15.09.2016

Zitat:
Ein 0:1 und viel Siegenthaler-Bashing
YB ist der Start in die Europa League gegen Olympiakos missglückt. Für die Berner Fans bot die Partie eine Plattform, um Stimmung gegen Verwaltungsrat Urs Siegenthaler zu machen.
Auf diesen 15. September hatte YB hingearbeitet. Das Erreichen der Gruppenphase hatte der Club als eines seiner Saisonziele deklariert. Und nun, als es so weit war, spielte der Fussball eigentlich nur eine Nebenrolle. In Bern gibt es in diesen Tagen ein anderes Thema, das im Fokus steht: die Turbulenzen rund um die neue Ausrichtung und die Absetzung von Sportchef wie CEO.
Wie angekündigt, nutzten die beiden YB-Fandachverbände Bern Ostkurve und Gäubschwarzsüchtig die Partie als Plattform, um ihren Unmut über die Vorfälle zu manifestieren. Zur Zielscheibe ist in Bern in dieser Woche eine Figur geworden: Urs Siegenthaler, Verwaltungsrat und bei YB der neue starke Mann im sportlichen Bereich. In regelmässigen Abschnitten platzierten die Fans Botschaften. Es gab kreative, wie das Spruchband mit einem Vers aus dem Mani-Matter-Lied «Mir hei e Verein», in dem es um Leute geht, die dazu gehören, und andere, die nicht dazu gehören. Ein weiteres Transparent war sehr deftig:«Siegenthaler ist so falsch wie seine Haare». Das Mass überschritten wurde mit Böllern und der grossen schwarzen Rauchwolke, was zu einem kurzen Spielunterbruch führte – als «Chlini Dänkpouse für den VR».
Der BSC YB, das haben die gestrigen Ereignisse gezeigt, steht vor schwierigen Wochen und einer ungewissen Zukunft. Siegenthaler hat bereits den Status einer Persona non grata – und ist daran alles andere als unschuldig.
Adi Hütter hatte sein Team im Vorfeld auf diese zu erwartenden, schwierigen Umstände vorbereitet. Beim Gang in die Pause bat der YB-Trainer die Fans dann trotzdem um mehr Unterstützung für seine Spieler. Das bewirkte, dass der Abend später phasenweise doch noch Züge eines normalen Matches annahm.
Ja, ein Fussballspiel war es ja auch noch. Kein schlechtes, aber auch kein gutes. Eine Halbzeit lang schien es, als wollten die Kicker auf dem Rasen das Treiben auf den Rängen nicht über Gebühr stören. Gelungene Aktionen waren Mangelware. Und es hätte zur Pause kaum etwas zu vermelden gegeben, wenn sich die Berner in der 42. Minute nicht hätten ausspielen lassen. Es war schliesslich der 36-jährige argentinische Mittelfeldspieler Esteban Cambiasso, der den Ball über die Linie drückte.
Kaum eine Reaktion auf das 0:1
Dieser Treffer bedeutete eine frühe Vorentscheidung. Denn YB konnte die Mängel im Offensivspiel auch im weiteren Verlauf des Spiels nicht ausmerzen. Eine Chance für Frey (61.) und ein viel zu hoch angesetzter Schuss von Ravet (75.) blieben die einzigen Szenen, in denen es ernsthaft nach dem Ausgleichstor roch. Frey und Kubo konnten sich ganz vorne kaum entfalten, Ravet und Sulejmani auf den Aussenbahnen blieben blass. Die Absenzen von Hoarau und Gerndt wiegen auf diesem Niveau zu schwer. «Wir wissen, dass wir personell im Moment sehr dünn besetzt sind», sagte Hütter zu diesem Aspekt. Trotzdem sei es schade, dass es nicht zu einem Punkt gereicht habe. «Aus meiner Sicht war der Unterschied zwischen den beiden Teams nicht sehr gross.»
«Wir haben das Spiel über weite Strecken kontrolliert, es war ein typischer Sieg von Olympiakos», freute sich Paulo Bento, der neue portugiesische Trainer des griechischen Serienmeisters, dessen Effizienz beeindruckte.
Für Piräus gab es drei Punkte und 360'000 Franken Prämie, für die YB-Spieler immerhin verhaltenen Applaus von den Rängen.
Zu Ende ging der Abend im Stade de Suisse mit dem letzten kurzen Akt des Siegenthaler-Bashings.
http://www.derbund.ch/sport/fussball/ei ... y/10103020