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 Beitrag Verfasst: Freitag 27. September 2019, 09:50 
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27.09.2019

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Negatives Novum und mentale Monster

YB-Trainer Gerardo Seoane erlebt die schlechteste Phase seiner Profikarriere. Die Thuner haben für das 1:1 gegen den Meister derweil eine einfache Erklärung.

Als in Thun die ungenügende Vorstellung vorbei war und Gerardo Seoane eine unliebsame Premiere erlebt hatte, da redete der YB-Trainer so, wie er das nach Spielen stets tut: abgeklärt, analytisch und ausgewogen.

Er sagte: «Wir sind immer enttäuscht, wenn wir die Leistung nicht wie gewünscht erbringen. Aber das gehört zum Sport. Man kann nicht immer gewinnen.»

Im Winter wird der bald 41-Jährige seit zwei Jahren Cheftrainer in der Super League sein – bisher hat er fast immer gewonnen. Dreimal in Folge in der Liga nicht das Punktemaximum geholt zu haben, das widerfuhr dem erfolgsverwöhnten Innerschweizer bis Mittwoch überhaupt noch nie.

Nicht im Halbjahr beim FC Luzern, den er als Abstiegskandidat übernommen hatte, nicht während seiner ersten Saison in Bern. Das 2:2 Anfang September in Luzern, das 1:1 gegen Basel und nun dieses 1:1 in Thun, sie ergeben zusammen ein negatives Novum.

YB in der Nano-Krise

Das verdeutlicht die Qualitäten Seoanes sowie dass den Young Boys die letzte Saison überragend gelang. Aber eben auch, dass sie nun nicht ihre beste Phase durchleben.

Wurde das Unentschieden gegen Basel hie und da noch als gewonnener Punkt bewertet, etwa als Captain Fabian Lustenberger meinte, YB befinde sich in der Spur, gibt es zum 1:1 in Thun im Lager der Young Boys keine zwei Meinungen.

«Schade, haben wir das Spiel aus der Hand gegeben», sagte Torschütze Gianluca Gaudino. Und Lustenberger stellte fest: «Es ist klar, dass es nicht unser Anspruch ist, dreimal in Folge unentschieden zu spielen.»

Die naheliegendste Erklärung für die Nano-Krise wäre die Giga-Verletztenliste. Weil sich bei Ngamaleu kurzfristig die Adduktoren bemerkbar gemacht hatten, umfasste die Absenzenliste in Thun sieben – vorab prominente – Namen.

Doch Seoane wollte die vielen Verletzten nicht als Erklärung für die dürftige Darbietung gelten lassen. Er stellte lakonisch fest: «Schliesslich haben sie nicht gespielt.»

Natürlich gehört immer ein Gegner dazu. Am Mittwoch war Thun einer, dessen Möglichkeiten – auch verletzungsbedingt – limitiert waren, der sich davon jedoch nicht abbringen liess und mit dem 1:1 von Saleh Chihadeh in der 84. Minute dafür belohnt wurde.

«Wir sind zufrieden», sagte Mittelfeldspieler Basil Stillhart. Zumal sich die Negativserie mit drei torlosen Niederlagen in Folge auf das Selbstvertrauen ausgewirkt habe. «Gerade in unseren Offensivbemühungen machte sich das bemerkbar.»

Schneider sieht es anders

Bei den Erklärungsversuchen, warum sein Team just gegen den Meister mal wieder punktete, kam Thun-Trainer Marc Schneider auf ein Thema zu sprechen, dass in Deutschland zuletzt in der Bundesliga-Berichterstattung mitbestimmend gewesen war.

Nachdem Dortmund am Sonntag bei Frankfurt in den Schlussminuten den Sieg verspielt und ein Reporter BVB-Captain Marco Reus gefragt hatte, ob das mit «fehlender Mentalität» zu erklären sei, da entgegnete dieser entnervt: «Das geht mir so auf die Eier mit eurer Mentalitätsscheisse.»

Und forderte: «Kommt mir nicht mit Mentalität, bitte. Jetzt ist langsam mal gut. Okay?» Und bei Leverkusens Trainer Peter Bosz klang es kürzlich sinngemäss ähnlich, als er dem Magazin «11 Freunde» sagte: «Mir kommt es manchmal vor, als würden Leute, die nicht allzu viel Ahnung von Fussball haben, den Begriff ‹Mentalität› nutzen, um sich zu erklären, warum ein schwächeres Team einen Favoriten besiegt. So brauchen sie nicht in die tiefere Analyse einzusteigen. Mentalität – fertig!»

Thun war der Aussenseiter, YB der Favorit. Kein Sachverständiger würde Schneider den Sachverstand absprechen – und doch sieht es der 39-Jährige anders. Auf die Frage, zu wie viel Prozent der mentale Bereich zum 1:1 beigetragen habe, sagte Schneider am Donnerstag, es spiele sich alles im Kopf ab. «Wir sprachen vor der Partie davon, dass, wenn wir gegen YB punkten wollen, daran glauben müssen. Das taten wir.»


https://www.bernerzeitung.ch/negatives- ... y/27851393

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