Registrieren    Anmelden    Forum    Suche    FAQ

 

 

 

     

 

 

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » BSC Young Boys Stammtisch




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 214 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 ... 22  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Freitag 9. März 2018, 00:25 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Montag 24. Mai 2004, 18:21
Beiträge: 3440
Wohnort: In der Brauerei
Die YB-Trikots von 1898 bis heute

48 Trikots der Young Boys, vom Gründungsjahr 1898 bis heute, gibt es ab sofort unter folgendem Link zu sehen:

Bild


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Freitag 9. März 2018, 19:16 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
09.03.2018

Bild

Zitat:
Berge, Briten – und zwei Berner namens Schwab

Vor 120 Jahren gründeten Berner Schüler die Young Boys. Mit englischem Boost fand der Fussball zu uns – und dank Schweizer Schwung seinen Weg nach ganz Europa.

Zur Empfängnis kam es an Weihnachten – die Geburt folgte im Frühling. Ein Fussball, so heisst es, sei unter dem Christbaum der Familie Schwab gelegen, im Winter 1897 im Kirchenfeld.

Und weil die beiden Brüder Oskar und Max, zu der Zeit noch Gymnasiasten, in der Folge nicht mehr viel anderes taten, als Fussball zu spielen, gründeten sie am 14. März 1898 die Young Boys. Erst hiess der Verein FC, später BSC, und heute ist das 120 Jahre her.

Zwischen den ersten Trainings auf dem Sportplatz Schwellenmätteli und dem Heimspiel gegen GC morgen im modernen Stade de Suisse liegt nicht nur mehr als ein Jahrhundert Schweizer Sportgeschichte, sondern auch die Entwicklung des Fussballs vom belächelten Studentenhobby zum grössten und wichtigsten Sport der Welt.

Und in dieser Entwicklung agierte die Schweiz mit ihren zahlreichen Vereinsgründungen um die Jahrhundert­wende als kontinentale Vorreiterin. Bereits 1879 entstand mit dem FC St. Gallen der älteste historisch verbürgte und noch existierende Club in Kontinentaleuropa.

Und 1886 beschloss der englische Biologiestudent Tom Griffith in Zürich die Gründung des morgigen YB-Gegners Grass­hoppers. Der Legende nach kurz nachdem er unter dem Mikro­skop eine Heuschrecke beobachtet hatte – wahrscheinlich aber eher, weil er in den verschiedenen Rugbyclubs mit dem Zusatz «Grasshopper» in seiner Heimat Inspiration gefunden hatte.

Überhaupt, die Briten. Ende des 18. Jahrhunderts gab es kaum etwas, worin sie nicht Weltspitze waren. Die industrielle Produktion, die militärische Aufrüstung, das Rennen um die Berggipfel. 1857 wurde mit dem British Al­pine Club der erste Bergsteigerverband der Welt gegründet, acht Jahre später bestieg Sir Edward Whymper erstmals das Matterhorn.

Die Seilschaften zwischen den englischen Abenteurern und den einheimischen Bergführern machten die Schweiz als Herz des Alpenmassivs zu einem äusserst beliebten Ausflugsziel auf der britischen Insel.

Und wer kam, blieb in der Regel auch ein Weilchen. Privatschulen vom Genfer- bis zum Bodensee genossen regen Zulauf bei den reichen Industriellen. Der «english way of life» war plötzlich auch in der Schweiz ziemlich angesagt und mit ihm die britischen Sportarten: Rugby, Cricket und der neuartige Fussball.

Es ist kein Zufall, zählen viele Schweizer Fussballclubs zu den ältesten auf dem europäischen Festland und tragen englische Namen: Die Old Boys aus Basel waren Inspiration für die Young Boys der Schwab-Brüder, in Zürich gab es die Blue Stars oder die Fire Flies, und noch heute kicken dort die Young Fellows.

Und wer sich so seine Gedanken macht über all die Goals, die Corner, den verweigerten Penalty, sich dazu vielleicht gar die Offside-Frage stellt, der erkennt: England war überall im Schweizer Fussball.

Die Young Boys blühten in diesen von Pioniergeist und Aufbruchstimmung geprägten Kinderjahren regelrecht auf. Einmal vom grossen FC Bern abgenabelt, unter dessen Organisation sie zu Beginn noch als Schülerteam aufgelaufen waren, gewannen sie 1903 zum ersten Mal die Meisterschaft.

Der erste Titelhattrick folgte zwischen 1909 und 1911, und bald darauf schon zog YB, bis anhin auf dem Spitalackerplatz und der Kasernenwiese kickend, ins neue Wankdorfstadion ein.

Von der Schweiz in die Welt

Der Fussball war noch immer ein wunderlicher Sport, damals in der Vorkriegszeit. Und doch zog er die Menschen an, mit der Schweiz als Vorreiterin einer Globalisierungs- und Exportwelle.

«Fussballvereine waren immer auch ein Ort, an dem sich Geschäftspartner unterschiedlicher Nationalität trafen», schreiben Fabian Brändle und Christian Koller in ihrem Buch «Goal! Eine Kultur- und Sozialgeschichte des modernen Fussballs». Bedeutende Figuren des Sports wie Walther Bensemann (Gründer des Fachmagazins «Kicker») und Vittorio Pozzo (Weltmeistertrainer Italiens 1934 und 1938) lernten das Spiel bei Studienaufenthalten in der Schweiz kennen.

Der Fussball fand seinen Weg in die weite Welt. Empfänglich für Neues waren zu dieser Zeit vor allem Hafenstädte. Le Havre, Genua, Bilbao – die englischen Seeleute spielten dort bei ihren Landgängen nach Herzenslust Fussball, wie die heutigen Traditionsvereine zeigen.

Das Binnenland Schweiz bildete da einen Sonderfall – und vererbte die Lust am neuen Spiel ebenfalls weiter. Der Winterthurer Hans Gamper gründete 1899 den FC Barcelona, mit den Vereinsfarben Rot und Blau, die an seinen Ex-Klub Excelsior Zürich er­innern sollten – und nicht, wie oft behauptet, an die Farben des FC Basel.

Der Getreidehändler Gustav Kuhn half mit, den FC Bari zu gründen, der Zahnarzt Louis Rauch war der erste Präsident des FC Bologna, und die Mehrheit der Gründungsmitglieder von Inter Mailand waren Schweizer.

YB entwickelte sich weiter prächtig. In den 50er-Jahren wurde das Wankdorfstadion für die anstehende WM in der Schweiz auf offiziell 64 000 Plätze ausgebaut. Und 1951 kam ein gewisser Albert Sing zu den Young Boys – was der Deutsche mit den Bernern erreichte, ist historisch: vier Titel in Serie, zwei Cupsiege, 1959 der Halbfinal im Meistercup gegen das grosse Stade Reims. Es war die Zeit von «Bomben-Meier», dem grossen Geni, als bester YB-Schütze im Europapokal bis heute nur übertroffen von Guillaume Hoarau.

Titelmässig begann für YB in der Folge eine ähnliche Durststrecke, wie sie die Anhänger aktuell erdulden: Pokalsiege kamen bis heute noch zwei dazu (1977 und 1987), die nächste Meisterschaft ist bis heute die letzte, jene von 1986 unter dem Polen Alex­ander Mandziara.

Für YB standen schwierige Jahre an. In den brüchigen Gemäuern des Wankdorfstadions überdauerten die Fans zwei Abstiege in die NLB, Ende der 90er-Jahre stand der Verein vor dem finanziellen Ruin.

Nach der Sprengung des alten und dem Baubeginn des neuen Wankdorfstadions fanden die Young Boys 2001 Zuflucht in der Exilheimat Neufeld. Dort, auf der knarrenden Holztribüne, schlug die Stunde der Romantiker.

Mit Stéphane Chapuisat schwang auch wieder internationale Klasse mit, und nach dem Einzug ins Stade de Suisse 2005 zählte YB fortan zur Schweizer Spitze.

Von den britische Bergsteigern, die am Anfang dieser Entwicklung standen, ist nicht viel übrig. Der Name, ja. Und vielleicht die Sehnsucht, dereinst wieder ganz oben auf dem Gipfel zu landen.

https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/29541729

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Samstag 10. März 2018, 17:39 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
10.03.2018

Bild

Zitat:
Die grosse Sehnsucht

Vor 120 Jahren gründeten Berner Schüler die Young Boys. Mit englischem Boost fand der Fussball zu uns – und dank Schweizer Schwung seinen Weg nach ganz Europa.

Zur Empfängnis kam es an Weihnachten – die Geburt folgte im Frühling. Ein Fussball, so heisst es, sei unter dem Christbaum der Familie Schwab gelegen, im Winter 1897 im Kirchenfeld. Und weil die beiden Brüder Oskar und Max, zu der Zeit noch Gymnasiasten, bald nicht mehr viel anderes taten, als Fussball zu spielen, gründeten sie am 14. März 1898 die Young Boys. Erst hiess der Verein FC, später BSC, und am Mittwoch ist das 120 Jahre her.

Zwischen den ersten Trainings auf dem Sportplatz Schwellenmätteli und dem Heimspiel gegen GC morgen im modernen Stade de Suisse liegt nicht nur mehr als ein Jahrhundert Schweizer Sportgeschichte, sondern auch die Entwicklung des Fussballs vom belächelten Studentenhobby zum grössten und wichtigsten Sport der Welt. Und in dieser Entwicklung agierte die Schweiz mit ihren zahlreichen Vereinsgründungen um die Jahrhundert­wende als kontinentale Vorreiterin. Bereits 1879 entstand mit dem FC St. Gallen der älteste historisch verbürgte und noch existierende Club in Kontinentaleuropa. Und 1886 beschloss der englische Biologiestudent Tom Griffith in Zürich die Gründung der Grasshoppers. Der Legende nach kurz, nachdem er unter dem Mikroskop eine Heuschrecke beobachtet hatte – wahrscheinlich aber eher, weil er in diversen Rugbyclubs mit dem Zusatz «Grass­hopper» in seiner Heimat Inspiration gefunden hatte.

«English» war «en vogue»

Überhaupt, die Briten. Ende des 18. Jahrhunderts gab es kaum etwas, worin sie nicht Weltspitze waren. Die industrielle Produktion, die militärische Aufrüstung, das Rennen um die Berggipfel. 1857 wurde mit dem British Al­pine Club der erste Bergsteigerverband der Welt gegründet, acht Jahre später bestieg Sir Edward Whymper erstmals das Matterhorn. Die Seilschaften zwischen den englischen Abenteurern und den einheimischen Bergführern machten die Schweiz als Herz des Alpenmassivs zu einem äusserst beliebten Ausflugsziel auf der britischen Insel. Und wer kam, blieb in der Regel auch ein Weilchen. Privatschulen vom Genfer- bis zum Bodensee genossen regen Zulauf bei den reichen Industriellen. Der «english way of life» war plötzlich auch in der Schweiz ziemlich angesagt und mit ihm die britischen Sportarten: Rugby, Cricket und der neuartige Fussball. Es ist kein Zufall, zählen viele Schweizer Fussballclubs zu den ältesten auf dem europäischen Festland und tragen englische Namen: Die Old Boys aus Basel waren Inspiration für die Young Boys der Schwab-Brüder, in Zürich gab es die Blue Stars oder die Fire Flies, und noch heute kicken dort die Young Fellows. Und wer sich so seine Gedanken macht über all die Goals, die Corner, den verweigerten Penalty, sich dazu vielleicht gar die Offside-Frage stellt, der erkennt: England war überall im Schweizer Fussball.

Die Young Boys blühten in diesen von Pioniergeist und Aufbruchstimmung geprägten Kinderjahren regelrecht auf. Einmal vom grossen FC Bern abgenabelt, unter dessen Organisation sie zu Beginn noch als Schülerteam angetreten waren, gewannen sie 1903 zum ersten Mal die Meisterschaft. Der erste Titelhattrick folgte zwischen 1909 und 1911, und bald darauf schon zog YB, bis anhin auf dem Spitalackerplatz und der Kasernenwiese kickend, ins neue Wankdorfstadion ein.

Von der Schweiz in die Welt

Der Fussball war noch immer ein wunderlicher Sport, damals in der Vorkriegszeit. Und doch zog er die Menschen an, mit der Schweiz als Vorreiterin der Exportwelle. «Fussballvereine waren immer auch ein Ort, an dem sich Geschäftspartner unterschiedlicher Nationalität trafen», schreiben Fabian Brändle und Christian Koller in ihrem Buch «Goal! Eine Kultur- und Sozial­geschichte des modernen Fussballs». Bedeutende Figuren des Sports wie Walther Bensemann (Gründer des Fachmagazins «Kicker») und Vittorio Pozzo (Weltmeistertrainer Italiens 1934 und 1938) lernten das Spiel beim Studieren in der Schweiz kennen.

Der Fussball fand seinen Weg in die weite Welt. Empfänglich für Neues waren zu dieser Zeit vor allem Hafenstädte. Le Havre, Genua, Bilbao – die englischen Seeleute spielten dort bei ihren Landgängen nach Herzenslust Fussball, wie die heutigen Traditionsvereine zeigen. Das Binnenland Schweiz bildete da einen Sonderfall – und vererbte die Lust am neuen Spiel ebenfalls weiter. Der Winterthurer Hans Gamper gründete 1899 den FC Barcelona, mit den Vereinsfarben Rot und Blau, die an seinen Ex-Klub Excelsior Zürich er­innern sollten – und nicht, wie oft behauptet, an die Farben des FC Basel. Der Getreidehändler Gustav Kuhn half mit, den FC Bari zu gründen, der Zahnarzt Louis Rauch war der erste Präsident des FC Bologna, und die Mehrheit der Gründungsmitglieder von Inter Mailand waren Schweizer.

YB entwickelte sich weiter prächtig. In den 50er-Jahren wurde das Wankdorfstadion für die anstehende WM in der Schweiz auf 64 000 Plätze ausgebaut. Und 1951 kam ein gewisser Albert Sing zu den Young Boys – was der Deutsche mit den Bernern erreichte, ist historisch: vier Titel in Serie, zwei Cupsiege, 1959 der Halbfinal im Meistercup gegen das grosse Stade Reims. Es war die Zeit von «Bomben-Meier», dem grossen Geni, als bester YB-Schütze im Europapokal bis heute nur übertroffen von Guillaume Hoarau.

Die Stunde der Romantiker

Titelmässig begann für YB in der Folge eine ähnliche Durststrecke, wie sie die Anhänger aktuell erdulden: Pokalsiege kamen noch zwei dazu (1977 und 1987), die nächste Meisterschaft ist bis heute die letzte, jene von 1986 unter dem Polen Alexander Mandziara. Darauf folgten schwierige Jahre. In den brüchigen Gemäuern des Wankdorfstadions über­dauerten die Fans zwei Abstiege in die NLB, Ende der 90er-Jahre stand der Verein vor dem finanziellen Ruin. Nach der Sprengung des alten und dem Baubeginn des neuen Wankdorfstadions fanden die Young Boys 2001 Zuflucht in der Exilheimat Neufeld. Dort, auf der knarrenden Holztribüne, schlug die Stunde der Romantiker. Mit Stéphane Chapuisat schwang auch wieder internationale Klasse mit, und nach dem Einzug ins ­Stade de Suisse 2005 zählte YB fortan zur Schweizer Spitze.

Von den britische Bergsteigern, die am Anfang dieser Entwicklung standen, ist nicht viel übrig. Der Name, ja. Und vielleicht die Sehnsucht, dereinst wieder ganz oben auf dem Gipfel zu landen.


Wadenbeisser, Wunderkinder, Wandervögel

Die lange Geschichte der Young Boys kennt viele spannende Figuren. Manche gingen weit weg, andere kamen zurück. Gute Anekdoten brachten alle mit.

Rudolf Ramseyer, der Turnersohn

Zum Fussball kam der Stadtberner Ramseyer wider alles Erwarten. Sein Vater war ein leidenschaftlicher Turner und sprach sich klar gegen das neuartige, damals noch oft als obszön empfundene Spiel aus, zudem sollte Ramseyer junior lieber bald das Baugeschäft übernehmen, anstatt zu kicken. «Rüedu» war ein beinharter Verteidiger, gefürchtet beim Gegner, beliebt beim Publikum, und wurde zum prominentesten YB-Spieler der 20er-Jahre. Als besagtes Baugeschäft für den Stadionbau im Wankdorf nicht berücksichtigt wurde, ging er zum FC Bern.

Willi Steffen, der Polyglotte

Weil er sich für den Gemüse- und Früchtehandel seiner Eltern sprachlich weiterbilden sollte, fand sich der Steffen Willi aus Utzenstorf eines Tages in London wieder. Dort kickte er unversehens für den FC Chelsea, wurde zum ersten Schweizer in der englischen Liga, war Publikumsliebling und zwischenzeitlich sogar Captain. Zurück nach Bern und zu YB kam er nur, weil die Pflicht der Offiziersschule rief. Immerhin erlebte er so die erfolgreiche Zeit Ende der 50er-Jahre mit. In fünfzehn Jahren Fussball auf höchster Ebene gelang Steffen kein einziges Tor.

Charles Casali, der Läufer

Der klein gewachsene, ehrgeizige Aussenläufer war ein Schlüsselspieler von Nationaltrainer Karl Rappan an der WM 1954 in Bern. Mit YB prägte er den Anfang der Ära Albert Sing mit, holte 1953 den Cup. Casali wurde vor allem im konditionellen Bereich eine gewisse Verbissenheit nachgesagt: Als er einmal bei einer Auswärtsfahrt nach Biel den Zug verpasste, schwang er sich kurzerhand aufs Fahrrad – und stand rechtzeitig zum Anpfiff auf dem Platz. Nach seinem Karriereende blieb er YB verbunden, erhielt 2007 die Ehrenmitgliedschaft, bevor er 2014 verstarb.

Guerino Gottardi, der Pionier

Vom Quartierklub Sparta Bern wechselte er als grosses Talent zu YB. Dort beorderte ihn Trainer Pal Csernai persönlich in die erste Mannschaft – für einen Einstiegslohn von 500 Franken. Gottardi war flink, tüchtig, wechselte zu Xamax und von dort dann eher überraschend zu Lazio Rom. Er ist der erste YB-Spieler, der in der Neuzeit in eine grosse europäische Liga ging. Bei Lazio war er oft Ersatz, sammelte aber Titel, wurde Meister, Cupsieger, Europapokalsieger. Ins Schweizer Nationalteam kam er nie – eine Einbürgerung blieb Mal für Mal verwehrt.


https://www.derbund.ch/sport/fussball/D ... y/24295459

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Samstag 10. März 2018, 17:44 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
10.03.2018

Bild

Zitat:
120 Jahre YB – Gelb-schwarz-weisse Erinnerungen

Vor 120 Jahren gründeten Berner Schüler die Young Boys. Mit englischem Boost fand der Fussball zu uns – und dank Schweizer Schwung seinen Weg nach ganz Europa.

Zur Empfängnis kam es an Weihnachten – die Geburt folgte im Frühling. Ein Fussball, so heisst es, sei unter dem Christbaum der Familie Schwab gelegen, im Winter 1897 im Kirchenfeld.

Und weil die beiden Brüder Oskar und Max, zu der Zeit noch Gymnasiasten, in der Folge nicht mehr viel anderes taten, als Fussball zu spielen, gründeten sie am 14. März 1898 die Young Boys. Erst hiess der Verein FC, später BSC, und heute ist das 120 Jahre her.

Zwischen den ersten Trainings auf dem Sportplatz Schwellenmätteli und dem Heimspiel gegen GC morgen im modernen Stade de Suisse liegt nicht nur mehr als ein Jahrhundert Schweizer Sportgeschichte, sondern auch die Entwicklung des Fussballs vom belächelten Studentenhobby zum grössten und wichtigsten Sport der Welt.

Und in dieser Entwicklung agierte die Schweiz mit ihren zahlreichen Vereinsgründungen um die Jahrhundert­wende als kontinentale Vorreiterin. Bereits 1879 entstand mit dem FC St. Gallen der älteste historisch verbürgte und noch existierende Club in Kontinentaleuropa.

Und 1886 beschloss der englische Biologiestudent Tom Griffith in Zürich die Gründung des morgigen YB-Gegners Grass­hoppers. Der Legende nach kurz nachdem er unter dem Mikro­skop eine Heuschrecke beobachtet hatte – wahrscheinlich aber eher, weil er in den verschiedenen Rugbyclubs mit dem Zusatz «Grasshopper» in seiner Heimat Inspiration gefunden hatte.

Überhaupt, die Briten. Ende des 18. Jahrhunderts gab es kaum etwas, worin sie nicht Weltspitze waren. Die industrielle Produktion, die militärische Aufrüstung, das Rennen um die Berggipfel. 1857 wurde mit dem British Al­pine Club der erste Bergsteigerverband der Welt gegründet, acht Jahre später bestieg Sir Edward Whymper erstmals das Matterhorn.

Die Seilschaften zwischen den englischen Abenteurern und den einheimischen Bergführern machten die Schweiz als Herz des Alpenmassivs zu einem äusserst beliebten Ausflugsziel auf der britischen Insel.

Und wer kam, blieb in der Regel auch ein Weilchen. Privatschulen vom Genfer- bis zum Bodensee genossen regen Zulauf bei den reichen Industriellen. Der «english way of life» war plötzlich auch in der Schweiz ziemlich angesagt und mit ihm die britischen Sportarten: Rugby, Cricket und der neuartige Fussball.

Es ist kein Zufall, zählen viele Schweizer Fussballclubs zu den ältesten auf dem europäischen Festland und tragen englische Namen: Die Old Boys aus Basel waren Inspiration für die Young Boys der Schwab-Brüder, in Zürich gab es die Blue Stars oder die Fire Flies, und noch heute kicken dort die Young Fellows.

Und wer sich so seine Gedanken macht über all die Goals, die Corner, den verweigerten Penalty, sich dazu vielleicht gar die Offside-Frage stellt, der erkennt: England war überall im Schweizer Fussball.

Die Young Boys blühten in diesen von Pioniergeist und Aufbruchstimmung geprägten Kinderjahren regelrecht auf. Einmal vom grossen FC Bern abgenabelt, unter dessen Organisation sie zu Beginn noch als Schülerteam aufgelaufen waren, gewannen sie 1903 zum ersten Mal die Meisterschaft.

Der erste Titelhattrick folgte zwischen 1909 und 1911, und bald darauf schon zog YB, bis anhin auf dem Spitalackerplatz und der Kasernenwiese kickend, ins neue Wankdorfstadion ein.

Von der Schweiz in die Welt

Der Fussball war noch immer ein wunderlicher Sport, damals in der Vorkriegszeit. Und doch zog er die Menschen an, mit der Schweiz als Vorreiterin einer Globalisierungs- und Exportwelle.

«Fussballvereine waren immer auch ein Ort, an dem sich Geschäftspartner unterschiedlicher Nationalität trafen», schreiben Fabian Brändle und Christian Koller in ihrem Buch «Goal! Eine Kultur- und Sozialgeschichte des modernen Fussballs». Bedeutende Figuren des Sports wie Walther Bensemann (Gründer des Fachmagazins «Kicker») und Vittorio Pozzo (Weltmeistertrainer Italiens 1934 und 1938) lernten das Spiel bei Studienaufenthalten in der Schweiz kennen.

Der Fussball fand seinen Weg in die weite Welt. Empfänglich für Neues waren zu dieser Zeit vor allem Hafenstädte. Le Havre, Genua, Bilbao – die englischen Seeleute spielten dort bei ihren Landgängen nach Herzenslust Fussball, wie die heutigen Traditionsvereine zeigen.

Das Binnenland Schweiz bildete da einen Sonderfall – und vererbte die Lust am neuen Spiel ebenfalls weiter. Der Winterthurer Hans Gamper gründete 1899 den FC Barcelona, mit den Vereinsfarben Rot und Blau, die an seinen Ex-Klub Excelsior Zürich er­innern sollten – und nicht, wie oft behauptet, an die Farben des FC Basel.

Der Getreidehändler Gustav Kuhn half mit, den FC Bari zu gründen, der Zahnarzt Louis Rauch war der erste Präsident des FC Bologna, und die Mehrheit der Gründungsmitglieder von Inter Mailand waren Schweizer.

YB entwickelte sich weiter prächtig. In den 50er-Jahren wurde das Wankdorfstadion für die anstehende WM in der Schweiz auf offiziell 64 000 Plätze ausgebaut. Und 1951 kam ein gewisser Albert Sing zu den Young Boys – was der Deutsche mit den Bernern erreichte, ist historisch: vier Titel in Serie, zwei Cupsiege, 1959 der Halbfinal im Meistercup gegen das grosse Stade Reims. Es war die Zeit von «Bomben-Meier», dem grossen Geni, als bester YB-Schütze im Europapokal bis heute nur übertroffen von Guillaume Hoarau.

Titelmässig begann für YB in der Folge eine ähnliche Durststrecke, wie sie die Anhänger aktuell erdulden: Pokalsiege kamen bis heute noch zwei dazu (1977 und 1987), die nächste Meisterschaft ist bis heute die letzte, jene von 1986 unter dem Polen Alex­ander Mandziara.

Für YB standen schwierige Jahre an. In den brüchigen Gemäuern des Wankdorfstadions überdauerten die Fans zwei Abstiege in die NLB, Ende der 90er-Jahre stand der Verein vor dem finanziellen Ruin.

Nach der Sprengung des alten und dem Baubeginn des neuen Wankdorfstadions fanden die Young Boys 2001 Zuflucht in der Exilheimat Neufeld. Dort, auf der knarrenden Holztribüne, schlug die Stunde der Romantiker.

Mit Stéphane Chapuisat schwang auch wieder internationale Klasse mit, und nach dem Einzug ins Stade de Suisse 2005 zählte YB fortan zur Schweizer Spitze.

Von den britische Bergsteigern, die am Anfang dieser Entwicklung standen, ist nicht viel übrig. Der Name, ja. Und vielleicht die Sehnsucht, dereinst wieder ganz oben auf dem Gipfel zu landen.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/29541729

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Samstag 10. März 2018, 17:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
10.03.2018

Bild

Zitat:
Sechs Charakterköpfe aus 120 Jahren YB

Die lange Geschichte der Young Boys kennt viele spannende Figuren. Manche gingen weg und kamen zurück, die einen zogs nach Norden, andere nach Süden. Gute Anekdoten brachten alle mit.

Der Turnersohn: Rudolf Ramseyer

Zum Fussball kam der Stadtberner Ramseyer wider alles Erwarten. Sein Vater war ein leidenschaftlicher Turner und sprach sich klar gegen das neuartige, damals noch oft als obszön empfundene Spiel aus, zudem sollte Ramseyer junior lieber bald das Baugeschäft übernehmen, anstatt zu kicken.

«Rüedu» war ein beinharter Verteidiger, gefürchtet beim Gegner, beliebt beim Publikum, und wurde zum prominentesten YB-Spieler der 20er-Jahre. Als besagtes Bau­geschäft für den Stadionbau im Wankdorf nicht berücksichtigt wurde, ging er zum FC Bern.

Der Polyglotte: Willi Steffen

Weil er sich für den Gemüse- und Früchtehandel seiner Eltern sprachlich weiterbilden sollte, fand sich der Steffen Willi aus Utzenstorf eines Tages in London wieder. Dort kickte er unversehens für den FC Chelsea, wurde zum ersten Schweizer in der englischen Liga, war Publikumsliebling und zwischenzeitlich sogar Captain.

Zurück nach Bern und zu YB kam er nur, weil die Pflicht der Offiziersschule rief. Immerhin erlebte er so die erfolgreiche Zeit Ende der 50er-Jahre mit. In fünfzehn Jahren Fussball auf höchster Ebene gelang Steffen kein einziges Tor.

Der Läufer: Charles Casali

Der klein gewachsene, ehrgeizige Aussenläufer war ein Schlüsselspieler von Nationaltrainer Karl Rappan an der WM 1954 in Bern. Mit YB prägte er den Anfang der Ära Albert Sing mit, holte 1953 den Cup.

Casali wurde vor allem im konditionellen Bereich eine gewisse Verbissenheit nachgesagt: Als er einmal bei einer Auswärtsfahrt nach Biel den Zug verpasste, schwang er sich kurzerhand aufs Fahrrad – und stand rechtzeitig zum Anpfiff auf dem Platz. Nach seinem Karriereende blieb er YB verbunden, erhielt 2007 die Ehrenmitgliedschaft, bevor er 2014 verstarb.

Der Skifahrer: Jakob Brechbühl

Fuhr er als Junior noch im Nationalkader der Skirennfahrer mit, konzentrierte sich «Köbi» Brechbühl später ganz auf den Fussball. Mit Erfolg: Unter Trainer Kurt Linder war er auf der rechten Aussenbahn ein sicherer Wert – und als echter Berner einer der bekannteren Spieler.

Seit den erfolgreichen Sing-Zeiten schaffte kaum mehr ein YB-Spieler den Sprung ins Nationalteam, und so war Brechbühls Nomination Mitte der 70er-Jahre ein Erfolg. Sein Sohn Marc spielte ebenfalls für YB. Aus gesundheitlichen Gründen musste er schon mit 31 Jahren aufhören.

Der Rückkehrer: Georges Bregy

Mit grossen Augen stand Georges Bregy aus Raron 1984 bei der Verleihung des Ballon d’Or in Paris plötzlich neben Marco van Basten und Diego Maradona auf der Bühne. Damals wurde aus jedem Mitgliederverband der Uefa der beste Spieler an die Gala eingeladen, als Torschützenkönig mit Sion war Bregy dabei.

Der Feinfuss war zweimal bei YB – nach der Meistersaison 1985/1986 kehrte er 1990 zurück, lancierte seine Nationalmannschaftskarriere noch einmal neu – und schaffte 1994 den Sprung auf den WM-Zug von Roy Hodgson.

Der Pionier: Guerino Gottardi

Vom Quartierklub Sparta Bern wechselte er als grosses Talent zu YB. Dort beorderte ihn Trainer Pal Csernai persönlich in die erste Mannschaft – für einen Einstiegslohn von 500 Franken. Gottardi war flink, tüchtig, wechselte zu Xamax und von dort dann eher überraschend zu Lazio Rom.

Er ist der erste YB-Spieler, der in der Neuzeit in eine grosse europäische Liga ging. Bei Lazio war er oft Ersatz, sammelte aber Titel, wurde Meister, Cupsieger, Europapokalsieger. Ins Schweizer Nationalteam kam er nie – eine Einbürgerung blieb Mal für Mal verwehrt.


https://www.bernerzeitung.ch/news/stand ... y/16207865

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Montag 12. März 2018, 01:28 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
11.03.2018

Bild

Zitat:
Wie die Berner mit den Young Boys hoffen und bangen

Die Berner Young Boys sind nicht nur an der Spitze der Super League, der Klub macht auch einen stabilen Eindruck. Kann YB nach 32 Jahren den Meistertitel holen?

Vielleicht hat es ja tatsächlich mit der Aare zu tun. Vielleicht löst sie dieses Bern-Gefühl aus: die zarte Melancholie. Vielleicht ist es auch der Blick von oben, von den Terrassen auf den grün schimmernden Fluss am Fuss der Hänge. Im Rücken die schattige alte Stadt, und am Horizont, gar nicht so weit weg, die schneebedeckten Berge. Vielleicht gerät man durch die Mischung aus Finsternis und Erhabenheit in diese Stimmung: dass man irgendwie ein bisschen Trost braucht.

Die Aare zieht auch tief unter den Fenstern des Büros von Alec von Graffenried im wunderbar lichtdurchfluteten Stadtpalais Erlacherhof vorbei. Der Stadtpräsident der Grünen Freien Liste hat ohne zu zögern zugesagt, über die Young Boys zu reden, die Bindung zwischen Sport und Politik ist stark in Bern. An der einen Bürowand ist ein YB-Trikot drapiert mit den Unterschriften aller Spieler, daneben ein Leibchen mit nur einem Autogramm: Mark Streit.

Von Graffenried, 55, ist im Stade de Suisse, wenn er Zeit hat, Sektor D, auf dem Balkon oberhalb der Fankurve. Er kennt die «Verliererromantik», in der die Stadt seit vielen Jahren wohlig schwelgt, und die «Liebe zum melancholischen Moment». Er kennt auch das Kribbeln am Anfang jeder Saison, «manchmal ist es schon in der Vorrunde wieder erlahmt», sagt er. Jetzt ist es anders, die Young Boys haben vor dem Spiel gegen GC heute Sonntag 14 Punkte Vorsprung auf den FC Basel, der allerdings zwei Spiele nachholen muss. 14 Punkte! Von Graffenried weigert sich, euphorisch zu werden. «Wir schauen von Spiel zu Spiel», sagt er; kein Fussballer könnte es besser sagen.

Der Aberglaube vertreibt eventuell aufkeimende Begeisterung sofort. Nur nichts verschreien. «Es juflet ja nicht», sagt von Graffenried, und er meint damit, dass es nicht eilt mit der Begeisterung. Aber YB macht ihm Freude, die Fähigkeit des Teams, auch nicht so gute Spiele zu gewinnen, die neue Stabilität. Und dass keiner der Giele im Winter auch nur gedanklich ausgeflogen sei, sondern dass die Mannschaft zusammen schaffen will, was man sich nicht zu sagen traut, weil es Unglück bringen könnte: Meister werden.

«Suberi Büez»

Einer, der daran glaubt, und es sogar sagt, ist Martin «Tinu» Weber, Captain der letzten Meistermannschaft vor 32 Jahren, heute Versicherungsberater. Weber, ein Mann mit Verteidigerstatur, nickt in alle Richtungen, als er sich an den Tischchen draussen vor dem «Pyri», dem Café des Pyrénées am Kornhausplatz, vorbeizwängt. Man kennt ihn in der Stadt, obwohl ein Fussballer zu seiner Zeit «so chli eine gsi isch», wie er sagt. Heute sei das mit den Fussballern eine Supersache.

Weber, 60, hat in den letzten Jahren nie an den Titel geglaubt, er ist eigentlich ein Skeptiker. 2010, als YB einmal 13 Punkte Vorsprung auf Basel hatte, habe es der Trainer Petkovic vergeigt. Jahrelang, sagt er, habe man mit aller Gewalt mit Geld etwas reissen wollen. Erst seit die Brüder Rhys nicht mehr bereit seien, 10 Millionen pro Jahr reinzubuttern, probiere man es anders. Und paradoxerweise laufe es besser mit weniger Geld.

«Nehmt gopfridstutz einen Einheimischen als Sportchef», das sagt Weber schon lange, «einen, der nicht mediengeil ist, einen Ruhigen». Jetzt hat YB Christoph Spycher, der hier Wuschu heisst. Weber gerät nicht in diese zittrige Melange von Hoffnung und Angst, mit der die YB-Anhänger kämpfen, sein Sportlerhintergrund schützt ihn vor dem Aberglauben. Er traut dem, was er sieht: eine starke, gefestigte Mannschaft.

Es ist nicht so, dass Berner Sportklubs schicksalhaft Zweiter werden. Der SC Bern hat in den letzten acht Jahren viermal die Eishockey-Meisterschaft gewonnen. Aber der SCB steht viel weniger für die Stadt als YB, das Einzugsgebiet des Eishockeyklubs erstreckt sich bis weit ins Oberland, die Anhängerschaft unterscheidet sich stark.

Im SCB hat sich nie die Genügsamkeit ausgebreitet, die Kuno Lauener – wer sonst – so wunderbar auf den Punkt gebracht hat. «Rang zwöi isch o suberi Büez», sagte der Sänger von Züri West vor ein paar Jahren in einem Radiointerview. Es ist ein Satz, der gut zum Groove der Bernerinnen und Berner passt, die sich so gern einigeln in das «Schönste Stadt der Welt»-Gefühl, die so verliebt sind in ihre Stadt, wie Teenager in den ersten Schatz, und nicht viel mehr zu brauchen scheinen als ihre Lauben und ihr Marzili und ihre Melancholie.

Nadja Kehrli ist in Thun aufgewachsen, aber mit einer «grossen Liebe zu Bern». Sie ist Sozialarbeiterin, SP-Politikerin und die Ehefrau von Nicolas Kehrli, der einst für YB spielte und heute für den FC Breitenrain, den Berner Quartierklub in der 1. Liga. Kehrli möchte auch im «Pyri» abmachen, das ist für sie Bern: die Beizentische aus Holz, der bärtige Alki, der sein Bier neben den Schülerinnen mit den grossen Sonnenbrillen trinkt.

Bern, sagt sie, sei klein genug, dass sich alle als Städter fühlten, es zerfalle nicht in Quartiere, darum sei die Identifikation mit der Stadt grösser als anderswo. Kehrli war Saisonkartenbesitzerin, bis sie zum zweiten Mal Mutter und Stadträtin wurde. Sie will unbedingt, dass YB Meister wird, «aber ich habe auch Angst davor», sagt sie, um sich gleich zu fragen, was das denn nun psychologisch bedeute.

Weil man schon fürchtet, dann wieder so lange warten zu müssen? Oder vielleicht ist es die Angst, nicht zu wissen, wohin mit all den Gefühlen; Kehrli will es sich gar nicht vorstellen, das Riesenglück, sie müsste wohl in Tränen ausbrechen, aber nur kurz und privat. «Wir sind ein kontrolliertes Völkli», sagt sie, «nicht extrem begeisterungsfähig». Am Boden bleiben – das sei wichtig. Das ständige Scheitern hat für sie auch mit Bern zu tun, mit dem Orientieren am sicheren Grund, mit dem Melancholischen. Sie ist sich ziemlich sicher, dass die Melancholie von der Aare her kommt.

Wer sich in Bern auf den Spuren der Young Boys bewegt, merkt bald, dass sich ein dichtes gesellschaftliches Netz um den Klub spannt. Alle scheinen sich zu kennen, man trägt Grüsse von einem Gesprächspartner zum nächsten, von Alec im Erlacherhof die Münstergasse hoch zum Ürsu im «Frohsinn».

Urs Frieden kennt YB aus verschiedener Warte, als Nachwuchsspieler, Juniorentrainer, Fanbeauftragter, Journalist, Politiker – aber auch als Mitbegründer des Vereins «Gemeinsam gegen Rassismus», in dem er heute Ehrenpräsident ist, sowie als Mitinitiant des Fanlokals «Halbzeit». Frieden möchte auch Meister werden, er will es «einfach wieder einmal erleben», aber sicher nicht achtmal hintereinander wie zuletzt der FC Basel.

Die Berner igeln sich so gern in das «Schönste Stadt der Welt»-Gefühl ein, sie sind verliebt in ihre Stadt wie Teenager in den ersten Schatz.

Frieden hat ein anderes Verständnis von Klubliebe, mehr wie der Held aus Nick Hornbys «Fever Pitch», der wilde Wellentäler erlebt mit seinem Klub Arsenal. Er war im Jahr 2000 mit YB in der Nationalliga B, das macht demütig. Und er war danach im Neufeld dabei, dem Ausweichstadion von 2001 bis 2005, als YB plötzlich wieder hip wurde, viele Linke und Kulturschaffende anzog und die halbe Schweiz von den Geranien am Chalet neben der Tribüne schwärmte.

«Ganz, ganz bitter»

«Leiden», sagt Frieden, «gehört zum Fansein, es ist eine Facette davon.» Er zitiert ein Bonmot aus Bern: «Unsere Meisterschaft ist Leidenschaft.» In Basel sei es umgekehrt, dort sei man pokalfixiert. Er erlaubt sich Hoffnung, das muss genügen. «32 Jahre warten macht nicht nur ungeduldig, sondern auch gelassen», sagt Frieden.

Aber natürlich sieht auch er, dass es jetzt anders ist als früher, er sieht Spieler, die nicht stromlinienförmig sind, mit denen man sich identifizieren kann, Guillaume Hoarau, der Sänger, oder Marco Wölfli, die treue Seele. «Jetzt chaschs äuä doch nomau erläbe», hat ihm, dem 62-Jährigen, kürzlich einer auf der Strasse zugerufen. Man denkt in grossen Zeiträumen in Bern.

Was passiert, wenn es klappt? Frieden sagt: «Es gibt eine Explosion: Unglaubliche Kräfte werden freigesetzt.» Natürlich rechnet man mit einer Freinacht, mit einem Umzug durch die Stadt, natürlich wird in jeder Beiz etwas los sein. Aber es werde auch Hunderte von kleinen Festen geben, daheim im Garten und den Wohnungen der YB-Fans.

Und wenn YB scheitert? Tinu Weber, Meister von 1986, sagt: «Das wäre eine ganz, ganz grosse Enttäuschung. Ganz, ganz bitter.» Er hat auch ein bisschen genug von all den Anfragen im Moment, von all denen, die wissen wollen, ob es die Young Boys denn nun endlich schaffen. «Es ist schon schön», sagt er, «aber eigentlich auch traurig, dass sie immer noch zu mir kommen.»

Es ist Zeit für die Ablösung.

Warum heute alles anders ist als 2010

Kennen Sie die Geschichte einer erschwindelten Toten? Eines ratlosen Stürmers? Eines verstossenen Herzens? Es sind Geschichten aus dem vermaledeiten YB-Meisterrennen 2010.

Die Berner fragen sich gerade, ob sie ihrem Frühlingsgefühl trauen dürfen. Diesem zarten Empfinden, dass diesmal tatsächlich alles anders oder zumindest vieles besser ist als in dieser legendären Saison 2009/10, als YB dem Titel so verführerisch nahe war. Anders? Besser? Offenbar ja – denn ausser Gefühlen gibt es auch Fakten. 2090/10 hatte YB nach 24 Spielen 53 Punkte, diesmal sind es 55. YB verbuchte 50 Tore, diesmal: 57. YB hatte 28 Tore kassiert, diesmal: 24. Und es gibt all diese Geschichten.

Im Dezember 2009 verliess der Verteidiger Saif Ghezal YB Hals über Kopf. Seine Tochter sei bei einem Autounfall in Tunesien verletzt, die Mutter des Kindes getötet worden, hiess es. Diese Tragödie galt alsbald als erfunden, Ghezal hatte vor allem den Abgang erzwingen und nach Saudiarabien wechseln wollen.

Es kam der Januar 2010, und YB gab bekannt, dass der Topskorer Seydou Doumbia im Sommer zum ZSKA Moskau wechsle. Später hiess es, auch Gilles Yapi, Regisseur und Herz des Teams, ziehe nach der Saison von dannen, Ziel: unklar.

Vor dieser Kulisse verbrachte YB den Winter 2009/10, als Leader, aber mit allerlei Baustellen. Marco Schneuwly, ein wichtiger Stürmer, fiel verletzt aus. Bis im Februar kamen drei neue Stürmer, darunter Giuseppe Morello. Von ihm blieb primär eine Szene aus dem Film «Meisterträume» in Erinnerung: Wie er vor der Taktiktafel sitzt und dem Trainer Vladimir Petkovic zuhört, voller Fragezeichen im Gesicht. Für «Meisterträume» hatte sich YB in dieser Saison von einem Filmteam begleiten lassen, ein bemerkenswertes Projekt, das sich als Dokumentation des Scheiterns entpuppte.

Im ersten Spiel der Rückrunde unterlag YB dem FC Basel 0:4, der Vorsprung schmolz auf vier Punkte. Am 13. Februar besiegte YB Luzern 2:1, aber die NZZ schrieb: «Seit dem Rückrundenstart ist YB eine ‹normale› Mannschaft, die an sich zweifelt.»

Kurz darauf wurde Yapis nächster Arbeitsort bekannt: Basel. Die Unruhe stieg, das Vertrauen in Yapi sank, an Petkovic erging vom Verwaltungsrat die Weisung, Yapi nicht mehr einzusetzen, in der Wirtschaftswelt würden Abtrünnige nicht anders behandelt. Petkovic fand keinen Umgang damit, er setzte Yapi bald auf die Tribüne, bald auf die Bank und am liebsten eigentlich ein. Aber das Misstrauensvotum raubte Yapi die Stärken, YB hatte sich selber geschwächt. Am Ende war das Selbstvertrauen bloss noch gekünstelt; bevor YB in der letzten Runde daheim auf Basel traf, sagte Petkovic: «Schade, muss Basel Zweiter werden.» Er verzichtete in der Finalissima auf Yapi, Basel siegte 2:0.

Und diesmal, acht Jahre später: Ruhe. Es gibt noch keine Geschichten, die nicht stimmen. Noch schreibt niemand, YB sei eine Mannschaft, die an sich zweifle. Es ist so still, als sei es YB in den letzten Jahren selber zu laut geworden. YB verlor im Winter keinen einzigen Leistungsträger und verpflichtete bloss einen neuen Spieler (einen routinierten Ersatzgoalie). Christoph Spycher, seit 2016 der Sportchef, verfolgte vor allem eine Absicht: die funktionierende Gruppe nicht anzufassen. Im Herbst redete er mit Spielern, die im Winter hätten umworben sein können; Anfang November war er sich bis auf zwei Ausnahmen so gut wie sicher, dass alle bleiben würden. Er hatte ihr Wort erhalten und glaubte, darauf vertrauen zu dürfen.

Spycher übrigens war 2010 zu YB gewechselt, damals noch als Spieler mit der vertraglichen Abmachung, nach der Karriere im Klub zu bleiben. Es ist also auch so eine Geschichte aus der Saison der Meisterträume: Spychers Zuzug gab YB Ende April 2010 bekannt, vier Runden vor Schluss, als Leader, drei Punkte vor dem FCB. Spycher hatte gute Aussichten, zum Meister zu wechseln – und niemand ahnte, dass es bei YB acht Jahre später unter Spychers Leitung noch immer so sehr um unerfüllte Wünsche gehen würde.

Benjamin Steffen


https://nzzas.nzz.ch/sport/wie-berner-m ... duced=true

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Montag 12. März 2018, 12:37 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
12.03.2018

Bild

Zitat:
YB-Euphorie fast wie im Frühling 1986

Gegen GC ist das Stade de Suisse endlich anständig gefüllt. Im letzten YB-Meisterjahr war der Heimsieg gegen die Grasshoppers prägend.

Es ist mächtig eng am Sonntagnachmittag im Bus Richtung Stade de Suisse, rund eine Stunde vor Spielbeginn. Die Passagierkapazität ist längst ausgeschöpft, noch ist das Fahrzeug weit vom Stadion entfernt, an den letzten sieben Haltestellen muss jeweils mindestens ein Dutzend Menschen draussen bleiben.

Die totale Fussballeuphorie hat Bern ja erstaunlicherweise ­immer noch nicht erreicht, am Sonntag erscheinen aber endlich wieder einmal über 21'000 Menschen – erst zum zweiten Mal in dieser Super-League-Saison nach dem ausverkauften Startspiel gegen den FC Basel (2:0).

Und auch diesmal sorgen massiv verbilligte Tickets für gut gefüllte Ränge. 12'000 Eintrittskarten hat YB zum Preis von 12 Franken verkauft, die Begegnung gegen GC am Sonntag ist das Spiel zum 120-Jahr-Jubiläum der Young Boys. Über 25'000 Leute sind dabei, es ist eine stolze Kulisse, und die Besucher mit Berner Fussballherz erleben erneut einen wunderbaren Nachmittag: Sieg und Traumtore, Basler Niederlage und 17-Punkte-Vorsprung (bei zwei Spielen mehr).

Tore der Klublegenden

In 120 Jahren wurden die Young Boys 11-mal Meister, in den letzten 58 Jahren allerdings nur noch einmal. Und auch die Zeitzeugen des Titels 1986 sind nicht mehr ganz so jung. Ein Heimspiel ist ihnen aber besonders in Erinnerung geblieben – der 3:0-Sieg gegen GC Ende April. Wie aus dem Nichts pilgerten auf einmal 32'700 Zuschauer ins Wankdorf, die YB-Euphorie erfasste die Menschen spät mit voller Wucht.

Im Gegensatz zu dieser Saison hatten die Young Boys damals selbst zur Winterpause noch nicht zu den meistgenannten Favoriten gehört. Eine grossartige Siegesserie änderte das, und der deutliche Erfolg gegen die Grasshoppers nährte die Meisterträume zusätzlich. GC war damit zudem aus dem Titelrennen. Die YB-Klublegenden Martin Weber, Georges Bregy und Robert Prytz erzielten die drei Tore, und was ebenfalls in Erinnerung geblieben ist: der strömende Regen.

Das Stade de Suisse ist modern, mit einem Dach rundherum, und während des Spiels regnet es am Sonntag nicht mehr so stark wie vorher. Auch das Heimspiel am Sonntag ist jene Begegnung, in der vom Publikumsinteresse her erstmals seit Monaten eine Art Meistereuphorie auszumachen ist.

Und es soll ja schöner und wärmer werden, das nächste Heimspiel gegen Basel am Ostermontag dürfte ausverkauft sein. «Nachher sind wir schon fast Meister», sagt einer nach dem 3:1-Sieg der Young Boys gegen GC am Sonntagabend im Bus auf dem Weg nach Hause.

Die Stimmung ist locker und gelöst, die Menschen freuen sich auch über die Niederlage Basels in Luzern – und erinnern sich leidenschaftlich an die verlorene Meisterschaft 2010. «Damals führte YB ja mal mit 13 Punkten», sagt ein Bub. Die Vorsicht vieler Fans ist nachvollziehbar, selbst wenn dieser Vorsprung damals viel früher in der Saison Bestand gehabt hatte. Die ­Berner Zurückhaltung auf den Punkt bringt schliesslich ein älterer Mann, der seiner Frau sagt: «Immerhin haben sie nun 11 Punkte Vorsprung.»

https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/13917900

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Montag 12. März 2018, 19:12 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
12.03.2018

Bild

Zitat:
Eine Stadt sieht Gelb-Schwarz

«YB holt jetzt endlich auch die Big Points»

Nach dem Sieg gegen die Grasshoppers hat YB nun 17 Punkte Vorsprung auf den FCB. Ein kleiner Stadtbummel durch Bern zeigt: Kaum jemand zweifelt mehr daran, dass YB Meister wird.

YB befindet sich auf der Zielgeraden zum Meistertitel: Am Sonntag siegte man zu Hause souverän gegen GC, während der FCB einmal mehr in dieser Rückrunde strauchelte. Mittlerweile haben die Berner 17 Punkte Vorsprung auf den amtierenden Meister, nach Verlustpunkten sind es immerhin 11 Punkte. Und das 11 Runden vor Schluss.

Kein Wunder also, ist die YB-Dominanz am Montagnachmittag das grosse Gesprächsthema in Berns Gassen. Auf dem Waisenhausplatz sitzen die Menschen draussen, die Sonne blitzt immer wieder zwischen den Wolken hervor. Luigi (57) und Francesco (42), beides Fussballverrückte, schlürfen in der Pizzeria Il Grissino einen Espresso. «Wir holen zu 100 Prozent den Meistertitel, zu 90 Prozent das Double», ist YB-Fan Luigi sicher. «Ich freue mich jetzt schon auf die Champions League.»

«Momentan sehr selbstbewusst»

Nicht ganz so euphorisch gibt sich Francesco, schlägt in seiner Brust doch ein FCZ-Herz. Den absehbaren Meistertitel mag er den Bernern dennoch gönnen. «YB ist mir immer noch lieber als Basel oder GC», meint er und lacht.

Schräg gegenüber turteln Céline (22) und ihr Freund Brian (25) im Starbucks. Die beiden gehen fast an jedes YB-Heimspiel. Auch sie sind überzeugt, dass YB der Titel nicht mehr zu nehmen ist. «Das Team wirkt momentan sehr selbstbewusst, so als könnte niemand etwas gegen sie ausrichten», meint Céline. Unter die Jubelstimmung mischt sich aber auch etwas Wehmut. «Ich denke, dass nach dem Titel einige gute Spieler gehen und die Karten dann wieder neu gemischt werden.»

«Extrem hungrig»

Am Café vorbei in Richtung NMS-Gymnasium schlendern Vinzzenz (16) und Daniel (16). «Hoffentlich vermasselt es YB diesmal nicht wieder», meint Vinzzenz. Anders als etwa Luigi sei er sich erst zu 60 Prozent sicher, dass die Berner auch am Schluss zuoberst in der Tabelle stehen. Auch er muss aber zugestehen: «YB wirkt in dieser Saison extrem hungrig. Man spürt, dass sie den Titel unbedingt wollen.»

YB-Fan Markus (42), unterwegs im Tram, kann dem nur zustimmen. Anders als früher siege man nun auch in den entscheidenden Momenten. «YB holt jetzt endlich auch die Big Points.»

Das berüchtigte M-Wort nehmen inzwischen auch YB-Spieler offen in den Mund. So sagte Djibril Sow, Matchwinner am Sonntag gegen Luzern, gegenüber SRF ganz unverblümt: «Wenn wir so weiterspielen, müssen wir gar nicht auf andere Mannschaften schauen, dann werden wir Meister.»


http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/YB-15615615

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 14. März 2018, 21:28 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Donnerstag 6. Mai 2004, 14:28
Beiträge: 6742



Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Presse-Thread Saison 2017/2018
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 15. März 2018, 18:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 00:08
Beiträge: 29376
14.03.2018

Zitat:
Der Weg in die Königsklasse

Der Schweizer Meister ist heuer nicht mehr direkt für die Champions League qualifiziert. Aber er muss nur eine Ausscheidungsrunde überstehen.

Vielleicht Legia Warschau. Vielleicht CFR Cluj. Vielleicht Red Bull Salzburg. Vielleicht PSV Eindhoven.

Die letzte (und einzige) Hürde auf dem Weg in die Champions League wird für den Schweizer Meister Ende August im Playoff keineswegs unüberwindbar sein. Eventuell wären Salzburg oder Eindhoven leicht favorisiert, aber gegen die meisten möglichen Gegner würden auf den Triumphator der Super League im schlechtesten Fall 50:50-Spiele warten. «Die Aussichten, die Champions League zu erreichen, sind als Meister nicht schlecht», sagt YB-Trainer Adi Hütter.

Natürlich sind die Young Boys elf Runden vor Saisonende noch nicht Meister. Und doch sind ­Gedanken an die Königsklasse bei 17 Punkten Vorsprung (oder 11 Verlustpunkten) auf Verfolger Basel keineswegs anmassend. Der Europäische Fussballverband hat seinen Premiumwettbewerb im Hinblick auf die nächste Saison bekanntlich einer Reform unterzogen. Im Kern geht es darum, dass die Topnationen mehr fixe Startplätze zur Verfügung haben, der Dritte und der Vierte im Uefa-Ranking etwa ebenfalls vier.

Vielleicht gar zwei Schweizer

Die Schweiz, auf Platz 12, galt in der Wahrnehmung stets als Verlierer der Reform – wie viele weitere kleinere Fussballnationen. Das stimmt aber nur bedingt. Natürlich fällt der direkte Startplatz in der Champions League weg. Aber auf dem Meisterweg trifft der nationale Champion auf die Vertreter aus den Rängen 11 bis 55. Und er steigt direkt im Playoff ein, muss also nur eine Runde bis zur Gruppenphase überstehen. Bei einem Scheitern würde er die Europa League bestreiten.

Vier Plätze werden über diesen Meisterweg vergeben, die Titelhalter aus Tschechien, Holland, Österreich, Griechenland, Kroatien, Rumänien und Polen sind die stärksten Konkurrenten des Schweizer Meisters. Der FC Basel wäre im Playoff dank seines starken Uefa-Clubwerts gesetzt, bei YB hinge das von den anderen sieben teilnehmenden Teams ab. Ganz sicher ist: Im Fall eines Meistertitels ist die Champions League für die Young Boys so ­nahe wie nie. Und so attraktiv wie in der nächsten Saison war die Gruppenphase noch nie.

Im Übrigen besteht eine realistische Möglichkeit, dass nächste Saison zwei Schweizer Teams an der Champions League teilnehmen werden. Der Zweite der Super League muss zwar gleich drei Qualifikationsrunden überstehen. Aber auch die Ausscheidung über den Platzierungsweg ist einfacher geworden, weil die Teams aus den Top-4-Nationen eben nicht mehr dabei sind. Und der FC Basel wäre bis zum Playoff gesetzt – und gewiss nicht chancenlos, einen der zwei Plätze über diesen Weg zu ergattern.

Der Kampf um Rang 12

Auch nächste Saison wird die halbe Super League am Europacup teilnehmen. Die ersten zwei der Liga bestreiten die Champions-League-Qualifikation, der Cupsieger sowie der Dritte und der Vierte der Super League sind in der Europa League dabei. Wobei der Cupsieger sogar direkt für die Gruppenphase qualifiziert ist. Sollten die Young Boys das Double gewinnen, würde nicht Cupfinalist Zürich nachrücken – sondern der Ligadritte. Das ist aktuell St. Gallen. Und als Teilnehmer an der Europa League darf man immerhin auch mit mindestens 7 Millionen Schweizer Franken Einnahmen planen.

Die Schweiz dürfte Rang 12 im Fünfjahresranking in dieser Spielzeit übrigens ganz knapp verteidigen. Vor allem wegen des seit Jahren europäisch überzeugenden FC Basel. Und ein bisschen wegen der regelmässigen Europa-League-Teilnahmen von YB. Der Stand im Sommer wird massgebend für die übernächste Saison sein. Dank des überraschenden 2:1-Sieges Basels letzte Woche im Rückspiel der Cham­pions-League-Achtelfinals bei Manchester City sieht es für die Schweiz günstig aus, nicht auf Rang 13 abzurutschen. Würde das passieren, wäre der Cupsieger nicht mehr direkt in der Europa League. Und der Meister müsste zwei Qualifikationsrunden auf dem Weg in die Champions League überstehen.

Noch muss die Schweiz allerdings ein wenig zittern. Sollte Viktoria Pilsen morgen im Rückspiel der Europa-League-Achtelfinals Sporting Lissabon ausschalten, würde Tschechien vor der Schweiz bleiben. Dazu benötigt Pilsen jedoch eine überragende Leistung, das Hinspiel gewann ein überlegenes Sporting 2:0. Am Donnerstagabend werden die Schweizer Clubs dem Lissaboner Traditionsclub noch einmal die Daumen drücken.


https://www.langenthalertagblatt.ch/spo ... y/18283562

_________________
Bild For Ever


Nach oben 
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
 
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 214 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 ... 22  Nächste

Foren-Übersicht » www.ybfans.ch » BSC Young Boys Stammtisch


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 26 Gäste

 
 

 
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de