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 Beitrag Verfasst: Samstag 30. Juli 2005, 07:04 
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F.A.Z, 30.7.2005

Berner Fußballstadion

Keine Erinnerung mehr an Wankdorf - Bern gibt sich radikal modern
Von Konrad Mrusek, Bern


29. Juli 2005 Die Berner sind Nostalgiker, was am besten ihre wunderbar erhaltene Altstadt zeigt. Doch beim neuen Wankdorf-Stadion, das am Wochenende eröffnet wird, waren sie radikal fortschrittlich, ließen sie sich nicht beeinflussen von den gefühlsseligen Deutschen. Die hätten am liebsten das alte Stadion, in dem 1954 Helmut Rahn das Land mit dem linken Fuß zum 3:2-Sieg gegen die ungarische Wundermannschaft zur Fußball-Weltmeisterschaft schoß, als Heldengedenkstätte unter Denkmalschutz gesetzt.

Doch die Berner machten gewissermaßen „tabula rasa”, es blieb nichts vom alten Stadion. Nicht einmal ein Haken, an den einst Fritz Walter das Trikot hängte, wurde als Erinnerungsstück aufbewahrt. In der modernen Kabine findet man kein altes Sitzbrett als Antiquität an der Wand. Auch keine der markanten Turmuhren wurde gerettet.

Mit dem „Stade de Suisse”, wie das Wankdorf-Stadion nun etwas großspurig heißt, will man nicht nur eine zeitweise allzu aufdringliche deutsche Nostalgie loswerden. Man hofft auch auf ein neues, und zwar auf ein schweizerisches „Wunder von Bern”. Der Abbruch ist insofern ein Aufbruch. Die Schweizer Hauptstadt will sich befreien vom Image, nichts Großes mehr zustande bringen zu können. So ist das Stadion mehr als bloß eine modernere Spielstätte. Es ist auch ein politisches Symbol, mit dem die vermeintlich langsamen Berner den arroganten und reichen Zürchern zeigen wollen, daß sie schneller als diese eine neue Sport-Arena bauen können für die Fußball-Europameisterschaft 2008.


Das Stadion ist eine „Event-Arena”

Der Bau soll zugleich die eigenen Kicker ermuntern, wieder jene goldenen Zeiten für die Young Boys Bern zurückzubringen, die es in der alten Spielstätte gab. In den fünfziger und sechziger Jahren brachte sie der deutsche Trainer Albert Sing (er besorgte übrigens 1954 für Sepp Herberger das legendäre Quartier in Spiez) in die europäische Spitzenliga. Nun will man wieder von Titeln und Pokalen träumen. Auf drei Tribünen im neuen Stadion wurden daher die mittleren Sitze so lackiert, daß man das Vereinssymbol „YB” lesen kann.

Schon die Vorfreude auf die schmucke Arena scheint Wunder gewirkt zu haben: Im Juli 2001, als das alte Stadion abgerissen wurde, hatten die Young Boys noch ein Verlierer-Image. Nun spielen sie wieder oben mit. Daher gab es Mitte Juli im Wankdorf schon eine Vorpremiere, weil die Mannschaft gegen Olympique Marseille wieder in einem internationalen Wettbewerb mitmischen kann.

Gleichwohl ist das Stadion bloß ein Teil des Stade de Suisse. Der Rasen liegt auf einem Einkaufszentrum: Oben wird gekickt, unten klingeln die Kassen in einem Supermarkt und in dreißig Geschäften. Der Bau ist eine Event-Arena, will sagen, der Sport ist eine schöne Nebensache. Das große Geld will man mit Pop-Konzerten verdienen, mit Beach-Volley und Motorsport-Shows. Daher wird auch demnächst der Naturrasen ausgewechselt gegen ein künstliches Grün, weil dieses nicht so empfindlich ist.


Die Fassade eines Einkaufszentrums

Ohne den Kommerz hätte es kein neues Stadion gegeben. Der Schweizer Fußball ist arm, und die Stadt Bern ist knapp bei Kasse. Drei Unternehmen, eine Handelskette und zwei Versicherungen, beschafften das Geld; es sind umgerechnet 250 Millionen Euro. Daher sieht man dem Bau nicht sofort an, daß er auch ein Stadion ist. Die graue Fassade könnte auch zu einem Einkaufszentrum passen. Es gibt neben Geschäften und Restaurants auch eine Diskothek und ein Fitnesscenter. In den VIP-Lounges wird nicht nur dann serviert, wenn der Ball rollt, man kann die Räume auch in spielfreien Zeiten für Konferenzen mieten.

Obwohl der Fußball in Bern nun zum kommerziellen Kostgänger geworden ist, fühlt sich der Zuschauer nicht als Zaungast. Das Stadion ist schön, die Sicht auf den Rasen gut, weil die 32.000 Sitzplätze einen stimmungsvollen Kessel bilden. An der lautstarken Kulisse wird es also nicht fehlen, damit die Young Boys Bern wieder zur Fußball-Elite werden. Und vielleicht zeigen ja auch die Deutschen im neuen Wankdorf bei der kommenden Europameisterschaft wieder etwas Wunderbares.

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 Beitrag Verfasst: Samstag 30. Juli 2005, 07:06 
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Fussball.ch, 30.7.2005

Stade de Suisse als Erlebniswelt


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Wo bis im Frühling in der landesweit grössten oberirdischen Baustelle gearbeitet wurde, wird ab heute dem Besucher ein umfassendes Unterhaltungsprogramm geboten. Bern feiert die dreitägige Eröffnung des Stade de Suisse Wankdorf.
Weniger als vier Jahre nach der Sprengung des alten Wankdorfs hat nun nach Basel und Genf auch die Schweizer Hauptstadt ein Stadion, das höchstem Komfort entspricht. Für rund 370 Millionen Franken wurde dort, wo das legendäre alte Wankdorf mit seinen markanten Ecktürmen stand, ein riesiger Komplex errichtet, in dem der Fussball die emotional wichtigste Rolle spielen wird.

"Die Young Boys sind das Herz. Zwar belebt YB dieses Herz nur 20 Tage im Jahr, bei einer allfälligen Champions-League-Qualifikation dereinst vielleicht 25 Tage. Aber YB ist der Werbeträger, die Kraft, die Emotion im Stade de Suisse Wankdorf", sagt Peter Jauch.

Der Zürcher Stadion-Direktor, der in Bern nach seinen unpopulären Entscheiden bei den Young Boys (einst keine neuen Verträge für Publikumslieblinge, Aussortierung von Präsident Heinz Fischer und Sportchef Fredy Bickel) längst nicht nur Anerkennung geniesst, schwärmt vom neuen Stadion, ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. Denn Jauch hat das amateurhafte Handeln im Stade de Genève mit grosser Sorge und auch Unverständnis verfolgt.


Gesellschaftliches Grossereignis

Um den Sport und Fussball in einer wirtschaftlich angespannten Zeit zu einem gesellschaftlichen Grossereignis zu machen, waren für Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe Anpassungen an Kundenbedürfnisse nötig. Im Stade de Suisse Wankdorf gibt es -- analog dem Basler St. Jakob-Park -- diverse Verpflegungsstände rund ums Stadion, das Anstehen auf veralteten Toiletten soll ebenso der Vergangenheit angehören wie langes Warten beim Stadioneinlass.

Auch das so genannte Inhouse-TV, das stadioneigene Fernseh-Programm, und Logen (186 Plätze) wurden Standard. "Von den Stadionbetreibern in Bern wurde so viel verändert, dass wir in der tollsten Arena spielen können, die wir haben können", sagt Jauch nicht ohne Stolz. "Es ist unmöglich, dass es hier so endet wie in Genf. Bei uns ist alles funktionstüchtig..."


Vergleich mit "Joggeli"

Der Vergleich mit dem rentierenden St. Jakob-Park drängt sich für das Stade de Suisse Wankdorf hingegen aus mehreren Gründen auf. So war im "Joggeli" das Generalunternehmen von YB-Mäzen Bruno Marazzi mit dem Neubau beschäftigt. Jauch war von 1999 bis 2001 Stadionmanager in Basel und bringt dieses Know-How nun in Bern ein.

Der Jahresumsatz 2004 von fast 100 Millionen Franken im Einkaufszentrum des St. Jakob-Park zeigt Jauch vor, was auch in Bern möglich sein kann. Denn zum Komplex des neuen Nationalstadions gehören auch eines der grössten Einkaufszentren der Region Bern, Wohnungen, zwei Schulen und ein Privatlabor.

Im Stade de Suisse Wankdorf rechnet man ab der Saison 2005/06 bei einem Betriebsaufwand von 23 Millionen mit Einnahmen von rund 30 Millionen Franken -- mit Erwartungshaltung nach oben. Verglichen mit dem alten Stadion, das sich schon zur damaligen Zeit nicht ausschliesslich durch Fussball finanzierte, dürfte sich der Gewinn um mehr als 1000 Prozent steigern.


"Kein 08/15-Ereignis"

Die Generalprobe für die Eröffnungsfeier hat die neue YB-Arena vor zwei Wochen mit Bravour bestanden. Das UI-Cup-Spiel gegen Marseille war der erste Event im Stade de Suisse Wankdorf, die wegen Sicherheitsvorkehrungen auf 14 000 Zuschauer reduzierte, aber dennoch laute Kulisse sorgte für ein erstes emotionales Highlight.

"Es muss eine Harmonie zwischen Stadion, Team und Fussball enstehen. Fussball muss eine Erlebniswelt sein, kein 08/15-Ereignis. Das müssen die Leute spüren. Und das war gegen Marseille teilweise schon der Fall", freut sich Jauch. YB wird sich am sonntäglichen "Blitzturnier" (45 Minuten Spielzeit) gegen den VfB Stuttgart und Serie-A-Verein Udinese ein nächstes Mal von der Begeisterungsfähigkeit des Berner Anhangs überzeugen können.


"Olympia"-Eröffnung

Die Euphoriewelle soll nun am Wochenende flächendeckend auf die Besucher überschwappen. An der Zeremonie, die laut Jauch "an eine Olympia-Eröffnung erinnert und einmalig für die Schweiz ist", führt jeweils Musik von lokalen Bands (u.a. Polo Hofer, Signorino TJ, PVP, Wurzel 5 and friends, DJ Christopher S.) inner- und ausserhalb des Stadions zu den Höhepunkten des Tages.

Am Samstag vor dem offiziellen Eröffnungsakt um 21.20 Uhr, wenn Bundespräsident Samuel Schmid interviewt wird und der Ankick vom Dach erfolgt und am Sonntag vor dem Triangel-Turnier. Der "Tag der offenen Tür" am Nationalfeiertag mit Aktionen im und ums Stadion wird die Feierlichkeiten im Stade de Suisse Wankdorf beschliessen.

Programm
Samstag, 30. Juli. 18.00 Uhr: Stadionöffnung. 21.20 Uhr: Offizieller Eröffnungsakt mit Bundespräsident Samuel Schmid und Ankick vom Dach. 22.00 Uhr: Eröffnungsspektakel.

Sonntag, 31. Juli. 14.45 Uhr: Vorspiel Schweizer Frauen-Nationalteam - Team "Wunder von Bern (2x15 Minuten). 15.30 Uhr: Allstar YB. -- Blitzturnier (Spielzeit 45 Minuten). 16.15 Uhr: Young Boys - Stuttgart. 17.15 Uhr: Young Boys - Udinese. 18.15 Uhr: Udinese - Stuttgart.

Montag, 1. August: Tag der offenen Tür.

Auf dem Quartierplatz und dessen Bühne rund ums Stade de Suisse Wankdorf finden am Samstag (15.30 Uhr bis ca. 1.30 Uhr), Sonntag (10.00 bis 02.00) und Montag (10.00 bis 20.00) unzählige Konzerte und Auftritte von lokalen (u.a. Polo Hofer, Signorino TJ, Sandee, PVP, Wurzel 5 etc.) und internationalen Musikern (Sugarbabies)statt.

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 Beitrag Verfasst: Samstag 30. Juli 2005, 17:17 
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Wohnort: Bern
«Wir brauchen nicht 30 Millionen, um Basel zu schlagen»

Peter jauch
Peter Jauch ist für den Aufbau des Stadionbetriebs im Stade de Suisse Wankdorf Bern verantwortlich, das heute eröffnet wird. Jauch sagt, das neue Stadion werde einen Zuschauerboom auslösen, da für wenig Geld viel Komfort geboten werde. Klar sei, dass YB unter Erfolgsdruck stehe und um den Titel mitspielen müsse. Schwer nachvollziehbar ist für den Zürcher die Kritik an den Eintrittspreisen für die Eröffungsfeier.


«Bund»: Herr Jauch, was ist das Besondere am Stade de Suisse?

peter jauch: Die Architektur mit dem «fliegenden Dach», die Helligkeit, die luftige Bauweise.


Sie waren auch am Aufbau des St.-Jakob-Parks in Basel wesentlich beteiligt. Gefällt Ihnen das Stade de Suisse besser?

Ja, um einiges. Der St.-Jakob-Park ist mir ein wenig zu kompakt und zu dunkel.


Sie sind ein vehementer Promotor multifunktionaler Stadien wie jener in Bern und Basel. Haben die reinen Fussballstadien wie die kürzlich eröffnete Allianz-Arena München hierzulande ausgedient?

Auch München hat kein reines Fussballstadion. Dort werden Kongresse durchgeführt und Logen vermietet. Es muss nicht immer ein Shoppingcenter, eine Schule oder ein Altersheim im Stadion integriert sein, doch unbestritten ist: Ein neues Stadion muss heute intensiver genutzt werden können als für 25 Tage Fussball, dafür ist die Infrastruktur zu teuer.


Was ist denn so teuer?

Die ganze Informatik. Die Technologie mit Catering und Ticketing ist viel komplexer, als die meisten Leute denken.


Im St.-Jakob-Park generiert der Fussball weniger als die Hälfte der Einnahmen. Wie wichtig ist der Sport überhaupt? Ist er nur noch der Wohlfühlfaktor im Businesspark?

Nein. Will man aber den Fussball finanzieren, muss die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Längerfristig überlebensfähig ist ein Profifussballbetrieb nur noch in Verbund mit einem Stadion, in dem zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden können. Nehmen wir Basel als Rechenbeispiel: Im Bereich Sponsoring, VIP und Donatoren mit insgesamt 2500 Leuten wird gleich viel Geld generiert wie mit 23 000 Zuschauern im übrigen Stadionbereich. Daraus ergibt sich eine der Stärken solcher Stadien: Der Normalzuschauer kann verhältnismässig günstig einen Match live sehen. Er hat die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau preisgünstig zu verpflegen und schöne Toiletten zu benutzen. Das schätzen Frauen und Familien, die vermehrt zu einem Match kommen.


Leiten Sie daraus Ihre Schätzung ab, wonach im Schnitt 20 000 Zuschauer an ein YB-Heimspiel kommen werden?

Richtig. Die Leute werden sich wohl fühlen in diesem Stadion. Nehmen wir wieder das Beispiel Basel: 50 Prozent der Leute, die heute im neuen Stadion sind, waren früher nie an einem Match. Mit Ausnahme von Genf war dieser Effekt in Europa überall zu beobachten, wo ein neues Stadion gebaut wurde. In Arnheim wurde die Zuschauerzahl versechsfacht. In Bern ist die Begeisterung eindeutig da, das hat man im ersten Spiel gegen Marseille gesehen.


Bern ist eine Eishockeystadt, der SCB ist ungemein populär. Wie gehen Sie mit dem grossen Konkurrenten vor Ihrer Haustür um?

Das ist ein Wettbewerb, den wir austragen müssen, ich fürchte mich nicht davor. Bei den Fans wird es Synergien geben, davon bin ich überzeugt.


Im Stade de Suisse sollen jährlich 800 bis 1000 Events stattfinden. Wie viele haben Sie unter Dach und Fach?

Ich kenne die genaue Zahl nicht, aber wir erhalten täglich Anfragen. Bis Ende Oktober sind 88 Anlässe gebucht, die im Businessbereich und auf den Tribünen stattfinden. Wie es später im Jahr aussieht, weiss ich nicht, da ab August Stefan Niedermaier für das Tagesgeschäft im Stadion zuständig ist.


Müssen wir auf die ganz grossen Anlässe ausserhalb des Fussballbereichs bis 2006 warten, wenn der Kunstrasen verlegt ist?

Ja. Es sind zwar noch keine Namen bekannt, aber es gibt bereits reservierte Daten von den Grosskonzertveranstaltern Good News und Appalooza.


Sie haben seit Ihrer Ankunft in Bern 2002 wiederholt den Zorn der Fans auf sich gezogen. Sie haben mit lautem Getöse das YB-Führungsduo Fredi Bickel/Heinz Fischer verjagt, Sie haben sich mit dem früheren Trainer Marco Schällibaum überworfen, Sie haben bei der ersten Namensgebung den Begriff «Wankdorf» weggelassen. Fehlt Ihnen das Gespür für die bernische Mentalität?

Diese Geschichten wurden in den Medien einseitig wiedergegeben, ich wurde immer als Fremdling dargestellt. Dabei war es Bauunternehmer Bruno Marazzi, der mich bat, den Verein zu durchleuchten, als es im Frühling 2002 finanzielle Probleme gab. Also habe ich die Unterlagen studiert. Was ich punkto Entlöhnung angetroffen habe, war das reinste Schlaraffenland: YB war der teuerste Schweizer Aufsteiger aller Zeiten – obwohl Bickel und Schällibaum immer erzählt haben, die Spieler erhielten kaum Lohn. Inzwischen haben wir das Budget von 12,4 auf 8,5 Millionen reduziert. Mit solchen Massnahmen macht man sich nicht beliebt, weder bei den Spielern noch im Umfeld.


Wie gehen Sie denn mit der Rolle des Buhmanns um?

Im Prinzip ist mir nicht wichtig, was andere Leute über mich denken, ich arbeite rein sachbezogen. Nach 39 Jahren Tätigkeit auf diesem Gebiet weiss ich, wie es laufen muss. Sehen Sie: Ich ging beim ZSC weg – er wurde Meister. Ich ging beim FC Basel weg – er wurde Meister. YB wird früher oder später Meister. Das ist so, das ist gar nicht anders möglich.


Werden Sie da mit Geld nachhelfen? In der «Bilanz» sagten Sie jüngst, dass sich im Eishockey wie im Fussball Titel kaufen lassen.

In den stärksten Ligen wie Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland kann man die Titel nicht kaufen. In der Schweiz aber schon. Dank den Millionen von Herrn Gerber und Herrn Gut wurde GC 2003 Meister, Frau Oeri hat die letzten Titel des FC Basel bezahlt, Walter Frey jene der ZSC Lions nach 38 Jahren Unterbruch . . .


. . . und jetzt ist also YB an der Reihe.

Bedenken Sie: Basel hat ein Budget von 30 Millionen Franken, wir eines von 8,5 Millionen. Aber wir brauchen nicht 30 Millionen, um Basel zu schlagen.


Das tönt nach Vorwärtsstrategie.

Wir können gar nicht anders. Zu einem attraktiven Stadion gehört eine attraktive Mannschaft – genauso wie ein schöner Catering-Stand und eine schöne Toilette. Aber eine attraktive Mannschaft können wir uns nur leisten, wenn die Zuschauer kommen. Wenn die Leute nicht mitmachen – für wen machen wir es dann?


Mit der Verpflichtung von Hakan Yakin haben Sie einen Spieler geholt, der an guten Tagen die Massen begeistern kann. Wie kam das Engagement zustande?

YB-Präsident Peter Mast, Sportchef Marcel Hottiger und ich sind mit Hakan Yakin zusammmengesessen und haben über seine Perspektiven diskutiert. Wir haben ihm gesagt, bei YB und im neuen Stadion finde er ein Umfeld vor, in dem er an seine guten Zeiten anknüpfen könne. Das war alles. Dann hat sich YB-Trainer Hanspeter Zaugg mit ihm unterhalten, schliesslich müssen die beiden ja miteinander auskommen. Eine wichtige Rolle spielte Murat Yakin: Er sorgte dafür, dass sich das Umfeld seines Bruders veränderte.


Was ist, wenn die Young Boys trotz Hakan Yakin und den anderen Neuverpflichtungen schlecht spielen? Können Sie sich Geduld überhaupt leisten?

YB kann gar nicht mehr schlecht sein. YB kann manchmal verlieren oder eine schlechte Leistung zeigen. Aber als Dauerzustand ist das nicht möglich. Natürlich werden die Erwartungen gross sein – weil die Berner keine Geduld haben.


Weshalb haben die Berner denn keine Geduld? Oder, um auf unser beliebtes Vergleichsbeispiel zurückzugreifen: Sind die Basler anders?

In Basel ist Fussball Kultur. Der Stadttheaterdirektor geht ans Fussballspiel, die Fussballer gehen ins Stadttheater. Basel ist auch fussballpositiver. Stellen Sie sich vor, YB wird in der ersten Saison im neuen Stadion nur Vierter. Wissen Sie, was dann passiert? Wir werden geköpft. Basel durfte in der Eröffnungssaison Vierter werden, die Zuschauer kamen trotzdem.


Lange Zeit waren nur Zürcher bereit, ins Stade de Suisse Wankdorf Bern zu investieren. Wie ist die Zurückhaltung der Berner Investoren zu erklären?

Die Berner wollten zuerst abwarten, wie sich das neue Stadion entwickelt. Jetzt, da wir mit Feintool-Chef Fritz Bösch einen angesehenen Wirtschaftsmann aus der Region in unseren Reihen haben, dürfte das Eis gebrochen sein.

Sie nehmen sowohl in der YB Betriebs AG wie auch im Verwaltungsrat der Stade de Suisse Wankdorf AG Einsitz. Wie stark reden Sie bei Fussballangelegenheiten mit?


Innerhalb des Budgets haben wir bei der YB Betriebs AG alle Freiheiten. Was darüber hinausgeht, wird vom Verwaltungsrat der Stade de Suisse Wankdorf AG, welche die Mehrheit an der YB Betriebs AG hält, entschieden. Unser Ziel ist es, den Klub gesund weiterzuführen. Da habe ich auch ein persönliches Interesse daran, weil ich finanziell beteiligt bin – auch am Misserfolg.

«Wenn einmal eine nega- tive Grundstimmung da ist, dann bringt man sie fast nicht mehr weg.»


Thema Eröffnungsfeier: Die Kritik an den hohen Eintrittspreisen und am Programm ist Ihnen hinlänglich bekannt. Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Ja.


Was denn?

Ich würde vielleicht Gümligen gegen Muri spielen lassen. Das kostet nichts. Aber vielleicht käme dann auch niemand ins Stadion.


Und jetzt noch im Ernst . . .

Ich sage: Wer nach diesem Spektakel nicht begeistert aus dem Stadion geht, kann mich anrufen und bekommt drei Tickets für ein YB-Spiel. Bei einer Olympiaeröffnungsfeier weiss man auch nie genau, was einen erwartet.


Weshalb lief denn der Vorverkauf so schlecht?

Wenn Sie in jeder Zeitung lesen, man wisse nicht, wer auftrete, und die Katze werde im Sack verkauft, dann ist das kein Wunder. Es wurde nicht geschrieben: Ein olympiawürdiges Spektakel ist zu erwarten. Wenn einmal eine negative Grundstimmung da ist, bringt man die fast nicht mehr weg. Deshalb bleibe ich dabei: Gümligen gegen Muri. Bern will offenbar nicht mehr. Was ist denn schon negativ an einem Eintrittspreis von 100 Franken?


Dass man in der heutigen Zeit 100 Franken nicht mehr ausgibt, ohne zu wissen, was man dafür erhält . . .

Wir haben versucht, den Medien zu erklären, was geboten wird. Aber sie haben nicht hingehört. Wir bieten immerhin eine sechsstündige Show mit 20 Gruppen, mit Choreografie, mit Künstlern, die wochenlang üben. Dazu gibt es eine Uhr mit einem Sammlerwert von 200 Franken. Wenn das kein Gegenwert ist für 100 Franken! Manchmal habe ich das Gefühl, irgendetwas stimmt nicht mit den Bernern. Vielleicht ist auch meine Mentalität nicht die richtige.


Freuen Sie sich trotz den Nebengeräuschen auf die heutige Eröffnungsfeier im Stade de Suisse?

Natürlich. Nach vier Jahren Aufbauarbeit den Betrieb endlich aufzunehmen, ist ein Highlight. Das neue Stadion ist ein Juwel für Bern, auch wenn es noch nicht alle gemerkt haben. Von den 25 bis 30 Stadien, die ich in den vergangenen zwei, drei Jahren in Europa gesehen habe, gehört dasjenige in Bern zu den fünf Schönsten. Hinzu kommt, dass wir auch in sportlicher Hinsicht mit YB auf dem richtigen Weg sind. So gesehen passt am heutigen Eröffnungstag alles zusammen.



zur person


Peter Jauch ist eine der zentralen Figuren beim Aufbau des Stade de Suisse. Er ist seit 2002 Geschäftsführer und VR-Delegierter der Stadionbetreiberin Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG. Zudem ist er VR-Delegierter der Sport und Event Holding AG, in der sämtliche AGs eingebettet sind, die mit dem Stadion in Verbindung stehen. Der 59-jährige Zürcher arbeitete acht Jahre als Sportredaktor beim «Blick». Danach folgten zwölf Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung bei Adidas. Von 1993 bis 1998 war Jauch Marketingchef der GC Eishockey AG. 1998 wurde er Geschäftsführer beim FC Basel, ein Jahr später Stadionmanager des St.-Jakob-Parks. Der zweifache Vater ist verheiratet mit der ehemaligen Tennisspielerin Petra Delhees.


Quelle: Der Bund, 30.7.2005

http://www.espace.ch/artikel_117972.html


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