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 Beitrag Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 08:30 
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Der Bund, 19.7.2004

0:2, 3:2, 3:3: Wechselbad der YB-Gefühle

Saisonauftakt in St. Gallen: Die Young Boys sahen wie die sicheren Sieger aus – doch zuletzt waren sie mit dem Remis sehr zufrieden

Wer in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt, hat Grund zur Freude. Wer anderseits einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gibt, hat Grund zum Ärger. Die Young Boys erfüllten am Samstag in St. Gallen zum Saisonauftakt gleich beide Kriterien.

charles Beuret


Die Frage stellte sich bei den Spielern und beim technischen Führungspersonal – und zwar bei beiden Mannschaften: Sollte man nun, nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Busacca auf dem Espenmoos, zufrieden oder enttäuscht sein? Rückblickend auf das zuerst langweilige, dann dramatische und spektakuläre Spiel war diese Frage so leicht nicht zu beantworten. Die Berner hatten auswärts immerhin 2:0 geführt (51. Minute), bevor sie sich von den nun entfesselten St. Gallern überrennen und entzaubern liessen (3:2 in der 77. Minute), sie kamen aber in der Nachspielzeit beim letzten Verzweiflungsangriff doch noch zum 3:3-Ausgleich.

Zufrieden oder enttäuscht also? Zumindest die YB-Spieler entschieden sich mehrheitlich für Variante 1 – ganz nach dem Grundsatz: «Wer zuletzt lacht, lacht am besten.» Was verständlich war: Im Espenmoos schrien 9000 Zuschauer ihr Team nach vorne, während Petrus alle Gewitterschleusen geöffnet hatte. Den Gästen gelang es buchstäblich in letzter Minute, den Kopf doch noch aus der Schlinge zu ziehen – obschon sie in den letzten 25 Minuten nur noch über zehn Mann verfügten. Gabriel Urdaneta dazu: «Die Tatsache, dass wir noch einmal reagieren konnten, beweist, dass wir ein intaktes und mental starkes Team haben. Noch gibts bei uns einiges zu verbessern – aber es ist nicht schlecht, auswärts mit einem 3:3 in die Meisterschaft zu starten.»


Abwehr ist noch nicht sattelfest

Zu verbessern gibts bei den Stadtbernern in der Tat noch einiges – und zwar in erster Linie in der Abwehr. Zwar verzeichnete jeder der vier Verteidiger persönliche «Highlights» (Fernando Carreño etwa mit seinem spektakulären Tor zum 3:3 in der Nachspielzeit oder Knez mit seinem «Assist»-Freistoss, der zum YB-Führungstreffer führte), aber insgesamt wirkte die Berner Abwehr insbesondere in der Innenverteidigung instabil, verletzbar, unsicher. Carreño ist im Kampf Mann gegen Mann zwar kaum zu überspielen, anderseits ist er der Schnellste nicht und er braucht offensichtlich noch Zeit, um sein Stellungsspiel zu perfektionieren.
Dass die Young Boys auf dem Espenmoos nach dem überraschenden Anschlusstreffer Merendas (1:2, 59. Minute) dermassen unter Druck und ins Schwimmen gerieten, hatte allerdings nicht nur mit der eigenen Abwehr zu tun: Die ganze Mannschaft hatte es nicht verstanden, sich auf die neue Situation einzustellen (St. Gallens Trainer Heinz Peischl stellte sein Team auf bedingungslose Offensive um) beziehungsweise darauf zu reagieren. Es wurde gar nicht erst versucht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten – das Spielobjekt wurde meist unkontrolliert nach vorn geschlagen, von wo es postwendend wieder zurückkam.
Wie man es richtig hätte machen müssen, zeigte der eingewechselte Sadik Coubageat in seinem Kurzeinsatz. Schade, dass YB-Trainer Zaugg diesen Wechsel nicht etwas früher vornahm.


Strenger Platzverweis

Doch Hans-Peter Zaugg hatte kaum Spielraum. Stéphane Chapuisats kurzfristige Abreise (seine Frau lag in den Wehen), die leichte Muskelverhärtung Urdanetas (nur Teileinsatz) und vor allem der viel zu strenge Platzverweis von Häberli (75.) hatten zur Folge, dass der YB-Trainer mit seinem letzten Wechsel so lange wie möglich abwarten musste. Die Rechnung Zauggs ging prompt auf.
Das Gleiche konnte St. Gallens Peischl von sich behaupten, der freilich mit der Leistung seiner Mannschaft vor dem 0:2 nicht zufrieden sein konnte. Umso bemerkenswerter fiel die Reaktion der Ostschweizer aus, für die nebst dem grossartigen Publikum auch der stets temperamentvolle Trainer an der Seitenlinie mitverantwortlich war.


Neri ist ein Versprechen

Doch zurück zu den Young Boys: Nach dem ersten Spiel in der Super League (und den Partien im Uhrencup) lässt sich festhalten, dass die Berner in der Offensive erneut über ein grosses Potenzial verfügen. Auch ohne Chapuisat und Patrick de Napoli schossen sie auswärts bemerkenswerte drei Tore. Eine starke Leistung zeigte dabei der schnelle Brasilianer Francisco Neri, der mit einem schönen Schlenzer (mit links) das 0:2 und damit sein erstes Tor in der höchsten Schweizer Spielklasse erzielte. Es dürfte nicht das letzte gewesen sein.


ST. GALLEN - YB 3:3 (0:1)
Espenmoos. – 9000 Zuschauer. – SR Busacca. – Tore: 39. Häberli 0:1. 51. Neri 0:2. 59. Merenda 1:2. 65. Montandon 2:2. 77. Merenda 3:2. 91. Carreño 3:3. –Verwarnungen: 12. Sutter, 38. Wolf, 40. Imhof, 44. Häberli (alle wegen Fouls). – 75. gelb-rote Karte gegen Häberli (Foul). –Bemerkungen: St. Gallen ohne Alex (gesperrt) und Agouda (nicht spielberechtigt). YB ohne Disler, Sermeter, Geiser (alle verletzt), Aziawonou, De Napoli (noch nicht spielberechtigt) und Chapuisat (sieht Vaterfreuden entgegen).
St. Gallen: Razzetti; Zellweger, Maric (55. Schicker), Wolf, Jenny; Montandon, Imhof (46. Marazzi); Pavlovic, Fabinho, Sutter (46. Merenda); Akwuegbu.
Young Boys: Wölfli; Eugster, Knez (83. Coubageat), Carreño, Rochat; Magnin, Friedli, Häberli, Melunovic; Maksimovic (46. Urdaneta), Neri.

Zaugg und die Griechen

Während sich in den Gängen der Garderobe die meisten YB-Spieler positiv zum Ausgang der Partie äusserten, überraschte Trainer Zaugg mit knallharter (und sicherlich berechtigter) Kritik an seiner Mannschaft: «Man kann doch nicht zufrieden sein, wenn man 2:0 führt und dann noch fast verliert», sagte er. Und: «Wir hätten dieses Spiel nach 51 beenden müssen.»

Natürlich hätten seine Spieler nicht vom Platz laufen sollen. Zaugg dachte vielmehr daran, dass sie beim Stande vom 0:2 «den Sack hätten zumachen sollen», genau wie es Otto Rehhagels Griechen jüngst an der EM-Endrunde so eindrücklich vorgezeigt haben: Spielkontrolle, Verwaltung des Resultats, Verzicht auf jegliche Risiken.
So einfach ist dies gegen eine entfesselte Heimmannschaft freilich nicht, aber Zaugg erwartete von seinem Team auch nicht die Perfektion der Griechen, «sondern eine Dosis Cleverness» und die Ruhe, den Ball wenn immer möglich zu monopolisieren. «Dies wurde nicht einmal versucht», ärgerte sich der Trainer, «wir schlugen den Ball einfach blind nach vorn. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. In dieser Beziehung müssen wir noch einiges dazulernen.»
Was Not tut. In naher Zukunft wartet auf die Berner bereits der Einsatz in der Champions-League-Qualifikation im Hexenkessel von Roter Stern Belgrad.
Vorerst aber steht das erste Heimspiel in der Meisterschaft (am Freitag gegen Aufsteiger Schaffhausen) auf dem Programm. Für den Brasilianer Francisco Neri hat dieses Spiel eine besondere Bedeutung: «Es ist mein früherer Klub – und ich möchte meine gute Leistung in St. Gallen auch in Bern bestätigen.»
Neri hat in der Tat gut gespielt, auch Trainer Zaugg war mit ihm sehr zufrieden. Insbesondere gefiel ihm beim Stand von 2:2 (70. Minute), wie sich Neri in einer klassischen Kontersituation verhielt: Gradlinig und schnell spurtete er in die gegnerische Gefahrenzone, wo er den Ball «pfannenfertig» dem mitgelaufenen Melunovic auf den Fuss legte. Melunovic verschoss knapp – es wäre wohl für YB der Siegtreffer gewesen.cb

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 Beitrag Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 10:16 
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St. Galler Tagblatt, 19.7.2004


Merendas Antwort

Der FC St. Gallen und die Berner Young Boys trennen sich beim Saisonauftakt 3:3 unentschieden
Fussball. Ein 3:3 nach einem spektakulären Spiel, eine Mannschaft, die nach dem 0:2 Moral bewies und am Ende die Erkenntnis: Der FC St. Gallen hat an Substanz gewonnen.

Markus Scherrer

Für die Liebhaber von verschiedenen Spielsystemen muss der Samstagabend im Espenmoos ein wahrer Genuss gewesen sein. Denn als sich die Mannschaft des FC St. Gallen auf den Platz stellte, um gegen die Young Boys in die neue Saison zu starten, formierte sie sich in einem 4-5-1. Benedict Akwuegbu war die nominell einzige Sturmspitze. Als die Ostschweizer zur Pause mit 0:1 in Rückstand lagen, das Spiel aus ihrer Sicht nicht so verlaufen war wie gewünscht, kehrte Peischl zum herkömmlichen 4-4-2 zurück. Er brachte mit Moreno Merenda (für Imhof) einen zweiten Stürmer. Und als die Young Boys nach 51 Minuten auf 2:0 erhöhten, richtete St. Gallens Trainer die Mannschaft noch offensiver aus. Er brachte mit Schicker (für Maric) einen weiteren Akteur mit ausgeprägten Offensivqualitäten und liess fortan nur noch mit drei Spielern - Zellweger, Wolf, Jenny - verteidigen.

Vom 0:2 zum 3:2
Nun ist hinterher zu fragen, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, wenn Peischl schon von Anfang an auf ein 4-4-2 gesetzt hätte. Er tat es nicht. Vielleicht auch darum nicht, weil in den ersten 45 Minuten des Testspiels gegen Stuttgart die beiden Stürmer Merenda und Akwuegbu nicht sonderlich gut harmoniert hatten. Doch den Fehler, wenn er überhaupt so zu bezeichnen ist, korrigierte Peischl nach 45 Minuten. Er setzte mit seinen Wechseln zur Pause - Merenda für Imhof, Marazzi für den enttäuschenden Bruno Sutter - die richtigen Zeichen. Und er ging später jenes Risiko ein, das zuletzt an der EM in den Gruppenspielen der tschechische Nationalcoach Karel Brückner gezeigt hatte. Er liess alle verfügbaren Offensivkräfte eintreten. Für diesen Mut wäre der FC St. Gallen am Ende beinahe belohnt worden. Innerhalb von 18 Minuten schaffte er die Wende vom 0:2 zum 3:2. Zweimal war Merenda (59./77.) erfolgreich, der damit seinem Vorgesetzten die richtige Antwort auf seine anfängliche Nichtberücksichtigung lieferte. Dazwischen hatte Philippe Montandon mittels Kopfball den Ausgleich (65.) erzielt. Das Heimteam bewies nach der Pause Moral, es begann - im Gegensatz zur ersten Halbzeit - mit viel Leidenschaft zu kämpfen, es spielte druckvoll und zwang den Gegner förmlich zu Fehlern. Dennoch brachten die St. Galler ihren Vorsprung nicht über die Zeit. Sie mussten in der Nachspielzeit noch den Ausgleich hinnehmen, weil drei St. Galler den Berner Innenverteidiger Fernando Carreño bei seinem Kopfball zu wenig konsequent störten.

An Substanz gewonnen
Am Ende blieb es bei diesem 3:3, dem ein spektakuläres Spiel vorausgegangen war, das beste Werbung für den Fussball war. Und hinterher durfte konstatiert werden, dass der FC St. Gallen der Saison 2004/05 an Substanz gewonnen hat, an Qualitäten zugelegt hat. Das zeigte sich vor allem auch darin, dass mit den Ein- und Auswechslungen nicht auch gleich ein markanter Substanzverlust einherging. Ausserdem vermittelten die neuen Spielern auch den Eindruck, dass sie nicht nur als Ergänzungen, sondern vor allem auch als Verstärkungen zu bezeichnen sind. An Akwuegbu, der sich in der zweiten Halbzeit steigerte, werden die St. Galler bestimmt noch viel Freude haben. René Schicker ist mit seiner unbekümmerten Spielweise, seinem unwiderstehlichen Zug nach vorne, bereits zum Publikumsliebling avanciert. Und Montandon und Fabinho haben bereits im ersten Spiel bewiesen, was von ihnen zu erwarten war: Sie sind solide Werte in einem gefestigten Team.

St. Gallen - Young Boys 3:3 (0:1)

Espenmoos - 9000 Zuschauer - Sr. Busacca. Tore: 39. Häberli 0:1. 51. Neri 0:2. 59. Merenda 1:2. 65. Montandon 2:2. 77. Merenda 3:2. 91. Carreño 3:3. Einwechslungen St. Gallen: 46. Merenda (5,5) für Imhof. Marazzi (4,5) für Sutter. 55. Schicker für Maric. Young Boys: Wölfli; Eugster, Knez (73. Coubageat), Carreño, Rochat; Magnin, Friedli, Häberli, Melunovic (79. Berisha); Maksimovic (46. Urdaneta), Neri. Bemerkungen: St. Gallen ohne Alex (gesperrt) und Agouda (nicht spielberechtigt). Young Boys ohne Disler, Sermeter, Geiser (alle verletzt), Aziawonou, De Napoli (beide nicht spielberechtigt) und Chapuisat (abgereist, weil er Vater wurde). - 75. Gelb-rote Karte für Häberli (2. Verwarnung nach Foul). - Verwarnungen: 12. Sutter, 38. Wolf, 42. Imhof, 44. Häberli, 80. Eugster (alle wegen Foul).

(6) überragend (3,5) knapp genügend (5,5) sehr gut (3) ungenügend (5) gut (2,5) schwach (4,5) ansprechend (2) sehr schwach (4) genügend (1) miserabel

Akwuegbu (4,5)

Sutter (3)

Fabinho (4,5)

Pavlovic (3,5)

Imhof (4)

Montandon (5)

Jenny (3)

Wolf (4,5)

Maric (4)

Zellweger (4,5)

Razzetti (4,5)

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 Beitrag Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 20:36 
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Beiträge: 184
:neri: = :geilesiech:


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 Beitrag Verfasst: Dienstag 20. Juli 2004, 16:43 
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BRAVO :bravo: . Das St. Galler Tagblatt zeigt BZ Journi, Tobias Habegger die :redcard: Karte

Quelle: St .Galler Tagblatt, 20.7.2004

Einwurf

Einfach nur despektierlich

Es gibt Fussballer aus Südamerika, die seit Jahren in der Schweiz ihrer Arbeit nachgehen und kaum ein Wort Deutsch sprechen. Sie tun sich vielleicht schwer mit der Sprache oder haben kein Interesse, sie zu erlernen. Francisco Neri, der neue Stürmer der Young Boys, ist einer jener Spieler, die sich bemühen, Fragen in der hiesigen Sprache zu beantworten. Das tat er auch, als er am Samstag im Espenmoos, nach seinem ersten Treffer für seinen neuen Arbeitgeber, vom Journalisten der «Berner Zeitung» befragt wurde. Gestern konnten wir nun nachlesen, was der dunkelhäutige Brasilianer, der bei YB seinen Landsmann Leandro ersetzt, gesagt hat. Wir zitieren: «Ig hab normal is meine Schuhe. Is nit Leandro seine eigene Schuhe.» Oder: «Leandro habe seine Job gemacht bi YB - und ig will auch mache meine Job.» Zudem wird von «dick geschwungenen Lippen» geschrieben.

Mag sein, dass unser Kollege sein Werk gut und lustig fand. Doch irgendwo hört der Spass auf. Neri in der Zeitung so wiederzugeben, ist nicht nur äusserst despektierlich, sondern zeugt auch von mangelndem Respekt. Neri sei gesagt, dass er mit Sicherheit tausend Mal besser Deutsch spricht, als der Journalist Portugiesisch. Und wir zeigen dem Redaktor aus Bern für seine «Leistung» die rote Karte. Markus Scherrer

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 21. Juli 2004, 11:04 
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guter bericht aus st. gallen.


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