präsident Werner Müller Vize. Kienberger und Müller sind also die neuen Chefs bei YB, entscheiden werden aber weiter jene beiden, die das Millionenunternehmen seit Jahren finanzieren: die beiden Alleinaktionäre Andy und Hans-Ueli Rihs vom Zürichsee.Und so hangelt sich YB wieder einmal von einer Improvisation zur andern. Innert dreier Jahre wurden nacheinander CEO Niedermaier, Sportchef Alain Baumann, die Trainer Petkovic und Gross entlassen, im Sommer der grantige VR-Präsident Benno. E. Oertig in den Ruhestand «weggelobt», und nun muss auch Kaenzig gehen. Alain Kappeler, bisher Leiter Verkauf und Marketing, steigt zum COO auf. Ein neuer Sportchef steht aber nicht bereit, bisher sei mit keinen Kandidaten verhandelt worden, beteuerte Müller. «Wir werden uns Zeit nehmen, um jemanden zu suchen, der zu YB passt.» Das könne bis zur Winterpause oder bis zum Rückrundenstart dauern. Das sorgt für Staunen. Wer nun das Tagesgeschäft des Sportchefs interimistisch ausübt, wer nun etwaige Transfers bei YB abwickelt, dazu wusste keiner eine konkrete Antwort. Sportberater Stéphane Chapuisat werde sicher involviert, sagte Müller.

Vorerst beliess man es bei der Kunde, dass Kaenzig nicht mehr bei YB ist. Mit dem zweithöchsten Budget der Super League von rund 30 Millionen Franken dümpeln die Young Boys mit 15 Punkten Rückstand hinter Leader GC auf Platz 5. Die Bilanz des vor 26 Monaten für Stefan Niedermaier vom Sportchefsessel des «Blicks» weggeholten Kaenzig spricht gegen ihn. Auch das Verhältnis zu Trainer Martin Rueda, der Kritik an der Teamzusammensetzung übte, war angespannt. Zwischen Trainer und Sportchef dürfe man nicht einmal ein Papier von einem Millimeter schieben können, meinte Müller kryptisch. Rueda, vor Saisonbeginn von manchen als «Zwischenlösung» und «Billigtrainer» bezeichnet, geht vorerst gestärkt aus diesem Machtkampf hervor.

Kaenzig bald bei Luzern?

Grosse Sorgen um die Zukunft von Kaenzig, der gestern nicht erreichbar war, muss man sich kaum machen. Beim FC Luzern werden im Hintergrund grosse Veränderungen in der Chefetage und im Präsidium vorbereitet, womöglich unterschreibt Kaenzig bald als Nachfolger des in die Kritik geratenen Sportchefs Heinz Hermann.

YB aber bleibt eine permanente Baustelle. Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, die Kosten steigen, von Kontinuität und Geduld, Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg, keine Spur. «Mein Bruder und ich sind Investoren mit Herz», sagte Andy Rihs. «Wir sind nicht hier, um irgendwie schnell Stutz zu verdienen.» Doch alles hat seine Grenzen. Und Andy Rihs wiederholte gestern, was er der YB-Crew vor der neuen Saison klargemacht hatte: «Jetzt gibt es kein zusätzliches Geld mehr, fertig, Schluss.»

Vom Ziel, YB als selbstragenden Club zu etablieren, ist man weit entfernt. Mit Müller und Kienberger sind nun wieder zwei Berner in der operativen Führung, und Andy Rihs betonte am Rande der PK, dass er und sein Bruder durchaus bereit wären, das Stade de Suisse mit YB an Berner Investoren zu verkaufen. Der Kaufpreis würde über 100 Millionen Franken betragen, liess Rihs durchblicken, und er ist nicht erstaunt, dass sich bisher niemand gemeldet hat.

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 10:06 
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Die Welt soll wissen: YB sucht Sportdirektor

BERN. YB ist sportlich und wirtschaftlich vom Kurs abgekommen. Deshalb wird jetzt ein Nachfolger für Ilja Kaenzig gesucht.

YB bastelt wieder einmal am Erfolg. Investor und Stadionbesitzer Andy Rihs nannte das gestern «Reorganisation». Im Klartext: Ilja Kaenzig wurde entlassen – genau wie das 20 Minuten gestern exklusiv angekündigt hatte. Für den bisherigen CEO wird nun ein Sportdirektor gesucht. «Namen haben wir noch keine. Ab jetzt soll die grosse Welt wissen: Er wird gesucht», sagte Rihs.

Noch im August 2010 war Rihs überzeugt, mit Kaenzig «die Nadel im Heuhaufen» gefunden zu haben. Doch statt der proklamierten Titel in der «Phase 3» stehen die Berner zwei Jahre und verpuffte Millionen später noch schlechter da. Zahlreiche Transfers und ein Trainerabenteuer mit Christian Gross kosteten viel, waren jedoch auch nicht erfolgreich. «Aber wir wollen in der Super League nicht Mitspieler, sondern Spitzenspieler sein», betont Rihs im Wissen, dass der Fussball der Dünger für ein erfolgreiches Unternehmen ist. «Mein Bruder und ich sind Investoren mit Herz. Wir wollen nicht schnell Stutz verdienen, aber am Ende sind wir gewinnorientiert.»

Und Bruder Hansueli Rihs sagt unmissverständlich: «Wenn man diesen Laden mit dieser Mannschaft nicht in die schwarzen Zahlen bringt, stimmt etwas nicht.» Die Kommerzseite sei zuletzt unter Kaenzig brachgelegen. Weil Business und Sport nun getrennt werden, musste Kaenzig gehen. Auch weil er nicht mehr hinter Trainer Martin Rueda gestanden ist.

YB-Präsident Werner Müller wird nun die Suche nach dem Sportchef vorantreiben. Klar ist, für Routinier Christoph Spycher käme die Beförderung zu früh, Hansruedi Hasler bleibt Technischer Direktor und Fredy Bickel müsste sich zuerst vom FCZ trennen.

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 10:08 
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Fan Klopfenstein: «YB ist wie eine Zahnbürstli-Firma»

BERN. Ilja Kaenzig ist als YB-CEO entlassen worden. Die Stimmung bei den Fans reicht von erleichtert bis empört.

«Ilja un Gros(s) problème.» Dieser Spruch kursierte in YB-Fankreisen vor gut einem Jahr in Anspielung auf den erfolglosen CEO Ilja Kaenzig und den damaligen Trainer Christian Gross. Gross wurde Ende April entlassen – gestern hats auch Kaenzig erwischt. «Die Fehler im Verein muss man vor allem in der Teppichetage suchen», sagt der House-DJ und bekennende YB-Fan Christopher S. «Seit Stefan Niedermaier entlassen wurde, ging es mit YB bachab. Ich bin erleichtert, dass Kaenzig jetzt weg ist.»

An der gestrigen Medienkonferenz versprach Investor Andy Rihs in Zukunft mehr Nachhaltigkeit und Stabilität. Stapi Alexander Tschäppät hofft, dass YB dieses Versprechen hält: «Der Verein wird zum Erfolg finden, wenn er mal über Jahre in Ruhe etwas aufbauen kann.» Er fordert mehr Geduld, denn: «Erfolg muss man aufbauen – man kann ihn nicht herbeiprügeln.»

Enttäuscht über die Art und Weise der Entlassung ist Simon Klopfenstein vom Fan-Radio Gelb-Schwarz. «Ich musste fast grännen. YB könnte ebenso gut eine Zahnbürstli-Firma sein. Es geht nur noch ums Business und nicht um Fussball.» Und trotz Medienkonferenz wisse man nicht wirklich, warum Kaenzig gehen musste: «Das stimmt mich nachdenklich.»

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 10:09 
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Schon wieder ein Total-Schaden

Vor 6 Monaten beerdigte YB das Projekt Christian Gross. Jetzt muss CEO Ilja Kaenzig gehen. Kommt jetzt Finke?

Erst war der joviale Stefan Niedermaier nicht mehr gut genug. Am 9. August 2010 wird mit Kaenzig der Wundermann vorgestellt, der den ersehnten Titel herbeizaubern soll. Der damalige VR-Präsident Benno Oertig setzt voll auf Kaenzig und Gross. Nach einem Dreivierteljahr wird das Projekt Gross für gescheitert erklärt. Im Sommer wird Oertig abgesetzt. Und nun Kaenzig.

Nach gut zwei Jahren steht bei YB kein Stein auf dem anderen. Mit Ausnahme der Stadionbesitzer Andy und Jöggi Rihs. Sie, die von sich selbst sagen, sie verstünden nichts von Fussball, führen das Stade de Suisse mit der Tochter YB, die Andy als «Dünger des Stadions» bezeichnet, wie ein Wirtschaftsunternehmen. Hire and fire. Und: Wenn alle Mosaiksteinchen am richtigen Ort sind, kommt der Erfolg von selbst.

Zwei Maximen. Nur treffen sie auch auf den Fussball zu?

Nun ist auch das Konstrukt mit CEO und Sportchef in Personalunion für gescheitert erklärt worden. «Wir haben nicht die richtige Form», so Andy Rihs. «Fussball und Business müssen wir auseinanderhalten.»

Deshalb und weil man Kaenzig die Degradierung zum «Nur»-Sportchef nicht zumuten wollte, habe man sich von ihm getrennt. Rihs: «Als Freunde. Ohne schmutzige Wäsche zu waschen.»

Man spricht in Bern von ausbleibenden Resultaten, vom dadurch entstandenen Finanzloch, von der zu offensiven Kommunikationspolitik Kaenzigs und von seiner Distanz zu den Coaches. Zu Gross, wie auch zu Martin Rueda. YB-Präsident Werner Müller: «Zwischen Sportchef und Coach hat kein Blatt Papier Platz!»

Doch ist vielleicht nicht alles viel einfacher? Gerüchteweise soll Kaenzig beim FC Luzern bereits einen Vorvertrag per 1. Januar 2013 unterschrieben haben. Er soll bei YB zurückgetreten und keinesfalls entlassen worden sein. Das würde den dramatischen Meinungsumschwung von Jöggi Rihs erklären, der noch vor Wochenfrist im BLICK sagte: «Derzeit gibts nichts richtigzustellen. Kaenzig geniesst unser vollstes Vertrauen.»

Volker Finke soll in Bern gesichtet worden sein

Neuer VR-Präsident der Holding und Nachfolger von Oertig wird der Berner Wirtschaftsmann Hanspeter Kienberger. Neuer Vize ist Müller. Er ist der direkte Vorgesetzte des Sportchefs, auf dessen Suche man sich nun begebe.

«Wir haben noch mit niemandem gesprochen», so Müller. Allerdings soll Bundesliga-Urgestein Volker Finke zusammen mit Andy Rihs in Bern gesichtet worden sein.

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 10:10 
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Andy Rihs lässt für sein «Core-Business» einen neuen Sportchef suchen, bleibt aber «Friends» mit Kaenzig.

So sieht der Chef seinen Verein

Die gestrige Medienkonferenz fand nicht im Presseraum des Stadions statt - dort gab es keinen Platz, der Raum war anderweitig belegt. Schon daher drängte sich die Frage auf: Welchen Platz hat YB in den Köpfen der Besitzer, im Businessplan der Rihs-Brüder, die gestern vor den Pressevertretern die neusten Entscheide bekannt gaben?

Hans-Ueli «Jöggi» sagte schliesslich kaum etwas, dafür redete Andy umso mehr. Er und sein Bruder seien «als Investoren mit Herz» eingestiegen, sagt er gleich zu Beginn, der Fussball liege ihnen «sehr, sehr am Herzen». Der Fussball sei «der Dünger» für das Geschäftsmodell ihrer Sport und Event Holding AG. Und wenn es «dem Business» gut gehe, «dann können wir auch dem Sport wieder helfen». «Young Boys ist keine Dekoration», sagte er, sondern «Core-Business.» In der Liga wolle man «mit Young Boys» nicht nur mitspielen, sondern «Spitzenspieler sein».

Aber: «Wir sind ein Unternehmen, nicht nur ein Fussballclub, das macht uns ein bisschen anders als andere typische Schweizer Fussballbetriebe.» Vergleichbare Konstrukte gebe es vermutlich im Ausland, da sei er zu wenig orientiert, sagte Andy Rihs, denn wenn es um Fussball gehe, dann sei er «ein Banause». Er selbst hätte zum Beispiel nie Christian Gross als Trainer vorgeschlagen, sagte er. Er habe einfach mal gehört, das sei einer, der kommen solle, und da habe er gesagt: «Ja, das ist ein bekannter Name, das ist gut. Fertig Schluss.»

Christian Gross ist längst wieder weg, seit gestern ist es auch Ilja Kaenzig. Man habe mit Kaenzig keine «Dirty Loundry» gewaschen, beteuerte Andy Rihs, man bleibe «Friends». Nun schaue man nach vorne. «Am Ende des Tages wollen wir einen Fussballclub, der nicht nur Bern Freude macht, sondern der ganzen Schweiz und insbesondere uns als Investoren.» Dann bekräftigte Andy Rihs einmal mehr: Jeder, der bereit sei, ihnen YB und das Stadion abzukaufen, sei höchst willkommen. Und dann gingen sie wieder, Andy und Jöggi Rihs, «Machets guet», sagte Andy in die Runde, und beim Herausgehen spreizte er seine Finger zum Victory-Zeichen.

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 11:23 
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Hanspeter Kienberger fährt, kaum hat er temporär Kaenzigs Job übernommen, für ein paar Tage in die USA, um den New-York-Marathon zu bestreiten. Das passt schlecht zu einem Klub, der sich für seine Professionalität rühmt und sich eine Mannschaft leistet, die jährlich rund 30 Millionen Franken verschlingt.

super, er scheint die prioritäten schon von anfang an klar zu setzen. :angry:

komödienstadl olé!


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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 12:34 
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JFK hat geschrieben:
werner müller im talk täglich mit matthias mast auf telebärn jeweils ab XX.30.

http://www.telebaern.tv/121030-talktaeglich.html


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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2012, 14:49 
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Standpunkt: YB erwacht aus dem Albtraum «Phase 3»

Die «Phase 3» bei YB ist seit Dienstag definitiv Geschichte. Der Verein steht vor den Trümmern jener Vorwärtsstrategie und muss nun den Betrieb sanieren.

Die «Phase 3» bei YB ist seit gestern Dienstag definitiv Geschichte. Der Verein steht vor den Trümmern jener Vorwärtsstrategie, die im August 2010 mit grossspurigen, grotesken Ankündigungen eingeleitet worden war. Damals wurde der Berner Stefan Niedermaier als äusserst beliebter, tüchtiger, erfolgreicher CEO und Stadionchef durch Ilja Kaenzig ersetzt. Diese Massnahme des einstigen Verwaltungsratspräsidenten Benno Oertig wurde in dieser Zeitung bereits damals scharf kritisiert, deshalb sei an dieser Stelle nur kurz wiederholt: Die kühle Entmachtung Niedermaiers war fast wie ein Verbrechen an den Young Boys.

Benno Oertig gewann zwar vor etwas mehr als zwei Jahren den Machtkampf. Aber es war ein persönlicher Sieg fürs Ego mit schmerzhaften Folgen für YB, die noch lange spürbar sein werden. Und genau deshalb muss man sich jetzt um den Klub ernste Sorgen machen. Oertig ist mit seinen Ideen ja krachend abgestürzt, er spielt seit diesem Sommer keine Rolle mehr in Bern. Der frühere Trainer Christian Gross und eine Reihe weiterer prächtig bezahlter Mitstreiter sind bei den Young Boys ebenfalls gescheitert. Zuletzt Finanzchef Daniel Seiler und vor allem CEO Ilja Kaenzig. In Verein und Betrieb atmeten gestern zahlreiche Mitarbeiter auf, als der Abgang Seilers und Kaenzigs bekannt wurde. Beide trugen zum schlechten Klima im Stade de Suisse bei.

Seit Kaenzigs Installierung im August 2010 ging es für YB nur in eine Richtung: steil abwärts. Sportlich. Und wirtschaftlich. Als Chef steht Kaenzig in der Verantwortung, selbst wenn die Trainer Gross und zuletzt Martin Rueda nicht seine Wunschkandidaten gewesen waren. Letzteres zeigt, wie schwach seine Position als CEO in der Ära Oertig war. Es ist jedoch nicht Kaenzigs Fehler, wurde er für einen Job ausgewählt, für den es ihm an Kompetenz und Routine mangelt. Kaenzig ist im Fussball bestens vernetzt. Aber er besitzt noch nicht die Erfahrung und die Fähigkeiten, um einen unruhigen, komplizierten Betrieb mit derart vielfältiger Ausrichtung wie YB und das Stade de Suisse zu leiten. In den letzten Wochen häuften sich intern die Beschwerden über die Führungsschwächen des 39-Jährigen.

Ilja Kaenzig ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Smart, freundlich und sehr professionell erledigte der clevere, joviale Kaenzig jederzeit die Medienarbeit, er war ein ausgezeichneter Fürsprecher der eigenen Arbeit und begabter Einflüsterer hinter den Kulissen. Bei YB aber hielten sich die Sprachbeiträge Kaenzigs in überschaubaren Grenzen, er kommunizierte selten mit seinen Angestellten, die oft in den Zeitungen lesen mussten, was ihr Vorgesetzter dachte. Auch mit Trainer Rueda redete Kaenzig kaum, und weil der CEO mit dem «Blick», wo er als Sportchef gearbeitet hatte, freundschaftlich verbunden ist, blieb er auf dem Boulevard von Kritik oft verschont. Kaenzig dürfte jetzt als Beschäftigungsloser – im Gegensatz zu Christian Gross – wenigstens nicht lange auf der üppigen YB-Lohnliste verweilen, sondern bald einen neuen Arbeitgeber präsentieren. Sein Ruf im Fussball ist weiter glänzend – und er wird aus seinen Fehlern lernen.

Und immerhin passte Ilja Kaenzig gut zur «Phase 3», die nie gezündet wurde. Er verdreifachte beispielsweise mal eben das Lohnvolumen des ersten Teams und beschäftigte Scouts auf der ganzen Welt. Mit mässigem Erfolg: Das talentierte, kostspielige YB-Kader ist zwar für nationale Verhältnisse ausgezeichnet besetzt, aber ungenügend zusammengestellt. Hätten Kaenzigs Vorgänger auch nur annähernd so viele Millionen ausgeben dürfen, wäre YB 2010 wohl locker Meister geworden.

Nun stehen die Young Boys – mal wieder – vor einem Neuanfang. Oder zumindest einem einschneidenden Umbruch. Zurück zu den Wurzeln will der Klub, dabei bernerischer und bodenständiger und sympathischer werden. Das ist ein guter Ansatz, wäre aber einfacher und billiger zu haben gewesen. Wie man hört, überwiesen die Investoren Andy und Hansueli Rihs alleine seit 2010 Darlehen in Höhe von rund 20 Millionen Franken, um bei YB Verluste auszugleichen! Und dies, obwohl der Klub in dieser Zeit mehrere Fussballer teuer verkaufen konnte und zweimal die Europa League erreichte.

Finanzsünden bleiben also als Vermächtnis der «Phase 3».

Nach dem kläglichen Saisonstart laufen zudem derzeit Zuschauer und VIP-Kunden davon – ob ab Januar erneut rund 15'000 Leute eine Dauerkarte kaufen werden, ist fraglich. Und: Mehrere Sponsoringverträge enden bald.

An Baustellen jedenfalls mangelt es im Stade de Suisse weiter nicht. Ob YB für die vielen Herausforderungen bereit ist, müssen die Verantwortlichen noch beweisen. Die auf dem Papier mächtigsten Figuren – Stadionchef Alain Kappeler und Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger – sind erst seit kurzem im Betrieb. Verwaltungsrat Werner Müller dagegen ist dem Klub seit Jahrzehnten verbunden. Und es ist klug, die Chefaufgaben in Stadion und Verein zu teilen. Die Entscheidungsträger sind zudem gut beraten, den neuen Sportchef in Ruhe zu suchen. In erster Linie müssen sie den Betrieb ohnehin redimensionieren – und sanieren. Das wird nicht ohne Spielerverkäufe gehen. YB jedoch fehlt es keineswegs an Potenzial, Unterstützung und Begeisterung im Umfeld, um in der Super League bald wieder eine tragende Rolle spielen zu können.

Wie vor dem knapp 27 Monate langen Albtraum «Phase 3».


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/16694045

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 1. November 2012, 10:44 
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01.11.2012

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«Geschäft läuft auch ohne Kaenzig»

Präsident Werner Müller sagt, sportliches Know-how sei bei YB auch während der Phase ohne Sportchef vorhanden.

s ist unbekannt, welche Wirkung der öffentliche Aufruf von Investor Andy Rihs, wonach YB einen Sportchef suche, zeigt. Ob gestern, am Tag 1 nach der Entlassung von Ilja Kaenzig, viele Bewerbungen auf der Geschäftsstelle im Stade de Suisse eintrafen, dazu wollte der Klub auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Wobei sich derzeit ja grundsätzlich die Frage stellt, wer denn diese Dossiers behandelt. Nach Kaenzigs forciertem Abgang besitzt im sportlichen Bereich niemand die alleinige Entscheidungsgewalt.

Was also, wenn YB nun plötzlich ein Angebot für Torjäger Raúl Bobadilla erhält, oder wenn sich Gerüchte erhärten, wonach Klubs aus Osteuropa an Defensivspieler Elsad Zverotic interessiert sind? «Das Tagesgeschäft läuft auch ohne Kaenzig. Know-how ist vorhanden», sagt YB-Präsident Werner Müller. Ein Gremium um Müller, Chefscout Stéphane Chapuisat, den Technischen Direktor Hansruedi Hasler, Trainer Martin Rueda, sowie Interims-CEO Hanspeter Kienberger würde in diesem Fall entscheiden, ob ein allfälliges Angebot verhandelbar ist und die möglichen Einnahmen gegen den sportlichen Verlust abwägen.

Trainer Rueda gestärkt

Im umgekehrten Fall, wenn YB für die Rückrunde Transfers tätigen will, wird Chapuisat die Federführung übernehmen. Viel zu tun kriegen wird der langjährige Bundesligastürmer aber nicht. Mit ihrem grossen Kader haben die Young Boys das Kontingent, das die Liga den Klubs zugesteht (25 Spieler, davon höchstens 17, die nicht in der Schweiz ausgebildet wurden), beinahe ausgeschöpft.

Die Berner dürfen im Winter maximal drei neue Spieler holen. Das sind keine guten Neuigkeiten für Rueda, der gerne die eine oder andere Korrektur im Team anbringen würde. Immerhin darf er sich aber darüber freuen, gestärkt aus dem Umbruch hervorgegangen zu sein: Für einmal fiel die sportliche Misere nicht auf den Trainer zurück, sondern mit Kaenzig auf den CEO.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/10857511

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 Beitrag Verfasst: Donnerstag 1. November 2012, 10:46 
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YB-CEO Kienberger reist zum New-York-Marathon ab

Von einem Trümmerhaufen zum anderen

Derweil der Interims-CEO als erste Amtshandlung nach New York fliegt, beginnt in Bern die Suche nach einem Sportdirektor. Auf dem Feld «null».

Der Tag nach dem Erdbeben, das YB-CEO und Sportchef Ilja Kaenzig wegspülte. Der Geschasste betätigt sich als Tiefseetaucher, will in der Öffentlichkeit nichts sagen. Hanspeter Kienberger (50), der neue VR-Präsident der Holding, der interimistisch Kaenzigs Job als CEO übernimmt, fliegt auch. Allerdings nach New York, wo er den dortigen Marathon bestreitet.

«Zum 15. oder 16. Mal», wie er am Dienstag sagte. Er verlässt gewissermassen den Trümmerhaufen YB, um im Trümmerhaufen Big Apple zu laufen. Weshalb er auch weder am Samstag in Basel im Stadion sein könne noch am Europa-League-Gruppenspiel vom Donnerstag in Udine. Die Zeit sei nach der Rückkehr aus New York zu knapp, um noch ins Friaul zu reisen, sagt Kienberger. Weiter erstaunen darf das nicht, schätzt doch der Aargauer Treuhänder sein YB-Engagement auf 10 bis 20 Prozent.

Trio sucht Kaenzig-Nachfolger

Zu Hause in Bern nimmt Werner Müller, der neue Vizepräsident der Holding und als solcher der starke Mann im sportlichen Tagesgeschäft, die Bewerbungen von Sportdirektoren-Kandidaten entgegen. Müller, der zusammen mit Chefscout Stéphane Chapuisat und dem Technischen Direktor Hansruedi Hasler die Suche voranzutreiben hat: «Ich habe allen Anrufern gesagt: Schickt uns eure Unterlagen. Wir sind offen.» Ein genaues Anforderungsprofil fehlt noch. «Wir sind daran, es zusammenzustellen», sagt Müller. Klar sei nur: Der Neue dürfe keine Ambitionen auf den Job des Trainers haben

Und auch der Termin, bis zu dem man den Mann gefunden haben will, ist nicht genau definiert. Am Dienstag sprach man von Anfang Rückrunde. «Spätestens», sagt Müller. Denn ein Sportchef, der erst dann anfängt, wenn alle Wintertransfers getätigt sind, kommt definitiv zu spät. «So schnell wie möglich», korrigiert Müller deshalb.

Zu Namen will der Mann, der hauptberuflich als Unternehmensentwickler bei Senevita arbeitet – eine Firma für betreutes Wohnen und Pflege im Alter – gar nichts sagen. Fredy Bickel? Stefan Niedermaier? Andres Gerber? Bidu Zaugg? Müller: «Wir schliessen nichts aus.» Nur so viel sickerte aus Bern durch: Bei der dienstäglichen Sichtung von Volker Finke in Bern soll es sich um eine Fata Morgana gehandelt haben.

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