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NZZ, 06.02.2005
Mit Disziplin, Seriosität - und Varela
Die Young Boys nach 2:1 gegen die AC Lugano im Cup-Halbfinal
Gernot Rohr wartete, bis die Gefahr endgültig gebannt war und auch wirklich gar nichts mehr schiefgehen konnte. Die Young Boys führten 2:0, die Luganesi waren nach dem Platzverweis nur noch zu zehnt - jetzt, so dachte sich der Trainer der Berner, war es an der Zeit, Hakan Yakin einzuwechseln und ihn schonend wieder an höhere Aufgaben heranzuführen. Auf dem tiefen Boden war schliesslich Vorsicht geboten. Im November hatte der 28-Jährige letztmals in einem Ernstkampf gespielt, ganze 15 Minuten lang; die Adduktoren hatten ihm das Leben schwer gemacht. Nach 20-minütiger Einsatzzeit zog Rohr sein Fazit über die Yakinschen Fortschritte - «er ist beschwerdefrei». Mehr gab es aus fussballerischer Sicht zu seinem Auftritt nicht anzumerken.
Ein seltsam emotionsloser Nachmittag
Für die Young Boys stand ohnehin anderes im Vordergrund. Nach dem ungefährdeten 2:1 gegen die AC Lugano stehen sie im Halbfinal des Schweizer Cups und wahren die Chance, erstmals seit 1987 wieder den Titel im K.-o.-Wettbewerb zu gewinnen. Sie hätten exakt so gespielt, wie sie seit rund einem Monat trainierten - seriös und diszipliniert, meinte Rohr. Und was sich in den Worten des Trainers nach Verrichtung harter Arbeit ohne Entfaltungsspielraum für die grosse Inspiration anhörte, sah auf dem Rasen auch so aus. Es war ein seltsam emotionsloser Nachmittag im Cornaredo mit einem Tessiner Gegner, der sich allzu sehr duckte, dem zwar in der Nachspielzeit ein Tor gelang, der aber nie in der Lage war, aus seiner Rolle als Sparringpartner auszubrechen; der Vertreter aus der Challenge League schien nicht einmal daran zu glauben.
«Zwischendurch» hatte Rohr auch guten Fussball von seiner Equipe gesehen. Clever waren an diesem Nachmittag vor allem zwei Spieler gewesen: Raimondi und Varela. Das Duo erledigte in der zweiten Halbzeit die Arbeit für die Young Boys im Alleingang, bezeichnenderweise nach zwei Standardsituationen.
In der 50. Minute traf Varela nach einem Eckball seines Kollegen, sieben Minuten später wiederholte sich die Geschichte: Raimondi trat den Freistoss, Varela war wieder zur Stelle. Varela, emotional oft ungesund hochgepuscht, diesmal aber mit Selbstkontrolle, war auf der rechten Aussenbahn der gefährlichste Spieler der Young Boys. Zum Rückrundenstart gegen Yverdon wird er dem Team allerdings fehlen (Sperre), was Trainer Rohr sofort zum Lamento über die dünne Spieler-Decke nützte. 18 Kaderleute stehen ihm am nächsten Wochenende zur Verfügung. Ein Telefonanruf, zum Beispiel an seinen Trainerkollegen Favre vom FC Zürich, würde Rohr vor Augen führen, was Personalknappheit wirklich ist. Apropos FCZ: In der Meisterschaft peilt YB den dritten Rang an, der Grasshopper Club liege in Reichweite der Berner. Nicht so der FC Zürich, der sei «zu weit weg und zu stark für uns», betonte Rohr.
Ein dritter Transfer zu YB steht bevor
Sein Team verfügt dennoch über diverse Einzelspieler mit einiger Klasse - nicht zuletzt auch auf der Bank (Yakin, Tiago, Sermeter, Häberli). Auf dem Rasen wussten, nach eher diskreter, teilweise fehlerhafter erster Halbzeit, auch die neu verpflichteten Christian Schwegler (von Bielefeld) und der Brasilianer Everson (Benfica Lissabon) zu überzeugen. Bald soll noch ein Transfer getätigt werden: Der holländische Stürmer Iwan Redan von Willem II hinterliess im Probetraining einen guten Eindruck, Mitte der nächsten Woche soll er aber nochmals beobachtet werden.
_________________ For Ever
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