04.03.2013

Zitat:
So sieht ein Arbeitssieg aus
Vor einer Woche, beim 0:4 in Zürich, gehörte Michael Frey nicht mal zum Aufgebot. Gestern war der 18-jährige Stürmer das Symbol für das 2:0 gegen St. Gallen. Ein Sieg, der nicht herausgespielt, sondern erzwungen wurde.
Michael Frey ist kein Fussball-Künstler. Souplesse gehört nicht zu seinen Kernkompetenzen. Viel eher ist er ein stürmender Schwerarbeiter. Einer mit grossem Herzen und noch grösserem Willen. Einer, der keinen Ball verloren gibt. Und einer, der den Verteidigern wehtun kann. Aber Frey ist noch jung. Quasi ein Auszubildender. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass er am Ball noch geschmeidiger wird. Aber auch so ist er ein Gewinn für dieses YB. Weil er das verkörpert, was den Bernern meist fehlt: Killerinstinkt.
Frey ist keiner, der die Tore en passant erzielt. Nein, da steckt sehr viel Arbeit dahinter. Wie gestern, als er 54 Minuten lang unermüdlich rackerte und unzählige Schläge einsteckte, ehe er zur ersten Chance kam und diese mit einem Hechtkopfball auch gleich zum 1:0 verwertete. Dass der Vorbereiter Christian Schneuwly war, überraschte. Denn Schneuwly hatte bis zu jener Szene fast nur Fehler produziert wie beispielsweise in der 9. Minute, als er auf dilettantische Art eine hochkarätige Chance vergab.
Auch wenn Raphael Nuzzolo mit einer herrlichen Einzelleistung in der 78. Minute das 2:0 erzielte, war es kein grosser Auftritt von YB. Aber das war nach zwei Niederlagen in Folge auch nicht gefragt. «Arbeitssieg ist die richtige Bezeichnung», so Frey. Und Trainer Martin Rueda resümierte: «Unser Ziel war es, St. Gallen zu bekämpfen und jene Aggressivität zu zeigen, die wir die letzten zwei Wochen vermissen liessen.»
St. Gallens Trainer Jeff Saibene indes war mit der Darbietung seines Teams überhaupt nicht zufrieden. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte der Luxemburger. «Ohne Biss und ohne Härte gehts nicht. Dabei habe ich schon in der Pause gesagt, dass wir das Spiel verlieren werden, falls es uns nicht gelingt, eine Schippe draufzulegen. YB hat uns vorgemacht, wie es ginge. Ich habe grosse Mühe, wenn einige Spieler denken: Wir sind Dritter, es läuft doch alles gut. Die Spieler werden es noch zu spüren bekommen.» Und wie sieht das aus? «Der freie Montag ist gestrichen. Stattdessen werden wir zwei Mal trainieren. Und auch am Dienstag und am Mittwoch werden wir zwei Mal trainieren.» Apropos Saibene: Kurz vor der Pause wurde er von Schiedsrichter Adrien Jacottet auf die Tribüne verbannt. «Ich weiss gar nicht mehr genau, was ich zum Schiedsrichter gesagt habe. Jedenfalls nichts Schlimmes.»