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25.05.2016
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Die Richtung stimmt – auch dank Trainer Adi Hütter
Sportredaktor Fabian Ruch zieht eine YB-Saisonbilanz.
Ein Spiel wie die Saison. So war das am Sonntag, als YB zu Hause gegen Basel bald 0:3 in Rückstand lag und am Ende halbwegs ehrenvoll 2:3 verlor. Schlimm war die Niederlage nicht, und doch war die Begegnung ein Fingerzeig für die Young Boys. Es reicht gegen den FCB noch nicht ganz, selbst wenn der Serienmeister mit einer besseren B-Mannschaft antritt.
Und doch sind die YB-Aussichten für die Zukunft sehr gut. Man mag das, weil man bei den Young Boys in der Vergangenheit so viele Rückschläge erlebte, als Zweckoptimismus empfinden, wenn man möchte. Aber die Richtung des Vereins stimmt im sportlichen Bereich auf vielen Ebenen – und die Resultate entscheiden, wie es um den Gesamtbetrieb im Stade de Suisse bestellt ist.
Hinter den Young Boys liegt eine ordentliche Saison. Und das ist zum heutigen Zeitpunkt als Erfolg zu bewerten. Nach dem katastrophalen Saisonstart, als bereits nach wenigen Wochen die Champions League wie die Europa League verpasst worden waren und der Meistertitel kein Thema mehr sein konnte, schaffte es der neue Trainer Adi Hütter, die Mannschaft sofort zu stabilisieren. Es war vielleicht Fredy Bickels grösster Fehler gewesen, Hütters Vorgänger Uli Forte nicht im Sommer ausgetauscht zu haben – wie es der Sportchef eigentlich machen wollte, weil er nicht mehr an Forte geglaubt hatte.
Insgesamt aber ist es Bickel gelungen, ein Team aufzubauen, das in der Lage ist, bald endlich wieder einen Titel zu gewinnen. Die Mischung aus Erfahrung, Klasse und Talent passt. Allerdings ist noch nicht klar, welches Gesicht die YB-Mannschaft in der nächsten Saison genau haben wird. Verlässt tatsächlich keiner der jungen, umworbenen Akteure wie Denis Zakaria, Yvon Mvogo und Florent Hadergjonaj den Verein, was auch aus Sicht der teilweise noch recht unerfahrenen Talente am sinnvollsten wäre, ist es den Young Boys zuzutrauen, den FC Basel anzugreifen.
Unzufriedene Kräfte wie Milan Vilotic und vor allem Sékou Sanogo werden bei YB wohl gehen, die Leistungsträger aber könnten gehalten werden. Im zentralen Mittelfeld fehlte zuletzt ein überragender Taktgeber. Allerdings dürfte das grosse Talent Zakaria bei entsprechender Entwicklung in die Chefrolle schlüpfen. Personalbedarf herrscht auf den Flügelpositionen. Dort sind die überzeugenden Yoric Ravet und Miralem Sulejmani gesetzt, doch weil auf YB bereits im Sommer erneut ein happiges Programm wartet, benötigt Coach Hütter starke Alternativen.
Der FC Basel aber bleibt das Mass aller Dinge in der Super League. Er arbeitet ausgezeichnet, und für einmal wird der personelle Umbruch moderat ausfallen. Sogar der Trainer, Urs Fischer, bleibt gleich. Und dank des Verkaufs von Breel Embolo für rund 30 Millionen Franken sowie wegen der Einnahmen aus der Champions League von mindestens 15 Millionen wird sich die glänzende wirtschaftliche Situation der Basler weiter verbessern.
Aber auch YB, das ist eine andere erfreuliche Nachricht, steht in dieser Beziehung nach struben finanziellen Jahren mit hohen Millionenverlusten seit 2010 vor rosigeren Zeiten. Im Team hat es mehrere Spieler, die teuer verkauft werden können, bei Zakaria lockt sogar eine achtstellige Ablösesumme. 2017 wird es zu mehreren Mutationen kommen, deshalb steht das Team nun vor der Reifeprüfung.
YB darf sich erneut hohe Ziele setzen. Alles andere wäre nicht glaubwürdig. Es war auch im letzten Sommer nachvollziehbar gewesen, einen Titel als Zielsetzung zu formulieren. Und am Sonntag wird der Verein noch einmal mit einem schwarzen Fleck der letzten Jahre konfrontiert.
Im Cupfinal stehen sich die zwei schlechtesten Teams der Liga, Zürich und Lugano, gegenüber. Gegen den FCZ hatte YB zu Hause im Achtelfinal eine der schwächsten Vorstellungen unter Hütter abgeliefert (1:3). In der Rückrunde agierten die Young Boys gegen kleinere Teams dann deutlich stabiler. Es ist ein weiterer Fortschritt auf dem Steigerungslauf unter Hütter zum souveränen Erreichen von Rang 2.
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26.05.2016
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Ein Horrorsommer und seine Folgen
YB stürzte bei der Titeljagd völlig ab. Hoffnungsträger ist nunmehr Adi Hütter.
Die Young Boys beenden die Saison 2015/16 wie die vorangegangene: auf Rang zwei. Der Vorsprung auf das drittklassierte Luzern beträgt 15 Punkte. 20 von 36 Partien haben die Berner gewonnen, nur 7-mal gingen sie als Verlierer vom Platz. Sie sind das Team mit den zweitmeisten geschossenen Toren (78) und stellen statistisch gesehen die zweitbeste Abwehr (47 Gegentore). In der U-21-Trophy, die den Einsatz von Spielern mit Jahrgang 1994 oder jünger in der Super League bewertet, stehen die Young Boys sogar zuoberst auf dem Treppchen.
Das ist jedoch ein schwacher Trost für einen Club, der im letzten Sommer Grosses im Sinn hatte. Nach fast 30 Jahren in der Warteschlange wollte er endlich wieder einen wichtigen Titel holen. Auch im internationalen Wettbewerb sollten dickere Stricke zerrissen werden, das Erreichen der Gruppenphase der Europa League war das Mindestziel. Das Streben nach höheren Weihen war mutig angesichts der Stärkeverhältnisse in der Super League und der Cup-Blamagen der letzten Jahre. Doch es gab durchaus Gründe, sich vor dem Saisonstart weit aus dem Fenster zu lehnen. Die Spielzeit 2014/15 hatte YB als Zweiter beendet, wenn auch mit ordentlichem Abstand auf Basel (12 Punkte). Das Team war zusammengeblieben, von Benfica Lissabon waren für viel Geld Loris Benito und Miralem Sulejmani geholt worden, und für jede Position standen zwei fast gleichwertige Spieler zur Verfügung.
Als die Feuerwehr streikte
Unvergessen sind die forschen Töne, die Trainer Uli Forte vor dem Saisonauftakt gegen den FCZ anschlug. «Wir wollen loslegen wie die Feuerwehr», verkündete er selbstbewusst. Es passte denkbar schlecht zum dem, was sein Team dann bot. Es agierte beim 1:1 so konfus und uninspiriert, als käme es direkt aus den Ferien. Bei der sportlichen Führung dürften schon an diesem heissen Juliabend die Alarmglocken geläutet haben. Nach weiteren schwachen Auftritten in der Meisterschaft und einem Totalabsturz im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation in Monaco war Forte seinen Job los.
Es war eine Entlassung zur Unzeit, denn ein geeigneter Nachfolger stand nicht bereit. Also wurde halt Assistent Harald Gämperle zum Interimschef befördert. Das war naheliegend, weckte gleichzeitig aber auch böse Ahnungen. Hatte Sportchef Fredy Bickel etwa vor, seinen langjährigen Weggefährten fix auf dem Chefposten zu installieren? Zuzutrauen war es ihm. Auch weil er durchblicken liess, Gämperle sei ein Kandidat, wenn die Resultate stimmten.
Das Experiment mit Gämperle mündete ins Debakel von Baku, wo die Young Boys von Karabach vorgeführt wurden. Kübelweise Spott und Hohn prasselten hernach auf sie nieder. Dass wichtige Akteure wegen Verletzungen (Hoarau, Gerndt, Sanogo) oder Krankheit (Steffen) nicht mittun konnten, interessierte niemanden wirklich. Wieso auch? Es gab nichts zu beschönigen: YB hatte sich innert weniger als zweier Monate praktisch aus dem Meisterrennen verabschiedet. Das war blamabel und provozierte kritische Fragen an die sportliche Führung.
Mitten im Sturm zauberte YB endlich den neuen Trainer aus dem Hut. Er hiess Adi Hütter und passte nicht in Bickels übliches Beuteschema. Der Österreicher gehörte weder zum Bekanntenkreis des Sportchefs, noch war er mit den Begebenheiten der Super League vertraut. Das bekümmerte ihn ebenso wenig wie das Verlierer-Image, das YB nachgesagt wurde. Er sei nach Bern gekommen, um eine Mannschaft aufzubauen, die eine Winnermentalität verinnerliche, betonte Hütter. Und siehe da: Unter dem neuen Trainer setzte das Team zu einem kurzzeitigen Höhenflug an. Danach folgte wieder die Ernüchterung: Im Cup schied YB ein weiteres Mal vorzeitig aus, diesmal im Achtelfinal gegen den FCZ. Aus und vorbei war der Traum von einem Titel – und das Ende Oktober.
Hütters langer Prolog
Verrückt, aber wahr: Für Hütter begann danach schon der Prolog für die nächste Saison. Wobei er sich erst in der zweiten Meisterschaftshälfte gemessen habe wollte, da er vorher aus zeitlichen Gründen nur punktuelle Korrekturen vornehmen konnte.
Nach der Winterpause ist YB konstanter geworden; gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte wurde regelmässig gepunktet. Zuhause überzeugte die Equipe mit mutigem Offensivfussball, in der Fremde waren die Auftritte solide. Das ist ein Verdienst des Coachs, dessen Klarheit und Konsequenz bei den Spielern ankommt. Was weiter auffällt: Hütter nimmt keine Rücksicht auf die Meriten der Spieler. Wer besser ist, der spielt in der Regel. So verlor Milan Vilotic seinen Platz in der Innenverteidigung an Gregory Wüthrich beziehungsweise Alain Rochat, Milan Gajic musste zuerst hinter Aufsteiger Denis Zakaria und Leonardo Bertone anstehen, Jan Lecjaks bekam den Atem des 18-jährigen Linus Obexer zu spüren, und Alexander Gerndt wurde zwischenzeitlich von Yuya Kubo bedrängt.
So gut sich Hütters Arbeit angelassen hat: An den Kräfteverhältnissen in der Liga hat er bisher nicht rütteln können. Der FC Basel bewegt sich weiterhin in einer anderen Sphäre. 14??Punkte Vorsprung hat er heuer auf YB, welches sich fest vorgenommen hatte, ihm auf den Füssen herumzutrampeln. Angesichts der erdrückenden Dominanz des Serienmeisters bleibt den Bernern primär das Prinzip Hoffnung. Die Hoffnung, dass auch der FCB irgendwann mal ins Straucheln gerät und sie selber in diesem Moment parat sind für den grossen Coup.
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26.05.2016
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Lahmer Start, temporeicher Finish – die YB-Saison in Bildern
Ein harziger Start, ein Trainerwechsel und hochattraktiver Offensivfussball zum Schluss: Das war die YB-Saison 2015/16. Klicken Sie sich nochmals durch die Höhe- und Tiefpunkte der letzten zehn Monate.
Wieder geht eine Super-League-Saison zu Ende. Zeit, einen Blick zurück zu werfen, natürlich durch die gelb-schwarze Brille. Die Young Boys gehen bei der Titelvergabe wieder einmal leer aus. Bereits zum siebten mal in Folge ist es der Rivale aus Basel, der den Kübel in die Höhe stemmt.
Doch Missmut und Enttäuschung wären fehl am Platz. Gerade in der zweiten Saisonhälfte steigerten sich die Berner massiv. Mit hochattraktivem Offensivfussball unter Coach Adi Hütter eilten sie von Sieg zu Sieg, überholten schliesslich GC und beendeten die Saison souverän auf dem 2. Platz, womit sie im Juli wiederum die Champions-League-Qualifikation antreten dürfen.
Der YB-Fan fragt sich Ende Saison, was wohl möglich gewesen wäre, wenn die Berner bereits zu Beginn der Saison so spektakulär und erfolgreich aufgespielt hätten. Doch in der ersten Saisonhälfte war YB mal wieder ein Wundertüten-Verein. Da war alles drin, was die Emotionen hochgehen lässt: ein harziger Start trotz selten hohen Erwartungen, bereits zwei von drei verpassten Saisonzielen (Cup-Out, Europa-League-Out), die umstrittene Absetzung von Coach Uli Forte und mit dem Österreicher Adi Hütter eine überraschende Neuernennung. Doch da konnte ja noch keiner wissen, wie stark sich die Young Boys unter Hütters Pressingfussball entwickeln würden.
Auch neben dem Rasen gabs viel Gesprächsstoff: Ist Fredy Bickel noch der richtige Sportchef? Uli Fortes für Stirnrunzeln sorgendes Motto «Enjoy!» vor dem Champions-League-Playoff-Spiel gegen Monaco, die um Minuten zu spät verschickte E-Mail zur Bestätigung des Sanogo-Transfers oder etwa die Causa Steffen, die den Club wochenlang begleitete.
Klicken Sie sich hier nochmals durch die Höhe- und Tiefpunkte der vergangenen zehn YB-Monate. Viel Spass!
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25.05.2016
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«Es regt mich heute noch auf, wie YB Titel verspielt hat»
Kuno Lauener ist riesiger YB-Fan. Der Züri-West-Sänger spricht über seine Lust und seine Leiden mit den Young Boys, über seine sportliche Karriere und Büne Huber, über Diego Simeone, Cristiano Ronaldo und Renato Steffen.
Wieso sind Sie YB-Fan? Kuno Lauener: Kann man sich das auswählen?
Erzählen Sie. Es ist so: Ich war mal mit den Eltern in Valbella in den Herbstferien, das war Ende der Sechzigerjahre. Der FC Lugano war da im Trainingslager, und ich als Bub war fasziniert von den Pandabärentrikots. Ich besuchte also die Trainings, holte Unterschriften, und irgendwann spielte Lugano dann in Bern. Ich ging an mein erstes YB-Spiel, ich glaube, YB gewann, und ich war begeistert von den Leuten und den Fahnen und dem Drumherum. Von da an war ich grosser YB-Fan.
Waren damals alle in der Schule für die Young Boys? Das war eine andere Zeit, es gab kein Merchandising, die Tanten strickten einen Schal, oder man bastelte ein Shirt und malte eine Nummer hintendrauf. Es ging in der Schule weniger um Teams oder Spieler. Wir kickten lieber selber, ich wohnte in Niederwangen, ab 10 Jahren im Spiegel.
Wer waren Ihre Fussballhelden? Irgendwie faszinierte mich Walter Eichenberger, der YB-Goalie, sehr, auch Köbi Brechbühl und dann Dario Zuffi, aber das war viel später. Ich war ein grosser Günter-Netzer-Fan, Karli Odermatt war ein Idol. Der Style gefiel mir, die langen Haaren, auch René Botteron fand ich damals cool.
Wie verfolgten Sie als Kind die grossen Turniere? Sehr intensiv. Ich erinnere mich an ein Spiel zwischen Polen und Deutschland, als es heftig regnete, das war 1974, ich musste nach dem Match Zeitungen vertragen.
Und Sie selber kickten gut? Nicht schlecht. Ich war Mittelstürmer, Nummer 9, von 13 bis 18 Jahren spielte ich beim FC Köniz, vorher war ich noch beim STB.
Kuno, der Leichtathlet? Ja, ja, da wurden neue Sachen ausprobiert, ich war im Stabhochsprung, weiss aber nicht mehr, wie hoch ich fliegen konnte. Einmal kam das Fernsehen wegen eines Jubiläums, 5000 Jahre STB oder so, und ausgerechnet ich wurde gefilmt und flog heftig auf den Rücken. Aber ich war vor allem Sprinter und schnell unterwegs über 80 Meter.
Fussball hat aber schon mehr Spass gemacht, oder? Klar. Und es ging schnell vorwärts. Als ich zu den B-Junioren kam, wurde ich bald zu den A-Junioren befördert, weil es dort irgendein Haschischproblem gab und ein paar Jungs gehen mussten. Ich schoss ziemlich viele Öfen, irgendwann aber kamen die Musik, die Lehre, die Mädchen, der Ausgang, da war meine Fussballerkarriere rassig vorbei. Eigentlich schade, denn ich war recht ehrgeizig gewesen. Ich war technisch nicht so stark, aber schnell, lief viel, bot mich an, ging hart ran, war ein Strafraumstürmer.
Mit welchem aktuellen Spieler würden Sie sich vergleichen? Ich wünsche mir, wie Claudio Pizarro von Werder Bremen gespielt zu haben (schmunzelt).
Das ist ein Filou, ein Techniker. Ein Filou war ich auch. Pizarro ist einfach ein Superstürmer, leider ist er fast 40 und hört bald auf. Und ich habe auch schon ewig nicht mehr richtig gespielt.
Golf wäre eine Alternative. . . . wegen meines Alters oder wegen meiner Knie- und Gelenkprobleme? (lacht) Golf hat mich nie interessiert, das ist ja das Gegenteil von Rock ’n’ Roll.
Welchen Sport machten Sie noch? Billard, früher, als es noch Tische in den Restaurants gab. Aber das war eher in der Nacht und als ich jung war. Nüchtern stand ich kaum einmal an einem Billardtisch. Manchmal bereue ich es, nicht weiter Fussball gespielt zu haben. Nach meiner Zeit bei Köniz spielte ich noch mit Kollegen in der Badi oder manchmal beim Egelsee. Bald steht immerhin ein Tor in unserem Garten, dann kicke ich mit dem Sohn. Damals war die Liebe zur Musik stärker.
Aber YB blieben Sie immer treu? Klar, wobei es als Teenager teilweise zu teuer war, an die Spiele zu gehen. Und ich muss sagen, in den Achtzigerjahren rückte Fussball ein wenig in den Hintergrund, da ging es mit meinen Bands los. Ich verfolgte YB über die Medien, aber ich hatte andere Probleme. Mein erstes Leibchen war jenes mit der Casio-Werbung. Als Kind ging ich mit Kappe und Halstuch an die Spiele, ein Trikot trug ich fast nie. Das war mir zu auffällig, wobei man in einem YB-Leibchen ja am diskretesten wäre.
Sie sind ein diskreter Mensch? Ja, ausser auf der Bühne, da muss man einen durchgeben, da bin ich Musiker, nicht Privatperson. Darum gefällt es mir im Stadion, es herrscht eine gesellige Stimmung. Anfang der Neunzigerjahre nahm es mir wieder den Ärmel rein, seither habe ich eine Saisonkarte.
Immer? Fast immer. Wir waren mit Züri West viel unterwegs, auch an Wochenenden, aber ab 1991 war ich stets dabei. Als es bei YB richtig mühsam wurde (lacht). Wir waren irgendwo auf der Seite im Wankdorf, da hat es sich ja recht verlaufen, das war nicht so kompakt. Ich ging auch in der NLB immer, sogar an Auswärtsspiele. Das war manchmal himmeltraurig.
Deshalb mochten Sie Thomas Häberli? Er spielte auch in der NLB. Mir gefiel die YB-Zeit im Neufeld, mit Harut Wardanjan und Artur Petrosjan, es war alles viel unbeschwerter. Und nicht nur wegen des Charmes im Stadion.
Sie erlebten erst drei Titel mit. Können Sie sich an die Meisterschaft 1986 und an die Cupsiege 1977 und 1987 von YB erinnern? Das nahm ich einfach so mit, ich konnte das nicht abschätzen. Wenn ich aber heute auf die Jahre ohne Titel zurückschaue, kann ich kaum nachvollziehen, wie cool wir das nahmen. 1986 war unsere Band halt grad neu, wir hatten uns 1984 gegründet und waren sehr mit uns beschäftigt. Das war eine Phase, als ich mich vor allem als Zeitungsleser mit YB befasste. Ich bin «Bund»-Leser, sorry . . .
. . . kein Problem . . . . . . aber bei YB schaue ich natürlich heute auch immer in die Berner Zeitung. Auf jeden Fall war es 1986 so, dass ich mich YB-mässig vor allem aus den Medien ernährte. Vom Meistertitel erfuhr ich erst am Tag danach, man feierte es in Bern ja auch nicht richtig. Und am TV gab es keine Wiederholungen der Sendungen.
Seither haben Sie viel erdulden müssen, mit den verlorenen Cupfinals und den Finalissimas. Oh ja, es regt mich heute noch auf, wie YB Titel verspielt hat. Ich verstehe nicht, wieso man Gilles Yapi 2010 nicht mehr spielen liess, weil er Ende Saison zu Basel wechselte. Damals war ich ja im YB-Beirat und nahe dran.
Wie sehr leiden Sie an der Titellosigkeit der Young Boys? Man kann es nicht herbeireden. Ich sehne mich danach, aber ich drehe nicht grad durch, wenns nicht reicht. Die 30 Jahre sind eine frustrierend lange Zeit, doch ich versuche es möglichst objektiv zu sehen. Manchmal gelingt es mir besser, das zu akzeptieren, manchmal schlecht. Im letzten Sommer regte ich mich fürchterlich auf, weil Trainer Uli Forte nach ein paar Wochen entlassen wurde. Aber man weiss ja auch nicht alles und muss die Dinge annehmen, wie sie sind.
Würden Sie von sich behaupten, Sie seien ein Fussballexperte? Wer ist das nicht? (lacht) Also mit den variablen Systemen heute ist es nicht einfach. Und ehrlich gesagt, denke ich manchmal, dass ich gar nicht so viel von Fussball verstehe, wenn ich überlege, wie viel ich mich damit beschäftige.
Was sagen Sie zum Ausfall Ihres Musikerkollegen Büne Huber von Patent Ochsner, der Fussballer als Pussys bezeichnete? Ach, ich habe auch schon manchen Blödsinn gesagt. Wir kennen uns lange, und unser Verhältnis ist kameradschaftlich. Wir schmunzeln oft darüber, dass es gerne heisst: Entweder ist man Züri West oder Patent Ochsner.
Wer ist denn Züri West, und wer ist Patent Ochsner? Das ist eine Haltungsfrage! Uns mögen wohl die Coolen. (lacht)
Nicht die Pussys? (schmunzelt) Das kann ich jetzt doch nicht sagen. Wir waren immer eher urbaner, aber heute gibt es eine grosse Schnittmenge.
Es ist wie: Stones oder Beatles? Das ist übertrieben. Da bin ich mehr für die Rolling Stones, obwohl ich grosser Beatles-Fan bin.
Zurück zu Hubers Aussage: Regen Sie tätowierte Fussballer auf? Ich habe kein Tattoo, und mir ist es v
Mögen Sie Eishockey? Ja, ich schaue sowieso viel Sport, nicht unbedingt Autorennen oder Velo, früher aber Boxen mitten in der Nacht, Muhammed Ali, heute manchmal Tennis mit Roger Federer, und dann jedes Skirennen, da bin ich grosser Fan und verfolge die Athleten. Fabienne Suter gefällt mir sehr. Sie ist so ein Pechvogel mit all ihren vierten Rängen, da muss ich jedes Mal fürchterlich mitleiden. Bei den Herren gibt es ein paar interessante junge Slalomfahrer, Daniel Yule, Luca Aerni, Justin Murisier. Und Beat Feuz natürlich, er ist unglaublich. Der Skisport wird zwar immer spezieller, weil es kaum noch Schnee hat und es ständig Verschiebungen gibt, aber ich schaue immer. Ein Held der Jugend war Bernhard Russi, langhaarig, smart, schnell, da stieg ich auf den Zug auf.
Und was ist mit Eishockey? Ich war an SCB-Spielen, die Playoffs verfolge ich immer, doch der Modus im Eishockey, wo es für einen Hobbyfan wie mich monatelang um scheinbar nichts geht, hält mich davon ab, mich während der gesamten Saison damit zu beschäftigen. Ich geniesse aber die Abende in der Eishockeyarena. Mein Herz gehört jedoch ganz klar dem Fussball.
Mögen Sie lieber feine Techniker oder harte Fighter? Beides. Hakan Yakin war ein Superkicker, aber ich stehe auf Akteure wie Carlos Varela, die an die Grenze gehen. Und ich liebe authentische Figuren wie Marc Zellweger früher bei St. Gallen.
Cristiano Ronaldo ist so gesehen kaum Ihr Liebling? Nein, nein, nein, hinten und vorne nicht. Das ist Affentheater.
Also ist Ihnen die Champions League ziemlich egal? Nein, eben nicht, ich schaue es, ich Tubel, es ist halt Fussball. Und wie Atletico Madrid kürzlich Bayern rauswarf, das war grosses Kino.
Diego Simeone, der Trainer Atleticos, wird Ihnen gefallen mit seiner aggressiven, wilden Art. Nicht nur, aber er ist ein Krieger, das ist wahnsinnig, wie er seine Spieler und das Publikum pusht. Und dann auf der anderen Seite Pep Guardiola. Der ist wie ein Gegenentwurf. Er macht seine Sache sicher super, aber ich finde es komisch, wenn eine Mannschaft wie Bayern München fast verschwindet hinter dem Trainer. Da mag ich Simeone lieber, oder den Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt oder Christian Streich in Freiburg. Das ist saubere Arbeit.
Und welcher YB-Trainer gefiel Ihnen zuletzt am besten? Adi Hütter kenne ich nicht persönlich, aber er passt mir mit seiner Sachlichkeit. Meistens ist es ja so: Am Anfang sind alle begeistert, irgendwann flaut die Euphorie ab. Das war bei Vladimir Petkovic so, und bei Christian Gross dachte ich: Yes! Und war dann halt sehr enttäuscht, er war wohl zu old school. Wir hatten ja alles bei YB zuletzt, strenge wie Gross, lockere wie Uli Forte, am besten gefiel mir Marco Schällibaum.
Warum? Weil er halt auch eine kontroverse Figur war. Und es war eben zur Neufeld-Romantik-Zeit, zudem lernte ich ihn kennen, er ist ein «geile Siech». Mit anderen konnte ich danach weniger anfangen, mit Hans-Peter Zaugg und Gernot Rohr etwa, auch Martin Andermatt war mir zu lehrerhaft, mit dem netten Martin Rueda ging es leider voll in die Hosen.
Wieso verstanden Sie sich eigentlich mit Stefan Niedermaier, dem früheren CEO, so gut? Er ist ein toller Typ und ein guter Freund von mir, er holte mich ja auch in den Beirat. Als er bei YB rausflog, fand ich das und vor allem die Art und Weise total daneben. Wir vom Beirat waren nicht einmal informiert worden, das geriet alles zur Farce. Ich hatte bis da immer das Gefühl, YB sei unter Niedermaier auf einem sehr guten Weg, der Groove stimmte. Und weil ich danach wenig Lust verspürte, an den Sitzungen mit diesem Benno Oertig zusammenzuhocken, bin ich aus dem Beirat ausgestiegen.
In der Niedermaier-Zeit trat Züri West 2008 zum 110-Jahr-YB-Jubiläum als «The Häberlis» auf. Das war eine grossartige Nacht, als Gage gab es Saisonkarten für 10 Jahre. Seit ich Kinder habe, bin ich aber viel zu selten im Stadion.
Aber bestimmt sind die Kleinen mit YB-Leibchen ausgestattet. Nein. Sie wurden von der Nachbarin mit tollen YB-Stricksachen beschenkt, Puppen zum Beispiel. Ich habe dann Voodoo-Puppen, wenn YB gegen Basel spielt. Am letzten Sonntag hat es leider nicht funktioniert. An einem YB-Spiel waren die Kinder noch nie, aber wir spazieren bei uns zu Hause in Bethlehem ab und zu zum Fussballplatz rüber, ich bin dort Donator beim FC.
An Konzerten gehen Sie stark auf die Young Boys ein . . . . . . eigentlich immer . . .
. . . wie wichtig ist Ihnen das? Ich probiere immer, auch in St. Gallen oder in Basel, Sprüche zu platzieren. Aber nicht primitiv, ich bin YB-Fan und stehe offensiv dazu. Dann provoziere ich ein wenig, zweimal spielten wir in Basel unseren Song «Hütt hei sie wieder mau gwunne», und am nächsten Tag spielten wir gegen den FCB. Ich bin nicht sehr gut mit Anekdoten, aber lustig war es mit «The Häberlis», als Thomas Häberli, schon leicht nüchtern, auf die Bühne kam, mit Eisbeuteln überall, er war tierisch nervös und sang mit. Das war sehr geil.
Sind Sie eigentlich mit vielen YB-Spielern befreundet? Ich kenne ein paar, Christoph Spycher etwa oder Marco Wölfli.
Sind Sie auf der Tribüne impulsiv? Ich fluche schon, wenn es sein muss, oder freue mich, aber manchmal vergesse ich fast zu jubeln, wenn ein Tor fällt. Das kommt vom Fernsehen. Derzeit miete ich die Spiele meistens und schaue sie am Abend, wobei die grösste Herausforderung mit diesen Smartphones darin besteht, dass man das Resultat nicht erfährt. Wenn die Kinder dann im Bett sind, ist es herrlich, die YB-Partien in Ruhe zu schauen.
Haben Sie eigentlich einen Hass auf den FCB, der immer siegt? Nein, ich habe auch keine Hassfigur. Der FCB hatte kontroverse Figuren wie Alex Frei, mit ihm wurde ich nie warm, er schoss wohl zu viele Tore gegen uns. Matias Delgado passt mir auch nicht, aber ich weiss nicht mal, warum.
Renato Steffen ist bei vielen YB-Fans ein rotes Tuch seit seinem Wechsel zu Basel. Als er kam, dachte ich: Muss das sein? Dann spielte er stark, ich fand: Also gut, du bekommst eine Chance. Und als er wieder ging, dachte ich: Dann halt, soll er doch. Er war eine Figur, aber es hat ja noch andere bei YB.
Guillaume Hoarau zum Beispiel, ein talentierter Sänger. Ich kenne ihn nicht, aber ich habe gehört, er nimmt bei uns im Übungsraum seine Sachen auf.
Ein Duett mit ihm wäre nichts? Ich glaube nicht. Jetzt hat ja Oli Kehrli was mit ihm gemacht. Mit Marco Wölfli machte ich mal ein Lied für seine Hochzeit.
Wieso haben Sie noch nie einen echten YB-Song geschrieben? Wenn ich eine Idee habe, mache ich es. Vor allem als Beirat, als ich eine Art Missionar und Botschafter von YB war, wurde ich oft auf dieses Thema angesprochen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Welt oder Bern so ein Lied braucht.
Was ist für Sie überhaupt ein guter Fussballsong? Er darf nicht zu schwülstig sein. «You’ll Never Walk Alone» ist zwar pathetisch, aber es ist wunderbar, wie die Liverpool-Fans mitgehen. Und wenn sie dann am Schluss noch diesen Halbton raufgehen, das ist sensationell. Ich möchte etwas Cooles machen. Die Toten Hosen schrieben ja «Bayern», solche Anpissereien mag ich nicht, selbst wenn dieses Lied ein paar grossartige Zeilen hat.
Was verarbeiten Sie denn im nächsten Züri-West-Album, das 2017 erscheinen soll? Es gibt verschiedene Themen, die Liebe zum Beispiel . . . (schmunzelt)
. . . Kinder auch . . . . . . eher nein. Das mit den Kinderliedern ist schwierig.
Egal, was Sie singen, das nächste Album wird sowieso ein Erfolg und die Nummer 1 in den Charts. Wir wollen aber nicht einfach irgendwas abliefern.
Ist dieser Druck vergleichbar mit dem Titeldruck von YB? Das ist eine gute Frage. Vergleichbar ist es am ehesten, wenn wir live auftreten. Jetzt war es ein paar Jahre ruhig um uns, früher spielten wir vier-, fünfmal die Woche, auf der letzten Tour noch dreimal, aber immer über Monate. Da muss man parat sein, auch mental. Ich empfinde Musikmachen als Teamsport, das mag ich, deshalb ging ich als Kind aus dem STB raus und zum FCK. Da gibt es Analogien zur Musik. Ich betrachte das Publikum übrigens oft als Gegner.
Warum das denn? Die Attitüde halt, wenn man auf die Bühne steht, muss man etwas bieten und es denen zeigen. So in der Art. Der schlimmere Druck für mich ist aber der, Lieder zu schreiben, also die Phase, in der ich im Moment bin. Wir haben immerhin seit fast vier Jahren keine Scheibe mehr rausgegeben.
Wissen Sie schon, welcher der Songs ein Hit werden könnte? Schön wäre es. Zwei, drei werden coole Songs, finde ich zumindest.
Nervös sind Sie nicht mehr? Doch, ich bin sehr nervös, ich drehe durch, wenn ich daran denke.
Aber es geht bei Ihnen nicht mehr um die Existenz. Es geht immer irgendwie um die Existenz. Die monetäre Situation als Musiker ist ein Auf und Ab, doch es gibt noch andere Sachen. Mich kennt fast jeder in Bern, es ist belastend, wenn es nicht läuft, schlechte Kritiken kann ich nicht easy nehmen. Dann schäme ich mich und hoffe, dass meine Mutter dieses Zeugs nicht liest. Aber heute wird man ja noch mit ganz anderen Dingen konfrontiert als nur mit Journalisten. (lacht)
Beispielsweise mit den Kommentaren auf Onlineseiten. Genau, man sollte das nicht lesen, aber es trifft einen halt trotzdem. Ich muss mir richtig Mühe geben, die guten Kritiken gleich ernst zu nehmen wie die schlechten.
Sie leben heute gesünder als früher und bestellten für dieses Gespräch ein Wasser . . . . . . und vergass, es zu trinken.
Früher hätten Sie ein Bier bestellt, während 25 Jahren rauchten Sie zweieinhalb Schachteln Zigaretten im Tag. Leben Sie überhaupt noch wie ein Rock ’n’ Roller? Nein, wobei: Der Rock ’n’ Roll hat sich verändert. Vielleicht bin ich das Rollenmodel für den neuen Rock ’n’ Roller: zwei Kinder, Rasenmäher zu Hause, Songs schreiben. Ich rauche seit 14 Jahren nicht mehr. Es fiel und fällt mir schwer, aber es ist gut so. Als ich aufhörte, lief ich in drei Tagen von Bern nach Interlaken, ich musste eine räumliche Distanz schaffen und allein sein. Ich habe eine jüngere Frau, kleine Kinder, will zu mir schauen. Ich trinke erst, wenn die Sonne unten ist, Drogen habe ich zwar ausprobiert, aber es hat mich nie gross interessiert, Kiffen fand ich langweilig, den Rest zu gefährlich. Und den Sportler im Hinterkopf wurde ich nie los.
Dann bleibt noch die Frage, was Sie machen, wenn YB endlich wieder Meister wird? Eine Riesenparty. Und es gibt viel SMS-Verkehr mit Basler, Zürcher, Walliser Freunden.
Und an der Titelfeier treten Sie auf? Das kann ich nicht sagen, das ist eine Dimension, die nicht vorstellbar ist. Ich bin guter Hoffnung, das Team verspricht einiges, da wächst etwas zusammen. Aber so eine Meisterschaft kommt mir vor wie etwas Nebliges, das auf einmal auftaucht.
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24.05.2016
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30 Jahre nach dem letzten Meistertitel
YB-Helden stemmen nochmals den Kübel
Es ist eine Ewigkeit her. Heute vor 30 Jahren standen die Young Boys letztmals ganz oben. BLICK bringt den Grössen von damals den Pokal und lässt die alten Zeiten nochmals aufleben.
Das Spiel in der Nacht auf den 25. Mai 1986 stand auf Messers Schneide. Finalissima in der Neuenburger Maladière – damals noch auf Naturrasen. YB, das Überraschungsteam der Rückrunde, liegt zwei Runden vor Schluss einen Punkt vor dem grossen Meisterschafts-Favoriten Xamax mit den Stars Stielike, Givens, Engel und Trainer Gilbert Gress. Xamax führt bereits nach fünf Minuten. YB dreht das Spiel auch dank Doppeltorschütze Lars Lunde. YB gewinnt 4:1 und ist eine Runde vor Ende Schweizer Meister.
Verteidiger Tinu Weber, mit 499 NLA-Spielen YB-Rekordspieler, erinnert sich: «Eine Feier hatten wir zwar nicht geplant.» Aber sie steigt nach der Rückkehr aus Neuenburg ab 1 Uhr in der Früh hinter dem Wankdorf-Stadion trotzdem. Im legendären Häuschen des Boccia-Clubs. Sie dauert bis in die Morgenstunden. Den Kübel gibts aber erst zweieinhalb Tage später, nach dem letzten Spiel zuhause gegen den FCZ.
Der Däne Lars Lunde (52), damals Torschützenkönig, heute in der Berner Klinik Beau-Site als Lagerungspfleger tätig, sagt: «Als ich am Kübel schmeckte, wurde mir gleich übel. Ich weiss nicht, was da drin war, ich habe fast gekotzt.» Ob er die Feiern der letzten Tage noch gespürt hatte?
«Nein», sagt der damalige Goalie Urs Zurbuchen (55): «Lars hat doch gar nichts getrunken.» Zurbuchen, mittlerweile zweifacher Grossvater und 100 Kilo schwer («ich habe vor zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört»), arbeitet in Wädenswil am Zürichsee als Abwart im Oberstufen-Schulhaus. Ein künstliches Hüftgelenk und eine Teil-Prothese am Knie zeugen von der Karriere als Halb-Profi. «Ich arbeitete damals siebzig Prozent Teilzeit auf einem Büro.»
Wie hoch war 1986 die Meisterprämie? Tinu Weber: «Wir hatten keine. Nur eine Zuschauer-Beteiligung. Ab 7500 Fans bekamen wir 15 bis 20 Rappen pro Eintritt.» Lunde: «Als Prämie gabs eine Longines-Uhr.» Und in der Saison darauf spielte YB im Meistercup gegen Real Madrid. Da gabs nochmals 5000 Franken als Prämie.
Bei der internen Meisterfeier war Georges Bregy der grosse Star, seine Stuhl-Nummer legendär. Bregy: «Ich lief über einen Stuhl, machte auf ihm stehend eine halbe Drehung.» In jener Nacht feierte der harte Kern des Teams in der Boccia-Hütte, die Jungen in der Stadt. Dario Zuffi (51), der heute beim FC Winterthur arbeitet, erinnert sich: «Vor dem Wankdorf warteten vielleicht zehn Fans auf uns. Wir Jungen feierten später in einer Disco. Aber von den Gästen hat es niemand zur Kenntnis genommen, dass wir Meister geworden sind.»
Das wäre heute bestimmt anders in Bern. Aber die Frage ist, wie lange die titelhungrigen Berner Fans auf die nächste Meisterparty warten müssen. Nochmals 30 Jahre? Tinu Weber, heute bei YB im Beirat, sagt spassend: «YB wieder Meister? Wenn Basel zwangsrelegiert wird ...»
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24.05.2016
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«Das Team steigerte sich in einen Rausch»
Walter Eichenberger war 1986 Sportchef der letzten YB-Meistermannschaft. Er spricht über das Team, seine Arbeit und warum Spielmacher Robert Prytz zuerst mit einem Carchauffeur verglichen wurde.
Wieso wurde YB 1986 Meister? Walter Eichenberger: Wir hatten eine starke Mischung im Team. Es gab Routiniers wie Martin Weber, Jean-Marie Conz, Georges Bregy oder Robert Prytz, und es hatte jüngere Spieler wie Dario Zuffi und Lars Lunde. Das Team steigerte sich in der Rückrunde in einen Rausch, das war so nicht vorhersehbar, zumal wir im Winter kein gelungenes Trainingslager in Brasilien absolviert hatten.
Wie lautete das Saisonziel? Wir wollten um die europäischen Plätze mitspielen. Xamax war Favorit, aber so wie wir im Frühling spielten, wurde uns irgendwann klar, dass wir Meister werden könnten. Es war für uns ein Erfolg, den Europacup erreicht zu haben, weil das ein bisschen Geld in die Kassen spülte. YB ging es finanziell nicht gut, es gab keine Investoren oder Mäzene wie heute, die Geld zur Verfügung stellten. Eigentlich ging es uns damals wirtschaftlich richtig schlecht.
Warum? Weil wir beispielsweise keine Einnahmen durch Bandenwerbung erzielen konnten, das lief damals alles über den Verein Fussballstadion Wankdorf, den Besitzer des Stadions. Deshalb mussten wir jeden Franken zweimal umdrehen und bei Spielereinkäufen sehr vorsichtig vorgehen. Wir arbeiteten eng mit dem deutschen Spielerberater Dieter Langhans zusammen; so kamen wir zu guten Spielern, die ihre Karriere bei uns lancieren wollten.
Wie Lars Lunde? Ja, aber bei ihm war es noch etwas anders. Ich sagte dem Dänen Jan Andersen, mit dem ich bei YB zusammengespielt hatte, er solle Lunde einige Partien lang beobachten, dann schlugen wir zu. So lief das damals. Im Übrigen war Lunde meines Wissens später dann der erste ausländische Spieler, der für eine Million Franken die Schweiz verliess. Für uns war sein Wechsel zu Bayern München auch eine grosse Sache.
Als Ihr Königstransfer fürs Meisterteam 1986 gilt Robert Prytz. Ja klar, das war so. Er war eine unglaubliche Persönlichkeit und eine riesige Verstärkung. Es war unser grosses Glück, konnten wir ihn nach der Vorrunde verpflichten. Allerdings waren die Leute in Bern skeptisch, als er im Januar ankam. Er war, um es charmant zu sagen, nicht gerade austraininert und rundlich. Okay, er hatte einen Ranzen, wie man sagt.
Das ging damals noch, um auf NLA-Topniveau zu agieren? Ich weiss noch genau, wie er sein Debüt für uns an einem Hallenturnier in Genf gab. Wir waren auch nicht mehr ganz so überzeugt, als wir ihn sahen. Und ein Journalist aus Bern schrieb danach, ob YB da nicht etwa einen neuen Carchauffeur geholt habe. Aber unser Trainer Alexander Mandziara hat ihn dann fit gemacht; das war nicht immer pure Harmonie, doch Prytz haben die Sondereinheiten gutgetan. Und auf dem Rasen war er der Chef, mit grossartiger Spielintelligenz.
Wird man dem Meisterteam gerecht, wenn man es auf die grossen Figuren wie Lunde, Prytz, Bregy und Weber reduziert? Nein, nicht wirklich. Das war eine tolle Truppe, die einen ausgeprägten Teamgeist hatte. Das zeigte sich auch daran, dass die älteren Spieler nach dem Training immer noch auf ein Bier ins Boccia-Hüsli kamen. Es herrschte eine familiäre Stimmung.
YB hatte fünf, sechs Akteure aus dem erweiterten Aufgebot der Nationalmannschaft im Team. Wie war das finanzierbar? Wir hatten kein teures Team, das Budget betrug vielleicht eine Million Franken, die wenigen Ausländer waren die einzigen Profis, sie erhielten rund 150 000 Franken im Jahr. Eine Meisterprämie gab es nicht. Weber und Bregy und alle anderen arbeiteten auf Versicherungen oder als Vertreter für Sportartikelhändler. Und wir holten immer wieder die besten Jungen aus der Region. Alain Baumann von Köniz, Rene Sutter von Bümpliz, später Erich Hänzi aus Lengnau. Auch Alain Sutter hätte von Bümpliz kommen sollen, sein Wechsel zu GC war ein Schock, aber er landete ja dann auf Umwegen doch kurz bei uns.
Wieso waren Sie eigentlich Sportchef geworden? Ich spielte von 1968 bis 1983 als Torhüter bei YB, durfte einmal Cupsieger werden, aber insgesamt war ich schon der Meinung, dass mehr möglich gewesen wäre. Ich war wohl nicht der einfachste Spieler, weil ich oft kritisierte. Also sagte mir der damalige Vorstand nach dem Ende meiner Karriere, ich solle doch jetzt zeigen, dass ich es besser könne.
Sie sind mit dem Meistertitel 1986 und dem Cupsieg 1987 der erfolgreichste YB-Sportchef seit 1960, vermutlich sogar der Vereinsgeschichte, weil es früher gar keine Sportchefs gab . . . . . . so habe ich mir das noch gar nie überlegt (lacht). Es war eine komplett andere Sache als heute, alles lief im kleineren Rahmen ab. Aber das heisst nicht, dass es nicht streng gewesen wäre. Ich arbeitete ja bei einer Versicherung, dazu kam die Arbeit als Sportchef, das waren zwei Fulltime-Jobs. Wenn ich gewusst hätte, was ich alles zu erledigen habe, hätte ich niemals zugesagt.
Wie viel verdienten Sie eigentlich als YB-Sportchef? Nichts, wo denken Sie hin? Ich erhielt eine bescheidene Spesenentschädigung. Aber, hey, es war eine tolle und spannende Zeit. Geld spielte damals im Fussball noch eine viel weniger wichtige Rolle als heute. Zumindest bei YB. Bei anderen Vereinen wie Xamax und Servette gab es für die Spieler einiges zu verdienen.
Und doch schlug YB in der Meistersaison Xamax zweimal. Welche Erinnerungen haben Sie an den 4:1-Sieg in Neuenburg vom 24. Mai 1986, der den Titel schliesslich sicherstellte? Wir waren sicher nervös. Aber weil wir monatelang fast jeden Match gewonnen hatten, war die Zuversicht gross. Und wir waren stark im Konterspiel, Xamax musste ja gewinnen. Nach der Pause konterten wir Xamax aus.
Die Meisterfeier fand in bescheidenem Rahmen statt. Genau, der harte Kern ging ins Boccia-Hüsli, ja, aber das waren rund 30, 40 Leute. Im Nachhinein ist es ein bisschen schade, wurde das nicht grösser gefeiert, den Pokal gab es ja dann ein paar Tage später im Heimspiel gegen Zürich. Aber einen Meisterumzug hatten wir nicht. Es ist, wie es ist, und wir werden uns immer an diese Saison und an die Partie in Neuenburg erinnern. Mir kommt es nicht wie 30 Jahre vor.
Wie verfolgten Sie den Klub eigentlich seit 1990? Ich war an den Spielen, am Anfang half ich mit Ratschlägen aus, wenn ich gefragt wurde. In den letzten Jahren war das nicht mehr der Fall, und ich finde, der eine oder andere Reinfall war mit Ansage, das war teilweise peinlich. Ich und viele andere verstehen beispielsweise nicht, wie man sich 2010 von CEO Stefan Niedermaier trennen konnte. Er hatte ein starkes Fundament aufgebaut. Aber eben, heute geht vieles über Eitelkeiten. Was danach kam, war eine Katastrophe, da waren teilweise Leute am Werk, die absolut keine Ahnung haben.
Heute sieht es für YB ganz gut aus, nächste Saison könnte es mit einem Titel klappen. Ich bin als YB-Beirat immer noch ein wenig involviert und habe mich oft fürchterlich aufgeregt. Aber es stimmt, das aktuelle Team ist gut, es wird seriös gearbeitet, eigentlich würde vieles dafür passen, einen Titel zu gewinnen. Ich bin sicher, dass wir keine 30 Jahre mehr warten müssen.
Zur Person
Walter Eichenberger war von 1968 bis 1983 YB-Torhüter. Er gilt nach Walter Eich als grösster Torhüter in der Klubgeschichte. Und er ist ein echter Rekordmann. Der Berner blieb 1975 während 738 Minuten ohne Gegentor – inklusive eines 0:0 gegen Hamburg im Europacup waren es sogar 828 Minuten. Seinen einzigen Titel mit YB feierte er im Cup 1977, als er im Final gegen St.?Gallen (1:0) natürlich ohne Gegentreffer blieb. Und im Alter von 32 Jahren durfte Eichenberger einmal im Nationalteam spielen. Er hielt seinen Kasten gegen Island (2:0) selbstverständlich rein. Ab 1983 war Eichenberger rund 7 Jahre YB-Sportchef. Er arbeitete 32 Jahre für die Winterthur-Versicherung, 2006 nahm er seine wichtigsten Kunden mit zu Born Consulting. Doch in diesem Jahr geht Eichenberger in Pension, im November wird er 70. Er ist sportlich noch aktiv, spielte lange Tennis und ist ein passionierter Golfer (Handicap 12). Er lebt in Köniz.
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24.05.2016
Zitat:
Der Tag vor 30 Jahren, als YB Schweizer Meister wurde
Heute vor genau 30 Jahren wurde YB letztmals Schweizer Meister. Sieben Zeitzeugen erinnern sich an den grossen Abend auf der Maladière am 24. Mai 1986, als die Young Boys gegen Xamax 4:1 gewannen.
Heute ist es genau 30 Jahre her, dass YB letztmals Meister wurde. Am 24. Mai 1986, einem Samstag, gewannen die Young Boys bei Xamax 4:1 und lagen eine Runde vor Saisonende drei Punkte vor dem Rivalen. Damals gab es noch keine Dreipunkteregel, perfekt war der 11. Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Gleich 26 Jahre hatte der Verein warten müssen, fast so lange wie zwischen 1929 und 1957.
Wir blicken mit sieben Zeitzeugen auf den aus YB-Sicht legendären 24. Mai 1986 zurück. Die Protagonisten erzählen vom Tag, als die Young Boys Meister wurden, vom glorreichen Abend auf der ausverkauften Maladière mit 21 500 Zuschauern, von der kleinen, aber feinen Meisterfeier im Boccia-Hüsli – und von einer Rückrunde, in die YB als Fünfter gestartet war, dann aber unter der Regie des im Winter verpflichteten Schweden Robert Prytz durchstartete.
Zwölf Siege und zwei Remis waren es bis nach dem Spiel bei Xamax. Die letzte Partie zu Hause gegen Zürich verlor ein von den Feierlichkeiten geschwächtes Team drei Tage nach dem Coup in Neuenburg zwar, aber das spielte keine Rolle mehr. Nach der Partie durfte Captain Jean-Marie Conz den Meisterpokal in Empfang nehmen.
Torschützenkönig Lars Lunde
Im Schnitt besuchten 10 500 Zuschauer die YB-Heimspiele. Die Spannbreite zwischen den Partien gegen GC (32 500 Leute bei strömendem Regen) über Zürich (18 500) bis zu Basel (3800!) und Baden (2200) war beträchtlich. Die offizielle Titelfeier ein paar Tage nach dem Sieg bei Xamax im Bären Ostermundigen lief gesittet ab, einen Meisterumzug gab es nicht. Es war eine gute Zeit für YB, der Cupsieg ein Jahr später sollte bis heute der letzte Titel bleiben. Säulen des Teams waren Libero Conz, Innenverteidiger Martin Weber, die Mittelfeldspieler Robert Prytz und Georges Bregy sowie die jungen, schnellen Stürmer Lars Lunde und Dario Zuffi. Der Däne Lunde wurde mit 21 Toren zusammen mit Lausannes Steen Tychosen Torschützenkönig.
Und jetzt soll das Wort den sieben Zeitzeugen des für YB grossartigen 24. Mai 1986 gehören:
YB-Fan Bruno Kislig (63): «Es brachen alle Dämme»
«Ich erinnere mich an den 24. Mai 1986, als wäre es gestern gewesen. Ich fuhr in einem Fancar auf die Maladière, die Stimmung war schon auf der Hinfahrt grossartig. Erstmals nach 26 Jahren konnte YB Meister werden, das Team war in Bombenform und hatte nichts zu verlieren, weil Xamax grosser Favorit war. Es ist schwierig, abzuschätzen, wie viele YB-Fans im Stadion waren, weil sie sich auch auf den Tribünen verteilten. Im Fanblock war es sehr eng, wir waren dort 1000, vielleicht 1500 Anhänger. So viele hatte ich noch nie an einem Auswärtsspiel gesehen. Ich war wie immer mit meiner grossen Treichel unterwegs. YB glich schnell aus, in der zweiten Halbzeit war die Euphorie gewaltig. Nach Spielschluss brachen alle Dämme, wir feierten, als würde es kein Morgen geben. Ich ergatterte mir noch einen Handschuh von Goalie Urs Zurbuchen, irgendwann fuhren wir zurück. Aber in der Stadt war leider nicht so viel los. Wenn ich mir vorstelle, wie wir heute einen YB-Meistertitel feiern würden. Ich hoffe, dass ich das noch erleben werde.»
YB-Fan Rudolf Ruch (69): «Perfekte Mischung»
«Ich war in jener Zeit viel mit den YB-Spielern zusammen, weil ich als Organisator des Philips-Cups sowie des Schüler-Philips-Cups viele Sitzungen im Wankdorf hatte. Nach den Trainings trafen wir uns oft im Boccia-Hüsli. In Neuenburg war ich auf der Haupttribüne, es hatte enorm viele Berner. Diese Mannschaft hatte etwas Spezielles, es war eine perfekte Mischung aus Leadertypen und jungen Wilden wie Lars Lunde, der den Mitspielern viele Streiche spielte. In Bern wurde nach dem Spiel eine Freinacht ausgerufen, aber da war nicht viel los. Die Restaurants und Bars schlossen wie immer. Ich war im Boccia-Hüsli mit dem harten Kern, es war eine legendäre, denkwürdige Feier, über die wir heute noch sprechen.»
YB-Masseur Fredy Häner (76): «Das Grösste, was ich erlebte»
«Ich arbeitete von 1971 bis 2006 bei YB als Masseur, und auch im Nationalteam war ich jahrzehntelang bis 2008 dabei. Die Cupsiege 1977 und 1987 habe ich in bester Erinnerung, doch der Meistertitel 1986 war das Grösste, was ich mit den Young Boys erlebte. Man hatte uns vor dieser Saison nicht viel Kredit gegeben, das Trainingslager in Brasilien im Januar war von A bis Z eine Katastrophe. Doch mit Robert Prytz kam im Winter ein Spieler dazu, der das gewisse Extra hatte. Vielleicht gab es während meiner Zeit talentiertere Mannschaften bei YB, doch der Teamgeist dieses Teams war einzigartig. Trainer Alexander Mandziara traf kluge Entscheidungen, es passte einfach alles. Jeder ging für den anderen. Und Lars Lunde war der grosse Lausbub, dem man seine Dummheiten verzieh, weil er ein herzensguter Kerl war. Besonders wehleidig war keiner, aber Lunde war auffällig oft bei mir.»
YB-Torjäger Lars Lunde (52):«Prytz machte jeden besser»
«Ich würde nicht sagen, dass der 24. Mai 1986 der grösste Tag in meiner Karriere war. Ich spielte später ja noch bei Bayern München. Aber selbstverständlich war der Meistertitel mit YB auch mein grösster Erfolg. Ich weiss noch genau, wie wir am Mittag in Erlach assen und darüber sprachen, welche Chance sich uns am Abend bieten würde. Wir waren im Frühling in einen Rausch gekommen, niemand konnte uns stoppen. Ich denke, Robert Prytz war das fehlende Puzzleteil in unserem Team. Er kam im Winter, und er war sofort der Chef und machte jeden 5 Prozent besser. Prytz war der geborene Leader, er organisierte den Aufbau und spielte tolle Pässe. Ich war jung, erst 22, ich machte viel Blödsinn, aber im Team stimmte es. Ich weiss noch, wie mir unser Physio Fredy Häner einmal eine Spritze gab, damit ich die Schmerzen im Fuss nicht spürte. Und dann schoss ich zwei Tore in diesem Spiel. Die Meisterfeier war okay, aber ich war nie einer, der viel getrunken hat. Einige von uns waren im Boccia-Hüsli, danach gingen wir ins Dancing Babalu. Möglicherweise war ich auch noch zu jung, um zu realisieren, was dieser Titel für mich und auch für YB bedeutete.»
Martin Weber (58): «Der Kitt im Team war stark»
«Ja, der Meistertitel 1986, klar erinnere ich mich sehr gut an den Abend in Neuenburg. Wir waren ein stabiles Team, die Achse stimmte, wir hatten wenig Verletzte und steigerten uns nach der Vorrunde enorm. Wir hatten einige Spieler, welche die Richtung vorgaben, etwa Robert Prytz und Georges Bregy im Mittelfeld, und wir spielten clever. Trainer Alexander Mandziara hatte die Mischung gefunden, die es braucht, und irgendwann glaubten wir daran, Meister werden zu können. Die kleine, spontane Meisterfeier im Boccia-Hüsli mit vielleicht 30 Leuten war wunderbar; es war eine lange, fröhliche Nacht, wir tranken ein Bier nach dem anderen und liessen Pizza liefern. Das Boccia-Hüsli war damals mein zweites Zuhause, nach den Trainings ging ich immer dort vorbei. Die meisten von uns arbeiteten daneben, auch ich, bei einer Versicherung. Der Kitt im Team war sehr stark. Eine Meisterprämie hatten wir nicht, es gab eine Uhr. Und wir hatten eine Zuschauerbeteiligung ab 7500 Leuten im Wankdorf. Ich glaube, es waren 15 Rappen pro Zuschauer.»
Journalist Charles Beuret (71): «Viele starke Charaktere»
«Ich schrieb damals für den ‹Bund› über YB, zusammen mit Walter Frischknecht. Dessen Sohn Urs Frischknecht war bei der BZ der YB-Journalist. Die Young Boys interessierten schon damals, doch es war eine andere Zeit, ohne Internet beispielsweise. Uns war klar, dass YB ein gutes Team hatte, aber an den Titel dachte vor der Saison keiner. Ich weiss noch, wie ich irgendwann eine Rechnung publizierte, wie das mit dem Meistertitel gehen könnte. Das war mehr eine Spielerei, doch die Realität war viel spektakulärer. Der Verein war 26 Jahre und seit der Ära von Trainer Albert Sing nicht Meister geworden. Das war in den Medien und in der Stadt nicht ein so grosses Thema, wie es heute ist. Am Nachmittag des 24. Mai 1986 arbeitete ich noch an einem Radrennen. Das Spiel in Neuenburg war wie ein Dessert in einer Rückrunde, in der YB fast alles gelang. Sonderausgaben wurden keine veröffentlicht von den Zeitungen, aber wir haben den Erfolg entsprechend gewürdigt. Die Berner Zeitung erschien, soviel ich weiss, in den YB-Vereinsfarben.»
YB-Aufbauer Alain Baumann (50): «Der Glaube war gross»
«Ich kam im Sommer 1985 zu YB, mit 19 Jahren und von Köniz, nachdem ich meine Lehre beendet hatte. Trainer Alexander Mandziara wollte mich ein halbes Jahr vorher, aber mein Vater war dagegen. In Neuenburg wurde ich zur Pause für Ronald Schönenberger eingewechselt. Weil er nach einer Viertelstunde eine Zerrung spürte, hatte ich mich eine halbe Stunde eingelaufen. Ich war nervös, aber der Glaube im Team war sehr gross. Ich spielte als Aussenverteidiger, mein Gegenspieler war der schnelle Ruedi Elsener, aber wir hatten Xamax im Griff. Damals musste man als unerfahrener Akteur noch die Koffer tragen und andere Arbeiten erledigen. Auf der Rückfahrt im Car ging uns bald das Bier aus, und wir besorgten in Ins Nachschub. In Bern drängte es uns jüngere Spieler in die Stadt. Viel war nicht los. Ich werde ab und zu gefragt, ob ich stolz sei, dem letzten YB-Meisterteam angehört zu haben. Es war grossartig, doch ich bin nicht der Typ, der in der Vergangenheit lebt.»
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24.05.2016
Zitat:
Tränen auf der Maldière
Während YB-Fans vor 30 Jahren jubelten, musste BZ-Sportredaktor Fabian Ruch weinen.
Es ist Zeit für ein Outing in eigener Sache. Heute vor genau 30 Jahren wurde YB ja zum letzten Mal Schweizer Meister. Auch ich war als Achtjähriger beim 4:1-Sieg der Young Boys am 24. Mai 1986 auf der Neuenburger Maladière gegen das grosse Xamax dabei. Mein Vater, ein YB-Fan, nahm mich mit, und ich weiss noch, wie ich nach dem Spiel Tränen vergoss.
Nein, nicht der Freude, sondern der Trauer. Ich war als Bub riesiger Xamax-Fan, wahrscheinlich auch, weil ich anders sein wollte als mein Papa. Er war für Milan, ich für Grande Inter!
Ich kann mich gut erinnern, wie ich im viel zu grossen Xamax-Shirt mit der «Meubles Meyer»Werbung auf der Tribüne sass und untröstlich war, während mein Vater jubelte. Er ging später im legendären Boccia-Hüsli mit dem harten Kern der YBMeistermannschaft die ganze Nacht feiern. Da waren vielleicht 30, 40 Leute dabei. Wenn ich mir vorstelle, wie heute ein YB-Titelgewinn gefeiert werden würde!
Die Stadt würde schier explodieren, und 2017 wäre ja kein schlechtes Jahr dafür, um zu testen, ob wirklich mehr als 100'000 Menschen in Bern beim Meisterumzug dabei sein würden.
Und Xamax? Ich verfolge den Weg noch, aber ach, es sind schwierige Zeiten. Immerhin wurde das Team 1987 und 1988 Meister. Und meine kleine Kindheitssünde ist ja längst verjährt, deshalb sei ein weiteres Outing erwähnt: Bei einem der Titelgewinne schlich ich mich am Abend aus dem Kinderzimmer und versteckte mich hinter dem Sofa.
Mein Vater war eingeschlafen – und ich wurde am TV Zeuge des entscheidenden Xamax-Sieges auf dem Weg zur Meisterschaft.
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24.05.2016
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«Wir hatten das Gefühl, uns könne niemand schlagen»
Jean-Marie Conz war Libero und Captain des letzten YB-Meisterteams. Der Jurassier blickt zurück ins Jahr 1986, als YB überraschend den nationalen Thron bestieg.
Blaues Hemd, grüne Hose, die Hände in den Hosentaschen. Jean-Marie Conz hat an den Fifa-Hauptsitz auf den Zürichberg geladen, wo er sein Büro hat. Senior Manager Technical Development steht auf dem Messingschild an der Türe. Oder auf Deutsch: Entwicklungshelfer im Ausbildungsbereich.
Als solcher ist der gebürtige Jurassier zehn und mehr Wochen im Jahr auf Reisen. Vorletzte Woche war er auf Jamaika, wo er technische Direktoren des Konföderationsverbands Concacaf unterrichtete, im Juli leitet er Trainerkurse in Nigeria.
«Wenn die Fifa fragt, ob ich mal zwischendurch für zwei Wochen auf die Philippinen gehen könne, dann sage ich sicher Ja.» Der langjährige Instruktor war in Ruanda, im Kongo, in Benin, im Sudan, in Tadschikistan, auf Montserrat und Samoa, sogar in Grönland. Den hiesigen Fussball verfolgt er vorwiegend als Fernseh- und Zeitungskonsument.
Jean-Marie Conz, wie präsent ist Ihnen der 24. Mai 1986, als YB mit einem grandiosen 4:1-Auswärtssieg gegen Xamax Neuenburg das Meisterrennen für sich entschied? Sehr. Manchmal denke ich, der Match hat gestern stattgefunden und nicht vor 30 Jahren (lacht).
Dann schiessen Sie doch los. Wir sind früh in Rückstand geraten, Jacobacci hat getroffen für Xamax. Oder wars Küffer?
Küffer wars. Stimmt. Mittels Freistoss. Wir konnten rasch ausgleichen durch Dario Zuffi. Xamax blieb weiter sehr offensiv, was uns Platz für schnelle Konter gab. Mit Lunde und Zuffi hatten wir zwei formidable Stürmer für dieses Spiel. Und wir hatten Robert Prytz, der immer wieder lange, präzise Pässe schlug. Nach dem 1:3 durch Lunde war Xamax tot. Das letzte Tor von Dario war nur noch eine Zugabe.
An besagtem Datum traten die Young Boys im Stile eines Teams auf, welches sich seiner Sache sicher ist. Oh ja. Wir sind sehr selbstsicher nach Neuenburg gefahren. Wie schon in den sechs, sieben Partien zuvor hatten wir das Gefühl, uns könne niemand schlagen. Auslöser war nicht zuletzt der souveräne 3:0-Heimsieg gegen GC im April, als über 30'000 Zuschauer ins Wankdorf kamen. Die Siegermentalität, die wir entwickelt hatten, wäre kaum entstanden, wenn sich die meisten von uns nicht schon länger gekannt und respektiert hätten. Der Teamgeist war wirklich gut.
Siegermentalität und Teamgeist allein hätten kaum genügt, um die Meisterschaft zu gewinnen. Welches waren andere Erfolgskomponenten? Ein Grund war sicherlich die Verpflichtung von Prytz während der Winterpause. Ein anderer unsere Kompaktheit. Jeder war bereit, den anderen zu unterstützen auf dem Platz. Zudem blieben wir weitgehend von Verletzungen verschont, konnten also fast immer mit der gleichen Formation spielen. Das kam uns entgegen, weil wir auf der Ersatzbank fast nur ganz junge Spieler wie Alain Baumann, René Sutter und Reto Gertschen hatten. Die machten ihre Sache gut, wenn sie gebraucht wurden, doch ihnen fehlte die Erfahrung.
Wie wichtig war der Faktor Glück? Ich kann mich nicht an Spiele erinnern, die wir nur dank viel Glück für uns entschieden haben. Wenn wir gewonnen haben, waren wir die bessere Equipe.
Nach der Vorrunde führte Xamax, bei dem Stars wie Heinz Herrmann, Uli Stielike und Don Givens unter Vertrag waren, die Tabelle an. Mit YB auf Rang 5 rechnete niemand mehr. War das ein Vorteil? Das kann sein. Druck verspürten wir jedenfalls nicht. Wie in den Jahren zuvor gab es niemanden, der sagte: «Hey, ihr müsst Meister werden.» Wir gingen auf den Platz und spielten frisch von der Leber weg. Das macht vieles einfacher. Das beste Beispiel dafür ist der aktuelle englische Meister. Leicester City hatte im letzen Sommer keiner auf der Rechnung. Ich sehe noch zwei weitere Parallelen zu unserem Coup von 1986: Erstens konnte Leicester-Coach Claudio Ranieri in der zweiten Meisterschaftshälfte fast immer die gleiche Elf aufs Feld schicken, zweitens muss die Solidarität sehr gross gewesen sein, sonst hätte Leicester nicht so viele enge Partien gewonnen.
Sie streichen die Harmonie in der YB-Meistermannschaft von 1986 hervor. Nicht erwähnt haben Sie bisher die Unstimmigkeiten zwischen den Alphatieren, von denen es einige gab. Stimmt. Wir hatten viele Probleme. Meistens ging es um Lunde. Der hat sich keinen Deut um die Teamhierarchie gekümmert, war vorlaut, frech und unbekümmert. Weber, Bregy, Wittwer und Schönenberger, die selber starke Charaktere waren, haben das nicht goutiert. Sie waren manchmal richtig sauer auf ihn.
Wie oft haben Sie als Captain ein Machtwort sprechen müssen? Etliche Male. Mit Lars habe ich häufig Klartext reden müssen, weil er immer wieder für Unruhe gesorgt hat. Vor der ganzen Mannschaft zusammengestaucht habe ich ihn aber nie. Das hätte im Endeffekt auch nichts gebracht, wir brauchten Lars.
Wie kamen Sie mit Georges Bregy zurecht? Oh là là! Georges war auch kein einfacher Mensch. Ich habe viel mit ihm diskutiert. Er konnte zum Feuerteufel werden, wenn ihm etwas nicht passte. Mit Lunde beispielsweise hat er sich sehr schwergetan. Die beiden waren wie Hund und Katze. Irgendwie haben sie sich aber zusammengerauft. Geschadet haben uns die Konflikte im Endeffekt nicht. Ich sage immer: Jede richtig gute Equipe hat ein paar Problemspieler.
Den polnischstämmigen Trainer Alexander Mandziera hat vor seinem Amtsantritt bei YB kaum jemand gekannt in der Schweiz. Was war er für ein Mensch? Mandziera war ein ruhiger Typ, der uns Spielern sehr nahe stand. Wichtig war ihm die Meinung des Spielerrats, womit er bei den Teamleadern schon mal punktete (lacht).
Welche Rolle spielte der langjährige Präsident Ruedi Baer? Er war ein familiärer Patron, dem die Nähe zu den Spielern wichtig war. Was ich an Baer immer geschätzt habe: dass er nie Druck aufgesetzt hat. Und nicht zu vergessen: Dank seinen geschäftlichen Verbindungen hat er immer gute Trainingslager organisiert in Asien.
Wie gross war eigentlich der Einfluss des Genfer Financiers Jürg Stäubli? Er gehörte wie Baer und Vizepräsident Aeberhard zu der Investorengruppe, die immer wieder gute Ausländer wie Berkemeier, Lunde, Prytz und Nilsson zu YB geholt haben. Leider wurden diese nach kurzer Zeit wieder verkauft. Zu Stäubli habe ich noch heute hie und da telefonischen Kontakt. Kennen gelernt haben wir uns in den 70er-Jahren, als er bei YB Nachwuchstrainer war. Irgendwann ist er nach Genf gezogen und hat mit Immobilien viel Geld gemacht.
Zur Gegenwart: Wie intensiv verfolgen Sie YB, seit Sie bei der Fifa sind? Meistens nur aus der Ferne – TV, Radio, Internet: Das sind meine Quellen. Hie und da bestreite ich mit den YB Old Stars ein Spiel. An die Spiele gehe ich nur ganz unregelmässig. Am Mittwoch, beim Saisonabschluss von YB in Thun, bin ich wieder einmal im Stadion.
In Bern hofft man seit nunmehr 30 Jahren auf den nächsten Meistertitel. Vor dem Triumph von 1986 war die Durststrecke ebenfalls lang – 26 Jahre, um genau zu sein. Wissen Sie was? An Hoffnungen hat es in den 15 Jahren, die ich für YB gespielt habe, nicht gefehlt (schmunzelt): Mit Ausnahme des Cupsiegs 1977 haben wir lange auch nichts gewonnen. Wir haben aber nie den Mut verloren, weil wir immer ein gutes Team hatten.
Also darf YB auch jetzt, wo der FC Basel die Liga dominiert, den Mut nicht verlieren? Auf gar keinen Fall.
Dank den grosszügigen Investitionen der Gebrüder Rihs fehlt es YB nicht an Mitteln für kostspielige Transfers. Dennoch rennt der Club weiter einem Titel nach. YB hat das Pech, dass der FC Basel stärker ist. In der Saison 2009/10 unter Vladimir Petkovic haben es die Berner leider verpasst, den Sack zuzumachen. In der Zwischenzeit ist Basel dank den regelmässigen Einnahmen aus der Champions League und geschickten Transfers allen anderen enteilt.
Was kann YB tun, um die Basler Dominanz zu durchbrechen? Der Club müsste nochmals zwei, drei starke Fussballer verpflichten – und er muss das jetzige Team zusammenhalten. Nur wenn etwas zusammenwachsen kann und der Zusammenhalt gross ist, lässt sich meiner Meinung nach etwas ausrichten.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung unter dem jetzigen Coach Adi Hütter? Ich kenne Adi Hütter nicht und bin definitiv zu weit weg, um seine Arbeit zu beurteilen.
Zur Person
Jean-Marie Conz stiess als 20-Jähriger von Pruntrut zu YB. Der Sportlehrer hielt den Bernern während 15 Jahren die Treue. Rund 400 Wettbewerbsspiele, einmal Meister, zweimal Cupsieger (1977 und 1987), dreifacher Internationaler: So lauteten die wichtigsten statistischen Werte, als Conz 1988 zurücktrat.
Im gleichen Jahr wechselte er als Trainer zur SR Delémont, welche er in die NLB führte. Im Sommer 1994 kehrte der Jurassier als Sportchef zu YB zurück. Ein Jahr später übernahm er den Trainerposten, welchen er im Frühling 1997 räumen musste.
1998 übernahm er bei der Fifa ein Mandat als Instruktor, welches ihn in Entwicklungsländer rund um den Globus führte. Von 2000 bis 2008 betreute er vollamtlich die nationale U-17-Auswahl Saudiarabiens. Danach war er wieder für die Fifa tätig. Die Meistermannschaft von 1986
«Lars hat das Team aufgemischt»
Jean-Marie Conz charakterisiert die 10 Mitspieler, mit denen er am 24. Mai 1986 in Neuenburg triumphierte.
Urs Zurbuchen, Goalie: «Urs gehörte zur Gruppe der erfahrenen Spieler. Er strahlte viel Ruhe und Sicherheit aus. Wir Verteidiger hatten ein enormes Vertrauen in ihn. Wenn eine hohe Flanke vors Tor kommt, wussten wir: Urs hat den Ball. Und seine Reflexe – phantastisch!»
Martin Weber, Vorstopper: «Martin war ein richtiger Verteidiger, unerschrocken, stark im Zweikampf, in den Kopfballduellen kaum zu schlagen, hart im Geben und Nehmen.»
Jürg Wittwer, rechter Aussenverteidiger: «Ein unglaublicher Kämpfertyp, willensstark, schnell. Ein besserer Fussballer, als es viele seiner Kritiker wahrhaben wollten. Sonst hätte er es kaum in die Nationalmannschaft geschafft (Anm. der Redaktion: Wittwer bestritt 1986 zwei Länderspiele).»
Roland Schönenberger, linker Aussenverteidiger: «Roland war ein aggressiver Spieler, ein Giftzahn, der lange als Stürmer gespielt hatte. Er war auf der linken Aussenbahn ein Gewinn, weil er in der Angriffsauslösung stark war und ein gutes Positionsspiel besass.»
Urs Bamert, zentrales Mittelfeld: «Eine typische Nummer 6, ruhig, überlegt, ballsicher, gute Übersicht. Er wusste genau, was er konnte und was nicht. Er spielte manchmal so unauffällig, dass es hinterher hiess: ‹Hat der Bamert eigentlich auch gespielt?› Womit man ihm unrecht tat: Er führte keine Kunststücke vor, doch er war unglaublich solide.»
Georges Bregy, rechtes Mittelfeld: «Ein extravertierter Typ, der die Spielmacherposition für sich beansprucht hat. Was ich ihm zugute halten muss: Als Robert Prytz im Team war, hat er ihn als gleichberechtigten Partner akzeptiert. Sie haben sich die Regisseurenrolle aufgeteilt. Mal hat Bregy den langen Ball gespielt und Prytz ist gelaufen. Dann wieder lief es umgekehrt. Die beiden waren klug genug, miteinander und nicht gegeneinander zu spielen. Das war sehr wichtig für uns.»
Robert Prytz, linkes Mittelfeld: «Ein exzellenter Fussballer. Vom Charakter her das Gegenteil von Bregy. Der Schwede hat nie viel gesagt – zumindest in der Kabine nicht. Unter vier Augen haben wir uns hingegen häufig ausführlich unterhalten. Prytz hat sich viele Gedanken über das Team gemacht. Ausgetauscht haben wir uns in Deutsch, Englisch oder Italienisch.»
Dario Zuffi, Flügelspieler: «Dario war wie Lars ein Sprinter, technisch stark, kaltblütig im Abschluss. Er war der Schweiger im Team. Wobei man wissen muss, das er noch sehr jung war, als er von Winterthur zu uns gestossen ist. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, Ansprüche zu stellen.»
Joachim Siwek, Mittelstürmer: «Siwek war der Prellbock im Zentrum. Er hat sehr mannschaftsdienlich gespielt, Zuffi und Lunde die Bälle zurückgelegt. Weil er nicht der Schnellste war, wurde er manchmal unterschätzt. Dabei war er ein schlauer Strafraumspieler, der ein gutes Gespür hatte, wo er stehen musste. Was ihn auch ausgezeichnet hat: seine Willensstärke.»
Lars Lunde, Flügelspieler: «Lars hat das Team aufgemischt wie kein anderer. Als er gekommen ist, hat er so getan, als gehöre er seit zehn Jahren zu uns. Manchmal konnte er den Mund auch dann nicht halten, wenn es angebracht gewesen wäre. Auf dem Platz war seine Frechheit Gold wert für uns. Ohne seine Tore wären wir kaum Meister geworden.»
Das Spieltelegramm vom 24. Mai 1986
Neuchâtel Xamax - Young Boys 1:4 (1:1) Maladière. – 21?500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Blattmann. –
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